den Augenblick erkennen, den Moment erleben

31. Dezember 2014

zum Jahresende


In den letzten Jahren nutzte ich immer die Zeit zwischen den Jahren, um mir bewusst Gedanken für das kommende Jahr zu machen. Es schwirren sowieso immer so viele Vorhaben und Ideen im Kopf, nur festigen sie sich zum Jahresende ganz besonders. Das kennt ihr sicher. Man liest nicht nur viele Jahresrückblicke, sondern überlegt sich selbst, wohin man gehen möchte, wie das nächste Jahr aussehen soll.

Ich habe irgendwann angefangen, einen Brief zu schreiben, in denen ich das Jahr reflektiere und meine Ziele nenne. Am Ende des Jahres konnte ich den Brief dann öffnen und sehen, ob ich alles erreicht habe. Macht ihr das auch? Mittlerweile lasse ich das nämlich bleiben. Denn mir fehlt einfach die Muse dafür. Dieser Blogpost übernimmt aber auch irgendwie diese Aufgabe. 

Ich habe mir immer nur drei Ziele ausgesucht. Weil ich wusste, dass es wirklich machbar ist, drei Ziele ein ganzes Jahr durchzuziehen, umzusetzen und zu erreichen. Und ich habe mir nie vorgenommen, "mehr Sport" zu machen. Das klappte sowieso nicht. Nur, wenn ich mir dieses Ziel für einen kürzeren Zeitraum vornehme, für einen Monat und dann für den nächsten.


Wenn ich auf die Monate November und Dezember zurückblicke, habe ich das Gefühl, das gesamte Jahr war so anstrengend wie die letzten beiden Monate. Aber das stimmt überhaupt nicht. Natürlich gab es viele aufreibende Momente über das Jahr verteilt und wahrscheinlich war mein Leben - pauschal gesagt - in der Vergangenheit etwas "einfacher" und unbeschwerlicher. Aber es  gab gleichzeitig so viele wunderbare, lustige Momente, die meinen Eindruck kompensieren, den ich vom Winter habe.

Letzten Endes ist das auch egal. Ich habe viel über mich und meine Grenzen, über die Familie und das Leben gelernt. Über Freundschaften, das Studium, das Wollen und das Scheitern. 


Wenn ich an das zurückliegende Jahr denke und ich über die Monatsberichte auf betsi und Antons Monatsberichte auf une vie magnifique schaue, erinnere ich mich vor allem an die sehr schönen Momente. Drei Geburtstagsfrühstücke im Bett, das erste Date nach der Geburt von Anton, Paris zu dritt, der Studienstart und bisher zwei sehr gut gemeisterte Semester, viele kleine Ausflüge, Urlaub in Spanien, unseren Alltag, den ich ganz besonders finde, die vielen Eichhörnchen und Raben, die ich ständig sehe, neue, sehr wichtige Bekanntschaften und Freundschaften, zwei Mal die Liebe von Menschen gefeiert, Darmstadt und Wiesbaden erkundet, einige Ausstellungen besucht, viele gute Artikel im Netz gelesen. 

Die markantesten Erfahrungen waren wohl das Studium und meine Familie. Es ist so unglaublich, dass die Zeit mit einem Kind noch schneller vergeht als bisher. Letztes Jahr noch war ich über jedes kleine Lächeln von Anton glücklich, heute läuft er mir fast davon, grinst mich frech mit seinen Zähnchen an, spielt mit seinem autooo und seinem Ball (ja, er kann nun beide Wörter richtig aussprechen) und geht mir manchmal auf den Keks.


