den Augenblick erkennen, den Moment erleben

1. März 2010

die Wahrheit


Das "Herzstück" des fünfaktigen Ideendramas "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing (1779 veröffentlicht, 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt) ist die sogenannte Ringparabel. Lessing veröffentlichte dieses Stück im Jahr 1779 (Uraufführung war am 14.04.1783 in Berlin), doch ist die Ringparabel eigentlich schon viel älter. Schonim 14. Jahrhundert schrieb der italienische Dichter Giovanni Bocaccio in "Decamerone" über drei ununterscheidbaren Ringen und ihren Folgen.
Im Orient lebte ein Mann, der einen wertvollen Ring besaß. Dieser Ring habe die "geheim Kraft vor Gott und Menschen angenehm zu machen, wer in dieser Zuversicht ihn trug". Der Ring wurde vom Vater an den liebsten Sohn weitergegeben und vererbt. Nach einiger Zeit kam der Ring zu einem Vater, der seine drei Söhne gleich liebte und versprach deshalb jedem der Drei den Ring, ohne das Wissen des Anderen. Um keinen der Söhne zu enttäuschen, ließ er von einem Goldschmied zwei Kopien von dem Ring anfertigen. Diese sahen identisch mit dem wertvollen Ring aus, so dass nicht einmal der Vater die Ringe unterscheiden konnte. Auf seinem Totenbett rief er die Söhne einzeln zu sich und gab ihnen jeweils einen Ring. Nach seinem Tod begann der Streit um den richtigen Ring unter den Söhnen. Die Söhne verklagten sich gegenseitig und ein Richter sprach ein Urteil. Er apellierte an die Wunderkraft des Ringes. Es ließe sich nicht beweisen, welcher der richtige Ring sei, da jeder der Brüder sich selbst am meisten liebte.

Die Ringparabel ist die Antwort auf die Frage, welche Religion die wahre ist.

Eine Parabel (gr. Gleichnis) ist im Sprachgebiet eine kurze lehrhafte Erzählung, die eine allgmeine sittliche Wahrheit oder Lebensweisheit durch einen Vergleich aus einem anderen Vorstellungsbereich verdeutlicht. Seit Friedrich Schillers "Die Verschwörung des Fiesko zu Genua" wird der Bergiff Parabel als literarischer Fachterminus benutzt und auch zum Kennzeichnen der Textsorte verwendet. Weitere bekannte Parabeln lauten zum Beispiel "Andorra" von Max Frisch oder "Der Prozess" von Franz Kafka. Vergleiche hierzu auch die Gleichnisse aus der Bibel (Religion) und die Verwandtschaft mit den Textsorten Fabel und Gleichnis.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen