den Augenblick erkennen, den Moment erleben

28. Februar 2017

Unmögliche Vorstellungen beim Schuhekauf



"Tina und ihre Schuhe. Noch nie hat sie ein Paar Schuhe besessen, mit dem sie wirklich glücklich gewesen wäre. All die Stiefel und Stiefeletten, die sie über die Jahre und Jahrzehnte gekauft hat, die Bergschuhe und Zehensandalen, Riemchenpumps und Ballerinas, die Trekkingboots und Joggingschuhe, Sneakers und Stilettos, Loafers und Baskets - kein Schuh auf Gottes weitem Erdenrund hat jemals ihren Ansprüchen genügen können. Die Geschichte ihrer Schuhkäufe ist eine einzige endlose Abfolge verratener Hoffnungen und enttäuschter Erwartungen. 

Wenn zum Beispiel die kalte Jahreszeit naht und Tina ins Auge fasst, ein Paar Winterstiefel zu kaufen, hat sie sehr präzise Vorstellungen von dem Schuhwerk ihrer Wünsche und ist willens, dafür gutes Geld auszulegen. Der Stiefel soll gleichzeitig robust und elegant sein, und er soll ihre Füße beim Schneespaziergang schön warm und trocken halten, im Büro dann aber fein, leicht und luftig sein wie eine Hausschuh. Der Stiefelschaft soll die Wade und die Fessel satt umfassen, damit die Länge ihrer schlanken Bein zu Meldung kommt, gleichzeitig aber auch weit und bequem sein und sie keinesfalls einengen. Die Sohle soll aus rutschfestem Kautschuk sein und ein kräftiges Profil aufweisen, aber auch aus glattem Leder und für die Tanzfläche geeignet sein. Und was die Farbe betrifft, so sollte der Stiefel schwarz sein, aber auch rehbraun. Und an manchen Tagen vielleicht rot. Oder grün."

aus Das Leben ist gut von Alex Capus

Ich musste herzlich lachen, als ich diese Passage bei meiner abendlichen Lektüre las. Ich fühlte mich ertappt, denn ich suche auch immer das Unmögliche. Und ich will erst gar nicht anfangen, die Geschichte der oben gezeigten Schuhe zu erzählen.

25. Februar 2017

gelesen: Das Leben ist gut von Alex Capus


Seit ich zum ersten Mal Paris, ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway las, war ich fasziniert davon, dass es glücken kann, mit nur wenigen präzisen Worten Stimmungen auszudrücken, die manchmal vermeintlich so viel mehr Worte benötigen. Keine Schnörkel, jedes Wort erhält Gewicht und dennoch muss man beim Lesen nicht jede Zeile überdenken. Auf einer ganz ihm eigenen Weise gelingt es auch Alex Capus, alltäglichen Sachverhalten Bedeutung zu verleihen.

„Ich kann sie verstehen. Sie muss wieder mal weg aus diesem Kaff. Bei mir ist das anders. Ich könnte von hier weg, wenn ich wollte, aber ich muss nicht. Vielleicht werde ich es eines Tages wollen, dann werde ich es tun. Aber bis auf weiteres muss ich nicht."

In seinem neusten Roman Das Leben ist gut erzählt Capus von Max, einem Familienvater und Barbesitzer. Es ist eine bedeutsame bedeutungslose Woche in seinem Leben. Seine Frau Tina geht für einen Job an der Sorbonne für ein paar Monate nach Paris. Das Ehepaar ist zum ersten Mal für längere Zeit getrennt, wobei die Frau an den Wochenenden nach Hause in die Schweiz fährt. Max wird also damit konfrontiert, dass er zum ersten Mal morgens aufwacht und seine Frau nicht neben ihm liegt.

In seinem Alltag geschehen immer wieder die gleichen Dinge. Er frühstückt mit seinen Söhnen, bringt Pfandflaschen weg, repariert dies und das in der Sevilla Bar und öffnet sie gegen 17 Uhr. Capus beschreibt das Alltägliche und macht es dadurch besonders.

