den Augenblick erkennen, den Moment erleben

23. September 2015

These boots are made for walking



Es ist schon verrückt, da kaufe ich im Frühjahr die ziemlich perfekten Boots und habe sie bisher nur zwei Mal angehabt. Wie das kommt?

Ich bin ja selbst ganz begeistert, dass ich mich an helle Schuhe rangetraut habe. Denn meine Boots, Ballerinas und Sandalen sind fast durchgehend alle schwarz. Schwarz gefällt mir nämlich. Es passt immer. Und ganz ehrlich, mit Kind ist es auch ziemlich praktisch. Als ich dann diese wunderbaren Filippa K Boots mit einem unschlagbaren Preis sah und noch das nicht ausgegebene Weihnachtsgeld im Portemonnaie hatte, musste ich nicht lange überlegen und kaufte sie. Denn ein weiteres Argument hatte mich ebenfalls überzeugt: die Passform. Die wenigsten Schuhe passen mir und wenn dann ein Paar wirklich sitzt und dazu noch bequem ist - dann fühlt das sich immer ein wenig an wie ein Sechser im Lotto (wobei ich noch nie Lotto gespielt habe).

Aber ich muss tatsächlich noch einmal auf die Farbe zurückkommen. Dieser helle Ton ist schon mal nichts für den Spielplatz. Und auch nichts für Regenwetter. Und sowieso nichts für Partys. Es blieben also eine Hochzeit und eine Vernissage. Jetzt bringt der Herbst noch weniger Möglichkeiten, um sie auszuführen. Dabei sind die Boots viel zu schön, um sie nur im Schrank stehen zu haben. These boots are made for walking.




18. September 2015

Es ist wie es ist.


Es ist wie es ist.

Es ist gut. Sogar ziemlich besonders gut. Und ich bin ehrlich glücklich.


Die Semesterferien tun mir gut. Obwohl ich jeden Vormittag entweder an den Hausarbeiten schreibe oder ein schlechtes Gewissen habe, weil ich gerade nicht schreibe und dafür etwas anderes Tolles mache. Das letzte Semester dagegen war hart. Ich hatte mir zu viel vorgenommen und wollte unbedingt alles schaffen. Und manchmal war es im letzten Semester schwer für mich persönlich, weil ich Einiges zu lernen hatte.

Unzufrieden im Alltag


Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass mich Anton daran hinderte, meine Träume zu erfüllen. Dabei ist die Mama in mir eine Vollblut-Mama und ich könnte es mir überhaupt nicht vorstellen, diesen kleinen Menschen nicht mehr bei mir zu haben. Aber wenn ich an der Uni bin, dann merke ich, wie sehr ich eine Werdende-Vollblut-Kunsthistorikerin bin. Und wenn man sich das Berufsfeld Museum anschaut, dann sieht es für Mütter nicht immer ganz rosig aus.

Ich war unzufrieden, weil ich manche Dinge nicht so tun konnte wie ich wollte. Doch muss man beachten, dass ich noch nie alles geschafft habe. Es gab schon immer, auch als ich single war oder noch kein Kind hatte, viel zu viel, das mich interessierte und ich wollte am liebsten ALLES machen. Zeichnen, fotografieren, ein neues Bloglayout selbst gestalten, lernen, lesen, mehr Klavier üben, Freunde treffen, in neue Städte fahren, bummeln, trödeln, arbeiten und und und. 

Mit Kind ist der Druck noch etwas mehr gestiegen. Denn nun hatte ich tatsächlich manchmal gar keine Zeit. Anfangs schlief Anton noch viel oder konnte in der Wippe liegen, aber irgendwann, spätestens als er mit seinem Popo durch die Wohnung rutschte, musste ich ihm hinterher laufen. Jetzt erst recht, seitdem er laufen kann. Die Vormittage sind während des Semesters voll mit Uniangelegenheiten und ich bin froh, wenn ich in der Freistunde mal Bücher ausleihen kann. Nachmittags geht es dann meist ohne Pause weiter. Anton abholen, nach Hause kommen, schnell einen Kaffee trinken und dann ab auf den Spielplatz oder Freunde treffen und mit ihnen auf den Spielplatz gehen. Viel Zeit für Tätigkeiten zu Hause habe ich nicht, weil Anton seine Energie loswerden muss. Und das funktioniert am besten draußen. Warum also an einem funktionierenden System rütteln?

