den Augenblick erkennen, den Moment erleben

2. November 2011

la tour Eiffel







"Die drei Weltausstellungen von 1878, 1889 und 1900 begründeten den Ruf von Paris als interkontinentale Metropole. Anlässlich der zweiten Weltausstellung, die im Zeichen der Hundertjahrfeier der Revolution stand, wurde der Eiffelturm erstellt, der bald Weltberühmtheit genießen durfte als Symbol des beginnenden Eisen- und Stahlzeitalters. [...]
Mehrfach diente das Champ-de-Mars als Ausstellungsgelände. Zur Weltausstellung von 1889 und gleichzeitig zur Hundertjahrfeier der Republik wollte die Stadt Paris dort ein repräsentatives Monument aufstellen, das zugleich überzeugend in die Zukunft weisen wollte. Unter 700 eingegangenen Projekten fand die kühne Eisenkronstruktion des burgundischen Ingenieurs Eiffel die Gnade der Stadtväter. Es stieß jedoch sonst überall auf heftigen Widerspruch. Die Künstler meinten, der Turm sei dermaßen überdimensioniert, dass er die ganze Stadt verschandeln werde. Die Bürger fürchteten den Einsturz des Kolosses und die Kosten, für die sie aufkommen müssten. Selbst namhafte Architekten zeigten sich sehr skeptisch. Die Stadt blieb aber bei dem Entschluss, dass 'teure und nutzlose Werk' an die Hand zu nehmen. In einer Bauzeit von zwei Jahren - 1887 bis 1889 - wuchs das ungewöhnliche Gitterwerk in die Höhe. Dreihundert schwindelfreie Monteure fügten 15000 Metallteile mit zweieinhalb Millionen Nieten zusammen nach Plänen, die aneinandergereiht eine Länge von fünf Kilometern ergaben.
Es sollte sich später erweisen, dass der Turm nicht gar so unnütz ist. 1916 stellte die Radiostation auf seiner Spitze die erste drahtlose Verbindung im Äther mit Amerika her. Mit den Installationen für den Radio- und Fernsehsender im Jahre 1957 wuchs seine ursprüngliche Höhe von 300 Metern um weitere 20 Meter.
Entgegen aller pessimistischen Voraussagen hat der Turm seine 'eiserne' Gesundheit bewahrt. Die Künstler haben sich mit ihm ausgesöhnt. Die Maler Delaunay, Dufy, Utrillo und andere ließen sich von ihm inspirieren.
Als vor 35 Jahren der Großindustrielle Henri Ford mit dem Ansinnen kam, den Turm abzubrechen und ihn in Amerika wieder aufzubauen, erhielt er trotz des günstigen Kaufangebotes die einmüte Antwort: 'Wir lassen unsern Eiffelturm nicht kidnappen!'
Der Eiffelturm hat sich inzwischen auch bezahlt gemacht. Und wie! Von allen Sehenswürdigkeiten der Stadt weist er die größte Besucherzahl auf. Sie erreicht fast die Dreimillionengrenze im Jahr, ist also erheblich höher als jene des Louvre. Man kann die 3 Plattformen über Treppen erreichen, doch ziehen es weitaus die meisten Besucher vor, den Lift zu benützen."

Paris, von Walter Staehlin, 1973

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