den Augenblick erkennen, den Moment erleben

31. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016 - Ziele 2017


Für mich persönlich war 2016 ein gutes, manchmal anstrengendes und vor allem glückliches Jahr.

Die erste Hälfte war von der Schwangerschaft geprägt, die zweite von unserer intensiven Vierer-Familienzeit. Insgesamt war es für mich ziemlich ruhig, wir waren wenig unterwegs und viel in unserem Ort und im Garten. Ich habe so viel gebacken wie noch nie in meinem Leben, habe viel gelesen und (mit Anton) gebastelt. Ich war mehr in der Natur. Gleichzeitig habe ich wenig gebloggt und mir wenige Ausstellungen angeschaut. Meistens war ich sehr glücklich, zufrieden und gelassen. Mir war ständig bewusst, wie gut ich es habe und konnte das entschleunigte Leben genießen.


FAMILIE
Für unsere Familie gab es dieses Jahr viele Veränderungen. Anton und ich verbrachten eine ganz intensive Zeit. Die Schwangerschaft verlangte mir ein bisschen was ab, war aber dennoch sehr schön und ich erlebte sie ganz bewusst. Dann wurde ich die Mama von einem zweiten Jungen und obwohl ich es mir kaum vorstellen konnte, wie es denn sein würde, war und ist es noch besser. Paul ist ein süßer Schatz, Anton der Wirbelwind und ich bin so unglaublich dankbar, dass die beiden gesund sind. Es hat mich überrascht, dass es sich für mich so natürlich anfühlt, Mama von zwei Kindern zu sein und dass man ganz schnell in diese Aufgabe hineinwächst. Eine große Veränderung war auch Antons Wechsel von der Tagesmutter zum Kindergarten.


STUDIUM
Ich habe nur im Sommersemester studiert und machte im Wintersemester eine Elternpause. Ein Seminar war wegweisend, das beste meines gesamten Studiums und ich lernte sehr viel von meiner Dozentin. Außerdem habe ich die Lateinprüfung bestanden und nun die Hoffnung, meine Kenntnisse nicht mehr zu benötigen.


BLOG
Hier war es richtig ruhig, obwohl sich meine Gedanken ständig um mein Blog drehen. Es tut mir aber gut, dass ich deshalb kein schlechtes Gewissen mehr habe, sondern einfach dann schreibe, wenn es passt. Für mich selbst war es auch eine sehr wichtige und gute Entscheidung, mein Elternblog une vie magnifique zu schließen.


REISEN
Im Frühjahr hat sich ein großer Wunsch erfüllt und wir reisten wieder nach Paris. Es bedeutete mir viel, ich hatte dafür angespart und wir hatten uns ein hübsches Appartement im 11. Arrondissement gemietet.

Ende Mai ging es für mich und meinen Freund, nur wir zu zweit, für wenige Tage nach Kos. Eine Art Babymoon mit schlechtem Essen und harten Matratzen, aber dafür so viel Qualitytime, mit zu süßen Cocktails und wir waren viel schwimmen. Hängen geblieben ist mir der letzte Morgen, als wir die einzigen waren, die im Meer schwammen.

Unsere Ausflugswoche im Juli schaffte so viele Erinnerungen, das ich immer wieder daran zurückdenke.

Der Wunsch, ein weiteres Mal zu verreisen, blieb mir leider vergönnt und ich machte kleine Touren in den umliegenden Städten. Karlsruhe bedeutet mir immer sehr viel und so war ich froh, dass wir Anfang des Jahres eine Nacht dort verbringen konnten.


KUNST
Die Ausstellung Joan Mirò in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt hat mich in diesem Jahr am meisten beeindruckt.


BUCH
Ich habe in diesem Jahr wieder viel mehr "nur für mich" gelesen und ich habe fünf Favoriten. Der Schwarm von Frank Schätzing beschäftigte mich noch sehr lange. Léon und Louise von Alex Capus war herzerwärmend schön. Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells. Und zwei Bücher von Robert Seethaler mit seinen herrlich einfachen Worten - Ein ganzes Leben und Der Trafikant.


ESSEN
Indisch, gefüllte Wraps, Hummus, Chili con Carne, Cheesecake


DER BLÖDSTE MOMENT
Eine Wurzelbehandlung an einem Backenzahn. Eines der schlimmsten Dinge, die ich mir vorstellen konnte, ist eingetreten. Für mich war es wirklich eine Folter, schlimmer als die zweite Geburt und leider mit einem Termin nicht getan.


DER SCHÖNSTE MOMENT
Die Geburt von Paul. Sogar eines der schönsten Momente meines Lebens.


