den Augenblick erkennen, den Moment erleben

21. Juni 2017

Und, was macht die Zukunft? Gedanken aus dem Roman "Lied für eine geliebte Frau" von Erik Orsenna


Eine Textstelle weilt bereits seit geraumer Zeit in meinem Kopf. Seitdem ich die Passage in Erik Orsennas Roman Lied für eine geliebte Frau las, formen sich meine Gedanken und sind schlussendlich doch nicht spruchreif. Die Zeilen bedeuten mir viel, es hat etwas mit dem Carpe diem Gedanken zu tun, der über ihnen schwebt, und mit der Frage, was Nostalgie und auch Sehnsucht mit uns machen. Während die Antworten auf sich warten lassen, teile ich diese Passage mit euch, damit sie auch in euren Köpfen Zeit zum Arbeiten und Rumoren hat.


[Der Protagonist im Gespräch mit der Mutter seiner Kinder.]
"Und, was macht die Zukunft?
"Nun ja … Ich habe das Gefühl … hm … Die Jahre vergehen, aber ich habe das Gefühl, ich bin jetzt angekommen."
"Das habe ich gemerkt. Die Jahre unseres Zusammenlebens werden also unsere Jugend gewesen sein: Du bist gereist, und ich bin daheim geblieben. Du bist in einem Zug gesessen, aus dem du nie ausgestiegen bist, und ich bin auf dem Bahnsteig zurückgeblieben."
"Aber der Zug fuhr, oder?"
"Natürlich, und zwar ziemlich schnell. Und als du weg warst, hat sich auch mein Bahnsteig in Bewegung gesetzt."
"Und wohin fuhr mein Zug deiner Meinung nach?"
"In die Zukunft, ist doch klar! Erinnerst du dich nicht mehr? Deine ganze Kraft, deine ganze Aufmerksamkeit war auf die Zukunft gerichtet: deine künftige Stellung, deine künftige Anerkennung, die Freiheit, die dir deine künftige Stellung und deine künftige Anerkennung verschaffen würden."
"Ich war also nie da?"
"Ich kannte dich nur hinter der Scheibe dieses Zugs."
"Und ich bin nie ausgestiegen?"
"Äußerst selten…."
"Dann war ich also unerträglich?"
"Schlimmer noch. Verstehst du meine Frage? Ich würde gerne wissen: Wie sieht die Zukunft aus? War sie es wert, dass du gegenüber jeder Gegenwart so verächtlich warst, angefangen bei der Gegenwart mit mir? Und jetzt, wo du dein Ziel erreicht hast, wie fühlst du dich dort?"
"Im Ernst?"
"Im Ernst."
"Sehr gut."
[...]
Ich hatte begriffen, dass jeder Mensch ein Gebiet der Zeit bewohnt und ihm nie entkommen kann. Manche Menschen leben in der fortdauernden Vergangenheit, es sind die mit der geringsten Lebenslust: Sehnsucht schadet dem Verlangen. Andere leben in der abgeschlossenen Vergangenheit: Sie brechen mit allem und jedem, keiner weiß, warum und wieso, vielleicht allein um der Freude willen, das Messer schneiden zu hören. Wieder andere Menschen sind imstande, in der Gegenwart zu leben: Mit ihnen kommt man am leichtesten aus, weil sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie besitzen jene Möglichkeit, die man für banal und natürlich halten könnte, während sie in Wirklichkeit eine Seltenheit ist: die Höflichkeit da zu sein. Sie sind da, wenn sie sprechen, da, wenn sie ein Gericht kosten, und da, wenn sie in Wut geraten, da, und nicht woanders, wenn sie lieben. Und ich? War ich jetzt bereit für die Gegenwart, nachdem ich so lange in der Zukunft gelebt hatte?


10. Juni 2017

Selbstmanagement: Schritt für Schritt zum Ziel


Alle paar Wochen erliege ich einem Wahn von Weltverbesserung. Bei dieser Welt dreht es sich ausschließlich um meine eigene. Optimierungsbedarf herrscht hier in sämtlichen persönlichen Bereichen.

In diesen Momenten, die meist ganz plötzlich über mich hereinbrechen, bin ich entweder zutiefst traurig über all die Möglichkeiten, die mir nicht offeriert werden oder die sich mir zwar rein theoretisch bieten, doch aufgrund meiner Lebenssituation nicht wahrgenommen werden können. Dann könnte ich in Tränen ausbrechen, dass meine berufliche Zukunft so ungewiss ist. Oder dass ich zur Zeit kein Geld verdiene. (Ja, sehr dramatisch.)

Andererseits habe ich viel häufiger aber auch die guten Momente. In denen ich Bäume ausreißen könnte. Da ist mein Energieschub so hoch, dass ich am liebsten alles sofort erledigen möchte. Ich nehme mir sogleich vor, jeden Tag ein paar Sportübungen zu machen, meine Finanzen zu tracken, jeden Tag eine kleine Zeichnung zu machen und einen Künstlernamen nachzuschlagen.

Ihr seht, die Beispiele kommen aus meinem Alltag. Ich bin schon häufig voller Enthusiasmus in eine „Challenge“ eingestiegen, habe allerdings nur wenige Tage durchgehalten. Viel zu schnell setzte die Motivation aus und die Normalität ein. Das mag an meinem Charakter liegen. Ich will zu viel. 

In vielen Situationen bringt mich dieser Ansporn weit. Ich kann mich motivieren und meine Gedanken dazu überschlagen lassen. Da man jedoch mit den eigenen Kapazitäten auch an seine Grenzen stößt und die Erfolge manchmal auf sich warten lassen, verliert sich der Ansporn.

Hier stolpere ich immer wieder. Zwischen meinem Optimierungswunsch und dem Ergebnis liegen Welten und mir fällt auf, dass ich eine neue Strategie benötige, um diese Ziele zu erreichen. 
Ich muss mich Schritt für Schritt meinem Ziel nähern.

Etappen setzen

Was bringt es mir, wenn ich anfangs große Schritte mache und mir nach wenigen Metern die Puste ausgeht? Ich bemühe mich also, Minimalziele zu setzen und diese nach und nach zu erreichen.

Will ich bessere Kontrolle über meine Finanzen? Dann schreibe ich einen Monat lang alle Einnahmen und Ausgaben in eine Liste. Und ich erstellte jetzt diese Liste. Das kostet mich keine fünf Minuten und der erste Schritt ist getan. 

Will ich öfter Sport machen? Dann suche ich mir eine Übung/Sportart aus. Oder ich mache eine Challenge, bei der die tägliche Übungszeit relativ kurz ist. 

Will ich eine ordentliche Wohnung haben? Dann setze ich mir jeden Tag eine Timebox von nur 15 Minuten und putze dann gezielt.

