den Augenblick erkennen, den Moment erleben

27. Dezember 2016

Entschleunigtes Bloggen


Momentan mache ich mir viele Gedanken darüber, was ich online konsumiere und wie mich diese von mir gefilterte und dann durch Algorhythmen bestimmte Wahrnehmung beeinflusst.

Wenn ich nur auf die bei Feedly gespeicherten Blogs und Webseiten blicke (und Instagram, Facebook etc. vernachlässige), fällt mir auf, dass ich immer mehr Artikel wegklicke, wenn ich die ersten Zeilen gelesen habe. Dabei geht es mir selten um die allgemeine Erscheinung. Vielmehr lässt sich häufig schon bei diesen wenigen Zeilen erahnen, dass es sich wieder um einen gesponsorten Artikel handelt oder dass der Text gefällig geschrieben ist. So fällt mir dann meist irgendwann auf, dass ich schon lange nicht mehr auf der ein oder anderen Seite war und lösche sie dann schlussendlich aus meinem Reader.

Dass "Blogger" mittlerweile eine mehr oder weniger etablierte Berufsbezeichnung ist und diejenigen, die diese Profession ausüben, auch ihr Geld verdienen wollen, steht außer Frage. Fest steht auch, dass viele Blogger jede Menge Herzblut und Arbeit in ihr Baby stecken und sehr professionell sind.

Die vielen Neuerungen im Laufe der letzten Jahre, wie beispielsweise das Layout, die eingebauten Videos oder die eingegangenen Kooperationen, sind ganz natürliche Prozesse. Was mir zunächst so gut gefiel, hatte auch seine Schattenseiten. Je mehr die Seiten Magazinen ähnelten, umso unübersichtlicher wurden sie. Und je mehr Kooperationen eingegangen wurden, umso weniger glaubhaft wirkten die Blogger auf mich. So sehr sie auch beteuerten, dass alles ganz frei und nur nach ihrer eigenen Meinung geschrieben und bewertet wurde.

Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt. Doch mir wird immer klarer, mit welchen Texten ich meine Zeit verbringen möchte. Was bringt mich weiter? Was treibt meine eigenen Gedanken voran? Und das muss auch gar nicht immer so philosophisch sein, sondern darf sich auch manchmal gerne in der Konsumwelt bewegen. (Eine ehrliche Empfehlung für ein Pflegeprodukt werde ich mir immer ansehen.) Es geht mir manchmal gar nicht so sehr um die Themen (Leben, Fotografie, Mode, Kochen, Einrichtung, usw.) als um die Leidenschaft, die sich dahinter verbirgt. Also auf welche Art und Weise von den Dingen, die uns beschäftigen, geschrieben wird.


Entschleunigtes Bloggen

Mir ist aufgefallen, dass in meinem Bekanntenkreis und unter den Bloggern, die ich lese, wieder mehr auf Achtsamkeit und Langsamkeit gesetzt wird. Ich kann kaum behaupten, dass Slow Blogging, auf Deutsch vielleicht entschleunigtes Bloggen, wirklich ein Trend ist, aber mir gefällt diese Entwicklung sehr gut. In Zeiten, in denen ich meine Abende nicht mehr ausschließlich damit verbringen möchte, nur Blogartikel zu lesen, sondern auch wieder ein Buch aufschlage, freue ich mich darüber, dass manche Blogger ihren alten Blog reaktivieren und ihm wieder Leben einhauchen.

Als Katrin vor einigen Wochen dazu aufrief, wieder mehr zu bloggen und mit Hilfe ihrer #gobacktoblogging Challenge mehrere Blogger anspornte, überraschte und freute es mich sehr.

Auch Fatima beschreibt, dass sie sich immer mehr verloren fühlt auf Instagram und ihren alten Blog nun wieder weiterführen möchte.

Ich bin sehr gespannt, welche Inhalte und welches Design in den nächsten Jahren bei den Lesern ankommen werden. Ob sich die Konsumenten mehr Zeit nehmen werden und tatsächlich die Texte lesen oder nur durch die Bilder scrollen.

Seitdem ich meinen Reader bewusst sortiert habe und nicht mehr so häufig, dafür aber konzentriert Blogs lese, entdecke ich einen echten Mehrwert für mich. Und seitdem ich mir mit meinem eigenen Blog keinen Stress mache und nur dann schreibe, wenn es passt und ich die Möglichkeit dazu habe, habe ich die Gelassenheit, die mich zufrieden macht.


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