„Frühmorgens ist es angenehm kühl und still in der Bar. Ich liebe den Augenblick, in dem ich den Schlüssel drehe, die Tür aufstoße und dieser freundliche, vertraute Ort sich mir öffnet, der in der Nacht ein paar Stunden ruhen konnte. Das Eichenparkett glänzt im Dämmerlicht und duftet nach Wachs. Der Billardtisch schaut mich erwartungsvoll an, der blankpolierte Tresen lächelt. In der Ecke rumpelt die Eismaschine, die Kaffeemaschine schläft noch, im Keller brummen die Kühlaggregate. Die Toiletten sind gereinigt, die Seifenspender und Handtuchhalter aufgefüllt, überall duftet es nach Putzmitteln.Ich hole die Kisten mit den leeren Schnaps- und Weinflaschen aus dem Keller und stelle sie auf meinen Handkarren. Die Flaschen stoßen aneinander und klingeln wie die Glocken einer Ziegenherde, als ich den Karren über den Bordstein hinunter auf die Unterführungsstraße stoße."

Max muss in dieser Woche jeden Abend in seiner Bar arbeiten, weil seine Mitarbeiter Urlaub haben. Er analysiert seine Gäste und beschreibt, welche Typen in seine Bar kommen. [Alex Capus ist selbst Besitzer einer Bar in der Schweiz.] Es gibt diejenigen, die immer nur einen Tee bestellen und dann ewig in der Ecke sitzen bleiben, die Gäste, die kurz vor dem Zapfenstreich noch in die Bar kommen und wortlos ihr Bier trinken oder diejenigen, die ein Glas nach dem anderen runterstürzen.

Die Routine von Max wird in dieser Woche jedoch von zwei Geschichten unterbrochen. Die Begegnung mit seinem Freund Miguel, der seinen Toro wieder zurück haben möchte, wirft die Frage nach Freundschaft auf. Stolz und Scham liegen nah beieinander und wenn man einem Freund helfen möchte, macht man das dann aus gutem Willen oder um der Anerkennung willen? Auch die Begegnung mit den zwei älteren Gästen Toni, seinem ehemaligen Lehrer und Tom Stark aus Amerika zeigt, wie Freundschaften funktionieren können. Gleichzeitig öffnet der interessante Tom eine Perspektive auf die "ferne" Welt, während Max beschaulich in seiner Heimat verbleibt. Denn Capus thematisiert auch, wie das Selbstbewusstsein eines (typischen) Schweizers aussehen mag. Der sich in seinem Land sicher fühlt und der bodenständig ist.

„Manchmal frage ich mich, warum wir so hartnäckig hierbleiben - was es sein mag, das uns hier hält. Nichts Besonders vermutlich. Vielleicht sind wir nur deswegen nie fortgegangen, weil der Leidensdruck nie groß genug war; im reichsten und friedfertigsten Land der Welt stellt es keine allzu große Herausforderung dar, ein einigermaßen positives Lebensgefühl zu entwickeln. Und weshalb sollte man die Welt erobern wollen, wenn easyJet einem sowieso jede nur denkbare Weltgegend zum Preis von drei oder vier Stundenlöhnen zu Füßen legt? Vielleicht sind auch deshalb nie nach Zürich, New York oder Berlin gezogen, weil wir keinen koffeinfreien Latte macchiato mit Sojamilch trinken müssen, nicht verrückt nach Rucolasalat an Balsamico-Dressing sind und nicht unbedingt beim Fernsehen arbeiten wollen. Gewöhnlicher Kaffee reicht vollkommen. Und wenn das Fernsehen etwas will, soll es herkommen. Und vorher bitte anrufen."

Es sind solche Passagen, die mich glücklich machen. Max ist ein zufriedener Mensch, der über sein Handeln und sein Umfeld viel grübelt. Die Gedanken von Max sind amüsant und machen nachdenklich. Sie bringen zur Sprache, was im Alltag oft übersehen wird. Es sind die lebensnahen Themen wie Liebe, Freundschaft und Heimat, die jeden beschäftigen und im alltäglichen Leben Bedeutung haben. 

Für mich zeigt der Roman vor allem eine Geschichte über die Liebe im Alltag. Max liebt seine Frau Tina sehr, mit der er schon über zwanzig Jahre verheiratet ist. Er stellt sie nicht perfekt dar, beschreibt auch ihre Fehler und kleinen Makel, aber immer mit Respekt und einem kleinen Augenzwinkern. Der Roman ist ein Potpourri aus den Erlebnissen einer Arbeitswoche und den Gedanken von Max. Diese schweifen auch gerne mal ab und verlieren sich. Aber nur, um die eigentliche Bedeutung zu verstärken. Gerade diese Gedankengänge finde ich besonders unterhaltsam und erhellend.

