den Augenblick erkennen, den Moment erleben

24. Mai 2017

Ein Familienausflug in Leipzig. Meine Highlights und eine Erklärung, warum der Funke nicht überspringt.


Im Mai war ich zum dritten Mal in Leipzig. Wir lösten nach zwei Jahren Unentschlossenheit und "Nicht die richtige Gelegenheit" endlich einen Hotelgutschein ein und die Wahl fiel auf Leipzig. Da ich 2009, also vor ACHT Jahren das letzte Mal dort war, konnte ich mich nur an wenige Orte in der Stadt erinnern und freute mich im Allgemeinen hauptsächlich darüber, dass wir als Familie wieder gemeinsam unterwegs sein würden. Raus aus dem Alltag, Familienzeit pur.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht ganz warm wurde mit Leipzig. Es ist gar nicht so einfach zu erklären, warum man von manchen Städten berührt wird und andere mich ziemlich kalt lassen. Denn Leipzig hat Einiges zu bieten. Es gibt sehr starke Kontraste, die sich in dieser Stadt vereinen. Blickt man beispielsweise auf die Architektur sieht man prächtige Altbauten aus der Jahrhundertwende, schäbige DDR Häuser, zahlreiche alte Lagerhallen und Werke sowie viele moderne Fassaden.

Leipzig hat eine unglaublich starke kulturelle Vielfalt. Spontan muss ich an das Gewandhaus denken, ein Konzerthaus, mit dem größten Deckengemäldes Europa, das man auch von außen sehen kann. Oder eben auch die vielen Museen, Kirchen, in denen Wagner und Bach spielten und außerdem die prägende Buchkultur.

Leipzig ist sehr grün. Es gibt viele große Parkanlagen und generell viele Grünflächen.

Der Funke springt nicht über

Das alles klingt ziemlich vielversprechend. Und dennoch werde ich selbst von deutlich kleineren Städten wie Karlsruhe mehr eingenommen. Natürlich liegt das auch an der persönliche Beziehung zu einer Stadt. Sicher aber auch an den Menschen, die dort leben.

Aber wie könnte ich von nur wenigen Begebenheiten auf ALLE Einwohner schließen? Das funktioniert natürlich auch nicht. Allerdings habe ich Leipzig bis auf ein paar Ausnahmen nicht als kinderfreundlich erlebt. In den Straßenbahnen gibt es nur einen einzigen Abschnitt für Kinderwägen und hier machen die Leute erst nach Aufforderung Platz für uns. Keiner will freundlichen Kontakt zu den Kindern aufnehmen. Und als wir ein Mal erst sehr spät nach Hause kamen, weil unser Weg so weit war, wurden wir einige Male mit Kopfschütteln und bösen Blicken angeschaut. In Mainz ist mir so etwas noch nie passiert. Erst durch diesen Kontrast sehe ich, wie kinderfreundlich die Mainzer sind.

Gut, das trübt wohl meinen Blick auf Leipzig. Vielleicht liege ich mit meiner Wahrnehmung falsch, möglicherweise war das nur eine Aneinanderreihung von negativen Erlebnissen, die mich persönlich berührt haben. Der Funke springt eben nicht über. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Highlights der kleinen Reise, die ich teilen möchte.

Highlights in Leipzig

Clara-Zetkin-Park mit Familienfaktor

Ich erwähnte bereits, wie grün Leipzig ist. Der größte Park der Stadt ist sehr gut und schnell zu Fuß zu erreichen. Schon am Neuen Rathaus sieht man die Parkanlage Johannapark, durch die man schließlich auch zum Clara-Zetkin-Park gelangt. Mir gefällt es sehr gut, dass man so nah an der Innenstadt eine Ruheoase findet.

Für die Lauffaulen (Kinder) empfehle ich, mit dem Bus 89 ab Hauptbahnhof oder Markt bis zur Haltestelle Telemannstraße zu fahren, um dann in nur wenigen Minuten am größten Spielplatz der Stadt im Park zu kommen.

Wir verbrachten hier einen ganzen Vormittag. Es gibt sehr große Klettergerüste, eine Matschlandschaft mit Kanälen und einer Wasserpumpe, einen kleinen Lift, den die Kinder selbst bedienen können sowie alle typischen Geräte eines Spielplatzes.

Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein kleines Café, das auch Speisen zum Mittag anbietet. Hier kann man sich auch mal zurückziehen, wenn es regnet, sich einen Tee holen oder die Kinder mit den Spielgeräten spielen lassen.

Der Anfahrts- oder Laufweg lohnt sich also definitiv.

Man muss auch wissen, dass es in der Leipziger Innenstadt kaum Spielplätze gibt. Der einzige in unmittelbarer Nähe wurde zur Zeit umgebaut. Alle Spielplätze der Stadt findet ihr hier.

[Und wenn ich schon bei Familien-Infos bin – hier findet man eine Leipzig-Karte, in der Wickelmöglichkeiten verzeichnet sind.]


Kaffeerösterei Ganos

Kaffee ist ein wichtiger Bestandteil meines Alltags und so freue ich mich immer sehr, wenn ich neue Kaffeebohnen ausprobieren kann. Zwischen Thomaskirche und Neuem Rathaus liegt im Dittrichring die Kaffeerösterei Ganos. Die Bohnen werden hier gemahlen und im Verkaufsraum entweder verköstigt oder verkauft. Es gibt eine große Auswahl an Bohnen und eine sehr nette, aufmerksame Beratung. Die Bohnen werden geschnuppert. Und die Auswahl an Schokoladentafeln ist auch nicht zu unterschätzen.


