den Augenblick erkennen, den Moment erleben

22. Oktober 2016

gelesen: Qvest Metropolen Issue Nr. 1 - Paris


Die erste Begegnung mit dem Qvest Metropolen Issue Paris war ein Bild, das mir eine liebe Freundin über Whatsapp schickte und mich fragte, ob ich es schon kennte. Sie plante gerade eine Parisreise und hatte mich in unseren Gesprächen ohnehin schon sehr sehnsüchtig gemacht. Mir war das Magazin nicht bekannt, aber sie versicherte mir, dass es ihr gut gefiel. Ich setzte es also auf meine "kaufen"-Liste und hakte das Thema damit ab. Wochen später, im Sommer, als ich unglaublich Lust auf einen kurzen Trip in meine Herzensstadt hatte, fiel mir dieses dicke Magazin ein. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich es an keinem Kioskstand mehr finden. Das Magazin musste also bestellt werden. Aber kennt ihr das, dass allein das Gefühl des Kaufens ein sehr gutes ist? Dass man sich etwas gönnt und auch der Kaufakt dazugehört? Aber was soll man machen, wenn das gewünschte Objekt einfach nirgendwo zu finden ist. Der Tag, an dem das Magazin also in meinem Briefkasten steckte, war ein ziemlich guter und meine Freude darüber sehr groß.

Schon beim Auspacken fiel mir die tolle Haptik und die Qualität des Papiers auf. Ein schweres Magazin, auf dem prägnant das Symbol schlechthin für die Stadt der Liebe prangt. Oh Mensch, mir ging es wirklich gut und mir zeigte es, dass auch Dinge manchmal (wenn vielleicht auch nur kurzweilig) Freude machen können. Und spätestens als ich beim Durchblättern als erstes auf die Story von Patricia Kamp stieß, war es um mich geschehen.


Es ist ein Magazin, das so dick ist, dass man es gar nicht an einem Abend lesen möchte. Man schlägt es immer wieder auf, liest einen Artikel nach dem anderen, in einer wahllosen Reihenfolge und entdeckt immer wieder neue Adressen und Geschichten. Es gibt verschiedene Stories über Kreative, über Klischees und deren Wahrheitsgehalt. Die Fotos sind ganz wunderbar. Am besten gefallen mir die Interviews. Ich glaube, dass die Befragten in so einer Situation am ehrlichsten von der Stadt sprechen. Sie erzählen nicht nur davon, was ihnen an Paris gefällt, sondern auch, was typisch für die Stadt ist. Und natürlich verraten die Locals auch ihre liebsten Adressen.

Die Kuratorin Patricia Kamp zum Beispiel erzählt von den Ausstellungsorten und die umliegenden Restaurants und Cafés. Sie selbst ist Kuratorin im Frieder Burda-Museum (Baden-Baden), hat schon einige Ausstellungen in Paris realisiert und kennt sich in der Pariser Kunstszene wirklich gut aus.


Spannend ist auch die Story über das Haus Hermès, das immer noch, neben den Carrés, Taschen usw., eine Sattlerei betreibt. Oder über die beiden Macher des Mode- und Musiklabels Maison Kitsuné, die mittlerweile auch mehrere Cafés in Paris betreiben. Oder auch über die Existentialisten in St. Germain. Außer den Geschichten gibt es auch etliche Seiten, die die besten Spots zum Übernachten und Dinieren zeigen sowie unterhaltsame und philosophische Bücher. Andere Seiten sind gespickt mit einigen allgemeinen und speziellen Infos zur Stadt, die ich auch immer wieder gerne lese. 

Kleine Kritikpunkte gibt es aber trotzdem. Leider muss ich zugeben, dass ich etwas zu viele Schreibfehler gefunden habe. Und wie so oft bin ich auch nicht immer die richtige Zielgruppe für die vielen Adressen, die genannt werden. Einige der Spots sind sehr exklusiv bzw. hochpreisig und nur um "dort mal gewesen zu sein", reicht es mir als Tipp nicht aus. Auch gibt es drei Fotostrecken, die mir zwar ästhethisch sehr gut gefallen, die aber eigentlich nur Werbung für die Produkte sind. Mir ist natürlich klar, warum so ein Magazin diese Produkte einbaut, doch für mich ist das nur störend und leider auch etwas unsympathisch.