ZIELE
Am Ende des Jahres schaue ich nicht nur zurück und sehe, was ich doch für ein gutes Leben habe, sondern mache mir auch Pläne für das neue. Während ich einige Ziele direkt umsetze, gibt es manche Dinge, die mich zum Jahresende nochmal nachdenken lassen. Mir tut es dann gut, den Jahreswechsel ganz bewusst dafür zu nutzen, um Ziele für das neue Jahr zu setzen. Es dürfen nicht zu viele sein, sonst kann ich sie gar nicht erreichen oder vergesse sie nach ein paar Monaten wieder. Gemeinsam mit meinem Freund gibt es eine Liste für uns als Familie, aber hier kommt meine persönliche.

- In den ersten drei Monaten muss ich eine Hausarbeit fertigstellen.
- Die Betreuungssituation für Paul muss geklärt werden und somit auch der Zeitpunkt für meinen Wiedereinstieg in das Studium.
- Ich möchte weiterhin so viel lesen. (Einige Bücher liegen schon bereit.)
- Ich möchte weniger Coffee to go Becher benutzen.
- Ich spare wieder für eine Paris-Reise.
- Ich möchte einen gemeinsamen Familienurlaub am Meer machen.
- Ich möchte in Gesprächen wieder besser und aufmerksamer zuhören und nicht mehr mein Gegenüber mit meinen Erzählungen erschlagen selbst so viel reden.


Übrigens sind das meine #2016bestnine auf Instagram. Sehr konzentriert auf den Babybauch und Paul. :-)




Ihr Lieben, wie war euer Jahr 2016? Hattet ihr viel Glück und Liebe, viel Arbeit, viel Leid, viele Ausflüge, viele neue Erfahrungen? Macht ihr euch Pläne für das neue Jahr und welche Ziele setzt ihr euch?
Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr zufrieden seid, dass es euch gut geht und ihr viel Gutes erlebt. Habt eine schöne Silvesternacht und startet gut in das neue Jahr!

Habt Dank für euer Mitlesen und eure lieben Gedanken.


29. Dezember 2016

Der eigene Kleidungsstil



Der eigene Kleidungsstil

Ab wann hat man seinen eigenen Kleidungsstil gefunden?
Das ist ein Prozess, mit Fehlkäufen, Inspiration und vielen einzelnen Lieblingsstücken. Spätestens als ich verstanden hatte, dass ich keine Trendteile brauche, um mich wohlzufühlen. Dass ich zwar "bunt" an Anderen unglaublich schön finde, es aber selbst niemals anziehen werde, sondern im Schrank hängen lasse. Vielleicht an dem Punkt, als ich fast nur noch Kleidungsstücke besaß, die ich wirklich gerne anzog; da hatte ich meinen Stil gefunden.

So liebe ich es wirklich aufrichtig, dunkle Farben zu tragen. Ein bisschen classy. Viele tolle Materialien wie Kaschmir, Lammwolle, Seide. Weil sie sich gut anfühlen oder warmhalten. Mir gefallen Hemden, Cardigans und auch schlichte Pullover. Ich mag es unaufgeregt.

Aber das Leben birgt ja immer wieder Überraschungen und so musste ich feststellen, was eine Schwangerschaft und das Kinderhaben mit mir machen. Denn auch wenn es Frauen gibt, die beteuern, dass sie sich überhaupt nicht verändert haben, muss ich ganz klar sagen, dass sich zu großen Teilen nicht nur ich und mein Leben sich zu einem gewissen Grad verändert haben, sondern ebenso mein Stil.


...verändert sich nach der Schwangerschaft

Auf Streifen (#teamstripes) stehe ich tatsächlich erst seit meiner ersten Schwangerschaft. In meiner zweiten Schwangerschaft kaufte ich Sneaker (und hüpfte mit ihnen und meinen plus 17 Kilos...) Und ganz automatisch trage ich nun viel öfter Jeans statt Kleider, weil sie mit Kindern einfach viel praktischer sind.

Am Ende der zweiten Schwangerschaft hatte ich nur noch wenige Teile, die mir passten. Da ich aber wenige "Auswärtstermine" hatte und viel zu Hause war, zog ich eben ständig die gleichen Lieblingskleider an.

Doch die Stillzeit im Spätsommer und der schnelle Wechsel zum Herbst machten es mir etwas schwer. Die Kleider waren nicht stilltauglich und ich musste wieder weite Oberteile finden, die sich gut hochschieben oder aufknöpfen ließen. Und was sollte ich drunter anziehen? Immer wieder wurde es die neue schwarze Jeans, die ich ganz ohne schlechtes Gefühl eine Größe größer kaufte, damit nichts zwickte.

Vor allem die Stillzeit ist für mich kleidungstechnisch eine Herausforderung. Ich trage zur Zeit vor allem das, was passt und stilltauglich ist. Praktisch und gemütlich sind gerade meine Schlagwörter. Davon habe ich aber allmählich genug.


