den Augenblick erkennen, den Moment erleben

10. April 2010

Wenn Literatur sich im Netz verfängt

Auf faz.net bin ich heute auf einen interessanten Artikel von Thomas Hettche über die Literatur, ihrem Träger, der Nichtlinearität und Intertextualität sowie dem Zitieren gelesen.

Anbei ein paar Auszüge. Den gesamten Text kann man hier nachlesen.


"Literatur besteht aus Romanen, Sonetten, Erzählungen, Novellen, Oden, kurz: aus Werken, abgeschlossenen, nach bestimmten ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten organisierten Gebilden, die eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, nur aus sich selbst heraus verstanden werden und auch auf nichts anderes reduziert werden können."

"Wie jede künstlerische Form ist der Roman ein Schnitt in die Welt, der ein Innen und ein Außen erzeugt, eine Grenze, die insofern etwas Dialektisches hat, als sie gleichermaßen errichtet wie überschritten werden muss."

"...Welchen Grund aber könnte diese Ignoranz der Kritik haben? Hat sie vielleicht etwas damit zu tun, dass Fräulein Hegemann, was ihre Floskeln aus der postmodernen Rhetorik ja nur unzulänglich bemäntelten, Literatur eigentlich gar nicht interessiert, umso mehr aber so eine Art Textproduktion als Lebensteilhabe? Denn dieses Interesse teilten ganz offensichtlich viele, die ihr Buch gefeiert haben, nämlich nicht als Literatur, sondern als eine andere Form literarischer Öffentlichkeit."

"Inzwischen hat die „Zeit“ einen Preis für Netzliteratur ausgelobt und aus Mangel an möglichen Preisträgern wieder eingestellt, hat die Germanistik das Thema entdeckt und Dissertationen und Habilitationen en gros verfasst, Tagungen und Lehrstühle aus- und eingerichtet, saßen unzählige „Netzautoren“ mit ihren „Hypertextprojekten“ auf Podien und in Talkshows. Aber keine Erzählung, kein Roman, kein Twitter-Vers ist entstanden, dessen literarische Halbwertszeit länger gewesen wäre als das Staunen über die medialen Möglichkeiten."

Kommentare:

  1. welchen Grund aber könnte diese arroganten Mißachtung des sog. Netzgeredes, der Inszenierung von Literatur im gegenwärtigen Literaturbetrieb haben? Man google Hettche, schaue sich ein Bild an und verstehe, weshalb dieser Dichter hinter seinem Werk verschwinden möchte - und möge!

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  2. Zugegeben, das Bild von Hettche ist mir auch nicht wirklich sympathisch. Aber bei Schriftstellern geht es ja nicht um das Äußere, sondern um ihre Schreibqualitäten, ihr Hintergrundwissen usw. Der öffentliche Diskurs über (Mode)Blogs findet statt - es gibt mittlerweile zahlreiche Panels und Leitartikel in den Online- und Printmedien. Und Wolfram Fleischhauer zum Beispiel, Schriftsteller, tritt laut faz.net mit seinen Lesern in Kontakt, die einen Online-Lesezirkel betreiben.
    Meiner Meinung nach gibt es jedoch für jedes Medium unterschiedliche Schriftsteller oder "Textverfasser". Ein Schriftsteller eines Romans wählt doch ganz bewusst die Buchform. Und leider gehört ein Großteil der Blogger/innen zu den Leuten, die keine oder kurze Texte schreiben, dafür aber Outfitfotos und "Lebensweisheiten" kund geben. Es ist schade, dass so wenige Blogger/innen sich Zeit für die Recherche nehmen und sich mit wichtigen Themen auseinandersetzen.

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  3. Das ist die literarische Blogrevolution, wir sehen ein Bild an und machen uns eine Meinung über sein Werk!!

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