Nichtsdestotrotz blättere ich das Metropolen Issue Paris immer wieder durch, habe mir ein paar Adressen für unseren nächsten Besuch rausgeschrieben und kann meine (aktuell wieder akute) Sehnsucht ein wenig mit der Lektüre stillen. Es gibt noch Einiges zu entdecken und ich kann euch nur empfehlen, mal selbst dort reinzuschauen.









17. Oktober 2016

Keine Zeit ist verloren.


Ein abgegriffenes Buch. Fast eintausend Seiten, die jeden Tag vom Bett, auf's Sofa, zum Spielplatz wanderten, von Kinderhänden angepatscht und von mir gelesen wurden.


Anawak, einer der Protagonisten in Frank Schätzings Roman Der Schwarm, fährt in seine Heimat, um der Beerdigung seines Vaters beizuwohnen. Er ist ein Inuk, hatte seine Heimat aber mit 15 Jahren verlassen. Er befindet sich in einem Konflikt mit sich selbst, mit seiner Geschichte und seiner Identität. Als er nach der Beerdigung beschließt, doch noch ein paar Tage länger in seiner Heimat zu bleiben, geht er mit seinem Onkel Akesuk und einigen anderen Leuten auf Walfang. Das Meer ist so vereist, dass sie immer wieder neue Wege einschlagen müssen.


"Das kann ein bisschen dauern", meinte Akesuk.
"Ja, es kostet Zeit", nickte Arawak, der sich erinnerte, wie oft sie an solchen Spalten entlanggefahren waren.
Akesuk krauste die Nase.
"Nein. Warum sollte es welche kosten? Wir opfern keine Zeit. Wir behalten sie, ob wir nun direkt nach Osten fahren oder erst ein Stück weiter nördlich. Hast du alles vergessen? Hier oben ist nicht wichtig, wie schnell du ankommst. Wenn du einen Umweg fährst, findet dein Leben trotzdem statt. Keine Zeit ist verloren."
Anawak schwieg.

aus Der Schwarm von Frank Schätzing


So wahre Worte. Es lohnt sich, jeden Moment des Lebens zu genießen oder zumindest bewusst zu erleben. Das Leben findet zu jedem Zeitpunkt statt und auch die Umwege gehören dazu. Sie formen uns vielleicht noch stärker, an ihnen müssen wir uns abarbeiten. Gelegentlich sollte man entschleunigen, sich selbst und das Leben verlangsamen, damit man wieder den Blick hat für das, was um uns herum geschieht. Damit man das Leben noch mehr schätzt. Jeder einzelne Moment unseres Daseins gehört dazu. Wie wichtig ist es also, dass wir so leben, dass wir glücklich sind.


12. Oktober 2016

Inspirationsquellen


Letztens, an einem ereignislosen Abend, verlor ich mich und meine Zeit in Bildern und Texten einer Modebloggerin, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Über eine Verlinkung war ich auf ihren Blog gestoßen. Das Outfit interessierte mich nicht besonders, aber ihr Layout gefiel mir gut und so klickte ich mich durch die einzelnen Beiträge. Ehe ich mich versah, war ich bei den Einträgen von Anfang des Jahres angekommen. Ich fragte mich, warum ich gerade eine Stunde lang einen Blog las, der mich als Lektüre im Alltag nicht ansprach. Warum schloss ich nicht einfach die Seite und las in meinem neuen Buch weiter?

Vordergründig war es wohl die Neugierde, die mich trieb. Wie trat diese Frau auf und was schrieb sie, dass sie Tausende von Lesern jeden Tag begeistern konnte? Neben ihrem schönen und sehr leichten Layout hat sie einen recht cleanen Kleidungsstil. Sie trägt viel schwarz, grau, weiß und das macht mich natürlich hellhörig. Ich liebe diese Farbkombinationen, finde sie ganz und gar nicht langweilig und fühle mich damit am wohlsten.

Ein Blogpost hing mir besonders lange nach. Wie kommt man an Inspiration? Sie schrieb von ganz einleuchtenden, bekannten Quellen. Der Museumsbesuch, das Sitzen im Café, ein Buch.

