den Augenblick erkennen, den Moment erleben

30. Januar 2012

"aber wie ich dir gesagt habe... entscheide dafür und du wirst eine gute zeit haben

ich hoffe zeit mit uns zu verbringen bringt nicht dein ganzes leben durcheinander

oder vielleicht ist das ja gerade gut"

28. Januar 2012

wie du mal sagtest, jetzt wird langsam alles so, wie es von Anfang an hätte sein sollen

27. Januar 2012

der Knacks


Seinem inneren Drama nach betrachtet ist der Knacks komprimierte Zeit. Er bahnt sich an, tritt aus der Latenz ins Manifeste, und selbst der augenblickliche Schrecken eines Ereignisses hängt nicht so sehr mit seinem Eintreten als vielmehr mit seiner Anbahnung zusammen. Auf dem Kristallisationspunkt erscheint der Knacks.
Roger Willemsen, Der Knacks

26. Januar 2012

Brüche

a.l.

Brüche definieren die Biographie. Ihr Leitprinzip geht nicht in den Ausnahme-Ereignissen auf, sondern im schleichenden Prozess ihrer Veränderungen, im Angriff durch die Zeit. Ihre Form erhält sie im Ablassen, Ermüden, Entsagen. Verlegen von der indifferent dahinziehenden Dynamik, die die Lebensgeschichte treibt, gibt man den Veränderungen Namen: Ereignis, Schock, Triumph, Leistung, Erschütterung, Euphorie, Zufall, Schicksal, Lohn, endlich Entscheidung. Schließlich wollen die meisten ihr persönliches Leben führen, und das heißt auch, sie möchten gerne Subjekt ihres Schicksals sein und dieses dadurch verneinen: Jeder ist seines Glückes Schmied, sagen sie, im Dunkeln pfeifend.
Roger Willemsen, Der Knacks

25. Januar 2012

gelesen


Zufällig naht man sich,
man fühlt, man bleibt
und nach und nach
wird man verpflochten.

Goethe, Faust I
mir ist ganz schlecht von dem gedanken. erst langsam, dann immer schneller, kriecht diese übelkeit in mir hoch. 
mir ist schwindlig. nun weiß ich, was du fühltest.

24. Januar 2012

notiert



In Mainz geht es rund.


Mi, 25.01.2012
Vernissage: Markus Saile
Ringstube Mainz, Kaiser-Wilhelm-Ring 40
19:00 Uhr

Mi, 25. - Do, 26.01.2012
Stück: Tot im Orient-Express
Mainzer Staatstheater Mainz, 19:30 Uhr
höchstwahrscheinlich sind alle Karten ausverkauft, der Kampf um die Karten lohnt sich aber auf alle Fälle!

Do, 26.01.2012
Podiumsdiskussion zur Situation zeitgenössischer Kunst in Mainz
mit Vertretern der Stadt, Kunsthochschule, Galerien, Kunsthalle, usw.
Institut für Kunstgeschichte
19:00 Uhr

Sa, 04. - So, 05.02.2012
Stijl Mainz / Festival und Messe für Fashion, Sport und Design
mit der Ausstellung Kasten #3 und einer Mal-Maschine vom Atelier Zukunft
Altes Postlager, am Bahnhof
11:00 - 18:00 Uhr

Mi, 08.02.2012
Rundgang 2012 der Kunsthochschule Mainz
Eröffnung um 18 Uhr
09. - 12.02.2012 von 10:00 bis 21:00 Uhr geöffnet
Programm
Ist es nicht so, dass wir oft einfach ein bisschen zu viel Angst davor haben, was geschehen könnte, wenn wir eine Entscheidung treffen? Und daher aus Angst nicht handeln? Aber wenn uns seit Langem etwas wurmt, wir Fragen haben, Sehnsucht oder Unverständnis; warum sind wir dann selten mutig genug, es auszusprechen? Sähe die Welt nicht ein wenig unkomplizierter aus, wenn man unerschrocken, furchtlos wäre und kommunizierte, wenn man gewisse Gesprächskonventionen ablegte? Denn selbst, wenn die Antwort nicht wie gewünscht ausfällt, hat man eine Antwort, man kann sie verarbeiten und weitermachen und eine neue Entscheidung treffen.

16. Januar 2012

Pré aux Clercs


shot with Contaflex


"Wahrscheinlich wirkt es besser, wenn man betrunken ist", mutmaßte Ernest, und wir waren uns schnell einig, dass alles viel fröhlicher wäre, wenn wir selbst uns betrinken würden.
Wir kannten noch nicht alle Wege, doch wir nahmen eine windige Straße, die grob in Richtung Seine führte, liefen vorbei an der Sorbonne und dem Odéon Théâtre, bis wir auf der Rue des Saints-Péres ein Café namens Pré aux Clercs fanden, das einladend aussah.

