den Augenblick erkennen, den Moment erleben

9. Januar 2012

Schönheit

Momentan habe ich nicht die Möglichkeit, mir besonders viel Zeit zum Bloggen zu nehmen, geschweige denn meine Blogroll regelmäßig zu lesen. Selbst als ich Ferien hatte. Grandiose Ferien, nebenbei bemerkt. Doch ich lese viel "offline" und teilweise scheint es, als ob der Stapel der von mir ernannten Pflichtlektüre immer größer werden würde. Viel Input also. Heute zu Ende gelesen habe ich "Der Knacks" von Roger Willemsen, einige Zitate habe ich bereits herausgeschrieben. Ich bin begeistert von diesem wertvollen Essay, an dem ich mich noch einige Zeit abarbeiten kann.


"Für Schönheit ist nur empfänglich, wer durch sie in Verlegenheit gebracht, selbst in Frage gestellt wird. Sie ist wie eine Art Vollständigkeit. Man staunt sie an, und sie wirft Bilder der eigenen Beschädigung zurück, in allen Metamorphosen zwischen Verehrung, Schwärmerei und Verlangen.

Schönheit war einmal gefährlich, sie machte unberechenbar, verführte zu amoralischen Handlungen, setzte sich gegen alle anderen Werte durch und wurde als Wirkung des Teufels beschrieben: So unpersönlich konnte sie machen, so schamlos enthüllte sie das Mangelhafte ringsum.

Wer früher auf dem Land lebte, begegnete in seinem Leben dem Schönen oft in der Natur, selten in der Kunst, bisweilen unten den Menschen. Lebte man in der Stadt, trag man in Kirchen, Museen und Privathäusern wohl auf das Kunstschöne, hatte auch mehr Gelegenheit, das Schöne unter den Menschen zu finden, musste es aber immer noch als Ausnahme und Ereignis empfinden."

Roger Willemsen, Der Knacks

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