den Augenblick erkennen, den Moment erleben

26. Juli 2011

Brûlerie Daval

Es gibt Momente, die sind einfach perfekt. Viele perfekte Momente habe ich in Paris erlebt. Und das sind die Momente, die man genießt und in denen man nicht die Kamera zückt. Schade ist es nur dann, wenn man den perfekten Moment weitergeben, zeigen will. Aber das Bewahren des perfekten Momentes ist viel wichtiger.


In einer kleinen Künstlergasse in der Nähe der Place de la Bastille bin ich auf ein kleines Café gestoßen. Ich bin viel durch die Gegend gelaufen, war müde und wollte einfach nur etwas trinken. In dieser Gasse schien die Zeit stehen zu bleiben. Draußen saßen junge Typen, die sichtlich Spaß am Leben hatten, Tee aus kleinen Kannen tranken und mit einander aufgeregt redeten. Mir gefiel der Ort sehr gut und entschied mich sogleich, hier zu bleiben. Ich trat in den kleinen Raum ein, fest dazu entschlossen, auf Französisch zu bestellen und mich mit der Dame zu unterhalten. Die Dame war eine alte, schrumpelige Oma. Und etwas stur, denn als ich sie bat, etwas langsamer zu sprechen, schien es mir, als wollte sie mich gar nicht gehört haben. Das Café bestand nur aus diesem einen Zimmer. Links von mir waren alte Bücher unordentlich aufeinander gestapelt und ich erinnere mich, dass ich irgendwo einen schlecht leserlichen Zettel mit der Aufschrift "livres 1 €" sah. Direkt vor mir waren Säcke voller gut duftender Kaffeebohnen und an der Wand Regale mit Teekisten. Rechts hantierte die gute Frau mit Kännchen und Geschirr. Auf einem kleinen Tisch stand eine Herdplatte mit zwei Kochfeldern, nebenan war ein Waschbecken. An diesem Ort bereitete sie Kaffee und Tee vor. Sie fand keine passende Kaffeetasse, schaute auf den Tisch voller schmutzigem Geschirr, nahm eine Tasse, wusch sie schnell aus und füllte den eben gekochten dünnflüssigen Kaffee hinein. Mit einer kurzen Warnung, die Tasse passe nicht zur Untertasse, ich müsse acht geben, erhielt ich noch zwei Päckchen Zucker. Zum Glück. Denn wie magisch auch dieser Ort sein mochte, der Kaffee schmeckte fad. In dem kleinen Raum wurde es eng, zwei weitere Kunden standen an, ich war froh, draußen sitzen zu können. Alle Tische waren belegt. Ich setze mich auf einen nicht mehr ganz weißen Plastik-Gartenstuhl und genoss die Ruhe. Eigentlich wollte ich Postkarten beschriften, aber so einen perfekten Moment mit Touristengehabe zu zerstören, das wollte ich noch viel weniger. Erst später, als die lebensfrohen Typen und das gutaussehende Pärchen gegangen waren, holte ich verstohlen meine Kamera aus der Tasche.


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