den Augenblick erkennen, den Moment erleben

21. November 2016

Lücken


Lücken. Im Leben. Manche Menschen hinterlassen diese, obwohl ich ihnen nie persönlich begegnet bin. Und so gibt es immer wieder Momente, an denen ich von Trauer erfüllt bin und innehalten muss.

"Ich atme ein, ich atme aus, ich setze ein Fuß vor den ander'n. Bis ich alles das, was geschehen ist, kapier."

Wie oft haben mich diese Worte schon vorangebracht oder mich in schwierigen Situationen getragen. Diese Zeilen stammen von Roger Cicero, den ich vor langer Zeit sehr gerne hörte. Es waren kluge Texte, mir gefiel seine Stimme und sein Stil. Jahre später hat sich mein Geschmack verändert, aber diese Zeilen klingen immer noch nach.


"Es geht nicht um den Verlust, um die Entbehrung, die sich fühlbar macht, verbleicht und verschwindet. Es geht nicht einmal um den Verlust, der bleibt. Er könnte des Resonanzboden der Erfahrungen voluminöser klingen, die Konturen schärfer erscheinen lassen. Der Knacks aber ist nicht ein Riss mit Diesseits und Jenseits, mit Vorher und Nachher, er ist unmerklich: er teilt nicht, er prägt. Er ist die Zone, in die die Erfahrung eintritt, wo sie verwittert und ihre Verneinung in sich aufnimmt. Etwas soll nicht mehr, etwas wird nicht mehr sein. Es wird sogar , aber nicht, weil ein Mensch fehlt, sondern weil sich ein Lebensgefühl geändert hat. Dazu braucht es nicht den Verlust, sondern das Verlieren."

Dieses Passage habe ich hier auf dem Blog schon ein Mal zitiert. Ich habe wahllos in dem kleinen Buch Der Knacks von Roger Willemsen geblättert und bin erneut darauf gestoßen. Dieses kleine Buch mit der Widmung, die so viel verrät, das Buch, das auf Reisen war und schließlich wieder bei mir landete. Dieses Buch, das in einer ganz besonderen Weise einen guten Knacks in mir ausgelöst hat. Von dem Autor, vor dem ich sehr viel Respekt habe. So viel, dass ich mich nicht traute, ihn anzusprechen, als ich ihm begegnete. In seinen Worten konnte ich mich so oft wiederfinden. Auch in seinem Schreibstil.


Wenn ich an dieses beiden Persönlichkeiten und ihren Verlust denke, dann tut es wirklich weh.

Ich bin bisher nur peripher mit dem Tod in Berührung gekommen - und dafür bin ich dankbar. Es gab in meiner Kindheit keine Heroen und keine Rockstars, die ich später beweinen musste, einen Teil meiner Großeltern habe ich gar nicht erst kennengelernt und meine Familie ist bisher von schlimmen Schicksalsschlägen verschont geblieben. Welch ein Glück. Umso mehr erstaunt mich, dass meine Gedanken immer wieder zu Roger Willemsen und Roger Cicero wandern. Sie haben so tiefe Spuren bei mir hinterlassen.

15. November 2016

Lieblingspflege aus Frankreich


In meinem (Mama-)Alltag habe ich gerade nicht allzu viele Anlässe, um meinen Lieblingslippenstift aufzutragen (wobei Farbe auf den Lippen ja auch ein Stimmungsmacher ist und gegen dieses trübe Grau hilft), aber für die Pflege nehme ich mir trotzdem genug Zeit.

Ein paar meiner Lieblinge kommen - was für eine Überraschung - aus Frankreich. Ich beginne oben am Kopf mit meinen Haaren. Diese werden regelmäßig gewaschen und meistens verschwindet die Mähne in einem Dutt. Sonst zieht der kleine Mann schon viel zu fest daran. An manchen Vormittagen, wenn ich nicht aus dem Bett komme und es aber schnell gehen muss, hilft das getönte Trockenshampoo von Klorane zumindest meinen Haaren wieder etwas Pep zu geben. Seitdem ich dieses Tutorial bei Hannah gesehen habe, weiß ich immerhin auch, wie man Trockenshampoo am besten in die Haare einarbeitet und es keine Rückstände hinterlässt. Denn eigentlich finde ich Trockenshampoos immer noch etwas merkwürdig. Klorane überzeugt mich dennoch sehr und bleibt meiner kleiner Helfer für Überbrückungstage.

