den Augenblick erkennen, den Moment erleben

26. März 2017

Paris erwacht.




"Der Nachtzug erreichte Paris im Morgengrauen. In der Rue Rameau, unweit der Bibliothèque Nationale, mietete ich mich in einem Hotel ein und stand kurz darauf vor dem gewaltigen Portal, das in die hohe, die Nationalbibliothek wie ein Festungswall umschließende Mauer eingelassen war. Ich war fast zwei Stunden zu früh, und so ging ich die Rue Richelieu in südlicher Richtung entlang, auf der Suche nach einem Café. Paris erwachte. Wie ein ländliches Parfüm hing vor den Bäckereien der Duft von frischem Brot. Museal anmutende Autos knatterten vorbei, bepackt mit Zeitungsstapeln oder mit Baguettebroten, die zu hellbraunen Garben gebündelt waren. Die Gehsteige schimmerten feucht, und mit den ersten Sonnenstrahlen, die von den Dächern in die engen Straßenschluchten hinabkrochen, löste sich der Nachttau von den Steinen und erfüllte die Luft kurzzeitig mit mediterraner Klarheit.
Ich fand ein Café an der Place du Palais Royal und genoss die letzten Momente dieses levés der Dame Paris."

Wolfram Fleischhauer, Die Purpurlinie



Wie gerne würde ich jetzt das erwachende Paris erleben.

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