Und mir wurde schlagartig klar, warum ich so viel Zeit in einem Blog verbrachte, einem Modeblog, dem ich doch in Zukunft wohl keine Aufmerksamkeit mehr widmen würde. Ich war auf der Suche nach Inspiration!

Oder anders gesagt habe ich gerade unheimlich viele Ideen und Gedanken, die ständig durch den Kopf schwirren. Mein letzter Museumsbesuch brachte viel Input, ich verschlinge zur Zeit Bücher, ich höre wieder Musik, es stehen tolle Termine an. Vor ein paar Tagen habe ich mit der Recherche für eine Hausarbeit in Kunstgeschichte begonnen. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Magazinhäufchen, die bearbeitet werden wollen. Und das Beenden von une vie magnifique setzt viele Kapazitäten frei.

Ganz eigentlich liegt mein Drang zu tun sicherlich an der neuen Lebenssituation. Nach knapp zwei Monaten Elternzeit fällt mir die Decke noch lange nicht auf den Kopf, aber angekommen im Familienalltag sehe ich wieder ganz allmählich kurze Zeiträume freiwerden. Beinahe überfordert bin ich davon, meine Zeit sinnvoll nutzen zu wollen und meistens schlage ich dann ein Buch auf. Jetzt trinke ich mir aber erstmal meinen Kaffee, nehme die Dinge um mich herum wahr und verarbeite die Eindrücke. Manchmal ist es eben ein für mich neues Blog, das mir aufzeigt, dass ich gerade wieder vor Energie sprudel, dass ich jegliche Impressionen aufsauge und dass die Zeit dafür kommen wird, all das umzusetzen.


Inspirationsquellen

Umgeben von viel Gutem, hat mich Einiges inspiriert oder Impulse freigesetzt. Ich musste gar nicht suchen, sondern die Umstände und das Leben passten und offerierten mir Möglichkeiten:


Ein Museumsbesuch im Frankfurtert Städel. 
Die Ausstellung "Die Helden" mit zahlreichen Arbeiten von Georg Baselitz war nicht nur der erste Museumsbesuch seit Pauls Geburt und somit schon per se inspirierend. Mich hat auch die Malweise sehr dazu angeregt, wieder selbst den (Aquarell-)Pinsel zu schwingen, aber auch die Möglichkeit zu nutzen, in der Unibib Ausstellungskataloge zu lesen und zu blättern und mich mit den 60ern auseinanderzusetzen.

Guter Kaffee. 
Auch Kaffee kann inspirierend sein, wenn man ihn bewusst trinkt und sich die Zeit dafür nimmt. Die Freude darüber, wie gut die Bohnen sind, die man sich im Frankfurter Stadtteil Bockenheim bei der Stern Rösterei kauft. Diese täglichen Kaffeepausen bringen mich immer wieder runter vom Familienalltag. Ich kann kurz abschalten. Weil ich das Kaffeetrinken so liebe und weil einfach nur aufgewärmte Milch zwar lecker, aber doch auch ziemlich langweilig ist, habe ich wiederholt beschlossen, dass ich mich nun an die Schaumherstellung herantasten muss. Als ich das letzte Mal lernen wollte, keine Angst mehr vor dem Druck unserer Siebträgermaschine zu haben wie man Milch aufschäumt, wurde ich schwanger und hatte monatelang kaum Lust auf Kaffee. Bei meinem aktuellen Kaffeekonsum muss sich die Qualität meines Kaffees schleunigst ändern und so viel Zeit will ich mir (tagsüber) nehmen, wenn ich den Kaffee zubereite.

Unerwartete Post.
Manchmal sind es aber auch ein paar herausgerissene Seiten der letzten Brigitte-Ausgabe, die ihren Weg zu mir per Post finden und mich auf neue Gedanken bringen. Der unerwartete und völlig willkommene Brief zeigt den Stil von vier Frankfurter Frauen und ihre liebsten Adressen. Mit dabei waren natürlich auch das MMK und das Städel, das Restaurant Margarete und die japanische Pâtisserie Limori. Beim Durchblättern sind meine Gedanken in eine ganz andere Richtung gelaufen - ich musste viel nachdenken über die berufliche Zukunft und über Leidenschaften, was ich gut kann und was mich ausmacht. Aber es ging noch weiter. Ich bekam so Lust, wieder aus Mainz rauszukommen und neue Orte zu sehen. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich auch in Mainz nicht alles kenne. Auch nach so vielen Jahren gibt es einige Geschäfte und so manch eine Ecke, in denen ich noch nie war. Das wird aufgeholt.