Ihr seht, auf was ich hinauswill. Oft fällt es uns schwer, Ziele zu erreichen, weil wir sie zu hoch stecken. Wenn wir sie dann nicht so bald erreichen, lässt die Motivation nach und es baut sich nur Druck auf. Mit kleinen Erfolgserlebnissen kann man viel besser arbeiten. In meinem Fall macht mir zum Beispiel eine einmonatige Sportchallenge so Spaß, dass ich mir eine zweite Challenge dazugenommen habe. 

Wo liegen deine Prioritäten?

Ich komme immer wieder auf diesen Punkt zurück. Es hat sich ganz fest eingebrannt, dass ich mit meinen Aufgaben und Wünschen überfordert bin, wenn ich sie nicht nach Prioriät sortiere. Denn ich will zu viel. Alles soll so schnell wie möglich geschehen. Gefühlt ist alles wichtig. Es ist schwierig, sich nur auf wenige Dinge zu konzentrieren, wenn die Welt so bunt und voller Input ist.

Man muss sich also im Klaren darüber sein, was man am meisten möchte und was am dringendsten gemacht werden muss. Das kann man in der Arbeitswelt anwenden, im Haushalt, mit Terminen oder im eigenen Alltag. Wenn man merkt, dass der Weg zum ersten Ziel eben ist und gut funktioniert, kann man auch eine zweite Aufgabe in Angriff nehmen. 

Erfolge feiern

Häufig ist uns nur bewusst, was noch zu tun ist und wir vergessen, was wir schon alles gemeistert haben. Hakt eure Aufgaben ab, schreibt euch auf, welche Erfolge ihr feiern könnt und stoßt mit einem Glas Sekt auf euch an. Belohnt euch dafür, dass ihr eine Etappe erreicht habt. Zeigt es der Welt. Wenn ihr euch bewusst seid, was ihr leistet, dann bekommt ihr Motivation für die nächsten Schritte. 

Weitere Möglichkeiten

Vielleicht hilft es euch, an Challenges teilzunehmen und diese mit Anderen zu teilen.
Vielleicht helfen Erinnerungen in Form von Postits oder Handybenachrichtigungen.
Vielleicht braucht ihr eine Gruppe, mit der ihr das gleiche Ziel verfolgt.

Der Haken

Und der Haken? Mein Charakter?! Hahaha. Ich will eben doch noch alles gleichzeitig. Mir fällt es im Privaten manchmal ganz schön schwer, die Prioritäten so zu setzen, dass ich mit Wenigem kontinuierlich vorankomme. Des Öfteren laufen zu viele Projekte gleichzeitig und mit zwei, drei gelange ich auch ans Ziel, doch bei vier, fünf, zweihundert Ideen bleibe ich nach den ersten Etappen stecken. 

Aber häufig ist es auch der Alltag, der einen einholt, bevor die Ziele erreicht wurden. Gerade wenn man etwas Neues in seine Routine aufnehmen möchte (zum Beispiel Sport), dann dauert es seine Zeit, bis diese verinnerlicht wurde. Der Alltag kann dann schnell zum Störfaktor werden, weil er den Freiraum für Neues nicht immer ohne Weiteres zulässt.

Ich übe mich also weiterhin im Prioritätensetzen, versuche nach und nach meine Aufgaben zu erledigen und mache mir weniger private Termine, damit ich mehr freie Zeit habe, um mit meinen Zielen voranzukommen.

Vielleicht ist aber auch der Haken, dass der Tag nur 24 Stunden hat...


Was meint ihr?

8. Juni 2017

geklickt. Im Mai 2017.


Auch in den vergangenen Wochen habe ich mich durch die Weiten des Internets geklickt und einiges Interessantes, Hörenswertes und Ästhetisches gefunden. 


Die Podcasts von Garance Doré bzw. vom Studio Doré gibt es schon seit einigen Monaten, aber mich musste erst ein Gespräch mit einer Freundin über Podcasts darauf bringen, dass ich mir die entspannten Gespräche mit Garance und ihren Freundinnen anhöre. Viele Möglichkeiten zum stillen Zuhören habe ich in meinem Alltag nicht (– Autofahren ist dafür perfekt geeignet!), aber hin und wieder klappt es dann doch. Der Podcast Simplification vom 14.02.2017 arbeitete noch eine Weile in meinem Kopf.


Kunst! Auf Instagram habe ich durch meine Auswahl an Galerien und Künstlern eine Blase geschaffen, die mich zunehmend nervt. Einerseits ist es gut, täglich Input zu bekommen, gleichzeitig stört mich aber daran, dass der Radius für einen ausgewogenen Input doch zu begrenzt (auf Frankfurt und Umgebung) ist. Durch die Wiederkehr der Künstlernamen und Ausstellungsräume wird ganz unbewusst und automatisch ihr Wert gesteigert. Mir ist diese Sicht zu begrenzt und ich suche nun nach Möglichkeiten, den Input zu erweitern, ihn täglich zu erhalten und dabei nicht überfordert zu werden. Schwierig.

Neuer Input war für mich ein kurzer Bericht über die Ausstellung Sergej Jensen in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich seine Arbeiten zum ersten Mal gesehen habe, aber er taucht immer wieder in meinem Blickfeld auf. Dieses Mal ist mir sein besonderer Umgang mit dem Material Leinwand aufgefallen. (Die Ausstellung ist noch bis zum 18.06.2017 zu sehen.)

Das Monopol Magazin hat in einem Ausstellungsbericht vom Projekt 5x5 still lifes erzählt und ich habe mir dieses Projekt näher angeschaut. Die Künstler Felix Dobbert, Christopher Muller, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Jörg Sasse und Shirana Shabazi widmen sich dem Stillleben in der Fotografie. Jeder von ihnen wählt ein Objekt, fotografiert es und schickt dieses an den nächsten Künstler weiter, der nun das eigene Objekt in Bezug zum neuen Objekt stellt. Diese werden dann an den nächsten Künstler geschickt und das geht dann so weiter. Jeder Künstler hat seine eigene Herangehensweise und ein eigenes Verständnis von der Gattung Stillleben, das mit dieser Konzeptarbeit hinterfragt wird. Zu gern würde ich die Fotografien live sehen. Aktuell sind sie in Ratingen und ab September in Gießen zu sehen.

