den Augenblick erkennen, den Moment erleben

30. November 2010

Lesestoff


Wenn man wie ich in der letzten Zeit viel lernen muss und somit viel zu Hause am Schreibtisch sitzt, genießt man es umso mehr, rauszukommen oder eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Meine Lernpause nutzte ich heute, um ein paar Dinge in der Stadt zu erledigen. Schon länger wollte ich in das Antiquariat am Ballplatz gehen (wenn demnächst die Lichtverhältnisse besser sind und ich ein Foto machen kann, reiche ich das nach) und nach Illustrationen und französischer Literatur stöbern. Schon von außen sieht es einfach nur einladend aus. Und innen gibt es so eine gute Auswahl an allen Büchern, die man brauchen kann. Der Inhaber erzählte mir, dass hier auch regelmäßig Lesungen stattfinden. Gefunden habe ich zwei Bücher, einmal ein "antikes" Buch, das perfekt zu meinem Nachdenken über Häuser passt: "zu Hause", herausgegeben von Heinrich Lützeler, Verlag Herder Freiburg, 1953 und ein neues französisches, aktuelles Buch von Jean-Philippe Toussaint: "L´appareil-photo". Ich bin schon sehr gespannt und würde am liebsten direkt zu Lesen anfangen, doch hat das Lernen und "Der Ekel" von Sartre momentan Vorrang.

Habt ihr Vorschläge für gut lesbare französische (Schul-)Lektüre? Letztens kaufte ich am Bahnhof spontan eine Reclam Ausgabe von "Les petits enfants du siècle" von Christiane Rochefort. Praktisch ist es schon, wenn einzelne Wörter unten übersetzt werden, doch war das Buch trotzdem ein Reinfall. Ich möchte zwar durch französiche Bücher meine Sprachkenntnisse erweitern, jedoch nicht die französische "Gossensprache". Da wird le petit prince wahrscheinlich harmloser sein :)

29. November 2010

bon voyage!






Bon Voyage! ist ein herziges kleines Büchlein des französischen Illustrators und Design Professors namens Didier Cornille. Es geht um Touristen, die "in Form gebracht" wurden, Gepäckstücke, Zahlen, Farben und Gegensätze des Reisens.
Ich bin sehr begeistert von den niedlichen Mexikanern und den Autos. Und die Mischung aus "Reisen" und französischen Wörtern gefällt mir unheimlich gut.
Zu kaufen gibt es dieses Buch ganz aktuell bei COS.

26. November 2010

25. November 2010

Kleist und die Bildende Kunst


Caspar David Friedrich - Der Mönch am Meer, Alte Nationalgalerie Berlin, Öl auf Leinwand, 110 cm × 171,5 cm



Vor einem Jahr habe ich während eines Gasthörersemesters sämtliche Werke von Heinrich von Kleist gelesen und bin seither von dieser suspekten Persönlichkeit stark beeindruckt. Nun bieten in diesem Wintersemester das Studium generale der Uni Mainz und der Interdisziplinäre Arbeitskreis für Drama und Theater eine Ringvorlesung zur Kleists Rezeption an.

Diesen Montag hatte ich Zeit und hörte den Vortrag "Kleist und die Bildende Kunst" von Prof. Dr. Jörg Zimmermann, der an der AfBK Kunsttheorie und Ästhetik lehrt. Die Zeit war zu knapp bemessen oder das Thema zu umfangreich, so dass das Thema nur angerissen werden konnte. Es gibt einige Portraits von Kleist. Welches ihm am meisten gleicht, ist nicht klar. Es scheint, dass das authentischste Bild jenes ist, das er vom Maler Peter Friedel zeichnen lässt, um es seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge zu schenken. In der Moderne folgten Werke von André Masson und Max Slevogt, oder Illustrationen der Erzählungen von Kokoschka und Janssen.

Kleist selbst schrieb eher selten über seine Eindrücke der Kunstbetrachtung. Seine kurze Abhandlung über "Der Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich, die in den "Berliner Abendblättern" erschien, ist ein Beispiel dafür. Zuvor hatten Brentano und Arnom einen Text eingereicht, den er editiert und ergänzt. Hier ist der Text:


Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft


Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel, auf eine unbegrenzte Wasserwüste, hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, daß man dahin gegangen sei, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß mam Alles zum Leben vermißt, und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, dem einsamen Geschrei der Vögel, vernimmt. Dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, um mich so auszudrücken, den einem die Natur tut. Dies aber ist vor dem Bilde unmöglich, und das, was ich in dem Bilde selbst finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nämlich einen Anspruch, den mein Herz an das Bild machte, und einen Abbruch, den mir das Bild tat; und so ward ich selbst der Kapuziner, das Bild ward die Düne, das aber, wo hinaus ich mit Sehnsucht blicken sollte, die See, fehlte ganz. Nichts kann trauriger und unbehaglicher sein, als diese Stellung in der Welt: der einzige Lebensfunke im weiten Reiche des Todes, der einsame Mittelpunkt im einsamen Kreis. Das Bild liegt, mit seinen zwei oder drei geheimnisvollen Gegenständen, wie die Apokalypse da, als ob es Youngs Nachtgedanken hätte, und da es, in seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit, nichts, als den Rahm, zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es betrachtet, als ob Einem die Augenlieder weggeschnitten wären. Gleichwohl hat der Maler zweifelsohne eine ganz neue Bahn im Felde seiner Kunst gebrochen; und ich bin überzeugt, daß sich, mit seinem Geiste, eine Quadratmeile märkischen Sandes darstellen ließe, mit einem Berberitzenstrauch, worauf sich eine Krähe einsam plustert, und daß dies Bild eine wahrhaft Ossiansche oder Kosegartensche Wirkung tun müßte. Ja, wenn man diese Landschaft mit ihrer eignen Kreide und mit ihrem eigenen Wasser malte; so, glaube ich, man könnte die Füchse und Wölfe damit zum Heulen bringen: das Stärkste, was man, ohne allen Zweifel, zum Lobe für diese Art von Landschaftsmahlerei beibringen kann. – Doch meine eigenen Empfindungen, über dies wunderbare Gemälde, sind zu verworren; daher habe ich mir, ehe ich sie ganz auszusprechen wage, vorgenommen, mich durch die Äußerungen derer, die paarweise, von Morgen bis Abend, daran vorübergehen, zu belehren.

Der nächste Vortrag findet am Montag, 29.11.2010, um 18 Uhr im Philosophicum, Raum P3 statt.
Prof. Dr. Brigitte Schultze (Mainz): "Kontexte und Knotenpunkte einer selektiven Bühnenrezeption"

23. November 2010

klick klick




Betsi bekam Bruder-Besuch

und wir fuhren mit dem Bus, suchten ruhige Plätze aus und knipsten.
Mein Bruder fotografiert schon seit einigen Jahren (Canon) - vielleicht könnt ihr euch noch an die Fashion Week Bilder erinnern, während ich nur zwecks Blog und Erinnerungen fotografiere (Nikon). Außer unseren Spiegelreflexkameras hatten wir noch unsere Oldies dabei. Der schwarz-weiß Film in der Agfa ist nun endlich voll und ich freue mich sehr, wenn ich bald die Ergebnisse in den Händen halten kann. Ich habe diese Woche nämlich Einiges zu den Einstellungen gelernt und gleich am Zollhafen und in der Oberstadt ausprobiert. Das Problem ist jetzt nur, dass der Film in der Kamera gerissen ist und darauf hoffen kann, dass er nicht ganz beschädigt wurde. We´ll see.

notiert


Am Sonntagnachmittag findet im wunderbaren Zollhafen von Mainz eine Adventsfeier namens "Lichterglanz im Zollhafen" statt. Hört sich etwas nach "ZDF Fernsehgarten" an, doch wird es mich nicht daran hindern, an den Rhein zu laufen. Das Tolle daran ist nämlich, dass der Eintritt in die Kunsthalle an diesem Tag nur 1 € kostet (Überfüllungsgefahr) und ich sowie so die Ausstellung "km 500 3" der Stipendiaten 2009 des Landes Rheinland-Pfalz und des Künstlerhauses Schloß Balmoral sehen wollte. Ein buntes Rahmenprogramm gibt es dazu auch. Also, ein ideales Ziel für einen Sonntagnachmittag mit Lernpause.

18. November 2010

overcast



Dicke Wolken streifen die Dächer und ziehen langsam vorbei, mit unbestimmten, lebendigen Bewegungen.

Sartre

14. November 2010

gelebt






gesehen: somewhere im Capitol Mainz
ausgegangen: Kabale und Liebe im Staatstheater Mainz (großartige Inszenierung, viel Witz und ein tolles Bühnenbild)
getrunken: Zombie
gemacht: 7cm Haare abschneiden lassen, mein Reisejournal erweitert, eine Postkarte verschickt, Wunschzettel geschrieben
gelesen: Der Ekel von Sartre, Elle Cityguide
gefreut: Postkarte bekommen, Boots endlich angekommen!, Zeit zum Nachdenken zu haben, voranzukommen, Leute im Café zu beobachten
geklickt: The city´s breath bei Careaux, ein Romaufenthalt bei Garance, 96 houses,
gehört: Jump Little Children, siehe Video
gemacht: Häuser und Häuser gemalt
geplant: Zukunftsideen entwickelt: Frankreichaufenthalt, Buch illustrieren
gekauft: ein Geschenk für einen neuen Erdenbürger
entdeckt: die Altstadt von Wiesbaden inkl. kleiner Shops, das Café a perfect day