Um am Morgen meinen Geist wieder aufzuwecken und mein Gesicht frischzumachen, benutze ich einen Toner von Christian Lenart. Der Orangenduft weckt die Lebensgeister und macht mir jedes Mal gute Laune. (Und die braucht man doch manchmal am Morgen.) Meine Haut nimmt anschließend deutlich besser die Tagescrème oder das Öl auf, die ich im Anschluss einmassiere. Ich habe den wunderbaren Toner bereits hier vorgestellt.


Die Embryolisse Crème ist als Klassiker und Allhilfsmittel bekannt. Ich wollte mich erst einmal selbst davon überzeugen und habe deshalb nur eine kleine Alutube eingepackt. Und obwohl ich schon sehr viele gute Tagescrèmes ausprobiert habe, musste ich die französische Variante bereits zwei Mal nachbestellen, so gut finde ich sie. Die Crème hat einen unaufdringlichen, ganz angenehmen Duft und eine leichte Textur, die dennoch reichhaltig genug für die Herbsttage ist. Ich benutze sie momentan auch gerne als Lippenpflege.

Das Trockenöl Huile Prodigieuse von Nuxe ist ja sowieso eines meiner Lieblinge. Während ich in beiden Schwangerschaften damit gerne den großen Bauch einrieb, massiere ich es nun viel häufiger in die (kaputten) Haarspitzen ein. Meistens wirkt es als Maske über Nacht ein und ich wasche die Rückstände mit der Haarwäsche wieder aus. Erst kürzlich habe ich auch begonnen, meine Füße abends damit einzuölen. Socken drüber, fertig. Meine Füße, ein paar Kilometer am Tag laufend und in geschlossenen Schuhen steckend, danken es mir und sind ganz geschmeidig. Auch massiere ich das Öl in das Nagelbett ein. Ganz klassisch kommt das Trockenöl auch im Gesicht zum Einsatz. Hier aber nur tagsüber. Das Öl ist wirklich ein Allrounder. Auch der Duft ist unschlagbar und wird mich immer an schöne Sommertage in Paris erinnern.

Zu guter Letzt möchte ich euch die Körpermilch von L'Occitane vorstellen. Ich liebe es, dass die Milch so schön im Pumpspender verpackt ist und dass sie sehr, sehr schnell in die Haut einzieht.

Die französischen Pflegeprodukte findet man teilweise in deutschen Apotheken, in einigen größeren Drogerien oder online. Ich mag es, gerade bei den eben gezeigten Produkten, direkt in Frankreich danach zu suchen und mir damit gleich Erinnerungsstücke zu kaufen. Das ist natürlich etwas romantisch und ist nicht immer umsetzbar, wenn ich so selten nach Paris komme. Wie ist es bei euch? Kennt ihr diese Pflegeprodukte und mögt sie auch so sehr wie ich?

7. November 2016

Einsamkeit oder Alleinsein


Ein abgegriffenes Buch. Fast eintausend Seiten, die jeden Tag vom Bett, auf's Sofa, zum Spielplatz wanderten, von Kinderhänden angepatscht und von mir gelesen wurden.

Johnson, einer der Protagonisten in Frank Schätzings Roman Der Schwarm, ist norwegischer Wissenschaftler. Er ist ein Lebemann und Charmeur, besitzt ein zweites Haus am See, ist bewusst nachlässig gekleidet und benötigt dabei so viel Zeit wie andere beim Schickmachen. Im Laufe der Geschichte verliert er eine wahre Freundin und am Ende ist auch für ihn alles verloren.


Johnson saß am See.
[...]
Der See war ewig. Diese Nacht würde kein Ende finden. Und dem Alleinsein würde sich wohl tuendes Nichts anschließen, der finale Genuss der Egoisten.
Wollte er das? Wollte er wirklich allein sein?
Einerseits, warum nicht? Das Alleinsein hatte eine Reihe unschätzbarer Vorzüge. Man teilte die wertvolle Zeit mich sich  selber. Man lauschte in sich hinein und bekam erstaunliche Dinge zu hören.
Andererseits, wo verlief die Grenze zur Einsamkeit?

aus Der Schwarm von Frank Schätzing


Beides erlebt. Vor langer Zeit. Und damals erkannt, dass es Unterschiede gibt zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit. Während mich die Einsamkeit traurig machte, stärkt das Alleinsein. Zeit, um auf sich zu schauen. Oder in sich zu hören. Dinge wahrzunehmen, für die es sonst zu laut ist. 

