den Augenblick erkennen, den Moment erleben

7. Mai 2011

gelesen. max frisch und die architektur

Max Frisch war nicht nur ein herausragender Schriftsteller, sondern arbeitete eine Zeit lang - bis er sich sicher war, er könne vom Schriftsteller-sein leben - als Architekt. Diese Arbeit beeinflusste ihn natürlich. "Der Laie und die Architektur", ein Feature, das am 22.10.1954 im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wurde sowie eine erst vor kurzem erschienene, bearbeitete Polemik über "die damals aktuelle Architekturproduktion" zeigen sein Denken über die Architektur und liefern mir momentan Denkstoff.

Hier zwei Auszüge aus dem Tagesanzeiger


Die Fassade ist keine Verkleidung, keine Larve, keine Faxe, sondern sie macht einsichtig; das Gebäude verbirgt sich nicht hinter der Fassade, sondern die Fassade macht das Gebäude sozusagen offenkundig. Oder sagen wir: lesbar. Das verstehe ich unter Architektur, gleichgültig, in welcher Stilepoche.

[...]

Wo die Schönheit eines Gebäudes sich nicht mehr aus der Transparenz ergibt, muss sie als Ornament aufgesetzt werden, als beliebiges Ornament, als Coiffure. Die Formen, da sie eben beliebig und nichtssagend sind, müssen verblüffen. Das ist ein Merkmal der Postmoderne: Sie verschleiert, sie täuscht vor und braucht das Verblüffende, um nicht haftbar zu werden. Das Verblüffende ist für jede Mode unerlässlich; der Stil, im Gegensatz zur Mode, verblüfft nicht, sondern überzeugt. Die Postmoderne ist kein Stil, sie bringt nicht zur sinnlichen Erscheinung, was gesellschaftlich der FalI ist, und versucht es nicht einmal, im Gegenteil, sie verziert eine Gesellschaft, die sich selbst nicht erkennen will, und ist politisch, ohne es wissen zu wollen: als Bauweise einer Epoche der Anti-Aufklärung.



Mies van der Rohe, Pavillon, Barcelona

1 Kommentar:

  1. hast du jetzt auch noch was mit Architektur ab Hut? ich will nemlich in der Zukunft Architekt werden ;)

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