Zum Jahresende kann ich sagen, dass ich etwas ausgelaugt bin von der ständigen Konfrontation, alles Mögliche machen zu wollen und dafür keine Zeit zu haben. Ich habe natürlich gelernt, Prioritäten zu setzen und ich denke, das gelingt mir ganz gut. Doch gibt es ja noch viel mehr, das mich interessiert, was ich besser machen möchte oder womit ich mich beschäftigen möchte. Ich war schon zwei Jahre nicht mehr im Theater! Ich habe seit eineinhalb Jahren eine eigene Spiegelreflexkamera und kenne nur die Grundfunktionen. Ich lese nur das Nötigste für's Studium und lerne nichts außerhalb meiner "Hausaufgaben". Mein Kopf ist voller Artikel und ich veröffentliche hier auf dem Blog so selten etwas. Ich möchte mich gerne einmal richtig mit meiner Nähmaschine auseinandersetzen und finde keine Zeit dafür. Ich hatte teilweise so viel Chaos im Kopf, dass ich einige Dinge verlor und einiges an Geschirr zerbrach. Und ich hatte ein paar traurige Tage, weil mir manchmal die Verantwortung für Anton, aber auch die Liebe zu ihm, manchmal der Uni-Blog-Lebensstress zu Kopf steigt und ich ein paar Stunden für mich alleine bräuchte. 

Aber, so hart ich es dann finde, möchte ich es wirklich überhaupt nicht missen, Mutter eines so wunderbaren Jungen zu sein. So abgedroschen es klingen mag. Anton gibt mir in den meisten Fällen so viel Freude, Liebe und Glück. (Ich wünsche jedem, dass er irgendwann auch mal diese Erfahrung machen darf.)


Ich wünsche mir für 2015, dass ich gelassener werde und die vielen Ideen zunächst "einfach mal" verschieben kann; dass es mich nicht stört, dass ich nicht so bald dazu kommen werde. Ich wünsche mir eine noch bessere Planung für das Studium. Ich möchte nicht mehr böse überrascht werden, weil ich manche Studienleistungen vorher nicht gewusst habe. Und gleichzeitig möchte ich möglichst viel im nächsten Jahr studieren, aber nicht nur die Scheine machen, sondern auch wirklich lernen, richtig verstehen und verinnerlichen. Ich wünsche mir, dass ich spätestens im Sommer ein erstes Praktikum im Museum machen kann (die Bewerbungen sind schon geschrieben) und dass ich dort viel lernen kann. Ich möchte an einer Einführungswoche zum Berufsfeld Museum teilnehmen und hoffe, dass die Betreuung von Anton gewährleistet werden kann. Ich freue mich auf unseren Familienurlaub, den wir noch nicht geplant haben. Und ich hätte so Lust auf Paris. Vielleicht zwei Tage alleine und dann ein paar Tage als ganze Familie. Ich bin gespannt auf den Fotokurs, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ich möchte etwas häufiger kochen und regelmäßiger aufräumen. Mein Schrank soll weiterhin nach Farben sortiert sein. Ich möchte meine Schuhe besser pflegen (Schuhspanner sind bereits da). Ich möchte regelmäßig zur Pediküre gehen. Und einen Nebenjob beginnen. Ich möchte wieder schneller Entscheidungen treffen. Seit der Schwangerschaft fällt es mir so schwer. Vor allem aber möchte ich glücklich sein, Liebe weitergeben, gesund sein.

Und den Augenblick erkennen, den Moment erleben.


Ich wünsche euch einen guten Rutsch und einen tollen Start in das neue Jahr. Vielleicht ist es die Gelegenheit, um "Altlasten" loszuwerden, um unliebsame Dinge abzuschließen oder Vorhaben beherzt anzupacken. Vielleicht ist es aber auch nur ein Tag wie jeder andere. Ich wünsche euch alles Gute.