Kleidung.
Nach einer Schwangerschaft, in der man sich schon ständig der Herausforderung stellen muss, einen wachsenden Bauch einzukleiden, geht die Sucherei nach passenden Klamotten weiter - die Hosen zwicken und die Oberteile müssen stillfreundlich sein. Was nicht nur heißt, dass sie schnell hochzuschieben oder aufzuknöpfen sein sollten, sondern auch das Material muss stimmen. Für mich ist das kein einfaches Unterfangen, mich jeden Tag babykompatibel einzupacken. Letzte Woche packte mich die Lust, jedes Kleidungsstück in meinem Schrank mal bewusst anzuschauen und mir zu überlegen, ob ich es jetzt oder nach der Stillzeit wirklich noch einmal anziehen werde, ob es mir noch passt und gefällt. Den Schrank (radikal) auszumisten, befreit mich jedes Mal. Der freigewordene Platz soll tatsächlich wieder ersetzt werden. Ich habe ein bisschen was angespart, um mir tolle Schuhe, eine neue Ledertasche und/oder einen Wintermantel leisten zu können. Obwohl ich nur sehr ungern online bestelle, machte ich mich bei verschiedenen Shops auf die Suche nach neuen Schätzen. Das Richtige gefunden habe ich noch nicht, aber bei Closed hatte ich eine für mich neue Erkenntnis: ich habe wieder Lust auf braune Schuhe und Taschen. Nachdem ich vor acht bis zehn Jahren häufig braun trug, hatte ich lange, lange Zeit keine Lust mehr darauf und kaufte nur schwarz. Aber nun, mit neuen Farbtönen, tut sich mir eine ganz neue Welt auf. hehe

Ein kurzes Video von Gretasschwester auf Instagram.
Das Label Gretasschwester ist euch sicher bekannt. Schon lange verfolge ich die Arbeit mit. In einem kurzen Video zeigt die Illustratorin, wie ihr eigenes Reisetagebuch ihrer Island-Reise aussieht. Ich habe nicht nur Lust, mir ganz schnell genau dieses Reisetagebuch zu kaufen. Nein, ich habe so eine Reiselust bekommen. Wie gerne würde ich jetzt das Tagebuch mit Erinnerungen aus Paris oder Amsterdam oder Zürich ausfüllen. Mich motiviert dieses Video dazu, wieder mehr zu fotografieren und zu zeichnen.
Und ach, Paris. Meine Sehnsucht hat mich schon wieder zwei neue Blogposts planen lassen.

Französisch hören.
Im Bus saßen uns ein Franzose und seine deutsche Freundin gegenüber. Sie sprachen Französisch und ich versuchte die ganze Zeit über irgendetwas zu verstehen. Leider verstand ich kaum ein Wort und ärgerte mich sehr darüber. Ich habe insgesamt neun Jahre (Schul-)Französisch gelernt, machte darin sogar mein (sehr gutes) Abi und dennoch habe ich Schwierigkeiten, zu reden oder zu verstehen. So abgedroschen es klingt, eines meiner Lebensziele ist es, diese Sprache zu beherrschen. Direkt hatte ich wieder tausend Pläne, wie ich dieses Ziel erreichen könnte...


Was inspiriert euch denn zur Zeit?

1. Oktober 2016

gelebt


Nach einem wunderschönen August folgte ein richtig guter Oktober.

gelebt:

Dieser Spätsommer ist so schön, dass ich zu nichts komme. Also so ganz stimmt das natürlich nicht. Ich bin jeden Tag auf dem Spielplatz, stille ein Baby, wickle es mehrere Male, trage es in den Schlaf oder schaue es einfach nur an. Ich genieße das späte Wochenbett, die meist ganz großartige Familienzeit, die ruhigen Tage bei diesem tollen Wetter.