Paula McLain, Madame Hemingway

15. Januar 2012

tragisch


shot with contaflex

ja, das Wort tragisch passt wirklich. ein schicksalhafter Konflikt. ein Dilemma mit zwei negativen Möglichkeiten. eine unausweichliche Verschlechterung.

9. Januar 2012

Schönheit

Momentan habe ich nicht die Möglichkeit, mir besonders viel Zeit zum Bloggen zu nehmen, geschweige denn meine Blogroll regelmäßig zu lesen. Selbst als ich Ferien hatte. Grandiose Ferien, nebenbei bemerkt. Doch ich lese viel "offline" und teilweise scheint es, als ob der Stapel der von mir ernannten Pflichtlektüre immer größer werden würde. Viel Input also. Heute zu Ende gelesen habe ich "Der Knacks" von Roger Willemsen, einige Zitate habe ich bereits herausgeschrieben. Ich bin begeistert von diesem wertvollen Essay, an dem ich mich noch einige Zeit abarbeiten kann.


"Für Schönheit ist nur empfänglich, wer durch sie in Verlegenheit gebracht, selbst in Frage gestellt wird. Sie ist wie eine Art Vollständigkeit. Man staunt sie an, und sie wirft Bilder der eigenen Beschädigung zurück, in allen Metamorphosen zwischen Verehrung, Schwärmerei und Verlangen.

Schönheit war einmal gefährlich, sie machte unberechenbar, verführte zu amoralischen Handlungen, setzte sich gegen alle anderen Werte durch und wurde als Wirkung des Teufels beschrieben: So unpersönlich konnte sie machen, so schamlos enthüllte sie das Mangelhafte ringsum.

Wer früher auf dem Land lebte, begegnete in seinem Leben dem Schönen oft in der Natur, selten in der Kunst, bisweilen unten den Menschen. Lebte man in der Stadt, trag man in Kirchen, Museen und Privathäusern wohl auf das Kunstschöne, hatte auch mehr Gelegenheit, das Schöne unter den Menschen zu finden, musste es aber immer noch als Ausnahme und Ereignis empfinden."

Roger Willemsen, Der Knacks

7. Januar 2012

Gefühl


Es kommt einem manchmal verlogen vor, dass Leute heute noch so fühlen wollen wie in alten Filmen und Büchern. Sie arbeiten sich ab auf dem Trainingsfeld der Phantasie, wollen die Empfindungen des Gestern fühlen und nennen sie Emotion, haben auch Gedanken dazu, können ihrer aber nicht habhaft werden. Kein Durchbruch zur Lebensfreude möglich. Ein ratloses Inventarisieren der Anlässe, froh zu sein: Das Glück, der Triumph, die Zustimmung, das Geld, aber da ist gerade nichts, das eine erfahrbare Seite anböte.
Roger Willemsen, Der Knacks

5. Januar 2012

Glück



Glück fühlt sich an wie die Steigerung der Augenblicklichkeit, wie ein Augenblicksgewinn: Konzentriert man sich auf ihn, ist er schon verloren. Taucht man nicht in ihn ein, besitzt man ihn, ohne ihn zu besitzen.  Das Glück wäre also der halb bewusste Besitz des Augenblicks.
Roger Willemsen, Der Knacks

Momente


Die Ordnung eines Lebens hängt, Baltasar Gracián zufolge, am „et cetera“. Kaum erwacht ein Mensch aus der Routine seiner Zeit, wird ihm bewusst: Die Vergangenheit steckt voller Momente, die immer noch reine Gegenwart sind, Momente beim Wäsche-Aufhängen, beim Wein-Entkorken, beim Aus-dem-Fenster-Lehnen. So gesehen bewegt sich die Zeit in manchen Elementen gar nicht, in anderen springt sie, und es gibt vielleicht Menschen, die in ihrem Leben bewusst kaum je etwas Gegenwärtiges getan haben.
Roger Willemsen, Der Knacks

3. Januar 2012

Orte


"Ja, Orte bestehen vor allem aus Erfahrung, sind aber gleichgültig gegenüber unserer Sentimentalität. Wie viele Abschiede, herzzerreißende Abschiede wird ein Ort gesehen haben, und doch kann kein Neuerer arbeiten im Bewusstsein dessen, was es heißt, ein Schild, ein Kiosk, einen Automaten zu entfernen, Leerstellen zu verteilen, wo sentimentale Schwärme waren. Der Knacks zuckt durch die Außenwelt. Dauernd geht jemand über das eigene Grab."

Roger Willemsen, Der Knacks