den Augenblick erkennen, den Moment erleben

27. Januar 2017

gelesen: Verbrechen von Ferdinand von Schirach



Elf Geschichten aus dem Arbeitsalltag eines Strafverteidigers, dessen zweite Profession das Schreiben ist. Ferdinand von Schirach. Es verbindet die Geschichten, dass von Schirach sie alle irgendwann selbst erlebt hat und dass sich bei jeder Begebenheit die Frage nach der Schwere des Verbrechens stellt. Welche Umstände führen dazu, dass jemand nicht ins Gefängnis kommt, obwohl er einen toten Menschen zerstückelt? Kann man Menschen dafür bestrafen, wenn sie aus einer Notlage heraus stehlen? Der Titel könnte kaum treffender formuliert sein. Denn was ist ein Verbrechen? Und wie bestraft man jemanden, der ein Verbrechen begangen hat? Es wirft mit seinen Geschichten Fragen auf, die sich nicht so einfach beantworten lassen.

Von Schirach gelingt es, den Figuren innerhalb der einzelnen Kurzgeschichten genug Tiefe einzuhauchen und gleichzeitig einen kleinen Einblick in das deutsche Strafrecht zu geben. Mit dem gegebenen Wissen ist man als Leser selbst dazu aufgefordert, mitzudenken und das Strafmaß abzuwägen. Die Schicksale der Menschen sind meistens recht schwer und so waren die Geschichte für mich keine leichte Kost.

Ich bin sehr froh, dass ich mir und von Schirach eine weitere Chance gegeben habe und nach Tabu nun auch Verbrechen gelesen habe. Ich hätte es wohl nicht gelesen, wenn es mir nicht empfohlen worden wäre.

Übrigens gibt es eine gleichnamige deutsche sechsteilige Serienproduktion, die die einzelnen Geschichten erzählt sowie die Verfilmung der letzten Kurzgeschichte: Der weiße Äthiopier. Bisher habe ich mir jedoch beides nicht gesehen.


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