„Auf die erste Nacht ohne Tina folgt ein ganz normaler Morgen. Wie schon gestern scheint die Sonne, und wiederum zwitschern die Meisen, wie immer fingern meine Söhne an ihren Handys, und wie stets lese ich Zeitung. man muss realistisch sein, das Leben geht weiter; zumindest bis es vorbei ist. Meine Verdauung funktioniert ordnungsgemäß, ich bin ausgeruht und frei von Schmerzen; ich habe wohlgeratene Söhne, muss mir keine finanziellen Sorgen machen und bin neugierig auf den langen Tag, der vor mir liegt. Alles wie stets. Alles bestens.Ob auch dann alles so weitergehen würde, wenn Tina nicht wiederkäme? Wenn sie von einem Bus überfahren würde? Mit einem anderen Mann davonliefe? Wenn sie nach kurzer, schwerer Krankheit stürbe? Sich einer indischen Psychosekte anschlösse? Auch dann ginge auf meiner Terrasse morgens die Sonne auf und würden die Meisen pfeifen, ich würde irgendwann wieder meine Zeitung lesen und die Söhne würden an ihren Handys fingern. Aber wir waren unglücklich, unser Vertrauen in die Welt wäre erschüttert. Wir würden eine Weile brauchen, um aus dem Nebel herauszufinden, ein paar Wochen oder Monate, vielleicht sogar Jahre, und dann vermutlich feststellen, dass zwar alles noch da ist, der Sonnenaufgang, das Vogelgezwitscher und die Zeitung, aber dass sich alles anders anfühlt."

Das Leben ist gut feiert den Alltag. Denn darin liegt viel Gutes.


19. Februar 2017

Der Weg zum Kindergarten. Das Schöne im Alltäglichen.


Jeden Morgen von Montag bis Freitag machen wir uns gegen halb neun, meistens etwas später, auf den Weg zum Kindergarten. Paul im Kinderwagen, Anton auf dem Kiddyboard und ich die beiden schiebend.

Als wir die Zusage für den Kindergartenplatz bekamen, stöhnte ich innerlich. Wir sind zufrieden mit dem Kindergarten. Doch dieser liegt nicht in der schönsten Ecke unseres Ortes. Ganz in der Nähe ist der Supermarkt mit der kleinsten Auswahl. Eine Apotheke, ein Paketshop und die teuerste und nicht beste Bäckerei liegen nebenan. Als Anton von der Tagesmutter betreut wurde und sie noch nicht in das Reihenhäuschen gezogen war, musste ich täglich den selben Weg bestreiten. Deshalb wusste ich, welche Straßen und Häuser ich von nun an bis zur Grundschule jeden Tag sehen musste.

Der rechte Gehweg gleicht einem Minenfeld. Bis heute habe ich nicht verstanden, warum die Hundebesitzer genau diese Seite der Straße aussuchen, auf der sich ihre Vierbeiner erleichtern können. Auf dieser Gehwegsseite kommt man an zwei Schulen vorbei, an einem Sportfeld und einem sehr einfach gehaltenen, langweiligen Spielplatz. Es folgen ein paar Wohnhäuser. Ein Boot überwintert im Hof. Das war's.

Der linke Gehweg ist noch unspektakulärer. Man läuft die ganze Zeit an einer Mauer entlang, dann kommt die Einfahrt einer großen Firma und der Zaun zu den davorliegenden Parkplätzen.

Zehn bis fünfzehn Minuten dauert es, bis wir im Kindergarten angekommen sind. Wir können auch zwei Haltestellen mit dem Bus fahren und anschließend etwas laufen. Aber meistens verpassen wir den Bus. Denn der fährt nur selten und kommt dann häufig zu spät. Wir laufen also.


Wenn man einen so langweiligen Tag wieder und wieder bestreitet, fallen einem nach und nach die Kleinigkeiten auf, die ihn vielleicht doch besonders machen können. So reihen sich an der Straße und auf dem Firmenparkplatz so viele Autos, dass Anton und ich alle VWs, Audis, Mercedes und Opels zählen. Dadurch hat Anton die Automarken gelernt. (Darauf kann man nicht stolz sein, aber wir müssen uns ja die Zeit vertreiben...) Anton fragt nun bei jedem Auto, das er noch nicht kennt: "Und was ist das?"