Wenn ich auf meine vier September-Kalenderblätter schaue, merke ich, wie voll unsere letzten Tage doch waren. Wir hatten beinahe Freizeitstress. Wir bekamen viel Besuch (was für mich bedeutete, dass ich die Wohnung oft aufräumte und viele Kuchen backte) und besuchten unsere Familien. Wir hakten einige Arzttermine ab, fuhren zum Ikea und besuchten JEDEN Tag irgendeinen Spielplatz.

In unserem sehr typischen Tagesrhythmus gab es aber auch sehr viele Momente, die diesen aufbrachen und den September erinnerungswert machten. Nach vielen Wochen konnte ich einige meiner Freundinnen wieder sehen, sie lernten Paul kennen und wir hatten wieder ausgiebig, aber immer noch zu wenig Zeit zum Reden.

Es gibt diese Tage, an denen man abends voller Glück und Dankbarkeit zurückblickt. An einem Sonntag schliefen wir alle bis halb 10 und hatten einen schönen, langsamen Vormittag. Mittags wurde es wild und ich war so genervt wie schon lange nicht mehr. Aber der Spielplatzbesuch und unser Ausflug auf den Weinmarkt im Mainzer Stadtpark ließen den Tag noch richtig gut werden. Wenn man ausnahmsweise nicht auf die Uhr schaut und einfach etwas länger unterwegs ist. Wenn es Pommes bei Livemusik gibt und alle einfach glücklich sind. Wenn dann noch die Sonne untergeht und den Himmel in die schönsten Farben taucht. Das sind diese Tage, an denen ich glücklich und zufrieden bin.

Ein Tag in Frankfurt, ganz spontan und vielleicht deshalb so besonders schön. Ein Geschenk kaufen, nach Bockenheim fahren, um unseren leer gewordenen Hauskaffee zu holen, den Arbeitskollegen meines Freundes Paul vorstellen und dann ganz spontan Freunde besuchen, die nur wenige Tage später ihr zweites Kind bekamen. Frankfurt bedeutet mir so viel.

Nochmal Familiensachen. Ein Kinderfest auf dem Wiesbadener Marktplatz, bei dem Anton basteln konnte, die Hüpfburg eroberte und Aufklärungsbücher las, während wir unseren Kaffee tranken. Anton im Kindergarten. Ein großes Kindergartenkind, der mir nun täglich erzählt, mit wem er gespielt hat und was er gegessen hat. Ich bin so stolz auf ihn. Das Glück, wenn man im Nachbarort einen neuen Spielplatz entdeckt. Ich zum ersten Mal alleine eine kleine Busfahrt mit beiden Kindern unternommen. Und mich gefühlt wie Superwoman.

Mein Freund und ich in Elternzeit. Tischtennis spielen, gemeinsam shoppen gehen, eine unheimlich gute Käseplatte bei Wilma Wunder teilen, während beide Kinder gleichzeitig im Kinderwagen schlafen, Smoothies in der Stadt trinken und die Ruhe genießen.

Völlig übermüdet am Frühstückstisch feststellen, dass der Kindersachenbasar, auf dem man zwei Mal im Jahr wirklich günstige (Kindergarten)Kleidung findet, in einer Dreiviertelstunde schließt und dann ungeduscht und ungeschminkt loseilt, um noch ein paar Schätze zu ergattern, und dann die erste kühle Morgenluft einen schlagartig wach und glücklich macht.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Die letzten Portionen Eis gegessen, bereits das erste Zwiebelkuchen-Dinner geplant und der Kürbis steht auch bereit.
Ich habe viel gebacken. Apfelkuchen mit Cheesecake Füllung, Steinobstgalette, Donauwelle, Brownies.
Für mich gab es im letzten Monat wieder viel Kaffee. Nachdem ich einige Wochen überhaupt keine Lust darauf hatte, bin ich nun wieder vollkommen in meinem #bettiskaffeepausen Modus angekommen. Während ich mir zu Hause noch einen kleinen koffeeinhaltigen Kaffee leiste, trinke ich unterwegs nur noch koffeeinfreien. Unter anderem gab's Kaffee bzw. Cappuccino bei Baristaz, Wilma Wunder, Nomad (das Interieur!), Gute Stube (am Hopfengarten), N'Eis usw.