Indisch essen in der Innenstadt

Ich liebe indisches Essen und sobald sich für uns eine Gelegenheit ergibt, gehen wir zum Inder. Die exotischen Gewürze sind so unglaublich lecker. Glücklicherweise isst sogar Anton gerne mit. In der Nikolaistraße findet man gleich vier Möglichkeiten, indisches Essen zu probieren: Die Restaurants India Gate, Mumbai Lounge und Indian Palace sowie der Imbiss Indian Curry House. Unsere Wahl fiel auf den Außenbereich des Indian Palace und wir waren mehr als glücklich mit dieser Entscheidung. Die Currys waren auf den Punkt, das Naan sehr buttrig und bisher habe ich keine bessere Samosas gegessen.


Architektur

Das äußere Erscheinungsbild von Städten interessiert mich immer sehr und als erstes nehme ich die Architektur wahr. In Leipzig findet man eine Vielfalt vor, die mich in ihrer Gesamtheit jedoch nicht anspricht. Blickt man aber auf die einzelnen Gebäude, dann ist es doch sehr spannend, was es zu entdecken gibt.

Am Augustusplatz stehen das Paulineum und das Augusteum der Universität Leipzig. Hier hat man auch das Gewandhaus und die Oper im Blick. Die Uni bietet einen tollen Innenhof. Am Wilhelm-Leuschner-Platz hat man eine gute Sicht auf Das Neue Rathaus und die Propsteigemeinde St. Trinitatis. Das Museum der bildenden Künste und die Galerie für Zeitgenössische Kunst mit Alt- und Neubau sind ebenfalls sehenswert. 

Und dann gibt es unzählige Passagen, die das Innenstadtbild komplettieren. In ihnen findet man Geschäfte und Cafés.


Bücher kaufen im Bahnhof

Die Messestadt, die sich stark im Buchhandel positioniert, hat selbstredend viele Buchhandlungen. Die schönste findet sich am Leipziger Bahnhof, in dessen Halle ein großes Einkaufszentrum steht. Die Buchhandlung Ludwig befindet sich im Obergeschoss, beherbergt ein großes Café und bietet eine große Auswahl an Büchern, Magazinen und Zeitungen an. Und optisch macht der ehemalige preußische Wartesaal auch etwas her.

Anfahrt und Unterkunft

Anfahrt

Da wir frühzeitig wussten, wann wir nach Leipzig fahren wollten, konnten wir jeweils für die Hin- und Rückfahrt die sehr günstigen Sparangebote der Deutschen Bahn nutzen. Wir buchten zudem vier Plätze im Kleinkindbereich, was sich sehr lohnte.

Der Kleinkindbereich ist ein Raum, in dem ungefähr zwei bis drei Kinderwagen Platz finden, ein Wickelplatz vorhanden ist und man als Familie ganz ungestört fahren kann.

Anton bekam selbst auch eine Fahrkarte mit einem Coupon, mit dem er sich eine kleine Überraschung im Bord Bistro abholen durfte.

Die Fahrten waren sehr entspannt. wir hatten ein Picknick dabei und Bücher, Aufklebebücher und Spielsachen, um uns die Zeit so gut wie möglich zu gestalten. Paul hat auf dem Rückweg auch ein bisschen geschlafen, sodass auch ich Ruhe hatte, was sehr gut tat.


Unterkunft

Das H4 Hotel ist ein sehr komfortables Hotel, das uns als Familie sehr willkommen hieß. Wir übernachteten in einem Studio mit kleiner Kochnische, einem Babybett sowie einer aufziehbaren Couch, auf der Anton schlafen konnte. Anton freute sich sehr, dass er sein eigenes Bett hatte. Und noch viel mehr freute er sich wohl über die Gummibärchen und über das kleine Kuscheltier, das Paul bekam. Das Frühstück war ebenfalls sehr gut. Es gab von allem ausreichend. 

Der einzige Haken: Das Hotel liegt sehr weit außerhalb. Man fährt mit den Straßenbahnen 3E oder 7 circa 35 Minuten in den Osten, muss dann noch ungefähr fünfzehn Minuten laufen, bis man sein Ziel erreicht hat. Vor allem am Anreisetag, an dem man endlich sein Gepäck loswerden möchte, dann kurz ausruht, um dann wieder in die Innenstadt zu fahren, haben wir gemerkt, wie viel Zeit wir in den Straßenbahn verbringen mussten.


Es gibt in Leipzig natürlich noch viel mehr zu sehen. Die KarLi (Karl-Liebknecht-Straße) mit den vielen Cafés, Bars und Geschäften, die Alte Spinnerei mit den Galerien und Künstlerateliers, den Leipziger Zoo mit dem Dschungel, die berühmten Kirchen in der Innenstadt Nikolai- und Thomaskirche, das Flanieren am Karl-Heine-Kanal und viele andere Möglichkeiten seine Zeit hier zu vertreiben. Ich werde die Tage in Leipzig zwar in guter Erinnerung behalten, doch wird es nicht mehr so bald ein Ausflugsziel sein.

(Ein Highlight habe ich euch aber unterschlagen – es hat mich mit der Stadt versöhnt. Davon erzähle ich euch bald.)

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