Zeit für eine Veränderung

Jeder Wechsel bedeutet auch eine Chance auf Veränderung. Und so wie ich zwei Mal im Jahr Panik bekomme, dass ich ja überhaupt nichts zum Anziehen habe, nämlich beim Wechsel von Sommer zu Herbst und beim Wechsel von Winter zu Frühling, hatte ich auch beim Wechsel von der Schwangerschaft zur Stillzeit diesen PanikMoment. Verrückt. In der Tat quillt mein Kleiderschrank nicht gerade über und auch die Auswahl ist beschränkt, aber ich habe immer genug zum Anziehen.

Dieser change of season brachte mich aber dazu, wieder mutiger zu werden. Ich habe plötzlich Lust auf flatternde Kleider, hohe Schuhe, eine blue Jeans. Und das ist doch super. Natürlich ist es bei mir ein langer Weg von "finde ich ganz schön" bis hin zu "ich ziehe das jetzt an". Ich brauche ewig, bis ich mich dazu entschließe, etwas zu kaufen. Onlineshops finde ich furchtbar (weil zu viel Auswahl), aber zum Offline-Shoppen komme ich nicht.

Dieser Wandel vollzieht sich auch gar nicht im Großen, sondern für Außenstehende unbemerkt. Für mich selbst sind es aber wichtige Schritte - und ich merke, wie sich nach und nach mein Stil verändert. Oder ist es gar der gleiche Stil mit einer schleichenden Evolution?

Ich bleibe also bei meinen Lieblingssachen und will sie um weitere Lieblingsteile erweitern. Meine größte Überraschung ist, dass ich beim Stöbern im Netz (das mache ich nämlich trotzdem manchmal, auch wenn ich es hasse) eine cognacbraune Tasche von Closed fand (leider gerade ausverkauft), die ich nicht mehr vergessen konnte und mich wirklich inspirierte. Sie machte mir so Lust, wieder mehr braun statt schwarz zu tragen, weg von den schwarzen Lederwaren. Fast wie schon vor sechs bis zehn Jahren.

Und ich möchte euch hier einfach ein paar Stücke zeigen, die es mir angetan haben und über die ich immer wieder nachdenke. Ein weinroter Mantel, schon so lange auf meiner Wunschliste, zum Beispiel der Mantel John von Sézane, wenn ich mir etwas gönnen möchte oder von Promod, etwas lässiger und mit Gürtel. Und wisst ihr, es ist so schwer, ein schönes, schlichtes Streifenshirt zu finden, dessen Nähte nicht schief sind und dessen Stoff viele Wäschen hält. Ich habe immer noch kein Gutes gefunden. Ich schiele auf einige Taschen, die ich nicht brauche, die aber gut zu meiner Garderobe passen würden. Die Tasche Calvin von Sézane, bei der ich nicht weiß, ob ich cognac oder schwarz schöner finde. Oder die Ella Midi von O my bag, die ich so ultraschön finde. Ich habe mich aber auch in die Boots Prince von Sézane (einer der wenigen Onlineshops, bei denen mir richtig viel gefällt) verguckt; in schwarz und beige. Ich mag diese rostroten Ballerinas im 70ies Look und diese Stiefeletten.

Die schönen Stücke auf den Fotos waren Glückskäufe, mit denen ich sehr zufrieden bin. Eine helle, dicke Strickmütze für mich. Goldfarbener Schmuck. Sehr untypisch für mich, aber sie gefallen mir so gut. 



27. Dezember 2016

Entschleunigtes Bloggen


Momentan mache ich mir viele Gedanken darüber, was ich online konsumiere und wie mich diese von mir gefilterte und dann durch Algorhythmen bestimmte Wahrnehmung beeinflusst.

Wenn ich nur auf die bei Feedly gespeicherten Blogs und Webseiten blicke (und Instagram, Facebook etc. vernachlässige), fällt mir auf, dass ich immer mehr Artikel wegklicke, wenn ich die ersten Zeilen gelesen habe. Dabei geht es mir selten um die allgemeine Erscheinung. Vielmehr lässt sich häufig schon bei diesen wenigen Zeilen erahnen, dass es sich wieder um einen gesponsorten Artikel handelt oder dass der Text gefällig geschrieben ist. So fällt mir dann meist irgendwann auf, dass ich schon lange nicht mehr auf der ein oder anderen Seite war und lösche sie dann schlussendlich aus meinem Reader.

Dass "Blogger" mittlerweile eine mehr oder weniger etablierte Berufsbezeichnung ist und diejenigen, die diese Profession ausüben, auch ihr Geld verdienen wollen, steht außer Frage. Fest steht auch, dass viele Blogger jede Menge Herzblut und Arbeit in ihr Baby stecken und sehr professionell sind.