1. November 2016

gelebt. Der Oktober 2016.

Huch, schon November - wohin rast denn die Zeit?

gelebt:
Im Oktober habe ich eine sehr wichtige Entscheidung getroffen. Meine Reise mit dem Elternblog une vie magnifique ist nun zu Ende. Und so lange ich mit diesem Schritt gehadert habe, so glücklich bin ich darüber, dass ich es gewagt habe. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ich fühle mich ganz erleichtert. Zu den Hintergründen geht es hier lang.

Im letzten Monat habe ich die Jahreszeit sehr bewusst erlebt. Mit Kindern bekommt man die Gelegenheit, manche Dinge (wieder) ganz neu wahrzunehmen und zu erleben. So genieße ich die meisten Tage des Herbstes viel stärker als im letzten Jahr. Wir sammeln Kastanien, Eicheln und Steine, lesen Blätter auf, pressen sie und hängen sie an die Wand, wir laufen durch Blätterhaufen und werfen sie in die Luft. Wir singen das Kinderlied "Der Herbst ist da" rauf und runter, gehen in den Wald und suchen Pilze. Ich genieße es sehr und habe dabei eine tolle Zeit mit meinen Buben.

Aber die Regentage ließen uns zu Hause bleiben. Es war scheußlich, dieses ewige Grau. 

Familienzeit. Davon sehr viel. Wir haben Äpfel geerntet und daraus Köstliches geschaffen. Wir haben Stockbrot gebacken, waren mehrere Male im Wald, im Wildpark und endlich im Biberbau Biebrich, einem wirklich tollen Außengelände . Die Elternzeit meines Freundes war nach ganzen zwei Monaten vorbei und ich zum ersten Mal mit beiden Jungs zu Hause. Aber auch das meistern wir gut. Die Wege könnten noch etwas besser laufen (haha verkapptes Wortspiel), aber die Nachmittage sind wunderbar. Unser Großer, das Kindergartenkind, hat nun ein richtig cooles Kindergartengruppenfoto. Und er lernt so viel. Mensch, bin ich stolz auf ihn. Der Kleine ist so unfassbar goldig. Und macht mich einfach nur glücklich.

Nachdem ich mir selbst eine Elternzeit gegönnt habe, in der ich im Quattro-Familienalltag ankomme, in der ich zu nichts verpflichtet bin und es genieße, es einfach nur genieße, dieses Familienglück, nach dieser Zeit stehen wieder kleinere Projekte an. Ich recherchiere zum Beispiel für eine Hausarbeit über die Landschaftsmalerei von Richard Wilson, einem britischen Maler aus dem 18. Jahrhundert. Auch habe ich einige Blogposts vorbereitet, die ich noch abschließen und veröffentlichen möchte. Die analoge Kamera hat außerdem einen neuen Film drin. Und noch viele andere Dinge stehen an. Ich bin voller Tatendrang, aber gleichzeitig muss ich auch feststellen, dass der Morgen mit Baby so unheimlich schnell vorbeigeht und ich am Nachmittag so bewusst Zeit mit den Jungs verbringe, dass ich da auch nicht viel machen kann. Wie schon vor drei Jahren muss ich wieder an meinem Zeitmanagement arbeiten und neu priorisieren. Das gehört zum Leben und macht mir meistens auch nichts aus. Doch gleichzeitig habe ich so einen starken Drang, ganz viel und am liebsten alles gleichzeitig zu machen - ich bräuchte einen doppelt so langen Vormittag und noch mehr Energie am Abend.  
gegessen bzw. gekocht und gebacken: Kürbissuppe mit Apfel,  gleich zwei Mal Schoko-Apfel-Schnitten, Probekochen für Antons Geburtstagsfeier mit vielen leckeren Tapas und Häppchen, das weltbeste Chili con Carne meines Freundes. Kaffee trinke ich gerade zu viel und frisch aufgebrühten Earl Grey meistens zu meiner (Vormittags-)Schokolade.
 
ausgegangen: Das Käse-Frühstück bei Wilma Wunder am Mainzer Marktplatz ist der Knaller. Ziegenkäse, leckeres Chutney, Walnüsse, mmmh. Im Lomo in Mainz gefrühstückt. Leckere Waffeln im Gutleut gegessen. Bulgursalat in der Margarete in Frankfurt.

geklickt:  Im Haus der Kunst in München findet eine Ausstellung statt, die die globalen Zusammenhänge in der Kunst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs untersucht. Post War. Zwischen Pazifik und Atlantik 1945-1965. 

