den Augenblick erkennen, den Moment erleben

1. April 2017

gelebt. Der März 2017.


Eine Freundin fragte mich im vergangenen Monat, was denn Besonderes bei mir anstünde. Ich musste kurz überlegen und mir wollte nichts einfallen. [Mittlerweile ist Einiges in Planung.] Der Alltag ist aber zur Zeit sehr besonders. Die Buben sind beide gut drauf und lieb, ich habe morgens viele Möglichkeiten und am Nachmittag laufen die Dinge entspannt ab. Ich bin ziemlich glücklich mit diesem Leben, mit dem Frühling, mit der Familie und sehe im Alltag viel Besonderes. Der März war richtig gut.


gelebt:

Anfang des Monats habe ich meine Hausarbeit abgegeben und yeah! jetzt geht es mir soo gut. Endlich wieder Zeit für allerlei andere Dinge.

Mit den Jungs haben wir schöne Stunden im Garten, im Zoo, am Strand und auf Spielplätzen verbracht. Das gute Wetter in den letzten Wochen lässt die Blumen sprießen, die Eichhörnchen von Ast zu Ast springen und die Menschen aus ihren Häusern hervorkriechen.

An einem Tag picknickten wir wieder am Strand. Ich trug häufig Lippenstift. Wir besuchten Freunde in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung und aßen dort so leckeren Kuchen. Antons Freund war zu Besuch. Auch ich hatte viel Besuch. Oft spielte ich Klavier. Ich bekam von zwei Freundinnen verspätete Geburtstagsgeschenke und staunte nicht schlecht, wie gut diese ausgewählt waren.

Ich habe mir viel Zeit genommen, um Ausstellungsberichte zu lesen, Künstler zu googeln und mir Gedanken über ein mögliches Bachelorarbeitsthema zu machen.

Meine Kinder machen mich glücklich und ich bin so dankbar, dass ich das erleben darf.


gegessen: Stullen Andy im Landesmuseum Mainz, in der Kleinmarkthalle Frankfurt ein Panini, erstes Eis, Café Fein in Frankfurt, Dale's Cake in Wiesbaden, Café Blumen in Mainz, ein frisches, noch warmes Pain au Chocolat, Grünes Curry beim Thailänder, Neustadtapotheke in Mainz

gebacken: Dinkelbrötchen, Granola selbst gemacht, Pesto aus getrockneten Tomaten, Quiche, Waffeln, Bärlauchpesto

gemacht: mit Aquarellfarben und Pastellkreiden gemalt, analog fotografiert

gelesen: Zum dritten Mal Die Purpurlinie von Wolfram Fleischhauer. Fragt nicht. Ich bin vor einigen Jahren dem Autor verfallen, nachdem mir Der gestohlene Abend so gut gefiel. Mit einigen Jahren Abstand finde ich den Roman ziemlich kitschig, wenn auch der Plot von einer Verschwörungstheorie und einem kunstgeschichtlich interessanten Fall handelt.

Umso besser also meine Auswahl an Romanen und Bildbänden, die ich auf rebuy erstanden habe. Nach zwei unglaublich guten Romanen von Alex Capus habe ich nun Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer in nur wenigen Tagen durchgelesen. Auf Alex Capus ist Verlass und ich kann euch den Roman wärmstens empfehlen.

Am letzten Tag des Monats habe ich auch die ersten Kapitel in Jetzt wirds ernst von Robert Seethaler gelesen.







ausgestellt: Glücklicherweise konnte ich wieder viel sehen.

Mit Anton und Paul war ich im Naturhistorischen Museum Mainz. Nachdem ich Anton im letzten Jahr kaum noch in Ausstellungen mitgenommen habe, war es für mich sehr spannend, wie er es in einem Museum finden würde. Und was soll ich sagen? Wir verbrachten eine entspannte Stunde in den Räumen, blieben ganz lange beim Eichhörnchen, den Mäusen, den Vogeleiern und den lebenden Bienen und Anton redete die ganze Zeit im Flüsterton, obwohl das gar nicht hätte sein müssen. Er fragt nun häufig, wann wir wieder in "ein kleines Museum" gehen und ich freue mich auf noch viele weitere Museumsbesuche.

In der zweiten Märzwoche hatte ich nicht die Möglichkeit, um weit wegzufahren und wollte daher in Mainz eine Ausstellung besuchen. Da in der Kunsthalle noch Umbauphase war, stattete ich dem Landesmuseum Mainz wieder einen Besuch ab. Ich war schon ewig nicht mehr dort. Mein Ziel waren hier die Sammlungspräsentationen des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Besuch war eine Enttäuschung. Die Präsentationen sind altbacken, mit sehr didaktischen und auf Rheinland-Pfalz ausgelegten Bildtexten und einem Aufbau, der den Bildern und Skulpturen nicht gerecht wird. Ich ging mit einer unzufriedenen Stimmung nach Hause.