Die vielen Neuerungen im Laufe der letzten Jahre, wie beispielsweise das Layout, die eingebauten Videos oder die eingegangenen Kooperationen, sind ganz natürliche Prozesse. Was mir zunächst so gut gefiel, hatte auch seine Schattenseiten. Je mehr die Seiten Magazinen ähnelten, umso unübersichtlicher wurden sie. Und je mehr Kooperationen eingegangen wurden, umso weniger glaubhaft wirkten die Blogger auf mich. So sehr sie auch beteuerten, dass alles ganz frei und nur nach ihrer eigenen Meinung geschrieben und bewertet wurde.

Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt. Doch mir wird immer klarer, mit welchen Texten ich meine Zeit verbringen möchte. Was bringt mich weiter? Was treibt meine eigenen Gedanken voran? Und das muss auch gar nicht immer so philosophisch sein, sondern darf sich auch manchmal gerne in der Konsumwelt bewegen. (Eine ehrliche Empfehlung für ein Pflegeprodukt werde ich mir immer ansehen.) Es geht mir manchmal gar nicht so sehr um die Themen (Leben, Fotografie, Mode, Kochen, Einrichtung, usw.) als um die Leidenschaft, die sich dahinter verbirgt. Also auf welche Art und Weise von den Dingen, die uns beschäftigen, geschrieben wird.


Entschleunigtes Bloggen

Mir ist aufgefallen, dass in meinem Bekanntenkreis und unter den Bloggern, die ich lese, wieder mehr auf Achtsamkeit und Langsamkeit gesetzt wird. Ich kann kaum behaupten, dass Slow Blogging, auf Deutsch vielleicht entschleunigtes Bloggen, wirklich ein Trend ist, aber mir gefällt diese Entwicklung sehr gut. In Zeiten, in denen ich meine Abende nicht mehr ausschließlich damit verbringen möchte, nur Blogartikel zu lesen, sondern auch wieder ein Buch aufschlage, freue ich mich darüber, dass manche Blogger ihren alten Blog reaktivieren und ihm wieder Leben einhauchen.

Als Katrin vor einigen Wochen dazu aufrief, wieder mehr zu bloggen und mit Hilfe ihrer #gobacktoblogging Challenge mehrere Blogger anspornte, überraschte und freute es mich sehr.

Auch Fatima beschreibt, dass sie sich immer mehr verloren fühlt auf Instagram und ihren alten Blog nun wieder weiterführen möchte.

Ich bin sehr gespannt, welche Inhalte und welches Design in den nächsten Jahren bei den Lesern ankommen werden. Ob sich die Konsumenten mehr Zeit nehmen werden und tatsächlich die Texte lesen oder nur durch die Bilder scrollen.

Seitdem ich meinen Reader bewusst sortiert habe und nicht mehr so häufig, dafür aber konzentriert Blogs lese, entdecke ich einen echten Mehrwert für mich. Und seitdem ich mir mit meinem eigenen Blog keinen Stress mache und nur dann schreibe, wenn es passt und ich die Möglichkeit dazu habe, habe ich die Gelassenheit, die mich zufrieden macht.


9. Dezember 2016

Heimat


Die meisten würden ihre Heimat als diesen Ort oder die Gegend bezeichnen, in der sie aufgewachsen sind. Aber mir fällt das schwer. Mit nur wenigen Jahren bin ich mit meiner Familie in ein kleines Dorf im Spessart gezogen. Dort bin ich in den Kindergarten gegangen und habe dort meine Grundschulzeit erlebt. Ich hatte dort eine beste Freundin, unsere Nachbarin, bis wir auf unterschiedliche Schulen gegangen sind. Zu den besten Erinnerungen an dieses Dorf zählen der Weg in den Wald, die Kirchturmglocken und die Aussicht auf das Tal. In der Kindheit war das Dorf ein schöner Ort zum Leben, aber in den Jugendjahren sehnte ich mich nach der großen, weiten Welt. Es war so schwierig, ohne Auto rauszukommen und ich war froh, dass ich meine Freunde wenigstens am Wochenende regelmäßig sehen konnte.

Erst, als ich mit 19 auszog, verließ ich das Dorf und zog in die Stadt, in der ich geboren wurde und in der ich auch arbeitete. Die große Stadt (für ein Dorfkind). In Aschaffenburg lebte ich nur wenige Jahre, hatte dort mein Stammcafé und kannte ein paar schöne Ecken. Aber es zog mich fort nach Mainz.

Anfangs war mir die Stadt eher suspekt, ich fand sie unschön und mir fehlte das Großstädtische. Aber mit jedem Jahr und mit jeder Bekanntschaft und Freundschaft lernte ich, die Stadt zu lieben. Drei Jahre verbrachte ich in einem der hippen Stadtteile von Mainz. In dieser Zeit gab es in der Kreativ- und Gastroszene einen riesigen Aufschwung und sehr viel Bewegung. Hier habe ich mein Abitur nachgeholt, gearbeitet, mit dem Studium angefangen, habe in drei verschiedenen Wohnungen gewohnt, Freunde gewonnen, mich von einem Mann getrennt und meinen Freund kennengelernt.