Ganz traurig war ich darüber, dass ich nicht zum Vortrag von Dr. Jana Baumann im Städel über die Gründung des Deutschen Museumsbundes und die Demokratisierung des Kunstmuseums vor 100 Jahren gehen konnte. Doch die Einführung auf dem Städel Blog gibt zumindest einen Einblick in das Thema. Museum als Avantgarde – Eine Vision wird Wirklichkeit

In der Kunst werden neue Räume erschlossen, zum Beispiel im virtuellen Raum. Das NRW Forum in Düsseldorf widmet sich diesem in der Ausstellung unreal, in der der Besucher in eine ganz neue, digitale Kunstwelt eintauchen kann. Das ist ziemlich neues Terrain in der Kunstbranche und ich würde zugern diese Ausstellung besuchen. Barbara Russ spricht mit dem Künstlerduo Giulia Bowinkel und Friedemann Banz über ihre Arbeit. (Übrigens hat der Künstler Manuel Roßner die Ausstellung mitkuratiert.)


Wann habt ihr zuletzt einen Tumblr Account durchgescrollt? Bei mir ist es schon viel zu lange her, obwohl ich dieses Netzwerk vor einigen Jahren sehr gerne nutzte. (Mein Tumblr: betsisblog) Jetzt habe ich aber gesehen, dass die inspirierende Französin Margaux, deren Bilder ich mir schon lange auf Instagram ansehe, einen noch viel fabelhafteren Tumblr Account hat. ArtyShow heißt er und ich muss mich stark zurückhalten, dass ich mich nicht stundenlang darin verliere. [Vielleicht ist Tumblr ja das neue alte Pinterest. Oder Instagram? Ach, was weiß ich..]


Dass ich wieder meinen Aquarellkasten rausholen (bzw. suchen müsste – ich habe ihn im Kinderzimmer verlegt) und meinen Skills arbeiten müsste, daran werde ich zur Zeit regelmäßig erinnert. Nina, die als Reisebloggerin schon lange unter dem Pseudonym Smaracuja bekannt ist, zeigt auf ihrem zweiten Instagramaccount Idrawandtravel und in den Stories herrliche Zeichnungen. Und auch das Buch France – Inspiration du jour von Illustratorin Rae Dunn zeigt mir erneut, wie wunderbar diese Technik ist. Und das Buch lässt mein Herz sowieso höher schlagen. 


Auf der Suche nach einem schönen Hotel auf Kreta und mit der ständigen Sehnsucht im Herzen, zu reisen, nach Paris, aber auch durch Deutschland, kam mir der Hinweis von Nike über ein Interview mit den Philosophen und Schriftsteller Alain de Botton gerade recht. Reisen ist die Suche nach etwas, das innerlich fehlt. Ein sehr lesenswertes Interview über ein Thema, das mich zur Zeit stark beschäftigt. Wie kann man das Glück im Alltag noch sehen und erleben? Warum ist manchmal die Sehnsucht nach dem Reisen so groß? 

Haben wir im täglichen Leben vergessen, dass das Leben staunenswert ist? 
Ja. Das ist die ständige Gefahr dessen, was wir Alltag nennen. Durch die Macht der Gewohnheit gewöhnen wir uns an die außergewöhnlichsten Dinge.
und später:
Ich finde, die Idee, dass wir bereichert von einem Ort zurückkehren, ist die beste Betrachtungsweise des Reisens.

5. Juni 2017

gelebt. Im Mai 2017.



gelebt: 
Im Mai hatte ich einen sehr gut gefüllten Terminkalender. Ich konnte viele Freundinnen wieder sehen und hatte oft Besuch. Dementsprechend stand ich häufig in der Küche und habe gekocht und gebacken. Die Treffen taten sehr gut. Eines der Highlights war das Wiedersehen mit meiner besten Freundin aus der Jugendzeit. Wir beide, nach so vielen Jahren immer noch befreundet, jeweils mit zwei Kindern, 390 km voneinander entfernt.

Zu den erinnernswerten Momenten zählen auch unser Urlaub in Leipzig, ein Frühstücksdate mit dem Freund (er hatte Urlaub am Brückentag und Anton ging trotzdem zum Kindergarten), zwei wundervolle Geburtstagsfeiern von Freunden (Picknick am Rhein und Kindergeburtstag), ein Grillfest mit der Verwandtschaft, der Cappuccino in der Bar Plank in Frankfurt

Ich hatte einige sehr produktive Tage, an denen ich werkelte und umräumte.

Während ich morgens Termine habe und häufig unterwegs bin, lassen wir die Nachmittage immer entspannt angehen. Wir sind sehr häufig im Garten und genießen das wunderbare Wetter. Unsere Nachbarn haben nun ein großes Gehege für eine Schildkröte gebaut und wir suchen jeden Tag nach Schnecken oder Schneckenhäusern. Wir beobachten Vögel beim Nestbau und retten Regenwürmer.

Bei Paul gibt es ein Meilenstein nach dem anderen und ich liebe jeden einzelnen von ihnen.


gebacken/gegessen/getrunken: Zimtschnecken, Erdbeer-Rhabarber-Kuchen, Himbeer-Buttermilch-Muffins, Erbeer-Joghurt-Blechkuchen, Marmorkuchen mit Erdnussbutter, die Kaffeebohnen aus Tanzania aus der Ganos Kaffeerösterei in Leipzig sind sehr gut, jeden Tag selbstgemachter Eiskaffee, Eis

gelesen: Lied für eine geliebte Frau von Erik Orsenna, einige Gedichte von Charles Baudelaire aus dem Band Der Spleen von Paris. Kleine Prosagedichte, Für die Uni: Drei Schwestern von Anton Tschechow, Kurzgeschichten von Laird Barron und Stephan King, Jagen 135 von Tobias Sommer

gehört: immer wieder das Album Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band von den Beatles und Jazz-Kanäle auf youtube

ausgestellt: Im Mai habe ich wieder ein paar Ausstellungen gesehen und das macht mich von Grund auf sehr, sehr glücklich.

Im Städel Frankfurt: Fotografien werden Bilder. Die Becher Klasse und In die dritte Dimension. Raumkonzepte auf Papier vom Bauhaus bis zur Gegenwart.


