den Augenblick erkennen, den Moment erleben

29. Februar 2016

ausgestellt: Joan Miró in der Schirn Kunsthalle


Obwohl ich mich spätestens seit dem Studium viel mit der Klassischen Moderne beschäftige, hatte ich kaum einen Eindruck von Miró. Mir waren zwar die Prints aus den Wartezimmern der Hausärzte bekannt, doch weder beachtete ich diese Bilder, noch fühlte ich mich angesprochen, konnte sie zuordnen oder auf irgendeine Art und Weise verstehen.

Die aktuelle Ausstellung Joan Miró in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt war für mich daher eine interessante Erfahrung. Die Ausstellung stellt vor allem ein Aspekt von Mirós Oevre in den Vordergrund: seine Wandbilder. Diese habe zwar noch Einiges mit den "typischen Miró-Werken" gemeinsam, doch zeigt sich in ihnen auch eine ganze andere Seite seines Schaffens.


Miró wuchs in einem katalanischen Ort aus und lebte und arbeitete dort einen Großteil seines Lebens. Vielleicht ist auch diese Abgeschiedenheit dafür verantwortlich, dass er sein Ding machte, sich zwar auch von den unterschiedlichen Strömungen seiner Zeit beeinflussen ließ, jedoch immer sich selbst treu blieb.

Die frühe Arbeit Der Bauernhof / La Ferme (1921/22) zeigt im Bezug auf die Ausstellung genau diese Selbstreflexion und bildet daher einen geeigneten Ausgangspunkt. (Für mich ist ganz interessant, dass Hemingway dieses Bild kaufte, aber das nur am Rande.) Auf diesem Gemälde, das beinahe wie ein Wimmelbild erscheint, vermischen sich viele Stile und Motive. Am linken Bildrand wird eine Stallwand dargestellt, die Risse im Putz hat, die mit Farn und Gräsern bedeckt ist und Flecken aufweist. Scheinbar hat dieses Frühwerk wenig Bezug zu den weiteren Arbeiten der Ausstellung, doch schnell zeigt sich die spannende Verbindung. Miró kehrt in seinem Schaffen immer wieder zurück den Ansätzen, die sich in Der Bauernhof widerspiegeln.

Er spielt mit den Materialien und verwendet Jute, Leinwand, Sand, Teer und Hartfaserplatten, um seinen Bildern eine neue Materialität zu verleihen. Die unorthodoxen Bildträger produzieren einen Eindruck von Wand, der Abhängigkeit von Witterungsbedingungen und von Material, das nicht immer beeinflusst werden kann. Miró hatte auch nichts dagegen, wenn die Kunstwerke beim Transport kleinere Beschädigungen erfuhren, weil es sie so nur authentischer machte. 

Den Bezug zur Wand schafft er aber auch durch die Monumentalität seiner Werke. Die großen Mauern geben eine Möglichkeit, um zu kommunizieren und ein großes Publikum zu erreichen. Und genau damit hat er mich auch erreicht. 


Mein Eindruck von der Ausstellung

Obwohl ich mir vor dem Ausstellungsbesuch das Digitorial durchsah und -las, hätte ich niemals damit gerechnet, dass mich seine Arbeiten mit so einer Wucht treffen würden.

Mirós Arbeiten berühren mich stark. Auch heute noch wirkt diese Kraft der Farben, des Pinselduktus und der wenigen Formen auf mich nach. Ich bin überrumpelt ob dieser Klarheit und Reduziertheit, der Farbnuancen und der Größe. Auch wenn noch einige Arbeiten stark an die "Wartezimmerkunst" erinnern, gibt es viele Highlights, die mich beim Ausstellungsbesuch beinahe in eine sakrale Stimmung versetzten.

Wenn ich in einer Ausstellung bin, dann gibt es immer Arbeiten, zu denen ich zurückkehren muss. Ich nehme mir dann nach einem ersten Rundgang durch die Räume Zeit, um mir die mir besonderen nochmal eingehender zu betrachten und sie wahrzunehmen.

Mirós Triptychon Gemälde / Peinture von 1973 ließ mich mehrmals stehenbleiben, näherkommen und wieder Abstand nehmen. Die Bewegungen der schwarzen Farbe sind faszinierend. Auch an Malerei (Die Magie der Farbe)/ Peinture (La Magie de la couleur) von 1930 konnte ich nicht vorbeigehen. Das Triptychon mit den monumentalen Gemälden Malerei I-III / Peinture I-III (1973) verschlug mir kurzzeitig den Atem und Malerei II / Peinture II (1973) machte mir gute Laune. Diese Farbspritzer und das bewusste Einsetzen so weniger Farben gefallen mir außerordentlich gut.

