den Augenblick erkennen, den Moment erleben

21. März 2017

Ein Ausflug nach Metz. Oder warum ich öfter französische Luft schnuppern sollte.


Der Kindergarten schloss seine Türen für zwei Tage und ich hatte es erst eineinhalb Wochen zuvor erfahren. Mein Herz schrie nach Veränderung und so konnte ich meine Familie dafür gewinnen, einen Ausflug zu unternehmen. Weil unser Auto besser für ein Pärchen als für eine vierköpfige Familie geeignet ist und wir grundsätzlich zu viel mitnehmen - man will ja für alle Eventualitäten gewappnet sein - schien mir es sinnvoll, keine große Strecke zu hinterlegen, es sollte kein Urlaub werden, sondern eben ein Ausflug im Radius von bis zu 250 km mit nur einer Übernachtung.

Mit der ehrenwerten Aufgabe vertraut, einen geeigneten Ausflugsort und ein Hotel zu finden, war ich wenige Tage vor Abreise rastlos. So spontan hatte ich schon lange nichts mehr entschieden und zugleich freute ich mich riesig darüber. Sollte es Köln, Düsseldorf, der Ruhrpott werden oder würden wir in den Süden fahren?

Den entscheidenden Hinweis schickte mir dann eine Freundin, die schrieb: "Entscheide dich nach Gefühl, möchtest du etwas französischen Flair geniessen oder Seeluft schnuppern?"
Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte meine Entscheidung gefällt: Ich wollte französisches Flair. In Metz.

Einmal entschieden war es ein Leichtes, Informationen über die Stadt zu beschaffen. Da unser Ziel so nah liegt, waren bereits einige aus unserem Freundeskreis schon dort und auch die Suche via Google und Pinterest zeigte mir schnell alle Hotspots an.


Metz – Französisches Flair ganz nah an zu Hause

Metz ist keine Stadt, in der man tagelang flanieren muss, um sie als solche zu begreifen. Der erste Eindruck stimmt mit dem letzten überein. Die Stadt zeigt sich historisch, harmonisch und gemütlich. Man erwartet keine großen Überraschungen und keine hippen Orte, bekommt diese auch nicht.

Wenn man sich für die Geschichte von Metz interessiert, kommen Reiseführer zum Einsatz. Denn diese elsässische Stadt ist so geschichtsträchtig, dass man an vielen Ecken einfach nur staunen kann. Unser Ziel war es jedoch, Familienzeit zu haben und zu genießen (#familienqualitytime), ein paar Stunden ganz ohne Haushalt zu verbringen und andere Luft zu schnuppern.

Metz eignet sich hervorragend für einen Ausflug. Man fährt nur zweieinhalb Stunden hin, läuft durch die Stadt, ist in Frankreich und macht sich dann irgendwann wieder auf dem Nachhauseweg.

In 27 Stunden kann man gar nicht so viel sehen und erleben, aber dennoch haben wir einen guten Eindruck von der Stadt bekommen können. Hier stelle ich – ganz clickbaitmäßig – acht Dinge vor, die man in Metz erleben kann.




Acht Dinge, die man in Metz erleben kann

- Spielplätze besuchen

Familien voran! Metz eignet sich wirklich gut für einen Familienausflug. Denn es gibt einige Orte, an denen sich Kinder toll austoben können. Auf der Tourismus Seite von Metz findet man einige Adressen und ich stelle euch zwei davon vor. (Kinder-)Spielplatz heißt übrigens aire de jeux enfants auf französisch.

In der Nähe des Bahnhofs im "Neuen Metz" gibt es eine Parkanlage an einem kleinen Arm der Mosel
Um hierhin zu gelangen, muss man auf der anderen Seite des Bahnhofs kommen und am Centre Pompidou vorbeigehen. In den Jardins Jean-Marie Pelt (Adresse: Avenue Louis le Débonnaire) befindet sich ein großer Spielplatz für kleine und große Kinder, viel Grünflächen, Tischtennisplatten und viele weiteren Möglichkeiten, um sich auszutoben. Dieser Park liegt zwar nicht ganz in der Nähe der Altstadt, die man verständlicherweise hauptsächlich besuchen wird, aber vom Bahnhof aus sind es nur 700 m und man kann hier einige Zeit verbringen. Besonders schön ist auch die Uferpromenade mit Holzstegen, die in den Arm der Mosel gehen. Verpflegung sollte man sich am besten rechtzeitig vorbereiten oder mitnehmen, da in unmittelbarer Nähe keine Bäckereien oder Geschäfte zu finden sind.

Ganz im Gegenteil zu dem großen Spielplatz in der Weite des Parks steht ein kleiner Spielplatz mitten in einem Einkaufszentrum, im Centre Commercial Saint-Jacques. Der Spielplatz bietet zwar nicht so viele Spielgeräte an wie in den Jardins Jean-Marie Pelt, doch ist es hier sehr ruhig und man kommt schnell an Kaffee in einem der umliegenden Cafés auf dem Place Saint-Jacques. Es ist der ideale Rückzugspunkt beim Einkaufsbummel. Wir waren hier mehrere Male, damit Anton sich immer wieder austoben konnte oder wenn wir eine kleine Pause brauchten. Beim Hinauslaufen in den Innenhof des Centre Commercial ist Anton auch ein Kiddy Ride Polizeiauto aufgefallen, an dem er sich lange beschäftigt hat.