Antons Lieblingsauto ist ein Mini. Er bekam einmal ein Überraschungsei, in dem ein kleiner dunkelgrüner Mini steckte. Seitdem sehen wir ALLE Minis dieser Welt. Auf unserem Weg stehen regelmäßig ein roter Mini mit weißem Dach, ein schwarzer und ein weißer mit gestreiften Seitenspiegeln. Wenn einer fehlt, sagt Anton: "Schade." Wenn noch ein weiterer Mini an uns vorbeifährt: "Mama, noch ein Mini. Ein silberner Mini. Wir haben Glück."

In der Seitenstraße, die zum Kindergarten führt, parken zwei Campingmobile. Irgendwann bemerkte Anton, dass in einem Wagen eine solarbetriebene Wackelfigur steht. Und dann sahen wir eine zweite in einem Nissan. Wir bleiben nun jeden Tag an diesen Hula-Mädchen in blau und gelb stehen und betrachten sie eine Weile.

Und noch einmal Autos und Anton. Jedes Nummernschild wird inspiziert. "Oh, guck Mama, ein B. Ein B wie Betti. Und ein T. Ein T wie [bei] Anton!"

An einem Morgen fliegt ein großer Vogel an uns vorbei, direkt auf ein Dach zu. Es ist ein Kranich, der majestätisch auf dem Dach sitzen bleibt. Die morgendliche Wintersonne scheint über den Dächern und die Szene wirkt ganz surreal.


Dieser Weg zum Kindergarten ist für mich ganz besonders geworden. Wenn wir im Eilschritt den Weg entlang laufen, Anton mich vollquasselt und wir uns den Sonnenaufgang, jeden Vogel und jedes Auto ansehen, wenn man im Laufe der Monate merkt, wie sich die wenige Natur verändert und man jede Witterung auf sich nimmt, dann wird einem bewusst, wie gut man es hat. Der Kopf wird frei und ich habe Energie für den Tag.


1. Februar 2017

gelebt. Der Januar 2017.


Der Januar war durchwachsen. Es gab viele herzerwärmende Momente und einige harte Tage, an denen ich mich durchkämpfen musste. Wie das Leben manchmal ist.


gelebt: Ich mag den Winter. Das kann ich selbst kaum glauben, aber mir gefällt der Winter in diesem Jahr ziemlich gut. Meistens ist es klirrend kalt, aber die Sonne scheint und es gibt einen blauen Himmel. Selbst die zwei, drei Schneetage waren völlig in Ordnung. Ich freue mich natürlich trotzdem darauf, dass es im Frühjahr wärmer wird, kann dem Winter aber mittlerweile etwas abgewinnen.

Das neue Jahr begann mit einem köstlichen Frühstück zu Hause. Ein leckerer Kaffee, eine frische Grapefruit, Cornflakes und Müsli, selbstgepresster Orangensaft, warme Brötchen. Ich werde lange an dieses Frühstück zurückdenken. Ein guter Start in das Jahr.

In der ersten Woche genossen wir noch den Urlaub meines Freundes. Und Schlaf! Ein großes Thema im Januar. An manchen freien Tagen ließen uns die Jungs lange schlafen, in so mancher Nacht musste ich jede Stunde meinen kleinen Buben beruhigen. Seit Wochen sind mindestens zwei Familienmitglieder gleichzeitig krank und den Mini hat es leider auch erwischt. Gesundheitlich darf es also endlich wieder bergauf gehen.

Der Vormittag meines Geburtstages war ziemlich perfekt. Kuchen, Geburtstagskerzen, wunderschöne Geschenke, frühstücken gehen mit der Familie, wenig Stress und ein langsamer Sonntag. Am Nachmittag fuhren wir in den Luisenpark nach Mannheim und verbrachten die Zeit im Indoor-Spielplatz im Pflanzenschauhaus. Glückliches Kind, glückliche Mutti. Am eigenen Geburtstag besonders wichtig.

Ich hatte viel Besuch und habe Freundinnen wieder gesehen, die lange im Ausland waren oder sowieso weit weg wohnen.