Es gibt natürlich noch viel mehr Aspekte, die in dieser Ausstellung zu entdecken sind. Sein serieller Ansatz beispielsweise, der Vergleich von Skizzen und endgültiger Ausführung oder noch verstärkter die unterschiedlichen Ansätze, mit denen Miró die Materialien verwendet.

Wie immer können keine Fotos und kein Digitorial den Ausstellungsbesuch ersetzen und deshalb möchte ich euch einen Besuch in der Schirn wärmstens empfehlen.









23. Februar 2016

Februarliebling

Dieser Februar ist doch bisher gar nicht so schlecht, oder? Naja, das Wetter könnte doch allmählich wärmer werden, der Frühling endlich einziehen. Ich versuche mir die grauen Wintertage, an denen ich so viel lernen muss und kaum von meinem Schreibtisch hochblicken kann, dennoch mit einigen Dingen schön zu machen. Mit frischen Blumen, Orangensaft aus den schönsten Gläsern, die unser Haushalt hergibt und hin und wieder ein kurzer Ausflug mit der Familie.


Es gibt da noch eine Sache, die ich gerade unendlich liebe. Und die mich schon seit ein paar Monaten begleitet. Vielleicht haben es auch schon manche auf Instagram gesehen oder auf dem Blog une vie magnifique gelesen. Seit ein paar Monaten trage ich ein kleines Geheimnis mit mir. Unser kleines Wunder kommt Mitte August auf die Welt und nichts könnte mich momentan glücklicher machen.

Deshalb lasse ich die Februarlieblinge einfach mal ein Februarliebling sein und wünsche euch schöne Tage!

2. Februar 2016

gelebt


Oh, 2016 finde ich ziemlich gut. Ich bin mir sicher, das wird ein gutes Jahr. (Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.) Es fing schon ziemlich gut an, mit ein paar kleinen Hürden, die sich seit dem letzten Jahr einfach quer stellen wollen. Aber ich lasse mich in der Tat nicht unterkriegen, sehe das Positive und genieße die Zeit, so wie sie ist.


gelebt: So viel Schönes habe ich erlebt und ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment.

Weil der Großteil der Familie zu Beginn des Jahres krank war, durfte ich die geschenkten Theaterkarten nutzen und ins Schauspiel Frankfurt gehen. Es war eine großartige Erfahrung, nach fast drei Jahren endlich (!) wieder ein Theaterstück zu sehen. Wer hat Angst vor Virginia Woolf hat mir zwar als solches nicht so gepackt, aber die Schauspieler waren großartig. Vielleicht schaffe ich es, so wie vor vier Jahren, ein Mal pro Woche ins Theater zu gehen. Diese Seherfahrung ist so wertvoll und ich merkte erst jetzt wieder, wie stark ich es doch vermisst hatte.

Wir hatten einige Male Besuch und ich räumte die Wohnung blitzeblank und stand viel in der Küche. Die ganze Arbeit, die ich eigentlich als lästig empfinde, machte beinahe Spaß, weil darauf tolle Nachmittage mit Freunden folgten.

An einem Freitagvormittag, an einem "freien Lernvormittag", schob ich meine Lernsachen bei Seite und gönnte mir einen wunderbaren Tag in Frankfurt. Zeit, für einen einsamen Besuch in den letzten Tagen der Daniel Richter Ausstellung in der Schirn. Es waren ganz ruhige Momente, in denen ich begeistert von den Arbeiten, staunend davor stehen konnte.

Obwohl ich meinen Geburtstag nicht mag, schafft mein Freund es, ihn jedes Mal zu etwas ganz Besonderem zu machen. Als Januarkind kann man keine Grillfeten veranstalten, aber das, was ich hatte, war für mich noch viel besser. Ein Morgen mit Kuchen und Blumen, einem Kind, das versteht, dass Mutti Geburtstag hat, ein zweites Frühstück, nur zu zweit, in einem Frühstückscafé, eine anschließende Gesichtsbehandlung in der Naturdrogerie, ein Mittagessen im Café Blumen und sogar etwas Zeit, um etwas für die Uni zu machen. Anton war unglaublich gut drauf, als ich ihn abholte und wir hatten einen wunderschönen Nachmittag gemeinsam. Auch der Abend war ganz entspannt und ich machte nichts Besonderes, war aber einfach nur glücklich.

