den Augenblick erkennen, den Moment erleben

24. November 2009

gesprochen

Nouvelle-Vis ist ein auf die Region Mannheim/Heidelberg konzentriertes Online Magazin, das von fünf jungen Damen geschrieben wird. Begeistert von dem Inhalt sowie der Schreibweise, lese ich die Seite seit einigen Monaten und freue mich über jeden neuen Artikel. Um so mehr war es für mich ein besonderes Vergnügen, Julia, die Gründerin des Magazins, auf der Frankfurter Buchmesse kennenzulernen. In der Presselounge machten wir es uns gemütlich und ich konnte einige Fragen loswerden. Vor einem Jahr fing Julia an, ein Blog über Kunst und Mode zu schreiben. Wie viele andere Bloggerinnen wurde auch sie durch die Mädels von Les Mads und z. B. Mahret (fnart) inspiriert. Die Kunstgeschichtsstudentin schrieb am Anfang mehr über Kunst und Ausstellungen, doch dann "kam immer mehr die Modefrage: Was ist in bzw. was spricht mich ästhetisch an?" Dass dieses umfangreiche Themengebiet nicht nur von ihr bearbeitet werden konnte, stand schnell fest, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sich ein Team bildete. Den Anfang machte Julias Studienkollegin Raffaella im Frühjahr diesen Jahres. Sie zeigte Interesse an einer Mitarbeit und verfasst nun mit Engagement als Co-Director Berichte für das Magazin. Während der Planung einer Modenschau einiger Schüler aus Mannheim lernten sie dann Sandrine kennen, die nun hauptsächlich für den französischen Bereich zuständig ist. Außerdem lichtet sie für das Projekt "From Monday to Sunday" eine Woche lang die Outfits einer Person ab, um zu zeigen, dass es nicht unbedingt ein glücklicher Zufall sein muss, wenn eine Person ihren Stil gefunden hat und nun auslebt. Ich bin sehr froh, vor einigen Wochen auch sie persönlich kennen gerlernt zu haben. Alina ist für das Marketing und Laura für die englische Version der Texte verantwortlich. Ziemlich schnell wird beim Lesen des Magazins deutlich, dass es den Mädels um Qualität geht. Sie erreichen ihr lesefreudiges Publikum mit inhaltlich interessanten und ausgewählten Texten. Im Gespräch merkt man recht bald, dass Julia ganz klare Ziele vor Augen hat. Sie sagt: "Nach und nach entwickelte sich die Idee von etwas Größerem". So kam es, dass die Mädels zur Berlin Fashion Week fuhren, um dort u.a. mit potenziellen Sponsoren in Kontakt zu treten. "Das ist also die Idee, dass man sich vom Unabhängigen zum Abhängigen entwickelt und finanziert wird." Da sie ihr Magazin in Zukunft größer aufziehen und sie später auch damit Geld verdienen wollen, sehen sie das Sponsoring als ein Mittel, "um sehr vieles zu ermöglichen", z.B. können so die Reisen finanziert werden. Weiterhin wollen sie ihren Fokus auf die Region setzen und dort den Bekanntheitsgrad noch mehr steigern. Wie auch bisher fördern und schreiben sie über Jungdesigner und Kunstausstellungen aus der Umgebung. Und erst letztens konnte man einen kleinen Artikel über Nouvelle-Vis in der Rhein-Neckar-Zeitung lesen.

Nun möchte ich von Julia wissen, was ihre Inspirationsquelle ist. Zugegebenermaßen ist diese Frage recht klischeehaft und trotzdem auch kompliziert. Nachdem wir den Begriff Inspirationsquelle definieren und viel zu lachen haben, erläutert sie mir die Schritte ihres Schaffens. Sie muss in ihrem Studium "unheimlich viele" Texte lesen (was sie auch sehr gerne tut) und verfassen. Und irgendwann entwickelt sich dann aus dem Müssen ein Wollen und sie setzt das Wollen in etwas ein, das sie gerne tut und womit sie sich beschäftigt - der Bereich Mode. "Die Inspirationsquelle liegt also im Schreiben, Verfassen und Recherchieren." Sie stellt sich gerne der Herausforderung, ein Thema zu bewältigen.

Passend zur Buchmesse frage ich sie nach ihrem Lieblingsbuch. Russische Schriftsteller wie Dostojewski und Tschechow haben sie geprägt, doch sei das Buch "Die Mutter der Welt" ihr Favorit. Bei den Kunstepochen inspirierten und prägten sie vor allem die Neue Sachlichkeit und die französische Malerei des 20. Jahrhunderts. Doch falle es ihr schwer, sich darauf festzulegen, da sie besonders durch ihr Studium mit vielen Künstlern und Epochen in Berührung komme und sich ihre Meinung auch schnell ändern könne. "Bei Kunsthistorikern ist es sehr schwer zu sagen, wer der Lieblingskünstler ist. Weil man so viel kennt oder in seinem Studium kennenlernt, dass man mehr in einen Bereich gehen sollte. Wir kennen noch nicht alles" sagt sie. Ich kann ihr dazu nur zustimmen und stelle meine letzte Frage. Sie muss lachen und sagt "Mein Schreibtisch. Mein sauberer schwarzer Tisch und mein Laptop" sind ihr Rückzugsort. Ihr Traum ist es irgendwann, nur ein Raum voller Kunstbücher zu haben, in dem zwei Tische stehen. Einer, nur mit ihrem Laptop, der andere, so beladen wie bei Karl Lagerfeld.

Liebe Julia, vielen Dank für das interessante Gespräch und den tollen Nachmittag mit dir! Ich freue mich schon, dich und die anderen Mädels bald wieder zu sehen! (Bild1 Logo / Bild2 Julia / Bild3+4 Buchmesse)

Kommentare:

  1. Ich habe natürlich alles geändert ;) Inklusive deinen Blognamen, tut mir leid!
    LG Lydia

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  2. :D ... du schreibst soooooo gut, wenn ich das noch nicht gesagt habe! und wenn doch, dann sage ich es noch einmal! :) Danke vielmals! Dein Interview folgt!

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  3. Wow, so einen tollen Beitrag habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Die tollen Mädels von Nouvelle-Vis habe ich damals auch über Deine Seite kennengelernt.
    Ich möchte mehr in dieser Art von Dir lesen (-;
    Lieben Gruß
    corinna

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  4. du könntest journalistin werden, so wie du schreibst :)
    vielleicht sieht man sich ja morgen, du erkennst mich bestimmt (ein haufen langer schwarzer haare vor dir - das bin bestimmt ich! :D)

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