Antons und meine Lieblingsbeschäftigung war es, nach Eichhörnchen Ausschau zu halten. Jeder Tag, an dem ich ein Eichhörnchen sehe, ist ein guter Tag. Ein Credo, das sich nicht immer bewahrheitet. In unserem sehr großen Garten mit den sehr großen Bäumen leben mindestens vier Eichhörnchen und es ist eine so große Freude, sie spielen und klettern zu sehen. Anton und ich bereiteten Futter vor und verteilten es an geeigneten Stellen. Nach zwei Tagen war schon alles weg. Sie sind im Zeitraum zwischen 9 und 10 Uhr vormittags besonders aktiv und eines der drei Eichhörnchen ist dunkelbraun. Ich habe mir noch etwas Eichhörnchen-Fachwissen draufgeschafft, aber ich glaube, das ist dann doch zu speziell...


gebacken: Joghurtwaffeln. Eine Enttäuschung waren diese Croissants. Im Normalfall gelingen mir meine Backwaren ganz gut und ich halte mich auch immer an die Anleitung. Aber diese Croissants waren zu schwer und haben viel länger im Backofen gebraucht als beschrieben. Großmutters Sonntagskuchen ganz klassisch aus einem Rezeptbuch, Schokoladenmousse-Cheesecake mit Kirschen (lecker, ein Stück reicht aber vollkommen, sehr mächtig), Pizza.

getrunken: Zu viel Kaffee. Über zwei Tassen ist einfach zu viel, wenn man stillt. Andererseits muss der fehlende Schlaf auch irgendwie kompensiert werden. ("Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase.")

ausgegangen: Gutleut, Wilma Wunder, Kaffeekommune


geklickt: Annette schreibt über ihre Jahresziele und bei mir macht es klick. Wenn man sich jeden Monat nur ein Zimmer vornimmt, in dem man Großputz macht und auch einmal richtig ausmistet, ist das Arbeitspensum im machbaren Rahmen und die Motivation viel größer. Im Januar war das Bad dran und ich habe mir die Arbeit eingeteilt. Danke für die Inspiration!

Diesen Link schickte mir eine Freundin zu. Felicitas von Lovenberg, bis vor kurzem noch Literaturchefin bei der FAZ, verlässt nach 18 Jahren Frankfurt und zieht nach München. Sie beschreibt die Menschen, die Kulturszene und das Lebensgefühl (so, wie ich es erlebt habe) sehr treffend.

"Zu dieser unaufgeregt und unaufgesetzt kosmopolitischen Mischung, die in Deutschland wohl einzigartig ist, passt, dass man sich in Frankfurt keinem Diktat unterwirft. Hier sagt man, was man denkt, zieht an, was einem gefällt, und freut sich, wenn man von kürzeren oder längeren Reisen an den Main zurückkehrt."

Der Künstler Matt Lipps stellt in der Galerie Klemm's in Berlin eine neue Werkreihe unter dem Ausstellungstitel AnObjectAnImage aus. Ich mag seine fotografierten Collagen, die auf Stillleben und mise-en-scène anspielen.

Nicole Neuberger kenne ich noch von den ganz frühen Bloggerzeiten. Mittlerweile arbeitet sie nicht mehr am Modeblog, sondern ist Schriftstellerin vom Liebesromanen. Dazu gibt es einen Blog mit Texten, die von der Liebe handeln. Aus Leidenschaft zur Liebe hat mich berührt.

"Und vielleicht ist genau das der Clou, der Hinweis darauf, ob wir den richtigen Menschen gefunden haben, denjenigen mit dem wir die Welt erobern und ein Zuhause schaffen können. Den Menschen, dem ich vor allen anderen erzählen will, was mir an diesem Tag passiert ist, von dem ich hören will, was er denkt und mit dem ich fühlen will und lachen. Wenn aus Leidenschaft Liebe wird und aus sprühenden Funken ein verlässliches Glühen."

Die Femtastic Ladies sprechen mit der Designerin Cecilie Manz darüber, was gutes Design ausmacht. Und ich werde nicht nur daran erinnert, dass ich wieder rotes Maskingtape kaufen möchte, sondern bekomme auch Input, wie ich so manche Denkprozesse besser anstoßen kann.