Der Künstler David Hockney malt mit dem Tablet. Auf der Buchmesse sprach er über seine Kunst.

Cos hat eine Kollektion herausgebracht, die von der Künstlerin Agnes Martin inspiriert ist. Ich liebe die Arbeiten von Agnes Martin und war deshalb ganz gespannt, welche Kleidungsstücke dabei herausgekommen sind. Die an Workwear angelehnte Kollektion ist nicht ganz mein Fall, aber die Kampagnenfotos am Guggenheim Museum und auch die Seiten der Kampagne gefallen mir umso besser.

Der Künstler Jan Paul Evers hat es mir angetan. 

Wie wäre es mit ein paar Eindrücken aus Paris? Ich habe auf Julias Blog Chestnut & Sage gestöbert und in ihrem Archiv eine Mini-Reise durch das Marais gefunden. [Sehnsucht]
gelesen: Meine Paris-Sehnsucht ließ mich die Paris-Ausgabe des Qvest Magazins bestellen und ich habe es wirklich genossen, jeden einzelnen Artikel nach und nach zu lesen.

Ich arbeite bereits an einer Hausarbeit für Kunstgeschichte und beschäftige mich dabei mit den Landschaftsgemälden von Richard Wilson. Deshalb steckte meine Nase sehr häufig in Ausstellungskatalogen und Fachliteratur.

So richtig glücklich macht es mich, eine Aufsatzsammlung von Appollinaire zu lesen. Das ist was für mein Gemüt (und ein bisschen was vielleicht auch für meine Bachelor-Arbeit).

Der Roman Im Museum von Hartmut Lange ist kaum erwähnenswert.

gesehen: Geld Macht Kunst auf arte über den Wahnsinn des Kunstmarkts.

gehört: Keith Jarrett in Paris


ausgestellt: Ich habe das MMK1 und MMK3 in Frankfurt besucht. Ich wollte mir die neue Sammlungspräsentation ansehen. Ganz neu beeindruckt haben mich die Fotografien von Tobias Zielony. Die Ausstellung Fiona Tan. Geografie der Zeit gefiel mir auch sehr gut. Der Aufbau war besonders, die einzelnen Garagen als Ausstellungsräume passten so gut und bei einigen der Videoarbeiten war das Zusammenspiel von Rahmen, Sound, Bild und Raum ganz besonders.
Im Städel sahen wir uns draußen im Garten den Film Die reine Notwendigkeit von David Claerbout an. Innen besuchten wir die Ausstellung Die Helden mit Arbeiten von Georg Baselitz. Und obwohl wir so wenig Zeit hatten, musste ich mir unbedingt auch die Portes von Daniel Buren ansehen.
Die Installation Blind Volumes von Rosa Barba in der Rotonde der Schirn habe ich mir ebenfalls angeschaut.

gemacht: Blätter in die Luft geworfen, Tücher mit Naturfarben gefärbt

gereist: Im Oktober war ich leider gar nicht unterwegs.

gekauft: Auf dem Flohmarkt von Fuchs & Bente habe ich schöne Kleinigkeiten erstehen können.
gedacht: Es tut so gut, sich Zeit für die Dinge nehmen zu können, die einem wichtig sind. Das ist oft gar nicht so einfach. Aber wenn man es dann geschafft hat und man diese Zeit sinnvoll oder zumindest so genutzt hat, wie man es gerne hat, dann ist es ein richtig gutes Gefühl.

geärgert: Dass ich zu viele Vormittagstermine hatte und deshalb nicht auf die Buchmesse gehen konnte.

gefreut: Über zwei Babys, die auf die Welt gekommen sind.

gewünscht: Ich habe schon seit vielen Monaten einen schier unendlichen Drang zu reisen und zu sehen. Während die Sehnsucht nach Paris sowieso niemals aufhören wird, gibt es auch spezifische Orte, die ich besuchen möchte. Zum Beispiel zieht es mich schon lange ins Frieder Burda Museum in Baden-Baden. Die Fondation Beyeler in der Schweiz ist eines der beeindruckendsten Museen, die ich besucht habe. Zur Zeit läuft eine Ausstellung zu Kandinsky, Marc & der Blaue Reiter, für mich so ein spannendes Thema.