In meiner Vorbereitung habe ich noch weitere Spielplätze entdeckt, die relevant sein können, wenn man sich in der Innenstadt bewegt.
- Jardin des 5 sens in der 4 avenue Jean XXIII, in der Nähe des Bahnhofs
- Plan d'eau de Metz et Bords de Moselle, Bvd. Poincaré, ist an der Mosel
- an der Porte Serpenoise, in der Nähe der Esplanade/Place de la République/Arsenal
- Indoorspielplatz bzw. ludothèque maison de la petite enfance, 22 A Rue du Wad Billy, liegt nicht im Zentrum


- Picknicken an der Mosel

Familien-, Pärchen- und auch Alleinreisendtauglich ist ein Picknick an der Mosel. Der historische Kern der Stadt liegt natürlich ganz nah am Fluss und so macht es Spaß, über die Brücken zu laufen und den schönsten Blick auf den Temple Neuf (der stark an den Wormser Dom erinnert) zu erfassen. Dieser befindet sich auf einer Insel. Bei Sonnenuntergang ist diese Gegend besonders schön.

Um dann den perfekten Snack für ein Picknick zu finden, empfehle ich das libanesische Imbiss Le Libanais, das leckere Sandwiches und gute Pommes verkauft. Man läuft nur wenige Schritte den Berg hinunter und erreicht schon das Ufer der Mosel. Hier gibt es viele Stellen, an denen man sich niederlassen und mit einem herrlichen Blick auf die Fassaden der Häuser picknicken kann.


- Kulturprogramm

In Metz kann man auch einfach eine kulturelle Tour unternehmen. Das war uns in den wenigen Stunden, die wir zur Verfügung hatten, einfach nicht so wichtig. Für alle Kirchen- und Museeumsfans sei diese Webseite des Tourismusbüros Metz empfohlen.
Das Centre Pompidou Metz ist die Dépendance des Pariser Centre Pompidou und allein schon wegen der außergewöhnlichen Architektur einen Besuch wert. Es liegt hinter dem Bahnhof, der auch schon großartig aussieht.


- Kunst in der Kathedrale

Eine Innenansicht einer kirchlichen Einrichtung ließen wir uns aber nicht entgehen. Die Kathedrale Saint-Etienne liegt auf dem höchsten Punkt der Stadt und lässt sich von allen Himmelsrichtungen aus ansteuern. Die gotische Kathedrale beeindruckt durch die Höhe. Außerdem wurden die Fenster einer Kapelle von Marc Chagall entworfen. Die Glasfenster werfen ein wunderschönes buntes Licht auf den Innenraum.



- In einer französischen Pharmacie einkaufen

Ich hatte mir im Vorfeld bereits Gedanken gemacht, welche Produkte ich gerne kaufen möchte, weil ich sie aufgebraucht hatte oder nun einfach einen Vorrat anlegen wollte. Viele Apothekenmarken sind in Frankreich deutlich günstiger als in hiesigen Apotheken. Das gilt zum Beispiel für Caudalie, Nuxe, Bioderma, Avène usw. Außerdem gibt es Marken, die man in Deutschland nicht so häufig in den Geschäften findet und dann online bestellen müsste.

A propos einkaufen und bummeln. Am Montag ist für viele Geschäfte Ruhetag. Entweder sind sie ganz zu, wie leider der Marché Couvert, eine Markthalle, die ich sehr gerne besuchen wollte, oder sie öffnen erst ab 14 Uhr. Wenn man bewusst zum shoppen nach Metz fährt, sollte man eher die Tage zwischen Dienstag und Freitag wählen. Aber dennoch sind am Montag genug Geschäfte offen, um bummeln zu können.


- Einen schlechten Kaffee trinken und die hübsche Fassaden ansehen

Die Architektur von Metz hat mir gut gefallen und es lohnt sich, ständig die Augen offen zu halten. Man wird so viele unterschiedliche Stile entdecken. Die ganz typischen Fassaden in dem gelb-braunen Stein sind wunderschön. Wenn man einen schlechten Kaffee auf der Place de Saint-Louis oder auf dem Place de Saint-Jacques trinkt und vielleicht dazu ein perfektes französisches Croissant isst, bekommt man ein herrliches Lebensgefühl.
Familientauglich auf der Place de Saint-Louis ist übrigens ein altes Karussell, das mit Bildern aus Fabeln bestückt ist.


- Französisch sprechen

Ja, das geht hier erstaunlich gut. Denn während in Straßbourg oder Paris bei den ersten Brocken Französisch bereits auf Englisch geantwortet wird und man einfach immer als Tourist wahrgenommen wird, ist Metz nicht durch Touristen übervölkert und man darf frei sprechen. Erstaunlicherweise klappte es dieses Mal umso besser, mich mit meinem Französisch zu verständigen.


- Ein Kartoffelgericht in einem Kartoffelrestaurant probieren

Verrückt, da geht man in ein Restaurant und es gibt nur Gerichte aus der dicken Knolle. Das Kartoffelgratin mit Ziegenkäse war allerdings ein Traum und deshalb ist das Restaurant La Robe des Champs auf der Place de Saint-Jacques mehr als empfehlenswert. (Anton hatte übrigens sehr leckere und knusprige Pommes. Ist ja auch aus einer Kartoffel.)


Das Wichtigste an unserem Ausflug war unsere Familienzeit. Im Alltag finden wir genug Zeit, um gemeinsam zu spielen oder zu erzählen, aber dort herrscht natürlich auch immer Chaos. Am Ende des Tages muss doch die Wäsche gewaschen, das Geschirr eingeräumt, das Essen gekocht und die herumfliegenden Spielsachen eingesammelt werden. Ich freute mich, dass wir zwei Tage ganz ohne diese nervigen Alltäglichkeiten hatten.

Für uns war es ein perfekter Ausflug und wir werden sicher noch ein Mal nach Metz fahren. Kennt ihr diese Stadt? Wo gehen eure kleinen Alltagsfluchten hin?






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