12. November 2010

a perfect day


So richtig perfekt war der Tag zwar nicht. Es hat geregnet. Viel geregnet. Aber, ich habe einen neuen Haarschnitt und bin zufrieden. Und ich bin um ein paar Eindrücke reicher geworden. Nachmittags bin ich mit dem Zug nach Wiesbaden zum Bummeln gefahren. Mir gefällt die Altstadt sehr gut. Es ist so gemütlich. Es gibt so schöne Feinkostlädchen und Krims-Krams-Orte. Außerdem habe ich einen wunderbaren Ort zum Verweilen entdeckt - das Perfect Day in der Kirchgasse. Von außen sieht es nach einer Café-Kette à la Coffee Bay aus. Dort gibt es leckere Paninis, gesunde Fruchtsäfte, Öko-Getränke und eine große Auswahl an Kaffee. Im oberen Stockwerk eröffnet sich aber eine ganz andere Welt. Wie in einem riesigen Wohnzimmer hängen Illustrationen an der Wand, Bücherregale, Sofas und Tische füllen den Raum. Richtig gemütlich und einladend. A perfect place für eine Fremde in einer Stadt oder noch besser, für Freunde, die Zeit miteinander verbringen möchten. 




9. November 2010

welcome on earth


welcome on earth, lovely little babies
Bald kann ich Karten und Umschläge mit den selbstgemachten Stempel bedrucken und auf die Reise schicken.

8. November 2010

notiert


zum Thema Tagebuchführen bzw. Erinnerungen aufschreiben, gestern gelesen


"Das beste wäre, die Ereignisse Tag für Tag aufzuschreiben. Ein Tagebuch zu führen, um klarzusehen. Sich nicht die Nuancen, die Kleinigkeiten entgehen zu lassen, auch wenn sie nach nichts aussehen, und sie vor allem einzuordnen. Man muss sagen, wie ich diesen Tisch, die Straße, die Leute, mein Tabakpäckchen sehe, denn gerade das hat sich verändert. Man muss den Umfang und die Art dieser Veränderung genau bestimmen.
Zum Beispiel hier diese Pappschachtel, in der mein Tintenfass ist. Man müsste versuchen zu sagen, wie ich sie vorher sah und wie ich sie jetzt*             . Also, es ist ein rechteckiges Parallelepipedon, es hebt sich ab von - zu blö, es gibt nichts darüber zu sagen. Gerade das muss vermieden werden: man darf nichts Ungewöhnliches sehen wollen, wo es ist. Ich glaube, das ist die Gefahr, wenn man ein Tagebuch führt: man bauscht ales auf, man liegt auf der Lauer, man forciert ständig die Wahrheit. Andererseits ist gewiss, dass ich jederzeit - und gerade bei dieser Schachtel oder bei irgendeinem Gegenstadt - wieder diese Empfindung von vorgestern bekommen kann. Ich muss immer bereits sein, sonst gleitet sie mir wieder durch die Finger.

....

Ich gehe jetzt schlafen. Ich bin geheilt, ich verzichte darauf, wie kleine Mädchen meine Eindrücke Tag für Tag in ein schönes neues Heft zu schreiben."



*Ein Wort ausgelassen.

aus "Der Ekel" von Jean-Paul Sartre

4. November 2010

von Traditionsquellen und Überresten

(Martina Sauter, Teppich 2006)

Was bleibt? Welches Bild bleibt beim Lesen der Texte? Was wird interpretiert? Geschrieben wird zur Erinnerung. Erinnerung an gute Momente, Dinge, die erlebt werden. Ungute Dinge wurden und werden immer noch gelegentlich auf Zetteln festgehalten. An Helden des Alltags wird erinnert, die Ursachen für Kriege vielleicht auch mal begründet. Mal beobachtet und Nachrichten gesammelt. Herodot war jemand, der mit der Geschichtsschreibung begann. Der diese Vorgehensweise begründete. Werden mein Blog, meine Tagebücher, die Fotos und Collagen Überreste sein? Doch wohl eher "Traditionsquellen" mit einem hohen Anteil an Subjektivität. Texte, die Momente interpretieren und von den Lesern interpretiert werden. Sollte man die alten Tagebucheinträge lesen, wird man den Eindruck haben, ich hätte eine verkorkste Teenyzeit mit den größten Gefühlsschwankungen. Dabei hatte ich damals nur dann das Bedürfnis zu schreiben, wenn ich nicht gut gelaunt war... Was folgt? Vielleicht mehr ein Mischmasch. Vielleicht noch mehr Alltägliches. Vielleicht auch keine Änderung. Wir werden es sehen...

fränkische Kindheit


oberdeutsch, umgangssprachlich: Eine die Satzaussage verstärkende Partikel, die sowohl in Aussage- als auch in Frage- oder Aufforderungssätzen verwendet werden kann; mitunter auch für Sachverhalte verwendet, die für den Sprecher oder den Angesprochenen überraschend sind. (wikipedia)

2. November 2010

gelesen


L´amour ça donne faim; ça enlève la faim,
ça donne faim, l´amour ça fait tout,
l´amour c´est la vie au grand complet.

Christiane Rochefort, Les Petits Enfants du siècle