Im NKV Wiesbaden: Die Eröffnung Eliza Douglas. My gleaming soul. / I am a Fireball

In der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig: The Present Order - Zweiter Teil 







gekauft: Ich habe ein paar kleinere Investitionen vor, deshalb gehe ich momentan ganz bewusst mit meinem Geld um und habe im vergangenen Monat kein Geld für Kleidung und Extras ausgegeben.

getragen: Nur To Go Becher genutzt, auch für den Eiskaffee.

gewünscht: Kaffee

gedacht: Wo ist der nächste Kaffee? / Nicht schon wieder zum Kinderarzt gehen müssen! / Wie schaffe ich es, weniger Schokolade zu essen? / Bücher sind etwas wunderbares! / Über das Glück im Alltag. Und sonst: viel über meine berufliche Zukunft nachgedacht sowie über Privatsphäre vs. Veröffentlichungen auf dem Blog und von Anderen auf den sozialen Medien.

geärgert: Der Regen am Maifeiertag. Heuschnupfen. Eine katastrophale dreistündige Zugfahrt zu meinen Eltern mit den beiden Jungs, bei der die Anfahrt statt einer Stunde ganze drei Stunden dauerte...

gefreut: Über unser ganz eigenes Balkonien. Ups, jetzt ist mir dieser eigenartige Ausdruck rausgerutscht. Unser Balkon ist zur Zeit ein heimeliges Plätzchen und wir verbringen viel Zeit darauf.

geliebt: Marktbesuche (die ein Vermögen kosten) und Pfingstrosen
















30. Mai 2017

Das Glück im Alltag


An einem gewöhnlichen Montagabend sitze ich auf unserem aufgeräumten Balkon, den wir mit Zimmerpflanzen und Kräutern ausgestattet haben, genieße es, dass der Himmel trotz der bereits vorangeschrittenen Stunde blau ist und erfreue mich an der ersten frischen Brise an diesem heißen Maitag. Ich bin zufrieden. Mit mir und mit der Welt.

Der Grund dafür ist sicherlich dieser gut ausgefüllte, nicht verplante, produktive Frühsommertag. 
Sechs Ladungen Wäsche wurden gewaschen und aufgehängt, ich schuf Ordnung auf dem Balkon und dem Schuhregal, buk Pizzaschnecken und kochte ein Abendessen, variierte sogar Pauls Nachtisch und machte einen Essensplan für die kommende Woche, ging einkaufen und gab ein Päckchen bei der Post ab. Aber es geht noch weiter! Ich bereitete ein Picknick mit Eis und Eiskaffee für meine Jungs vor (der Kaffee war natürlich für mich) und hatte Spielideen mit Wasser in petto, als wir in den Garten gingen. Ich holte Anton heute pünktlich vom Kindergarten ab, hatte mit beiden Jungs Qualitytime, ich war ausgeglichen, machte ein paar Sportübungen und aß sehr ausgewogen. Zudem erledigte ich zwei lästige To Do's, die schon lange auf meiner Liste standen und beantwortete einige Emails. Ich hatte keinen einzigen Termin.

Zusammenfassend lässt sich sagen: dieser Tag war gut.

Wenn ich mir einen perfekten Tag vorstellen könnte, würde ich sicherlich nicht den Haushalt wählen. Ich würde ins Museum gehen, das Wetter wäre bei angenehmen 20 Grad stehen geblieben, ich hätte Zeit für mich alleine, Zeit gemeinsam mit meinem Freund und dann als gesamte Familie. Ich würde produktiv und kreativ sein, guten Kaffee trinken und durch die Gegend wandern. Irgendeine Form von gutem Input wäre auch dabei.

Doch Perfektion erlangt man selten, wenn man diese plant. Seitdem ich eine kleine Familie habe, ist es deutlich komplizierter geworden, die Tage so zu gestalten, dass jedes Familienmitglied vollkommen glücklich ist. In den meisten Fällen haben wir Erwachsene zu wenig Zeit für unsere Interessen, jenseits des Familienlebens. Das stört mich mittlerweile selten, denn ich weiß, dass jede Lebensphase ihre Besonderheiten, ihre Chancen und manchmal auch ihre Tücken hat.

Das Entscheidende ist jedoch hierbei, dass man auch in der jeweiligen Phase glücklich ist und diese nicht nur wegen der nächsten, erwarteten überlebt. Das Leben im Hier und Jetzt ist wichtig. Versteht mich nicht falsch, es macht Sinn, sich Ziele zu setzen, an denen man arbeitet oder auf die man sich freut. Doch wenn man dabei vergisst, dass das aktuelle Leben stattfindet, dann verpasst man doch einen entscheidenden Teil im Leben. 

Es gibt in meinem Leben ein paar konkrete Dinge, die ich nicht so umsetzen kann, wie ich es im besten Fall gerne hätte. Aber ich habe gelernt, dass ich mir meine Zeit trotzdem bedeutsam gestalten kann. Ich bin (in den meisten Fällen) selbst für mein Glück verantwortlich. 

Das, also mein Glück, ist selbstredend ein Gesamtpaket aus Frieden, Gesundheit, Liebe, guten Erlebnissen, Input und Output und vieles andere. Da ich das unverdiente Glück habe, über einen wunderbaren Rahmen zu verfügen, liegt es an mir, das Innere mit Dingen zu füllen, die mich zufrieden und glücklich machen.

Das kann gutes Essen sein, der besonders schöne Topfuntersetzer, den man sich geleistet hat, das Abarbeiten von Listen, aber auch das Hineinleben in den Tag, die zweite und dritte Tasse Kaffee, selbstgepflanzten Salat zu ernten, mit Aquarellfarben zu malen, Jazzmusik zu hören, kurz: Dinge tun, die man gerne mag. Aber auch umgekehrt ist es möglich, Glück im Alltagsleben zu erfahren. Wenn man sich einfach mal nicht über das Wetter beschwert (zu warm), sondern sich an die Gegebenheiten anpasst. Wenn man die Abstellkammer endlich mal aufräumt, anstatt sich über die durcheinander geratenen Regale zu ärgern. Oder wenn die nächste Reise noch viel zu weit weg liegt, das Sparschweinchen zu füllen. 

Mir ist bewusst geworden, dass man auf seinen Alltag entscheidend Einfluss nehmen kann. Und dann ist es egal, ob man nach der Arbeit nur wenige Stunden zur Verfügung hat oder als Hausfrau, so wie ich es noch für wenige Monate bin, den kompletten Tag hat. Wichtig ist doch, dass die Zeit gut ausgenutzt wird und dass man mit einer optimistischen Grundhaltung ans Werk geht. Mich hat es an diesem Tag so zufrieden gemacht, dass ich produktiv war und am Ende des Tages Ergebnisse vorzeigen konnte. Morgen werde ich wieder mehr Kopfarbeit leisten und den Haushalt ruhen lassen und hoffentlich nicht weniger zufrieden sein.

24. Mai 2017

Ein Familienausflug in Leipzig. Meine Highlights und eine Erklärung, warum der Funke nicht überspringt.