25. Dezember 2014

ein Weihnachtslebenszeichen


Wie geht es euch? Habt ihr schöne Feiertage?
Ich sitze gerade mit vollgeschlagenem Weihnachtsessen- und Schokoladenbauch an meinem neuen Laptop (ein Weihnachtsgeschenk, bei dem ich fast vom Sofa kippte) und genieße einen ruhigen Abend, bevor es morgen wieder zu den nächsten zwei Familienfeiern geht. Wir haben ruhige Tage, und das tut nach den stressigen Wochen wirklich gut. Es gab an Heilig Abend nach einem traditionellen Gottesdienstbesuch und einem unglaublich guten 5-Gänge-Menü auch eine überaus reiche Bescherung. Ich bin wieder total geplättet von meiner Familie, die sich so ins Zeug legt und perfekte Geschenke für mich findet. Ich dagegen habe immer Probleme, aus den geringen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, das möglichst schönste oder passendste Geschenk zu finden. Nicht selten wird die Suche für mich zur echten Qual. Das ist alles andere als entspannend und besinnlich. Doch sollte ich dann die richtigen Geschenke gefunden haben, gibt es für mich nichts Schöneres, als die Geschenke einzupacken. Ich will damit überhaupt nicht behaupten, dass ich das besonders gut könnte, aber mir macht es einfach Spaß. Und vor allem ist das Basteln, Stempeln und Einpacken eine Art Meditation für mich.



Dieses Jahr hatte ich Lust auf eine relativ schlichte und nicht zu weihnachtliche Deko. Ich beschränkte mich auf Packpapier, gold, rot, weiß und schwarz. Für den Adventskalender meines Freundes nutzte ich Breigläschen von Anton, die sich in unserem Küchenschrank häuften. Endlich fand ich eine sinnvolle Verwendung dafür :) Ich klebte Zahlenaufkleber darauf, die ich im Depot fand und packte die einzelnen Süßigkeiten und Geschenke in schwarz-weißes Seidenpapier, das ich im Ikea kaufte. Schöne Zahlenaufklebervorlagen gibt es übrigens zu Hauf auf Pinterest. Hätte ich diese schlichten, aber sehr großen Aufkleber nicht spontan im Depot gefunden, hätte ich mir selbst welche ausdruckt. Mit Masking Tape habe ich einen Tannenbaum und Sterne an die Wand geklebt und diesen Baum mit Perlen und Garn geschmückt.

Die Geschenke habe ich mit Pack- oder Geschenkpapier eingepackt und dann mit unterschiedlichen Bändern und Dekoteilen verziert. Zum Beispiel ein Keramikherz, das ich in einem Second Hand Laden fand. Oder kleine Tannenzapfen, die ich mit gold-farbenem Nagellack (Idee bei a lovely journey gefunden) oder Glitterspray einfärbte und mit Draht befestigte. Das Häkeldeckchen passte perfekt zu dem gepunktetem Geschenkpapier. Und teilweise bestempelte ich das Packpapier mit einem selbstgemachten Baum-Stempel oder mit der Radiergummiseite eines Bleistiftes. Ansonsten gehen immer Masking Tape, Sterne aus Filz, Dymo Schriftzüge und Schleifen. Leider hatten wir gerade keinen Rosmarin zu Hause, sonst hätten die einzelnen Päckchen ein kleines Rosmarinbouquet erhalten.

Ich mag es, wenn die Geschenke optisch alle zusammen passen. Aber genauso toll finde ich es, dass ich nicht die einzige bin, die für das Einpacken verantwortlich ist. So darf es auch unbedingt manchmal etwas bunter sein, besonders bei Geschenken für Anton. Seht ihr dieses Knallbonbon? Das ist die Verpackung für einen neuen Ball. Unser Gabentisch war stark überfüllt und die arme Kommode brach fast auseinander. Unter unserem Weihnachtsbaum (Unser erster! Mensch, fühle ich mich erwachsen.) finden sich noch ein paar Päckchen, die in den nächsten Tagen verschenkt werden.


Hattet ihr auch so eine Freude am Verpacken? Oder steckt ihr eure Geschenke einfach schnell in Papier ein und gut ist's? Habt ihr gute Geschenkideen oder tut ihr euch auch immer so schwer, das "richtige" Geschenk zu finden?

In dem Sinne, frohes Schenken und tolle restliche Feiertage!