Prioritäten richtig setzen


Und als ich im letzten Semester mir viel zu viele spannende Veranstaltungen aufgebürdet habe und sie natürlich alle mit Bestleistungen und großer Motivation meistern wollte, merkte ich, wie schwierig das alles ist. Vormittags konzentrierte ich mich also völlig auf die Uni. Das klappte gut. Und nachmittags konzentrierte ich mich völlig auf Anton. Das klappte auch ziemlich gut. Und wann war Zeit für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Immer wieder konnte ich mich nachmittags, wenn Anton mal konzentriert mit seiner Eisenbahn spielte, an den Laptop setzen und daran arbeiten, bisschen recherchieren und bloggen. 

Für mich war wirklich der Schlüssel, mich einfach auf diese beiden Dinge zu konzentrieren, mich über die kleinen Pausen zu freuen und sie auszunutzen, auch erstmal nicht weiter darüber nachzudenken, dass ich ja ach so wenig Zeit für mich hatte. Und interessanterweise war es genau das, was mich wirklich glücklich machte. Und ich wurde ausgeglichener. 

Es ist wie es ist.


Mir ist bewusst, dass ich auch in den nächsten Semestern zwar wieder bestimmt eine sehr gute Studentin sein werde, was meine Seminar betrifft, aber dass ich darüber hinaus einfach keine oder sehr wenige Kapazitäten habe, mich eingehender mit den Themen zu beschäftigen. Wenn mir das hin und wieder gelingt, ist das ein großer Erfolg für mich. Aber ich habe akzeptiert, dass es so ist wie es ist. Ich sauge also die Informationen auf, die ich an der Uni bekomme und die ich an den Abenden vertiefen kann, aber ich belasse es dabei, dass ich nur wenige Situationen am Nachmittag haben werde, in denen ich mich mit Kunst beschäftigen kann.

Und genauso auch bei Anton. Ich genieße am Nachmittag einfach die Zeit mit ihm und konzentriere mich auf uns. Echte Qualitytime. Anton merkt es, ist viel seltener angespannt und genießt sichtlich auch die intensiven Stunden. Ich freue mich allerdings jedes Mal riesig, wenn er bei der Tagesmutter nicht geschlafen hat und am späten Abend deshalb nochmal Ruhe braucht. Juhuu! Zeit für mich. Oder wenn er ganz vertieft in seinem Zimmer spielt und ich den Haushalt ruhen lasse und etwas anderes machen kann.

Ich habe eine große Veränderung an mir gemerkt, seitdem ich meine Prioritäten so bewusst gesetzt habe. Ich bin entspannter geworden. Im Bezug auf den Alltag und im Bezug auf die Zukunft. Irgendwie bekomme ich es ja doch dann immer hin, wenigstens ab und zu zu bloggen, sehe meine Freunde regelmäßig und habe Zeit mit meiner Familie Und auch für die Zukunft bin ich mir sicher, dass alles gut bleibt und gut wird. Ich sammle so viele Informationen wie mir möglich ist und werde bestimmt auch einen Job finden, der mich glücklich macht.


Ich musste viel lernen. Ich musste lernen, zu akzeptieren, dass ich nicht alles machen kann, dass ich Prioritäten richtig setzen muss und dass es ist wie es ist. Und ich habe mich nicht nur damit abgefunden, sondern es richtig lieb gewonnen. Ich liebe das Leben, so wie ich es habe. Auch mit den Einschränkungen, die es temporär im Studium gibt. Weil ich so viel mehr habe. Ein Typ, der genau richtig ist. Ein Kind, das total cool und energiegeladen ist. Und ein Studium, das mich fordert und mir Spaß macht. Ich habe zwei projektorientierte Jobs, die mir das Gefühl geben, wirklich dabei zu sein und etwas zu machen. Natürlich auch die Blogs, die meinen Kopf ganz schön häufig rattern lassen. Und dann die Freunde, mit denen ich mich austauschen kann.

Das Leben ist doch wirklich gut, so wie es ist.