geklickt: Auf Gallerytalk.net bekomme ich ein wenig Input über die Galerienszene in Berlin, Wien, Köln und Nürnberg. Die Dosis ist gut portioniert und ich lese auch tatsächlich jeden Artikel und überfliege ich nicht nur. Momentan habe noch viele Tabs über einzelne Künstler offen, mit denen ich mich eingehender beschäftigen möchte. Beim Wiener Kunstgriff von Mitte September wurden drei Arbeiten beispielhaft für die Ausstellungen eingestellt, die mir alle drei sehr gut gefallen. [Ich will nach Wien!] Andrea Büttner ist zudem an der Mainzer Kunsthochschule tätig und nicht nur deshalb interessant für mich.
Nachdem im September auch die abc in Berlin lief und ich mal wieder nicht die Möglichkeit hatte, die Kunstmesse für zeitgenössische Kunst zu besuchen, verfolgte ich über die einschlägigen Webseiten und Instagramaccounts, was so in den Berliner Ausstellungsräumen los war. Mir gefiel deshalb auch der Text "Erlaubt ist, was gefällt" von Eva Beck, die darüber schreibt, wie es ist, wenn man auf einer nicht so etablierten Messe unterwegs ist.

"Ich beginne milder zu werden, mein scharfes erstes Urteil über die gezeigte Kunst zu revidieren, Respekt zu gewinnen vor den Künstlern dahinter, und mich selbst zu verabscheuen. Denn mit welchen Ansprüchen kann man an eine Kunstmesse schon rangehen? Da es ums Kaufen geht, wird die Kunst doch sehr neutral dargeboten und dem subjektiven Geschmack überlassen."

Saskia interviewt auf ihrem Blog den Kopf hinter dem Label Sandstrasse. (oooh, mir fehlt das ß) Auch wenn mir die Kleidung nicht zusagt, gibt Meike eine tolle Antwort darauf, was Kinderkleidung für sie bedeutet: 

"Kinder wollen schön aussehen, sie brauchen aber keine Modetrends, sondern Bekleidung, in der sie sich gut und frei bewegen können. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie bewegen sich anders als diese und zudem viel mehr. Kinderkleidung sollte daher alters- und entwicklungsgerecht sein, d.h. beispielsweise, dass Babys, die nur auf dem Rücken liegen können, keine Kapuzen benötigen, weil sie sie nur stören; Babys, die viel auf dem Bauch liegen, sich umdrehen und robben können, stören ein Reißverschluß oder Knöpfe vorn in der Mitte." 

Die Erfinderin des Deos Fine, Judith Springer steht den Femtastic Ladies Rede und Antwort. Sie ist eine sympathische Frau, die u. a. eine spannende Antwort zum Rummel um die Kunstszene gibt:

"Es geht nicht mehr um die Kunst und ihre Qualität, sondern um das ganze Drumherum: wer kennt wen und so weiter. Ich bin irgendwann gar nicht mehr oder nur sehr spät zu Eröffnungen gegangen, weil ich nicht mit den Leuten reden, sondern die Kunst sehen wollte. Es geht nur noch ums Sehen und Gesehen werden – und um Geld. Und es ist sehr viel Selbstausbeutung, ich habe jahrelang Geld reingesteckt."

Ein Thema, das mich immer noch sehr beschäftigt und ich sehr gespannt bin, welche Erfahrungen ich selbst noch in der Zukunft machen werde.

gelesen: Das Buch Tanz mit dem Schafsmann von Haruki Murakami habe ich in den ersten Tagen des Septembers fertiggelesen und war so froh, als ich es endlich bei Seite legen konnte. Kennt ihr das auch, dass ihr Bücher einfach fertig lesen müsst, egal wie furchtbar es ist? Ich habe mich gequält und werde wohl niemals wieder etwas von Murakami lesen.

Nachdem meine letzten beiden Bücher Flops waren, wollte ich dann endlich wieder etwas Gutes lesen. Ich nehme mir seit einigen Wochen viel Zeit zum Lesen und freue mich riesig darüber, mich einem alten "Hobby" (so stand es jedenfalls immer in den Freundebüchern) wieder zu widmen. Unser Bücherregal voller Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, konnte ich mich dennoch für nichts entscheiden, bis mir mein Freund Frank Schätzings Der Schwarm empfahl. An diesem Abend wollte ich unbedingt lesen und da ich nicht mehr in einen Buchladen kam, widmete ich meine Aufmerksamkeit den ersten Seiten des 970 Seiten langen Thrillers. Und ich finde es so so spannend. Seit Tagen suche ich ständig nach Zeiten, in denen ich weiterlesen kann. Ich kann das Buch kaum aus der Hand legen und schleppe es überall hin mit. Ich bin im letzten Viertel angekommen und immer wieder gibt es extrem spannende Stellen.