Im Mai war ich zum dritten Mal in Leipzig. Wir lösten nach zwei Jahren Unentschlossenheit und "Nicht die richtige Gelegenheit" endlich einen Hotelgutschein ein und die Wahl fiel auf Leipzig. Da ich 2009, also vor ACHT Jahren das letzte Mal dort war, konnte ich mich nur an wenige Orte in der Stadt erinnern und freute mich im Allgemeinen hauptsächlich darüber, dass wir als Familie wieder gemeinsam unterwegs sein würden. Raus aus dem Alltag, Familienzeit pur.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht ganz warm wurde mit Leipzig. Es ist gar nicht so einfach zu erklären, warum man von manchen Städten berührt wird und andere mich ziemlich kalt lassen. Denn Leipzig hat Einiges zu bieten. Es gibt sehr starke Kontraste, die sich in dieser Stadt vereinen. Blickt man beispielsweise auf die Architektur sieht man prächtige Altbauten aus der Jahrhundertwende, schäbige DDR Häuser, zahlreiche alte Lagerhallen und Werke sowie viele moderne Fassaden.

Leipzig hat eine unglaublich starke kulturelle Vielfalt. Spontan muss ich an das Gewandhaus denken, ein Konzerthaus, mit dem größten Deckengemäldes Europa, das man auch von außen sehen kann. Oder eben auch die vielen Museen, Kirchen, in denen Wagner und Bach spielten und außerdem die prägende Buchkultur.

Leipzig ist sehr grün. Es gibt viele große Parkanlagen und generell viele Grünflächen.

Der Funke springt nicht über

Das alles klingt ziemlich vielversprechend. Und dennoch werde ich selbst von deutlich kleineren Städten wie Karlsruhe mehr eingenommen. Natürlich liegt das auch an der persönliche Beziehung zu einer Stadt. Sicher aber auch an den Menschen, die dort leben.

Aber wie könnte ich von nur wenigen Begebenheiten auf ALLE Einwohner schließen? Das funktioniert natürlich auch nicht. Allerdings habe ich Leipzig bis auf ein paar Ausnahmen nicht als kinderfreundlich erlebt. In den Straßenbahnen gibt es nur einen einzigen Abschnitt für Kinderwägen und hier machen die Leute erst nach Aufforderung Platz für uns. Keiner will freundlichen Kontakt zu den Kindern aufnehmen. Und als wir ein Mal erst sehr spät nach Hause kamen, weil unser Weg so weit war, wurden wir einige Male mit Kopfschütteln und bösen Blicken angeschaut. In Mainz ist mir so etwas noch nie passiert. Erst durch diesen Kontrast sehe ich, wie kinderfreundlich die Mainzer sind.

Gut, das trübt wohl meinen Blick auf Leipzig. Vielleicht liege ich mit meiner Wahrnehmung falsch, möglicherweise war das nur eine Aneinanderreihung von negativen Erlebnissen, die mich persönlich berührt haben. Der Funke springt eben nicht über. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Highlights der kleinen Reise, die ich teilen möchte.

Highlights in Leipzig

Clara-Zetkin-Park mit Familienfaktor

Ich erwähnte bereits, wie grün Leipzig ist. Der größte Park der Stadt ist sehr gut und schnell zu Fuß zu erreichen. Schon am Neuen Rathaus sieht man die Parkanlage Johannapark, durch die man schließlich auch zum Clara-Zetkin-Park gelangt. Mir gefällt es sehr gut, dass man so nah an der Innenstadt eine Ruheoase findet.

Für die Lauffaulen (Kinder) empfehle ich, mit dem Bus 89 ab Hauptbahnhof oder Markt bis zur Haltestelle Telemannstraße zu fahren, um dann in nur wenigen Minuten am größten Spielplatz der Stadt im Park zu kommen.

Wir verbrachten hier einen ganzen Vormittag. Es gibt sehr große Klettergerüste, eine Matschlandschaft mit Kanälen und einer Wasserpumpe, einen kleinen Lift, den die Kinder selbst bedienen können sowie alle typischen Geräte eines Spielplatzes.

Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein kleines Café, das auch Speisen zum Mittag anbietet. Hier kann man sich auch mal zurückziehen, wenn es regnet, sich einen Tee holen oder die Kinder mit den Spielgeräten spielen lassen.

Der Anfahrts- oder Laufweg lohnt sich also definitiv.

Man muss auch wissen, dass es in der Leipziger Innenstadt kaum Spielplätze gibt. Der einzige in unmittelbarer Nähe wurde zur Zeit umgebaut. Alle Spielplätze der Stadt findet ihr hier.

[Und wenn ich schon bei Familien-Infos bin – hier findet man eine Leipzig-Karte, in der Wickelmöglichkeiten verzeichnet sind.]


Kaffeerösterei Ganos

Kaffee ist ein wichtiger Bestandteil meines Alltags und so freue ich mich immer sehr, wenn ich neue Kaffeebohnen ausprobieren kann. Zwischen Thomaskirche und Neuem Rathaus liegt im Dittrichring die Kaffeerösterei Ganos. Die Bohnen werden hier gemahlen und im Verkaufsraum entweder verköstigt oder verkauft. Es gibt eine große Auswahl an Bohnen und eine sehr nette, aufmerksame Beratung. Die Bohnen werden geschnuppert. Und die Auswahl an Schokoladentafeln ist auch nicht zu unterschätzen.


Indisch essen in der Innenstadt

Ich liebe indisches Essen und sobald sich für uns eine Gelegenheit ergibt, gehen wir zum Inder. Die exotischen Gewürze sind so unglaublich lecker. Glücklicherweise isst sogar Anton gerne mit. In der Nikolaistraße findet man gleich vier Möglichkeiten, indisches Essen zu probieren: Die Restaurants India Gate, Mumbai Lounge und Indian Palace sowie der Imbiss Indian Curry House. Unsere Wahl fiel auf den Außenbereich des Indian Palace und wir waren mehr als glücklich mit dieser Entscheidung. Die Currys waren auf den Punkt, das Naan sehr buttrig und bisher habe ich keine bessere Samosas gegessen.


Architektur

Das äußere Erscheinungsbild von Städten interessiert mich immer sehr und als erstes nehme ich die Architektur wahr. In Leipzig findet man eine Vielfalt vor, die mich in ihrer Gesamtheit jedoch nicht anspricht. Blickt man aber auf die einzelnen Gebäude, dann ist es doch sehr spannend, was es zu entdecken gibt.

Am Augustusplatz stehen das Paulineum und das Augusteum der Universität Leipzig. Hier hat man auch das Gewandhaus und die Oper im Blick. Die Uni bietet einen tollen Innenhof. Am Wilhelm-Leuschner-Platz hat man eine gute Sicht auf Das Neue Rathaus und die Propsteigemeinde St. Trinitatis. Das Museum der bildenden Künste und die Galerie für Zeitgenössische Kunst mit Alt- und Neubau sind ebenfalls sehenswert. 

Und dann gibt es unzählige Passagen, die das Innenstadtbild komplettieren. In ihnen findet man Geschäfte und Cafés.