Nach etwas mehr als drei Jahren bin ich auf die andere Rheinseite gezogen. Ich hätte mir niemals, wirklich niemals vorstellen können, dass ich mich in meiner Nachbarschaft irgendwann so wohl fühlen würde. Diese Rheinseite hat nämlich den Ruf eines Problembezirks. Es gibt ein paar hübsche Häuser aus der Jahrhundertwende, aber ansonsten ist es hier recht trostlos. (Die wenigen Vorteile: Mietpreise, Anbindung nach Wiesbaden und Frankfurt, der schönste Blick auf die untergehende Sonne vom Kasteler Strand aus.)

Dieser Vorort steht aber für meine Familie. Hier sind wir als Familie zusammengewachsen. Ich habe hochschwanger die Möbel aufgebaut und habe das Kinderzimmer eingerichtet. Wir haben hier unseren tollen Kinderarzt, eine perfekte Tagesmutter und einen guten Kindergarten. Hier werden beide Jungs groß, rennen durch den Garten und machen Freunde.

Sieben Umzüge in vier Jahren und dabei bin ich gar nicht so weit durch Deutschland gekommen. Meine Heimat finde ich nicht in dem Dorf, in dem ich meine Kindheitsjahre verbracht habe, auch nicht in der Stadt, in der ich erwachsen wurde. Ich fühle meine Heimat in der Mainzer Umgebung. Bei den unkomplizierten Menschen, bei meinen Freunden und meiner eigenen Familie. Meine Heimat ist gerade hier.

5. Dezember 2016

eine ruhige Adventszeit


Seid ihr auch in Weihnachtsstimmung? Und was bedeutet überhaupt Weihnachtsstimmung?

Nachdem ich als Kind irgendwann ziemlich desillusioniert war, feierte ich viele Jahre den Advent in der Hoffnung auf eine besinnliche Zeit. Aber es wollte einfach nicht klappen. Die Weihnachtslieder mussten einstudiert werden, es gab viele Proben, die Stapel auf dem Schreibtisch abgearbeitet werden und zwischen all dem sollte man sich auf Weihnachten freuen.

Viele Jahre später, und spätestens seitdem ich selbst Kinder habe, hat Weihnachten einen ganz neuen Glanz bekommen. Damit die Kinderaugen leuchten, wird aufgefahren, was das Zeug hält. Auf einmal freut man sich wieder über den ganzen Weihnachtskitsch, kauft einen Weihnachtsbaum und schmückt die Wohnung, es wird wieder gewerkelt und gebastelt, Last Christmas rauf- und runtergehört, Stiefel geputzt und in freudiger Erwartung rausgestellt, der Weihnachtsmarkt besucht und auch Glühwein gekocht.

Auch, wenn es wirkt, als ob das alles ziemlich viel sei, ist das für mich ein Teil des gesamten Weihnachtstrubels. Er macht mir Freude und Weihnachtsstimmung. Das bedeutet nämlich Familienzeit und ich weiß, dass ich in diesen Momenten Erinnerungen für das gesamte Leben der Jungs schaffe.


Aber eine Erkenntnis kam nach vielen Jahren. Stress macht mir vor allem das Schenken. Nicht der Akt des Schenkens an sich, der ist schön. Nein, mir fällt es unglaublich schwer, das passende Geschenk zu finden, selbst wenn ich mir bereits während des Jahres Notizen mache. Und mit den letzten Sale-Angeboten des Jahres, mit (zu) vielen Onlineshops und der wenigen Freizeit, die mir zum Bummeln verbleibt, artet die Schenkerei meistens in Stress aus. Schnell türmt sich in meinen Gedanken eine Konsumwelt auf und ich denke nur noch über dieses und jenes Produkt nach.

Um aus dem Strudel der Gegenstände zu kommen und um die Adventszeit noch bewusster genießen zu können, soll es in diesem Jahr anders werden. Ich möchte mit dem ganzen Bastel-Back-Kitschgedöns, der mit wirklich Spaß macht, eine schöne Zeit für meine Jungs und mir selbst auch viele lustige Momente schaffen. Jedoch wollen wir uns damit nur beschäftigen, wie es in unseren Alltag reinpasst. Wir basteln nachmittags sowieso viel zusammen, daher kann ich auch in dieser Zeit Sterne kleben oder Geschenke einpacken.

