den Augenblick erkennen, den Moment erleben

2. März 2010

im 19. Jahrhundert getragen


Bild 1: Promenoir (Gehende Frau im Profil), um 1883 / Feder und Tinte auf Papier / 29,8 x 22,4 cm / Von der Heydt-Museum Wuppertal

Bild 2: La Pêcheuse à la ligne (Die Anglerin), 1884 / Crayon Conté auf Papier / 30,8 x 23,8 cm / The Metropolitan Museum of Art, NY


Seurat zeigt, was Frau im 19. Jahrhundert trägt.

Eigentlich wollte ich nur diese beiden Zeichnungen von Seurat zeigen und darauf aufmerksam machen, dass diese Werke Zeitzeichen sind. Wie sah die Mode zur Zeit Seurats aus? Doch durch die Nachforschungen bin ich auf so interessante Informationen gestoßen, sodass ich doch etwas weiter ausholen möchte.

Spitze Ausschnitte, Mieder sowie helle verzierte Krägen bestimmten das Aussehen der Frau des 19. Jahrhunderts. Die Haare wurden mit Schleifen und Nadeln aufgesteckt. Sonnenschirme und Fächer waren absolut in. Um eine schmale, lange Taille zu schaffen, wurden ab dem Empire sanduhrförmige Korsetts gertragen. Vorher wurden Schnürleib oder eine Schnürbrust unter den Kleidern geschnürt. Der Körper schien gestreckt. Für die Optik eines großen Hinterteils war die Tournüre (franz. Drehung) verantwortlich. Dies ist ein Gestell aus Leder und Stoff oder ein halber Unterrock mit Fischbein- oder Stahlstreifenversteifung. Der Rock wurde dadurch hinten aufgebauscht. Zusätzlich kamen dann noch Raffungen und Volants hinzu, die diesen Effekt steigerten. Zu der Tournüre ist noch zu sagen, dass wenige Jahre zuvor das Vorgängermodell, die Krinoline, eine kurze Pause hatte. Um 1183 kehrte die "zweite Tournüre" zurück und verschwand um 1880 endgültig. Nun werden Reifröcke im Regelfall nur unter Brautkleidern getragen. Da immer mehr Frauen berufstätig waren, wurden die Kleider ohne Schleppe genäht. Dass wir momentan Big Shoulders lieben liegt nicht an den 90ern... nein, es ist ein Revival des 19. Jahrhunderts. Die akzentuierten Schultern wurden konstruiert, indem man zum Einen den Ärmelansatz in Richtung Schulteransatz verschob und zum Anderen die Ärmel puffte. Und Frau ging nie barhäuptig außer Haus. Der Hut war ihr ständiger Begleiter. Passend zu den extremen Formen der Tournürenkleider, gab es keine Grenzen für Form und Gestaltung des Accessoires. Durch üppigem Federschmuck und Blumen aus Samt und Seide nahm die Kopfbedeckung abenteuerliche Ausmaße an. Doch es galt einen aufwendigen Hut nur zu einem aufwenigen Kleid anzuziehen.

Hier gibt es eine wunderbare Aufstellung von Bildern zeitgenössischer Künstler wie Manet, Renoir oder Degas, die Frauen und ihre für die Zeit typische Kleidung portraitierten.

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