Im Gegensatz dazu war es mir ein Fest, der Eröffnung von "Richard Serra. Props, Films, Early Works." im Museum Wiesbaden beizuwohnen. Nicht nur, weil das seit gut einem Jahr die zweite Vernissage war, an der ich teilnehmen konnte, sondern weil Richard Serra ein Held für mich ist. Mir bedeuten seine Arbeiten sehr viel und ich freue mich, dass ich sie wieder live betrachten kann.

In Frankfurt war ich einige Male, sodass ich dort mehrere Ausstellungen sehen konnte. In der Schirn Kunsthalle war die Ausstellung René Magritte. Der Verrat der Bilder leider sehr überlaufen und ich hatte nicht die nötige Ruhe und nicht der nötigen Raum, den ich (gemeinsam mit Paul) brauche. Wenn es möglich ist – die Ausstellung läuft bis Anfang Juni – werde ich versuchen, mir die Arbeiten noch einmal in Ruhe anzusehen. Dagegen war es in der Richard Gerstl Retrospektive sehr entspannt. Dennoch überzeugten mich die Texte nicht bzw. finde ich es schade, dass so stark auf die "Sensationen" eingegangen wird (Affäre mit verheirateter Frau, Suizid, erster Expressionist aus Österreich) und dabei die vielen unterschiedlichen Malweisen, die er in seiner kurzen Schaffenszeit nutzte, wenig Beachtung finden. Trotzdem, ein Besuch der Schirn lohnt sich immer.

Zu guter Letzt war ich nach einem Jahr auch wieder in der neusten Dependance des MMK in Frankfurt. Im Taunusturm ist das MMK2 untergebracht. Dort wird bis Mitte August die Ausstellung "Primary Structures. Meisterwerke der Minimal Art" gezeigt. Für diese konzeptionellen Arbeiten könnte kaum ein Ausstellungsraum geeigneter sein und einige Kunstwerken fügen sich perfekt ein. Ich habe einen starken Bezug zur Minimal Art und fand es daher sehr aufregend, die Skulpturen oder Raumarbeiten zu umschreiten oder aus nächster Nähe zu erleben. Es gab leider auch hier eine Leinwand, die so nah an einer Arbeit von Donald Judd hing, sodass es keinen guten Ansichtspunkt gab. Andererseits war es spannend, wie sich die "alten, ursprünglichen" Arbeiten aus den 60er Jahren mit den neusten Position junger KünstlerInnen zusammenfügten. Auch die Skizzen der Künstler waren aufregend. Und die großen Künstler machten ihrem Namen alle Ehre.

Eines der Highlights war für mich die Ausstellung Tony Cragg. Unnatural Selection im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. (Das Museumspersonal ist außerdem richtig freundlich.) Seine amorphen Skulpturen haben mich sehr begeistert und blieben lange im Hinterkopf hängen.


gereist: 
Für unsere Familie ging es für zwei Tage nach Metz. Wir hatten dort eine ganz wunderbare Zeit. Was man dort alles sehen und erleben kann, habe ich euch bereits hier erzählt.

Ich war im letzten Monat auch regelmäßig in Frankfurt. Natürlich kann man nicht von einer "Reise" sprechen, wenn die Anfahrt nur 25-35 Minuten mit dem Zug dauert, doch sind die Frankfurttage immer ganz besonders für mich. Hier bekomme ich jedes Mal viel Inspiration. Wenn man morgens ankommt, andere Häuser und andere Menschen sieht, die kühle Luft noch weht, aber die Sonne scheint. Wenn man der Buchhandlung Walther König einen Besuch abstattet, aber vor lauter Input nicht weiß, was man lesen soll. Wenn man ein Panini beim italienischen Stand in der Kleinmarkthalle isst und beim Vorbeilaufen die Gewürze, frische Pasta, das Gemüse betrachtet. Wenn man sich mit zwei Freundinnen im Café trifft, die Frühlingssonne die ersten Sommersprossen herauskitzelt, wenn man sich wieder ein bisschen so wie früher fühlt und an einem Sekt nippt beim Girlstalk. Wenn man mit der befreundeten Familie Affen anschaut und sich die Kinder anschließend gemeinsam beim Eisessen kaputtlachen. Wenn man an einem Grüngürtel unweit der Innenstadt Spielplätze mit coolen Familien findet. Wenn man ein Mittagsdate mit seinem Mann hat, nachdem man sich eine Ausstellung anschaut. Frankfurt ist immer gut.