Aber um zumindest das Schenken zu vereinfachen, gibt es dieses Jahr im Familienkreis ein gemeinsames Wichteln, bei dem jeder nur eine Person beschenken darf. Zur weiteren Vereinfachung wurden in einer Onlinedatei alle Wunschzettel gesammelt, sodass sich der Schenkende daran bedienen kann. Natürlich fallen dann noch hier und dort Kleinigkeiten an, es gibt im Dezember viel mehr Extra-Termine als das ganze Jahr über und auch vor Erkältungsviren bleiben wir im ersten Kindergarten-Winter nicht verschont.

Aber schon jetzt merke ich, wie sich alles entspannt und wie sehr ich mich über die letzten Wochen des Jahres und die vielen Feiertage freue. Und auf das gute Essen! :) Wir haben uns in diesem Jahr für einen Weg entschieden, wie wir sehr bewusst, ruhig und nicht zu konsumlastig Weihnachten feiern werden und das zahlt sich jetzt schon aus.

Wie erlebt ihr die Adventstage?

3. Dezember 2016

gelesen: Ein ganzes Leben von Robert Seethaler

Eggers Aufgabe bestand darin, in einem Holzsessel sitzend, das nur mit einer Sicherungsleine und einem per Hand bremsbaren Rollmechanismus an den Stahlseinen befestigt war, langsam talwärts zu rutschen, die Seile und Trägergelenke von Staub, Eis oder verkrustetem Vogelmist zu befreien und sie anschließend mit frischem Öl zu schmieren. Niemand riss sich um diese Aufgabe, es hatte sich herumgesprochen, dass in den Jahren zuvor zwei Männer, beide erfahrene Kletterer, abgestürzt und zu Tode gekommen waren, sei es aus Unachtsamkeit oder wegen eines Materialfehlers oder einfach nur wegen des Windes, der die Stahlseile manchmal meterweit nach beiden Seiten schwingen ließ. Aber Egger hatte keine Angst. Er wusste, sein Leben hing an einer dünnen Schnur, doch sobald er einen Träger erklommen, den Rollmechanismus angebracht und die Sicherheitskarabiner eingehakt hatte, fühlte er, wie es in ihm ruhig wurde und wie sich die wirren und verzweifelten Gedanken, die sein Herz wie eine schwarze Wolke umhüllten, in der Bergluft nach und nach auflösten, bis nichts mehr übrig blieb als reine Traurigkeit.

Am liebsten würde ich dir einfach nur zurufen: Kauf dieses Buch, es ist super; und du würdest es kaufen, lesen und genauso lieben wie ich. Aber ich versuche es mit einer kurzen Beschreibung.

Eine Lebensgeschichte eines Mannes in den Bergen. Ein Mann, den wir auf den Stationen seines Lebens begleiten. Seine Herkunft, die einzige Liebe seines Leben, seine Arbeit und der Krieg, das Dasein in einem Dorf in den Bergen und auch die Entwicklung des modernen Lebens, wie er Einzug hält in einem Dorf. Es sind schwere Momente und ein paar wenige schöne. Sie prägen ihn und formen ihn zu dem alten Mann, aus dessen Perspektive man zurückschaut. Es ist ein Rasen im Eil(lese)tempo durch die Tage und Zeiten. So leicht auf nur knapp über 150 Seiten erzählt. Seethaler zeigt, dass das Leben vielleicht gar nicht so komplex ist, wie wir oft glauben. Manchmal aber kompliziert und gleichzeitig so einfach.

Es sind Worte wie diese, die mich berühren:
Für einen Augenblick horchte er in den lautlos fallenden Schnell hinaus. Die Stille war vollkommen. Es war das Schweigen der Berge, das er so gut kannte und das doch immer noch imstande war, sein Herz mit Angst zu füllen.
Dann dachte er an seine Zukunft, die sich so unendlich weit vor ihm ausbreitete, gerade weil er nichts von ihr erwartete. Und manchmal, wenn er lange genug so dalag, hatte er das Gefühl, die Erde unter seinem Rücken würde sich ganz sachte heben und senken, und in diesen Momenten wusste er, dass die Berge atmeten.

Seethaler verpackt diese traurige Geschichte in einfache Worte und schafft damit eine Distanz zum Erlebten und eine Leichtigkeit, die im Kontrast zu dem Leben des Protagonisten steht. Es ließ mich hinterfragen, wie ich mein Leben gestalte und wie mein eigenes Konzept von Glück aussieht.