4. September 2015

französische Bräuche: das Apéro


Etwas, das ich in Frankreich so liebe: das Apéro

Nach der Arbeit, bevor man nach Hause geht, vor dem eigentlichen Treffen als Empfangsritual oder als spontane Verabredung bei Freunden wird der französische (oder auch schweizerische) Brauch zelebriert. Der Gast bringt eine Kleinigkeit mit, es werden leckere Käsesorten, Chips, Weintrauben und Charcuterie-Waren gegessen, Aperitife und gute Weine getrunken und die gemeinsame Zeit genossen. 

In Paris habe ich das mit Freunden meiner Freundin kennen und lieben gelernt. Zu Hause veranstalte ich diese Apéros mittlerweile viel zu selten. Aber die Semesterferien sind ja die besten Zeiten, um sich wieder lange Abende zu gönnen. Ich backe also wieder Brot, mische Kräuter in den Frischkäse und kaufe meinen Lieblingswein. Zeit für Freunde, für gute Snacks und für Pause.

Tchin! Tchin!



1. September 2015

gelebt


Der August war voll mit Begegnungen und Auszeiten, mit zu heißem und ganz angenehmen Wetter, mit intensiven Lernphasen und völligem Verlieren in zeitvertreibenden, prokrastinierenden Tätigkeiten.


gelebt:
Die zu heißen Tage haben wir auf Wasserspielplätzen verbracht, die warmen im Garten oder auf normalen Spielplätzen. Obwohl ich morgens normalerweise lerne, habe ich manchmal auch Ausnahmen gemacht. Das ausgedehnte Frühstückstreffen mit Lisa war besonders toll.
Wir hatten viel Besuch. Eine gute Freundin war für ein paar Tage mit ihrem Sohn da und wir hatten glücklicherweise ausgiebig Zeit, miteinander zu reden und auch einfach uns beieinander zu sein. Wir hatten einen schönen Abend mit einer befreundeten Familie bei einem Apéro.
Ich habe es tatsächlich geschafft, für ein einhalb Wochen komplett auf (Industrie)Zucker zu verzichten! Wer mich kennt, kann bestimmt nachvollziehen, was das bedeutet. Es gab seit Jahren, bestimmt sogar seit meiner Kindheit keine zwei Tage, an denen ich nicht mindestens ein kleines Stückchen Schokolade gegessen habe. Sogar im Urlaub kaufte ich schon häufig ein Nutella-Glas oder eine Tafel Schokolade. Ich wollte wissen, ob ich auch ohne konnte und es hat funktioniert. Spätestens auf der Hochzeitsfeier meines Cousins wurde es schwierig und ich machte wieder kleine Ausnahmen. Mein Ziel war jedoch sieben Tage ohne Zucker auszukommen und das hat auf jeden Fall geklappt. Glücklicherweise hat sich mittlerweile auch ein maßvollerer Umgang mit Schokolade eingependelt. Ich möchte überhaupt nicht auf Süße verzichten, kann das nun aber etwas besser steuern.
Wir waren einige Male in Wiesbaden und haben die Spielplätze erkundet. Im Westend war ich ganz begeistert von der Ruhe, von den schönen Häusern ganz allgemein und von einem Haus, bei dem ich vor lauter Efeu nicht die roten Backsteine dahinter sehen konnte. Toll ist auch, dass wir in dieser Stadt Freunde und Bekannte treffen können, geplant und ganz zufällig. Sich irgendwann heimisch zu fühlen, die Straßen besser zu kennen, im besten Café Cappuccino zu trinken.
Ich habe aber nicht nur viel Zeit draußen verbracht, sondern saß auch ständig über den Büchern und dem Laptop gebeugt und habe an meinen Hausarbeiten geschrieben. Auszeiten gab es auch, vielleicht sogar zu viel. So war ich an ein paar Abenden mit Freunden essen und vergaß, dass die Uniaufgaben auf mich warteten. Das musste aber auch sein.
Endlich haben wir unseren Sommerurlaub gebucht und ich freue mich schon riesig auf unsere Auszeit auf Kreta. (An dieser Stelle die Frage: Habt ihr Tips für die Nordküste?)
Beim Museumsuferfest in Frankfurt malte ich mit den Kindern Portraits.
Und an einem Nachmittag besuchten wir einen Freund in seinem neuen Haus. Ich fühlte mich so erwachsen, weil meine Freunde alle im Berufsleben angekommen sind, Kinder bekommen und Häuser bauen. :)