"Wo fängst du an, wenn du einen neuen Auftrag bekommst? Wie beginnt der Designprozess?
Normalerweise bekomme ich ein briefing. Ich lese mir alles durch - manchmal zehn Seiten. Dann lege ich es zur Seite und schreibe in meinen eigenen Worten auf, was der Kunde möchte. Zum Beispiel: Sie möchten einen Tisch aus Holz, ... Ich versuche, die Essenz des Briefings herauszufiltern. Das wird dann mein Ausgangspunkt für meine Arbeit, das Fundament. Darauf komme ich im Laufe des Designprozesses immer wieder zurück: Was war der ursprüngliche Wunsch? Ich hebe deshalb auch die ursprünglichen Skizzen immer auf. Es ist wichtig, einen roten Faden zu haben. Der Kunde wird dir dutzende Fragen stellen und so verlierst du die Grundidee nicht aus den Augen."


gelesen: Oh, mich macht es ja richtig glücklich, dass ich wieder regelmäßig lese und ich verliere mich sehr gerne in den Texten. Verbrechen von Ferdinand von Schirach / Das Leben ist gut von Alex CapusMeine geniale Freundin von Elena Ferrante sowie den zweiten Band Die Geschichte eines neuen Namens angefangen.

gesehen: Wir waren im Kindertheater und haben uns "Rabe Socke" angesehen.

ausgestellt: Endlich wieder Kunst, denn #museumstagesindgutetage. Die Ausstellung Giacometti-Nauman in der Schirn Kunsthalle Frankfurt gefiel mir weniger wegen des Konzepts als vielmehr aufgrund der tollen einzelnen Arbeiten. Im Museum Wiesbaden war ich mit Freundin plus Kind, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte und die sich auch für Kunst interessiert. Einmal zeitgenössisch Jonas Weichsel und barock Caravaggios Erben. Barock in Neapel. Jonas Weichsel gefiel mir richtig gut und über die große Ausstellung muss ich noch nachdenken. Es sind aber beeindruckende Kunstwerke dabei und ich bin völlig fasziniert von den Farben. Wir besuchten die Vernissage im NKV Konvergenz (Bergbau), eine Annäherung von Hängendem und Liegendem / Klasse Andrea Büttner und trafen auf viele bekannte Gesichter und Freunde.

gereist: Ein kurzer Museums- und Einkaufsbesuch in Frankfurt, Wiesbaden, Familienbesuch in Heilbronn und Geburtstagsnachmittag in Mannheim

gedacht: Ich habe viel über meine Hausarbeit nachgedacht, an der ich fast täglich arbeite. Weil sich bei der Recherche so viele neue, interessantere Themen aufgetan haben, musste ich meine Gliederung immer wieder neu überdenken und anpassen. Das kostete Nerven! Und so gut mir mein Thema gefällt, bin ich froh, wenn die Seiten abgegeben sind. Mit Baby am Vormittag zum Schreiben zu kommen ist nicht so einfach. (Und am Abend fehlt die Konzentration dank fehlendem Schlaf.)


geärgert: Ein Monat, in dem ich mich leider viel ärgerte. Über erneute Zahnschmerzen und dem Gesundheitszustand unserer Familie. Über einen ungerechtfertigten Vorwurf. Über ein Paket, das seit Oktober unterwegs ist und schon zum dritten Mal nach Frankreich geschickt werden muss. Über Tage, an denen man einfach zu nichts kommt und selbst das Stück Schokolade und der Kaffee nicht die Laune heben können.

gefreut: Über die lieben Menschen, die an meinem Geburtstag (oder später) an mich gedacht haben und über die tollen Geschenke, die ich bekommen habe. Ich war überwältigt von so viel Gutem.

geliebt: So stressig der Morgen auch oft ist, sobald ich mit den beiden Kindern startklar vor der Haustür stehe und meistens den unglaublich schönen Himmel sehe oder wir beobachten können, wie die Sonne allmählich höher steigt, wenn Paul, so entspannt wie er ist, im Kinderwagen wieder einschläft und Anton mir jede Automarke nennt, an der wir vorbeikommen und einfach nicht mehr aufhören will zu reden, dann habe ich ein großes Glücksgefühl.

gewünscht: Es überrascht ja nicht, wenn ich schreibe, dass ich gerne verreisen möchte. In manchen Phasen ist das Verlangen geringer, manchmal, so wie im Januar, sehr groß. Ich habe akute Paris-Sehnsucht. Unsere Reiseplanung für dieses Jahr steht bereits grob fest und deshalb kann ich mich noch gedulden.


Ich hoffe auf einen gesunden, schönen Februar. Es stehen mehrere Geburtstage, ein Ausflug, mindestens zwei Ausstellungsbesuche und das Fertigstellen der Hausarbeit an. Ich bin sehr gespannt und wünsche euch tolle Erlebnisse im neuen Monat!