Bücher kaufen im Bahnhof

Die Messestadt, die sich stark im Buchhandel positioniert, hat selbstredend viele Buchhandlungen. Die schönste findet sich am Leipziger Bahnhof, in dessen Halle ein großes Einkaufszentrum steht. Die Buchhandlung Ludwig befindet sich im Obergeschoss, beherbergt ein großes Café und bietet eine große Auswahl an Büchern, Magazinen und Zeitungen an. Und optisch macht der ehemalige preußische Wartesaal auch etwas her.

Anfahrt und Unterkunft

Anfahrt

Da wir frühzeitig wussten, wann wir nach Leipzig fahren wollten, konnten wir jeweils für die Hin- und Rückfahrt die sehr günstigen Sparangebote der Deutschen Bahn nutzen. Wir buchten zudem vier Plätze im Kleinkindbereich, was sich sehr lohnte.

Der Kleinkindbereich ist ein Raum, in dem ungefähr zwei bis drei Kinderwagen Platz finden, ein Wickelplatz vorhanden ist und man als Familie ganz ungestört fahren kann.

Anton bekam selbst auch eine Fahrkarte mit einem Coupon, mit dem er sich eine kleine Überraschung im Bord Bistro abholen durfte.

Die Fahrten waren sehr entspannt. wir hatten ein Picknick dabei und Bücher, Aufklebebücher und Spielsachen, um uns die Zeit so gut wie möglich zu gestalten. Paul hat auf dem Rückweg auch ein bisschen geschlafen, sodass auch ich Ruhe hatte, was sehr gut tat.


Unterkunft

Das H4 Hotel ist ein sehr komfortables Hotel, das uns als Familie sehr willkommen hieß. Wir übernachteten in einem Studio mit kleiner Kochnische, einem Babybett sowie einer aufziehbaren Couch, auf der Anton schlafen konnte. Anton freute sich sehr, dass er sein eigenes Bett hatte. Und noch viel mehr freute er sich wohl über die Gummibärchen und über das kleine Kuscheltier, das Paul bekam. Das Frühstück war ebenfalls sehr gut. Es gab von allem ausreichend. 

Der einzige Haken: Das Hotel liegt sehr weit außerhalb. Man fährt mit den Straßenbahnen 3E oder 7 circa 35 Minuten in den Osten, muss dann noch ungefähr fünfzehn Minuten laufen, bis man sein Ziel erreicht hat. Vor allem am Anreisetag, an dem man endlich sein Gepäck loswerden möchte, dann kurz ausruht, um dann wieder in die Innenstadt zu fahren, haben wir gemerkt, wie viel Zeit wir in den Straßenbahn verbringen mussten.


Es gibt in Leipzig natürlich noch viel mehr zu sehen. Die KarLi (Karl-Liebknecht-Straße) mit den vielen Cafés, Bars und Geschäften, die Alte Spinnerei mit den Galerien und Künstlerateliers, den Leipziger Zoo mit dem Dschungel, die berühmten Kirchen in der Innenstadt Nikolai- und Thomaskirche, das Flanieren am Karl-Heine-Kanal und viele andere Möglichkeiten seine Zeit hier zu vertreiben. Ich werde die Tage in Leipzig zwar in guter Erinnerung behalten, doch wird es nicht mehr so bald ein Ausflugsziel sein.

(Ein Highlight habe ich euch aber unterschlagen – es hat mich mit der Stadt versöhnt. Davon erzähle ich euch bald.)

15. Mai 2017

Das Wunder funktioniert.


Nachdem mir Robert Seethalers Romane Der Trafikant und Ein ganzes Leben so unfassbar gut gefielen – sie sind zeitgleich lakonisch, lebensbejahend und haben so eine eigentümliche Komik – bestellte ich einen weiteren Roman. Jetzt wirds ernst ist ein wunderbarer Titel, um einem Jungen beim Erwachsenwerden über die Schulter zu schauen.

Der Protagonist ist ein stark in sich gekehrter Junge, der sich in der Welt zurechtfinden muss. Auf seinem Weg begleiten ihn sein bester Freund und sein Vater. Die Mutter verstarb früh. Doch nicht der herbe Verlust machte ihn zu einem Sonderling. Von Beginn an hatte er seinen eigenen Kopf, den keiner so richtig verstand.

Seethaler nimmt uns mit  auf den Stationen des Erwachsenwerdens und gewährt tiefe Einblicke in das chaotische Innenleben dieses Jungen. Er wird Halbweise, findet einen besten Freund, prügelt sich, verliebt sich und fragt sich, was er mit seinem Leben anstellen will.

Und dann wird es tatsächlich sehr ernst. Er beschließt, Schauspieler zu werden. Er, der eigentlich kaum Talent besitzt. Doch sein Wille und seine Liebe zur klassischen Literatur sind so groß, dass er mit allem, was ihn hindert, aufhört und in einem kleinen Theater Schauspielunterricht nimmt.

"Jeden Tag um zehn Uhr vormittags hatte ich im Theater zu erscheinen. Auf keinen Fall vorher. Meistens saßen Janos und Irina schon an einem der Tischchen im Foyer und starrten schweigend in ihre Kaffeetassen. Tiefe Falten, schwere Glieder, runde Rücken, Augenringe, so breit und schwarz wie Autoreifen. Niemals, auf keinen Fall, unter keinen Umständen durfte man die beiden jetzt ansprechen. Das tat ich auch nicht. Stattdessen nutzte ich diese morgendliche Übergangszeit zwischen Tod und Leben, um das Theater zu erkunden. Den kleinen Gang hinter der Garderobennische hatte ich ja schon kennengelernt. Er führte direkt zu einer der beiden Seitengassen neben der Bühne. Alles war schwarz: die grob verputzten Ziegelwände, die schrägen Seitenvorhänge, die Haken und Verstrebungen an der Decke, der weich gummierte Läufer am Boden, der jedes Schrittgeräusch schluckte. An den hinteren Enden der Gassen gelangte man über schwere Metalltüren in die Garderobenräume. Frauen und Männer getrennt, jeweils drei Stühle vor hohen, mit kleinen Glühbirnen umrahmten Schminkspiegeln. Überall lagen und standen Pinselchen, Bürstchen, Tiegelchen, Tuben, Dosen und Töpfe. In einer Ecke lagen ein paar geköpfte Champagnerflaschen, daneben ein Haufen Dreckwäsche. Von einem hohen Wandregal starrten etwa zwei Dutzend perückenbestückter Holzköpfe in den Raum. Drei weitere Türen führten zur Bühnenwerkstatt, zur Schneiderei und zu einer Art Aufenthaltsraum, einem winzigen Zimmerchen, dessen einziger Einrichtungsgegenstand ein knarrendes Sofa mit zerschlissener Wolldecke war. Fast im ganzen Theater herrsche ein unfassbares Durcheinander, und über allem lag dieser spezielle Geruch, ein Gemisch aus Holz, Farbe, Kleister, Stoff, Schweiß, Puder, Schminke, Geilheit und Angst.Ungefähr um halb elf begannen Janos und Irina draußen im Foyer aus ihrer morgendlichen Halberstarrung zu erwachen. Die Augenringe lösten sich auf, die Gesichter bekamen Farbe, die Blicke lösten sich von den Kaffeetassen, die Köpfe hoben sich schwerfällig. Es war, als ob das Leben jeden Morgen auf Neue in die beiden Körper zurückkehren müsste. Ein mühsamer und schmerzhafter Prozess."