1. Dezember 2014

gelebt



Und ganz plötzlich denkt man an Weihnachten, koordiniert alle Familientreffen und überlegt, mit wem man das Silvesterdinner gemeinsam zelebriert. Die Adventszeit ist immer ein markanter Zeitraum im Jahr. Und während ich in der Vergangenheit fast nur noch den Stress in dem allen sah, kann ich seit dem letzten Jahr die Weihnachtszeit genießen. Es gibt da nämlich noch ein Paar Kinderaugen, das mit schaut und das diese Welt ganz neu entdeckt. Es macht wirklich Spaß, einem Kind solche Rituale und Besonderheiten mitzugeben. Und es ist auch deshalb schön, weil Anton das auch auf seine Art und Weise versteht. Er entdeckt alleine die Deko, mustert alles und lächelt danach. Dann werden bald Plätzchen gebacken und der Nikolaus füllt seinen kleinen, größten Stiefel mit einer kleinen Aufziehfigur, einem ersten Lebkuchen und Mandarinen. Ich bin schon gespannt, wie lange der Weihnachtsschmuck am Tannenbaum, den wir wohl bald kaufen und der so groß sein wird wie unser Bub, hängen bleibt. Und wir singen gemeinsam Weihnachtslieder.

gelebt: Im November gab es viele, ganz wunderbare Begegnungen mit alten Freunden und neuen Bekannten. Ich musste aber auch realisieren, dass sich eine Freundschaft ganz still auseinander entwickelt hat. Normalerweise gehört das irgendwie zum Leben dazu und ich "arrangiere" mich damit. Doch diese Situation war ein langsamer und trauriger Erkenntnisprozess. Wir haben Antons 1. Geburtstag gefeiert und die ganze Familie zu Besuch da gehabt. Anton und ich machten die Spielplätze der Stadt unsicher und trafen uns mit vielen anderen Müttern und ihren Kindern. Jede Begegnung ein Fest. Wirklich. In dieser Hinsicht ein ganz besonderer Monat. Wir besuchten N. und L. in Karlsruhe. Wobei besuchen zu viel gesagt ist. Ich nutzte eine Gelegenheit, einfach und gut nach Karlsruhe und zurück zu kommen, doch hatten wir deshalb auch nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. In diesen eineinhalb Stunden schauten wir uns zu viert die aktuelle Degas Ausstellung in der Kunsthalle an. L. ist ein wunderbares Kind und es war ein tolles Gefühl, einen drei Monate alten Buben zu halten. Anton und ich verbrachten einen ganz tollen Nachmittag in Darmstadt, von dem ich auf une vie magnifique berichtete. Ich trug endlich mal wieder öfter meine Hüte. In einer durchwachten Nacht waren wir schon auf dem Weg in die Ambulanz, doch war nach fünf Autorunden auch wieder alles in Ordnung. Neben all diesen wunderbaren Momenten und Begegnungen war der November ansonsten stressig. Ich war (bin) am Rennen zwischen Wohnung, Tagesmutter und Universität. Anton hatte wieder enorme Zahnschmerzen, sodass wir kaum zur Ruhe gekommen sind. Und in den wenigen freien Zeiten muss(te) ich viel für die Uni machen. 
getrunken: Schwarzer Tee und furchtbaren Uni-Kaffee, Champagner und Sekt zu Antons Geburtstag
gegessen bzw. gekocht und gebacken: den allerbesten Tomaten-Schmand-Salat, Apfel-Kürbis-Suppe, Praline im Glas, Minzjoghurt, usw.
gemacht: Adventskalender gebastelt, Geschenke verpackt und bestempelt
geklickt: dieses Interview mit Caro über berufstätige Mütter, Aufgabenverteilung usw., diese hübschen Bommeln als Serviettenringe
ausgestellt: Edgar Degas in der Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
gelesen: Völlig fertig und irre glücklich von Okka Rohd, Kinderbücher
gekauft: einen Parka, ein paar Geburtstagsgeschenke, Adventskalender-Inhalte
gewünscht: Zeit und Ruhe, zum Basteln und zum Lernen
geärgert: über Menschen in der Stadt, die nicht mit dem Menschenfluss laufen können und mitten im Gehen stehen bleiben, über ein Mac Netzteil, das kaputt ging und mich eine Woche außer Gefecht setzte
gefreut: über einen Adventskalender, über neue Bekanntschaften, über Leser, die mir Emails schreiben, über ein Fast-Weekly-Call mit Lisa, über den Nebel