den Augenblick erkennen, den Moment erleben

24. Juni 2010

mehr als eine Hand voll Hörbücher

Ihr erinnert euch, betsi fährt jede Woche nach Mainz, eine meist staulose Strecke von 85 km in ca. 50 Minuten. Und nach unzähligen Fahrten möchte sie keine schlechten Hits mehr hören und auch nichts über die politischen Probleme des Landes.

Wie hier schon berichtet, greife ich also auf Hörbucher zurück. Am liebsten mit einer langen Hördauer. Selbst die eintönigste Fahrt wird dadurch interessanter; oder man freut sich schon Tage vorher auf das Weiterfahren. Nicht immer habe ich das richtige Gespür, ein gutes Hörbuch ausfindig zu machen. Im Folgenden stelle ich kurz einige der zuletzt gehörten vor.

Zum Einen gibt es die absoluten Fehlgriffe. Davor möchte ich warnen. Denn sie sind so schlecht, dass man sie nicht mal zum "einfach so hören" kaufen/ausleihen sollte.

Die kanadische Schriftstellerin Joy Fielding verarbeitet wohl ihr Jugendleben in ihrem Buch "Schlaf nicht, wenn es dunkel ist." Die Hauptperson Terry denkt, mit 40 sei ihr Leben gelaufen und sie könne abdanken. Mit dem so gegensätzlichen Wirbelwind Allison, ihrer neuen Mieterin, freundet sie sich an und erheitert ihr Gemüt. Sie verstehen sich prächtig, doch mit der Zeit glaubt die Terry, Allison sei hinterhältig, verschweige ihr etwas und habe etwas vor. Schlussendlich tickt Terry aus, bringt drei, vier Leute um und fährt nach allen Geschehenissen mit ihrem tristen Leben fort. Die Geschichte ist schräg, die Handlungsstränge laufen nicht stringent, es gibt Lücken, aber auch viel Unnötiges. Kommentiert wurde dieses Buch auch hier.

Dann Ken Follett, bekannt für seine Romane "Die Tore der Welt" und "Die Säulen der Erde". Und nachdem diese beiden Romane weltweit Erfolge erzielten, musste der Schriftsteller auch gut sein, oder? failed. Für das Genre Thriller sind die Bücher "Eisfieber", "Die Leopardin", "Der dritte Zwilling" nicht spannend und packend genug. Es lesen immer zwei Sprecher (männlich + weiblich) aus zwei verschiedenen Perspektiven. Zeitweise wird es spannend, flacht zum Ende jedoch ab und wird langweilig. Die Stories handeln immer von "alltagskritischen" Themen wie Klonen, Tierversuche, usw.; werden aber unkritisch und recht nebensächlich behandelt. "Was er schreibt, ist massengängige Unterhaltungsliteratur" so die FAZ.

Und dann hört man Patrick Süßkinds "Der Kontrabaß". Ein Hörvergüngen ohnegleichen. Eine sprachliche Wucht. Und ein famoser Sprecher.
"Jeder Musiker wird Ihnen gerne bestätigen, dass ein Orcheter jederzeit auf den Dirigenten verzichten kann, aber nicht auf den Kontrabaß." In dem Ein-Mann-Stück führt ein mittelmäßiger Kontrabass-Spieler einen Monolog über typische Kontrabass-Probleme, die Erotik des Kontrabasses und seine große Liebe zur Sopranistin. Aber auch über die Einsamkeit und Zerbrechlichkeit. Zwischendurch hört man kurze Passagen aus Werken von Wagner, Brahms, Schubert, Mozart und von Dittersdorf. Welch Klänge! Was für atemberaubend tiefe Töne! Ein herrliches, ironisches Stück zum Mitlachen und -zwinkern.
(Ungekürzte Lesung 1984, Entstehung 1980, Uraufführung im Cuvilliés-Theater in München am 22.09.1981 mit Nikolaus Paryla als Regisseur und Darsteller des Kontrabassisten)

Erst letztens hörte ich "Die Chemie des Todes" von Simon Beckett (gekürzte Fassung, Audiobuch Verlag, Sprecher Johannes Steck). Mir fiel das Cover positiv auf - schlicht in schwarz und weiß gehalten, passend zum Titel. Die Story ist schaurig und ein Appetitkiller, mir wurde ab und zu richtig schlecht. Glücklicherweise wird die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhalten, die Geschichte nimmt eine ungeahnte Wendung. Ja und dann wären natürlich noch meine Lieblinge, von denen ich bereits berichtete. "Drei Minuten mit der Wirklichkeit" von Wolfram Fleischhauer (Steinbach Verlag, Sprecher Dietmar Mues). Eine Geschichte voller Verwirrung, Leidenschaft und Tango. Oder die Hörbucher "Kind 44" und "Kolyma" von Tom Rob Smith.

Wie man sieht, spielt der CD Player hauptsächlich Romane, wobei ich auch anderen Texten (und den ???) nicht abgeneigt bin (außer Kafka). Laufen bei euch Hörbucher? Was hört ihr?

Die nächsten CDs liegen bereit: Die Kameliendame von Alexandre Dumas. Gelesen habe ich es vor zwei Jahren, jetzt bin ich gespannt, wie es mir per audio gefallen wird.

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