Egger nahm alle diese Veränderungen mit stiller Verwunderung hin. Nachts hörte er in der Ferne das metallische Knarren der Metallstreben entlang der Hänge, die jetzt Pisten hießen, und morgens wurde er oft vom Lärmen der Schulkinder hinter der Wand am Kopfende seines Bettes geweckt, das schlagartig abriss, sobald der Lehrer das Klassenzimmer betrat. Er erinnerte sich an seine eigene Kindheit, an die wenigen Schuljahre, die sich damals so unendlich lang vor ihm ausgebreitet hatten und die ihm jetzt kurz und flüchtig vorkamen wie Wimpernschläge. Überhaupt verwirrte ihn die Zeit. Die Vergangenheit schien sich in alle Richtungen zu krümmen und in der Erinnerung gerieten die Abläufe durcheinander beziehungsweise formten und gewichteten sich auf eigentümliche Weise immer wieder neu.

1. Dezember 2016

gelebt. Der November 2016.


Der November wird ewig ein besonderer Monat für mich sein, denn Anton feiert seinen Geburtstag. Dieser wurde in diesem Jahr im kleinen Kreis am Geburtstag selbst und im großen Familienkreis ein paar Tage später zelebriert. Antons Gesicht leuchtete, er hüpfte und genoss die besonderen Stunden, den Geburtstagskuchen und die Pizza am Abend. Aber er freute sich auch, dass alle wegen ihm zu Besuch kamen und mit ihm spielten. Seine großen Augen, als er die lange Tafel voller Tapas und Fingerfood sah, wird lange in Erinnerung bleiben. Mein Junge ist schon D R E I Jahre alt und ich bin so dankbar für diesen aufgeweckten Wirbelwind.

Als Familie erlebten wir den Martinsumzug mit Pferd, Feuerwehr, Martinsfeuer und Martinsweck und den ersten eisigen Temperaturen. Der Winter ist da!

Anton und ich waren beim Friseur. Ich leider weniger erfolgreich, Anton umso mehr. Er hat ein Zitronenbonbon abgestaubt. Seine einzige Motivation.

Zum Muttersein: Ich kann mir momentan nichts Schöneres vorstellen. Mir ist ja bekannt, was es außerhalb der Mama-Welt noch gibt und dem bin ich auch noch zugetan. Aber gerade finde ich es im Mama-Kosmos ziemlich schön. Weil ich mir nicht mehr so viele Termine lege, erleben wir gerade eine sehr stressfreie Zeit, in der wir uns aufeinander konzentrieren können. Diese Phase wird nicht ewig gehen - spätestens in neun Monaten geht Paul zur Tagesmutter und alles hat wieder seinen gewohnten Gang. Aber bis dahin genieße ich ohne schlechtes Gewissen, ohne "Zuvielwollen" und Unzufriedenheit, weil "Zuvielgehtnicht". Diese Monate fliegen nur an uns vorbei und mit meiner Hausarbeit in Kunstgeschichte bin ich zur Zeit gut beschäftigt. Meine zwei Jungs machen mich unglaublich stolz. Paul, weil er so ein entspanntes Baby ist. Wie kann ein kleiner Mensch mich so glücklich machen? Anton, weil er viel lernt und so kluge Dinge von sich gibt.

"Mama, du musst die Medizin trinken und dann wirst du gesund, okay? Versprochen?"

"Mama, setzt du dich auf deine Decke? Ich will ein Foto von dir machen."

Es ist nicht immer so easypeasy und dennoch möchte ich das Gute bewahren, so lange es mir möglich ist. Für die Zeiten, die komplizierter sind. Beide Jungs waren beispielsweise eine Woche lang richtig krank. Ich musste Termine absagen, die mir persönlich wichtig waren, wir hatten eine Woche lang eine Quarantäne-Situation und schlussendlich bin ich selbst auch krank geworden. Aber diese Woche ging auch rum und am Wochenende konnte ich wieder etwas auftanken.

Nach fast zwei Wochen Unterbrechung konnte ich endlich wieder etwas für die Uni tun und es fühlte sich sehr gut an. Auch wenn ich dadurch viel von "meiner" freien Zeit "verliere", lese ich sehr gerne die wissenschaftlichen Texte zu meinem Thema und der Kopf rattert dabei ununterbrochen, inwiefern sich die Aussagen auf meine Grundidee beziehen lassen können. Wenn ich mir die Termine für den Dezember so ansehe, merke ich, dass ich nun endlich doch etwas anziehen muss, um rechtzeitig mit der Hausarbeit fertig zu werden.

Die US-Wahl hat den meisten den Atem verschlagen. Ich hatte mich im Vorfeld viel zu wenig damit beschäftigt und war deshalb ziemlich geschockt, dass Trump tatsächlich gewinnen konnte. Erst nach und nach verstand ich die Hintergründe der Wahl und jetzt hoffe ich sehr, dass Trump kein Chaos stiftet.

Nach der Krankheitswoche gab es ein Knallerwochenende. In der Gaustraße in Mainz war unheimlich viel los - die Eröffnung des Kinder Concept Stores Oh Kiddo, der dreijährige Geburtstag von Fuchs&Bente, Waffeln und Glühwein bei Dicke Lilli, gutes N'Eis und Kaffee bei der Kaffeekommune. Hier war was los.