Die Magie, die sich in und hinter einem Theater verbirgt, zieht den Jungen stark an. Er arbeitet hart an sich und versteht nach und nach, was es bedeutet, ein Schauspieler zu sein. Auch hier gibt es wichtige Stationen seiner Laufbahn: sein erster Auftritt auf der Theaterbühne und eine kleine Rolle bei einem Filmdreh.

In Allem zieht sich der leicht sarkastische Ton Seethalers durch. Der Junge wird trotz seines skurrilen Charakters zum Sympathieträger und man wünscht ihm, sein Glück in der Welt zu finden. Das Zerrissensein, der Sturm und Drang, das Wollen und nicht Können, das wird großartig verpackt. Mir gefiel das Eintauchen in eine andere Welt, in Denkweisen, die mir so nicht bekannt waren.

8. Mai 2017

geklickt. Im April 2017.


Jeden Monat zeige ich euch unter der Kategorie geklickt, auf welchen Seiten im Netz ich mich im vergangenen Monat herumgetrieben habe und welche Artikel ich lesenswert finde.


1 // Schon vor Jahren war Convoy mein allerliebster Tumblr Account. Das Arrangement der gesammelten Bilder, überwiegend bestehend aus Interior, Leder, Häuser, Mode, Kunst und Autos gestaltet Fredrik Posse einzigartig. Endlich hat er wieder eine neue Seite voller Inspiration gepostet. Und ich habe nun auch sein Instagram-Profil entdeckt.

2 // Laura ist durch ihre Arbeiten als Beauty-Redakteurin beim TUSH Magazine bekannt. Jetzt hat die sympathische Hamburgerin ihren Reiseblog Ten Things To Do gelauncht. Was uns hier erwartet? Ihre Tipps für die schönsten Städte, die sie rund um den Globus erkundet. Ich muss an dieser Stelle natürlich direkt auf den Artikel Pretty places in Paris hinweisen.

3 // Weil Paris immer geht: Das Onlinemagazin bon appétit stellt in seinem City Guide sehr viele spannende Pariser Adressen zusammen, wo man vorzüglich speisen und die Zeit vertrödeln kann. 

4 // Auch nach Jahren bin ich noch ganz angetan von dem französischen Kleidungsstil und versuche, mir das ein oder andere abzugucken. Das Label Rouje, das von Jeanne Damas gegründet wurde, ist für diejenigen, die sich alltäglich auf den Blogs tummeln, wahrscheinlich kein neuer Begriff mehr, aber ich habe mich erst im letzten Monat mit der Kultmarke auseinandergesetzt und den Onlineshop mal kräftig durchsucht. Mir gefallen drei Teile außerordentlich gut; ich sehe mich vor allem im Jupe Gloria, in der Robe Laura oder in der Robe Gabin. Noch viel schöner wirken die Kleidungsstücke von Rouje an den Frauen, die sich mit dem Hashtag #lesfillesenrouje auf Instagram versammeln.

5 // Eine echte Inspirationsquelle war für mich im vergangenen Monat das Closed Diary mit Melanie Frei auf Journelles. Mir gefällt ihr Kleidungsstil sehr gut und mir fiel dann auf, dass ich doch bereits einiges davon in ähnlicher Art und Weise zu Hause im Schrank hängen habe. Was sie aber deutlich besser macht als ich: Die einzelnen Teile sind hochwertiger und das sieht man ihnen einfach an. Und das Diary hat mich dahingehend inspiriert, dass mir bewusst wurde, dass ich mit Blusen einfach noch mehr aus meinen Kleidungsstücken herausholen könnte. Die wenigen Blusen, die ich besitze, sind stark abgetragen und in den letzten Jahren habe ich vermehrt Pullover getragen. Nun möchte ich meinen Fokus bewusster auf Blusen lenken und schauen, wohin mich das führt.

6 // Neben all der Leserei für die Uni habe ich mir im April wieder die Zeit genommen, um (lange) Blogartikel zu lesen. Dieses Mal war ich zum Beispiel ganz angetan von den ironisch-ernstgemeinten Texten auf C'est Clairette.

7 // Ich bewundere die Schwestern Desi und Nisi vom Blog teetharejade für ihr Layout ihrer Blogposts. Ihre Travel Videos sind auch jedes Mal eine Wucht. Im neusten Video, das die Eindrücke ihrer Kuba-Reise zeigt (und gleichzeitig ein Werbefilmchen für Havana Club ist), wird so eine starke Urlaubsatmosphäre erzeugt, ich fühle förmlich die Leichtigkeit und Wärme, und bekomme eine Sehnsucht nach einer Auszeit im Süden. (Gar nicht mal unbedingt in Kuba, sondern einfach an einem schönen, warmen Ort.) 

8 // Für uns geht es bald nach Leipzig und im Zuge der Vorbereitung bin ich auf das tolle Online Magazin Viertelrausch gestoßen, das Leipziger Menschen interviewt.

9 // Am allermeisten hat mich im letzten Monat Kims sehr persönlicher Text Und auf einmal steht die Welt still berührt. Sie erzählt von dem Tag, an dem sie die Diagnose Brustkrebs bekam, spricht darüber, was dies nun mit ihr macht und wie die nächsten Schritte aussehen. Sie ist eine starke Frau, die sich selbst als Kriegerin im Kampf gegen die "fiese Zecke" bezeichnet und behält bei all dem Kummer ihren Optimismus bei. So beeindruckend.


Und was habt ihr im April gelesen?

1. Mai 2017

gelebt. Der April 2017.


Wieder ist ein Monat vorbei - ein sehr emotionaler Monat.


gelebt:

Es ist verrückt, aber die erste Hälfte des Monats war richtig entspannt und schön, die zweite war viel zu voll und anstrengend.