gekauft: Ich habe mir zum ersten Mal bei rebuy Bücher bestellt und bin ganz happy über meine Auswahl. In Metz landeten französische Pflegeprodukte in meiner Einkaufstasche.

getragen: Ich werde euch nun immer erzählen, ob mein Vorhaben geglückt ist, keine Kaffee to go Becher mehr zu nutzen und nur noch meinen eigenen Bambusbecher zu gebrauchen. (Ich erzählte euch bereits hier von meinem Vorhaben.) Im März habe ich zwei Wegwerfbecher genutzt: ein Mal vergaß ich, meinem Freund den Becher mitzugeben, beim anderen mal vergaß ich, dass ich meinen dabei hatte.


gewünscht: Obwohl ich sehr ungern Sonnenbrillen trage, sind meine beiden günstigen Modelle so veraltet, dass ich gerne eine einzige gute Sonnenbrille finden möchte. Vielleicht eine dieser beiden Ausführungen von Le Specs (1 / 2).

gedacht: Das Universum sagt Nein. Nachdem ich eine Handtasche von Closed ein halbes Jahr angeschmachtet hatte, fasste ich mir im März ein Herz und fuhr nach Wiesbaden in den Closed Laden, um sie mir mal anzusehen. Danach war ich ihr ganz verfallen und wollte sie bestellen, am Abend zuvor hatte ich noch in den Onlineshop geschaut, aber sie war ausverkauft. Es ist verrückt. Seit langem wollte ich mir ein Mal etwas ganz Besonderes und Teures gönnen und gerade dann funktioniert es nicht. Ich bin aber nicht enttäuscht, weil mir bewusst ist, wie viel Geld das ist, was ich tatsächlich noch alles brauche und dass es in meinem Leben viel Wichtigeres gibt als diese Tasche.

geärgert: Ich habe mich tierisch darüber geärgert, dass Antons Bobbycar aus unserem Garten geklaut wurde. Wie verrückt ist das denn, das jemand Fremdes oder jemand aus der Hausgemeinschaft tatsächlich in den Garten hereinspaziert und unser Eigentum stiehlt? Ohje, da könnte ich mich gleich wieder aufregen.
Und: Läuse im Kindergarten! Der größte Schreckmoment des vergangenen Monats. Glücklicherweise sind wir ohne Laus und Nisse davongekommen.

gefreut: Nachdem die Hausarbeit abgegeben war, hatte ich viel Zeit, mich um die Dinge zu kümmern, die schon liegen geblieben waren und die ich "schon immer mal" machen wollte. Ich habe die Steuererklärung gemacht, Arzttermine vereinbar, Pauls Betreuung geregelt, analog fotograifert, mir eine Straße im Ort angesehen, die ich mir schon lange ansehen wollte, habe ein Buch über die italienische (Urlaubs-)Stadt Caorle angesehen (ein Flohmarktfund, Kindheitserinnerungen), habe gebacken und gekocht, mit Anton Kresse gesät und eine Pflanze umgetopft, am Blog gewerkelt, einen Artikel für CampusMainz geschrieben, Löcher in der Kinderkleidung gestopft, einen Städtetrip gebucht und damit einen Gutschein genutzt, der bereits seit zweieinhalb Jahren hier liegt.

geliebt: Das Frühlingswetter. (Und dass der Heuschnupfen noch ein bisschen auf sich warten lässt.)

















1 Kommentar:

  1. Hach, das tut gut, über deinen Monat zu lesen, wo wir uns letzte Woche nicht sehen konnten. Wie toll, was du nach der Hausarbeit alles geschafft hast, Respekt! Und ich liebe es einfach, über deine Ausstellungsbesuche zu lesen. Ich habe so wenig Kunstverständnis, aber ich mag es deine Begeisterung und Leidenschaft aus deinen Worten rauszulesen.
    Und das mit der Tasche ist ja nun gänzlich ärgerlich. Natürlich hast du recht und es ist ein Luxusgegenstand, das Geld ist woanders vielleicht vernünftiger aufgehoben und so weiter... Aber du bist so eine fleißige Biene und ich finde es wichtig, sich dafür ab und zu mal selbst zu belohnen. Ich habe genau das im Februar auch mit einer Handtasche gemacht und freue mich jeden Tag über sie - aber es ist mir auch schonmal genauso passiert, wie du es erzählt hast! Ärgerlich!
    Dann jetzt lieber auf die Sonnenbrillenfrage konzentrieren ;) Ich finde, mit LeSpecs kann man nichts falsch machen und das ist eine vertretbare Preisklasse - und würde mich zwischen den beiden, auch mit deinem Gesicht vor Augen, wahrscheinlich eher für die Cubanos entscheiden. Aber das ist sicher Geschmacksache!

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