Auch die neuste Ausgabe der Brigitte Mom lese ich zwischendurch immer mal wieder.

ausgestellt: Ich habe leider gar nichts gesehen, aber in der nächsten Woche geht es nach Frankfurt!

gereist: Ich kenne alle Spielplätze der drei umliegenden Städte, haha. Ansonsten waren wir nur in Wiesbaden und in Frankfurt.

gekauft: Die Hosen zwicken noch, die Kleider sind nicht stilltauglich und die Röcke irgendwie zu kurz. Nach einem ersten ernüchternden Bummel konnte ich bei einer zweiten Runde eine ganz gut sitzende schwarze Jeans finden und ein schönes, schwarzes Tunikakleid, das mir unheimlich viel Freude macht. Es ist wirklich nicht so einfach, ganz normale Klamotten zu finden, die einen in der Stillzeit begleiten.


gewünscht: Dieses Blog ist mein Kanal dafür, deshalb scheint es, als ob ich mich wiederhole. Ich habe Sehnsucht nach Paris. Der April ist schon wieder so lange her. Und ganz eigentlich will ich einfach mal wieder irgendwo anders sein. Ich mag unsere Routine, aber gerade würde ein kurzes Ausbrechen so gut passen. Wünsche zum Anfassen habe ich auch: neue Bücher! Zum Beispiel Ein ganzes Leben von Robert Seethaler oder Das Leben ist gut von Alex Capus oder Becks letzter Sommer von Benedict Wells oder Die Glücklichen von Kristine Bilkau. Diese Schuhe schmachte ich schon lange an. Und ich suche noch tolle Boots und einen Wintermantel.

gedacht: Ich genieße die Elternzeit sehr. Ich lasse alles sehr ruhig angehen, stresse mich nicht und mache nur das, was mir gut tut. Mir ist nämlich bewusst, dass wir bald wieder Phasen haben werden, in denen nicht alles so magisch ist, in denen ich mit zwei Kindern heulend zu Hause sitzen werde, weil ich zu nichts komme und alles einfach nur doof läuft. Es wird Zeiten geben, in denen ich mir das Nichtstun und den vielen Freiraum zurückwünsche. Deshalb genieße ich es so sehr. Schon ab der nächsten Woche fange ich mit der Recherche für eine Hausarbeit an, in nur wenigen Wochen ist die Elternzeit meines Freundes vorbei und ich bin am Tag alleine mit den Jungs. Mir bedeutet es sehr viel, dass ich in den letzten Wochen nicht viel tun musste, sondern die freie Zeit einfach genießen konnte. Für meine Elternzeit hatte ich mir aber auch ein paar Dinge vorgenommen, die ich schon teilweise umsetze. Ich lese, wenn ich Leerlauf habe und bald beschäftige ich mich auch mit möglichen Bachelorthemen.

geärgert: Über einige wirklich wichtige Zahnarztbesuche.

gefreut: Über Geschenke zur Geburt von Paul. Jedes Mal bin ich so überrascht, wie gut mich meine Freunde kennen und dass sie mir so gut eine Freude machen können. Ach generell, meine Freunde. Immer wieder bin ich so dankbar dafür, dass ich so tolle Menschen in meinem Leben habe. Ich freue mich so sehr, dass ich Zeit zum Lesen finde und wie gefesselt Seite für Seite lese. Ich habe mich riesig über das tolle Wetter gefreut und dass wir ständig draußen sein konnten. Und ich freue mich darüber, dass Paul so ein entspanntes Baby ist.

geliebt: Die Abendsonne. Das erste Lächeln von Paul. Der große Bruder, auf den ich so stolz bin. Kaffee.

Und nun geht's auf in den Herbst! Ich wünsche euch allen einen schönen, entspannten Oktober.