Ich habe in den ersten beiden Wochen das Leben einfach nur genossen und konnte – wie bereits im März – einiges von dem erledigen, das schon ewig auf meiner Aufgabenliste stand, aber immer so unwichtig war, dass ich mich nicht drangesetzt habe. Ich habe analoge Bilder eingescannt, habe die Kragen meiner Jacken und Mäntel gereinigt, pflanzte Nutzpflanzen und Blumen auf dem Balkon, probierte ein paar Rezepte aus, war seit langem wieder auf dem Markt und besuchte die Stephanskirche in Mainz sowie deren wunderschönen Kreuzgang.

Es gab viele erste Male in der Familie. Sogar bei Anton. Pauls erster Zahn ist durchgebrochen und ich verabschiede mich allmählich von diesem süßen zahnlosen Lächeln.

Auch für mich gab es ein großes Highlight. Seit zwei Wochen besuche ich an der Uni wieder Veranstaltungen. Die zwei Lektürekurse (im Fach Komparatistik) verschaffen mir sehr viel Lesearbeit, doch bin ich äußerst dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu habe. Das erste Mal also auch von Paul getrennt sein. Das war aufregend, etwas wehmütig war mir schon zu Mute, und doch war es gut. [Bachelor, irgendwo dahinten kann ich dich sehen!]

Nach Monaten (!), in denen wir nach einem neuen Bett gesucht haben, kam es fünf Woche nach der Bestellung endlich bei uns an und wurde aufgebaut. Mensch, ich schlafe soo gut. 1,80 m – es ist ein Traum! (Warum haben wir das nicht so vor drei Jahren bestellt?!)

Ich habe auf dem Balkon gegärtnert. Wow, hat mir das Spaß gemacht. Noch viel besser war es, als wir den Salat ernten konnten.

Die zweite Monatshälfte war so durchwachsen, weil die Buben auch schon mal besser drauf waren und ich gleichzeitig viel zu tun hatte. Durch die Seminare fallen mir wieder zwei Vormittage in der Woche weg und ich spüre es deutlich, dass ich weniger "Zeit für mich" habe.



ausgegangen: In der Morgensonne mit einer Freundin in der Kaffeekommune ein nicht zu süßes Bananenbrot gegessen und zwei leckere Kaffee dazu getrunken. Die Gaustraße hat es mir im letzten Monate sowieso sehr angetan. Es macht Spaß, sich dort treiben zu lassen und das Geld loszuwerden.

gebacken/gegessen: Again - Dinkelbrötchen und Bärlauchpesto. So so gut. Ich freue mich schon auf die nächste Bärlauch-Saison und bin ein großer Fan geworden. Zum ersten Mal habe ich grüne Soße gemacht (und werde es wohl nicht noch einmal machen). Flammkuchen, dieser sehr leckere Karottenkuchen, Rote Beete und gelbe Beete, Erdbeeren.

gelesen: Becks letzter Sommer von Benedict Wells war mein letzter Roman, den ich aus purem Vergnügen gelesen habe. Mir gefiel es sehr gut und Teile des Buchs hingen mir noch lange nach. Die Nacherzählung klingt ziemlich abstrus, der Plot IST abstrus, aber dennoch unterhaltsam und mit vielen Tiefen. (Kennt ihr den Film? Könnt ihr ihn empfehlen?) Ein Sammlungskatalog vom Kunsthaus Zürich, Die göttliche Komödie von Dante Alighieri, Literatur zu Poe und Baudelaire, u.a. The Raven von Edgar Allan Poe, Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni, Nora (Ein Puppenheim) von Henrik Ibsen (So so großartig!!), Der Mythos von Paris. Zeichen und Bewusstsein der Stadt von Karlheinz Stierle (wird mich noch lange beschäftigen...).

gehört: The Kooks, The Beatles



ausgestellt: Leider habe ich nur mit den Kids die Sammlung im Naturhistorischen Landesmuseum Mainz angesehen. Der Besuch der Art Cololgne schien zum Greifen nah, doch musste ich leider noch während des Buchungsvorgangs für den Zug einen Rückzieher machen. (Könnt ihr euch vorstellen, wie traurig ich darüber war?) Für den kommenden Monat gibt es aber tolle Pläne und ich freue mich darüber.

gereist: Es war ein ruhiger Monat und ich war fast ausschließlich im Mainzer Umland.

gekauft: Die Glamour-Shopping-Week-Aktionen nutze ich oft aus und bestelle dann das, was ich sowieso brauche, nur eben mit den Prozenten. Dieses Mal hatte ich Glück und habe einen neuen Bikini gefunden, nachdem meine schon über fünf Jahre alt sind. Ein neuer Wintermantel von Ganni (mein Lieblingsmantel ist bereits auch schon über vier Jahre alt und fällt etwas auseinander) und schwarze Ballerinas habe ich auch gefunden. Ich laufe auf ihnen wie auf Wolken. Sie sehen vielleicht etwas spießig aus, aber endlich passen mir überhaupt ein Paar und dann gleich so bequeme, klassische Schuhe. Auf dem Flohmarkt von Fuchs&Bente und Oh.Kiddo in der Gaustraße habe ich einen Topfuntersetzer und Postkarten gefunden. Außerdem habe ich (Achtung!) dreizehn Bücher gekauft. Eins war ein Geschenk, vier davon sind für mich privat, der Rest sind Schauer-/Horrorgeschichten sowie klassische Klassiker für die Lektürekurse an der Uni.

getragen: Ich habe zwei Mal einen Papp-Coffee To Go Becher bekommen, weil ich meinen Bambusbecher zu Hause vergessen hatte.



gewünscht: Eine entspannte Atmosphäre. Zu viele Termine und nörgelnde Kinder können mir ein wenig die Laune vermiesen. Außerdem: Urlaub. Allmählich bin ich wieder urlaubsreif.

gedacht: Was bedeutet (mir) Freundschaft?

geärgert: Wir kommen mit der Buchung unseres Sommerurlaubs nicht so voran wie gewünscht. Man mag es kaum glauben, aber innerhalb von zwei Wochen sind die Preise so stark explodiert, dass viele Angebote schon um 300 Euro teurer waren. Völlig verrückt.
Und richtig geärgert haben wir uns, als wir unsere Bestellung geöffnet haben und darin die falschen und vor allem kaputten Teile für unser Bett vorfinden mussten. Wir durften also eine Woche lang mit den Matratzen auf dem Boden schlafen, bevor wir unser neues Bett aufbauen konnten.

gefreut: Ich habe eine tolle Note für meine letzte Hausarbeit bekommen und darüber freue ich mich sehr. Der ganze Aufwand und die viele Zeit, die ich in die Hausarbeiten stecke, lohnen sich jedes Mal wieder. Gefreut habe ich mich aber auch über zwei wunderschöne Postkarten.

geliebt: Ein kitzeliges Baby.