Und dann, wenige Tage vor einer Klausur, nur schöne Dinge zu erleben und die anstehende Klausur fast zu vergessen. Selbst ein etwas schwieriger Termin beim Kinderarzt, bei dem Anton leider nicht sehr glücklich wurde, konnte mir mein Lächeln nicht aus dem Gesicht zaubern. Anton verbrachte daraufhin ein paar Tage bei meinen Eltern und ich hatte freie. Am Abend traf ich mich mit Lisa, endlich wieder, aß das leckerste Panini seit Langem und wir hatten Zeit, uns über die letzten Wochen auszutauschen. Daheim angekommen musste ich noch Einiges packen und kam so erst sehr spät ins Bett. Wann bin ich das letzte Mal alleine zu Hause aufgewacht? Auch wenn ich meine Männer vermisste, genoss ich es auch sehr, meinem eigenen Zeitgefühl zu folgen und mich in Ruhe fertigzumachen. Dann die Fahrt mit dem IC nach Karlsruhe. Schon so lange hatte ich nicht mehr so eine entspannte Zugfahrt. Ich lernte oder schaute aus dem Fenster, wunderte mich über die Städtenamen und hörte einem Mitfahrer bei seinem Telefonat zu. Es war so still im Abteil, dass sein Gespräch über das Ende seiner Beziehung einfach alle mithören mussten. Dann die Karlsruher Luft, die Freundlichkeit der Bahnhofsmitarbeiter und der Singsang in ihrer Stimme. Wieder in Karlsruhe zu sein, den ganzen Tag alleine durch die Stadt zu ziehen, dieser Gedanke machte mich schon seit Wochen glücklich. Ein Besuch in der Karlsruher Kunsthalle, das Glück, das man empfindet, einen echten Cézanne zu sehen, die Stille in den Ausstellungsräumen der Sammlung. Das Wiedersehen mit N., die ich einfach viel zu selten sehe, obwohl wir uns doch gedanklich so nah sind. Auch sie dieses Mal ohne Kind, ein bisschen so wie früher. Neuigkeiten austauschen, durch die Straßen flanieren, die Waldstraße bewundern und Petit Four genießen. Ziemlich perfekt. Danach ein wenig alleine durch die Stadt bummeln, weil man seit Wochen nicht dazu kam. Die Ruhe trotz der Freitagnachmittages in einem Concept Store. Und wahrscheinlich wegen meiner Gelassenheit wurde ich fündig, legte mir ein paar Dinge zurück und kaufte das perfekte Kleid für diesen Abend. Und dann später: Endlich den Freund wieder zu sehen, in einem Designhotel, das für mich perfekt war. Wir verbrachten den Abend und die halbe Nacht auf einer Firmenfeier und fielen todmüde ins Bett. Das Frühstück, beinahe verschlafen, traf genau meinen Geschmack. Ein anschließender Bummel zu zweit und dann die Vorfreude auf das Wiedersehen mit Anton.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: indisch, Cini Minis, jeden Tag (frischgepressten) Orangensaft, Quiche
ausgegangen: Kunstverein Frankfurt, Café Max in Karlsruhe, Café Jäck in Karlsruhe, Wellnitz in Darmstadt
geklickt: 10 Tipps für perfekt lackierte Nägel auf Journelles, das Interview mit den tollen Frauen von Marsano Berlin mit den Mädels von Femtastics, Wie man es mit drei Kindern schafft in einem Interview mit Jule und den Tinyjanes.
gelesen: Madame Picasso von Anne Girard, der Ausstellungskatalog when now is minimal, die Odyssee von Homer, Balzac's Le Colonel Chabert
ausgestellt: Hello, I Love You von Daniel Richter in der Schirn, die Sammlung des MMK, die Ausstellung "Ich bin hier" und die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe. Leider habe ich den Rundgang der Kunsthochschule verpasst, weil das Wochenende sehr voll war. 
gemacht: Karten gebastelt und sie an liebe Menschen verschickt
gereist: Frankfurt und Karlsruhe
gekauft: Ich habe im Sale zugeschlagen, meine Geschenkgutscheine verbraucht und meine ziemlich leere Garderobe um ein paar Basics und Lieblingsstücke erweitert: einen ultraweichen Cardigan, der sich mit seinem dunklen Beerenton ziemlich stark von meiner düsteren Garderobe abhebt, eine weiße Bluse von COS, ein Kleid, das mich zum Tanzen brachte, ein schwarzer Pullover, der genau so richtig ist, ein Shirt, das so luftig ist, das ich mich auf den Sommer freue und Boots, die ich schon so lange gesucht habe. 
gewünscht: Ich habe endlich meine Zufriedenheit wieder gefunden und deshalb war ich ziemlich wunschlos.
gedacht: Vielleicht sollte ich doch öfter Rollkragenpullover anziehen. Was sind meine Leidenschaften, wofür brenne ich?
geärgert: Ich hatte einige Gründe, um mich zu ärgern, habe mir dadurch aber nicht die Laune verderben lassen: über dringende Emails, die nicht beantwortet werden, über Latein, dass ich meinen Kalender verloren habe, eine blöde Absage und dass wir einen so vollen Terminkalender hatten, dass wir nicht zum Rundgang gehen konnten.
gefreut: Über das gute Leben. 
geliebt: Jede einzelne tolle Begegnung im letzten Monat, die kleinen Auszeiten, die mich persönlich weiterbringen und mein neues Objektiv.