Mehr als ein Jahr, nachdem mein Geldbeutel geklaut wurde, habe ich es zur Fahrerlaubnisbehörde geschafft und mir meinen Führerschein wieder beantragt.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Ich stand wieder viel in der Küche und haben gebacken. Es ist verrückt, dass ich momentan so viel Spaß daran habe. Mein erster Hefezopf, Schoko-Apfel-Muffins mit Nüssen, die leider gar nicht so lecker waren, kleine Schoko-Muffins, weihnachtliche Cheesecake-Pies, Naan Brot, Kräuterbrot, Pizza und super leckere Franzbrötchen (sogar drei Mal hintereinander gebacken, weil soo lecker). Weil sich mein Großer zu seinem Geburtstag ein "Kackahaufen" gewünscht hat, gab es diese Kackikekse, die richtig gut schmecken und nicht nur beim Sohnemann toll ankamen.

geklickt: Katrin schreibt, warum sie auf To Go-Becher aus Pappe verzichtet und nun mit einem eigenen Becher unterwegs ist. Genau in dieser Woche hatte ich selbst darüber nachgedacht, wie viel Müll ich doch mit den Bechern verantworte und habe deshalb eine Entscheidung getroffen. Wenn das spruchreif ist, erzähle ich euch mehr davon. Bis dahin sei euch Katrins Artikel empfohlen.

Ein paar schöne Bilder aus Paris. (Und der passende Reiseführer steht schon auf meiner Wunschliste.)

Stephanie über richtungsverändernde Begegnungen.

Auf diesen Punsch hätte ich Lust - vielleicht geht der auch ohne Alkohol? Oder auf diesen Drink. Oder diesen.

gelesen: Das ganze Leben von Robert Seethaler (So gut! Bald mehr.)

gehört: Jazz! Und dieser Kanal auf youtube hatte den richtigen November-Mix.

gemacht: Sankt-Martins-Laterne gebastelt, Weihnachtsdeko aufgehängt, einen Adventskranz zusammengestellt, Antons ersten Adventskalender bestempelt, Sterne aus Stöcken geklebt

gekauft: Ein Spontankauf und zwei Glücksfunde, solche Momente, die Freude machen, weil sie so selten sind - für den Freund etwas zurückgegeben, bei der Gelegenheit für mich selbst gebummelt und ein Blouson und ein Streifenshirt gefunden. Mit einem gestickten roten Herzen, in dem Paris drin steht. Könnte kaum besser passen.

gereist: nach Neustadt an der Weinstraße

gedacht: Wenn man bereits seit vielen Jahren bloggt, so wie ich es tue, erlebt man einige Denkprozesse über den Sinn des eigenen Bloggens. Man hinterfragt seine Motive, seine Themenauswahl oder sein Layout. Man schaut aber auch darauf, wer oder was einen prägt und was man selbst konsumiert und vor allem warum. So stellte ich mir in den vergangen zwei Monaten erneut die Frage: was macht mich glücklich? Warum klicke ich in meinem Feed so viele Artikel einfach weg, gehe vielleicht ein Mal im Monat wirklich auf die Webseite und schaue mir dann doch nur die Bilder an? Und gleichzeitig freue ich mich bei manchen Seiten umso mehr, wenn mal ein seltener Blogpost kommt. Ich nehme mir dann die Zeit, um ihn in Ruhe durchzulesen und mich daran zu erfreuen, denke das Gelesene durch und werde inspiriert. Ich will mich wieder mehr auf solche Blogs und Seiten konzentrieren, die mich voranbringen.

Zwei Frauen, die mich mit ihrer Art, ihren Fotos und ihren Texten jedes Mal berühren. Stephanie und Julie.

geärgert: Nur selten.

geliebt: Beim Zusammenlegen der Wäsche: der Duft seines Tshirts, das mich für immer und ewig an die Anfangszeit erinnert.

gefreut: Ein Picknick mit meinen Jungs am Strand. Nur wenige Minuten von unserem Zuhause entfernt gibt es einen Rheinstrand, den wir okkupiert haben. Während Paul geschlafen hat, haben Anton und ich Wildenten beobachtet, Apfelschnitz gegessen, Tierspuren verfolgt, durch den Sand gerannt und das milde Wetter genossen.

Telefonate (obwohl ich ihnen ja ständig aus dem Weg gehe...) mit Freundinnen in Paris und Portland geführt. Und zwei Postkarten aus Paris.

gewünscht: Dass die Adventszeit ruhig ist. Ich selbst habe ein paar Vorkehrungen getroffen, damit die nächsten Wochen wirklich einfach nur entspannt sein können. Und ich wünsche mir, dass wir gesund bleiben.