den Augenblick erkennen, den Moment erleben

16. Oktober 2010

gesehen: Courbet

PORTRAIT DE L'ARTISTE, DIT LE FOU DE PEUR, 1848
Öl auf Leinwand, 60,5 x 50,5 cm
The National Museum of Art, Architecture and Design, Oslo


Fasziniert von den Werken Gustave Courbets, empfehle ich die aktuell in der Schirn stattfindende Ausstellung: Courbet - Ein Traum von der Moderne.
Courbet gilt als bedeutender Maler des Realismus, doch wird hier gezeigt, dass er auch eine andere, unbeachtetere Seite innehatte. Die 100 Werke zeigen seine träumerische, poetische Seite. Er malte z. B. den Schriftsteller Marc Trapadoux, der ein Stichwerk betrachtet oder den Dichter und Kunstkritiker Charles Baudelaire, der ein Buch liest. Diese Personen sind nach innen gerichtet, verschließen sich während ihrer Handlung des Lesens oder Schauens von der Welt; sie zeigen vielleicht auch Momente des Tagträumens oder Nachsinnens. Courbets Landschaftsbilder, in denen häufig Felsen, der Wald oder das Meer zu sehen sind, können den Betrachter ins eigene Innere versenken lassen.
K. Herding, der Herausgeber des Katalogs und Mitverantwortlicher der Ausstellung befasst sich schon seit über 40 Jahren mit Courbet und spricht enthusiastisch über den Künstler. Er "entdecke immer wieder Neues" und "sei mit ihm [Courbet] noch nicht fertig". Schon vor dreißig Jahren organisierte er die Ausstellung in Hamburg und schrieb zahlreiche Bücher und Essays (z. B. "Realismus im Widerspruch, Die Wirklichkeit in Courbets Malerei"). Der passionierte Courbet-Liebhaber hält am Dienstag, 19.10. eine Führung in der Schirn und spricht Ende Januar mit Neo Rauch über die Ausstellung.

In der Welt gibt es einen kurzen, interessanten Artikel. Und auf damals.de einen etwas längeren.

Die Ausstellung geht bis zum 30.01.2010 und beinhaltet neben zahlreichen Ölbildern, einige Zeichnungen, 5 Großformate und ein paar Karikaturen (Courbet war im 19. Jahrhundert einer der meist karikierten Personen).

Randbemerkung: Klaus Herding wurde gefragt, ob er ein Lieblingsbild habe, woraufhin er die Empfehlung aussprach, sich selbst zu beobachten, welches Lieblingsbild man habe und dass man sich fragen solle, warum dies so sei.
Sich selbst zu reflektieren ist eine wichtige Handlung und wurde mir durch diese Aussage ein weiteres Mal bewusst gemacht.


L'HOMME BLESSÉ
Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm
Musée d´Orsay, Paris


LE DÉSESPÉRÉ, 1844-1845
Öl auf Leinwand, 45 x 54 cm
Private Collection, by courtesy of BNP Paribas Art Advisory
(Bilder via Schirn)

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