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Bananenpancakes, selbstgebackenes Kräuterbrot, Zitronen-Nudeln
ausgegangen: Mainzer Weinsalon am Rhein, Margarethe in Frankfurt, Kaffeebohnen bei Kaufmanns in Wiesbaden gekauft, Eulchen & Friends Biergarten, Bar Plank in Frankfurt
geklickt: ein Interview von Nicola Graef mit Siri Hustvedt und Katharina Grosse über die Rolle der Frau in der Kunstwelt anlässlich der Ausstellung Queensize, die bis vorgestern im me Collectors Room Berlin zu sehen war. Nach einigen Monaten habe ich Garance Dorés Blog wieder für mich entdeckt. Ich nehme mir wieder die Zeit, um ihre Texte zu lesen und finde mich meist wider. Die gute Garance schreibt im Artikel Out of time darüber, dass es Dinge gibt, die Zeit brauchen und dass es nicht immer einfach ist, alles mulitasking-like auf die Reihe zu kriegen.

"It’s a crazy life. And I don’t even have kids. I can’t even imagine."

gelesen: den Ausstellungskatalog zur Ausstellung Esprit Montmartre, die 2014 in der Schirn stattfand (ich habe hier darüber geschrieben). Er hat mir natürlich wieder ein wenig mehr Lust auf Paris gemacht. Ich habe das Glück, das zwei meiner Hausarbeiten genau meinen Interessensgebieten entsprechen und ich gerade viel spannende Literatur durchforsten darf. Die Kunst in Europa im 20. Jahrhundert?! Sammlungsgeschichte und die Modi der Kennerschaft?! Yeah.
gesehen: City of God von Wim Wenders, der Film hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt
gehört: Fade Away von Maxamillion feat. Kalina und Zebrastreifen von Rolf Zuckowski (Antons Lieblingslied)
ausgestellt: In diesem Monat habe ich leider nicht so viel gesehen. Wir waren in der Ausstellung zum Hector Preis in der Kunsthalle Mannheim: Alicja Kwade (geht nur noch bis zum 06.09.)
gemacht: endlich wieder analog fotografiert! (wieder ein "Hausprojekt")
gereist: Anton und ich waren in Mannheim und haben eine gute Freundin besucht. Es war so schön, ihre Wohnung zu sehen, ihren Freund kennenzulernen und gemeinsam am Wasserturm zu sitzen. Sie ist eine ganz besondere Stadtführerin und hat mir die Stadt, in der ich in meiner Jugend schon so häufig war, noch einmal viel näher gebracht.
gekauft: die Zeitschrift 38 Hours in Paris im Mainzer Zeitschriftenladen one in a million, einen Teil einer H&M-Bestellung habe ich behalten und bin wirklich begeistert von den kleinen Schätzen, die ich gefunden habe.
gewünscht: neben dem Wunsch nach mehr Zeit und Urlaub war ich ziemlich glücklich
gedacht: Ich habe im letzten Monat nicht so oft die Nachrichten gesehen, aber natürlich trotzdem viel über die katastrophalen Bedingungen für die (neuankommenden) Flüchtlinge in Europa und in Deutschland erfahren. Weil ich mich so stark auf die Uni konzentriert habe, kam ich also auch sehr spät zu der Frage: Was kann ich tun? Das möchte ich hier aber nicht weiter ausführen und nur auf die neu gegründete Initiative Blogger für Flüchtlinge hinweisen.
gefragt: Immer wieder montags: Warum haben die Museen heute zu? Der einzige Tag, den ich nicht verplane gibt mir die Möglichkeit, ins Museum zu gehen. Nur dann ist alles geschlossen.
geärgert: "Ich hasse das Internet." Das habe ich mir in den letzten Wochen häufig gedacht. Aber so ist das natürlich nicht. Es gibt so viel Gutes. Aber nach den anstrengenden Monaten habe ich mich immer wieder dabei ertappt, relativ lustlos durch die ganzen Blogs und Blogazines zu klicken und nur noch Einheitsbrei zu lesen/sehen. Das steckt bestimmt auch ein gewisser Anteil an Wahrheit drin, aber hängt sicher auch mit meinem kleinen Lern-Motivationstief zusammen.
gefreut: Über das Leben.
geliebt: Abends ein Gläschen Wein zu trinken und den Sommer richtig zu genießen.