den Augenblick erkennen, den Moment erleben

21. August 2009

kreativer Büroalltag mit Briseis



Während eines Streifzugs durch die Blog-Szene bin ich auf den Blog einer jungen Designerin aus Frankfurt gestoßen. Jacqueline Friedmann hat ihre erste Kollektion "Bürostuhlakrobatin" fertiggestellt und wird in wenigen Wochen einen Onlineshop launchen. Unter dem Label Briseis findet ihr junge Mode für Frauen, die einerseits elegant und klassisch wirkt und auf der anderen Seite jung, stark und kreativ ist. Ich war sehr an den Hintergründen des Labels interessiert, so dass ich Jacqueline um ein Interview gebeten habe. Nochfolgend könnt ihr das Interview lesen. Ich empfehle euch auch ihren Blog, in dem ihr weitere Infos und Hintergründe erfahren könnt.

Beschreibe doch bitte kurz deinen Weg zur Modedesignerin. Wie bist du auf den Beruf gekommen?
Ich habe Medienwirtschaft studiert und während des Studiums eine lange Praktikumsphase in der Grafikabteilung einer Tageszeitung absolviert. Das kreative Arbeiten hat mir gefallen und so habe ich mich nach dem Studium in der Werbung selbstständig gemacht. Das Zusammenspiel von Formen und Farben und die Ideenvielfalt faszinierten mich am meisten. Irgendwann fing ich hobbymäßig mit dem Schneidern an. Ein Traum war geboren. In der Silvesternacht 08/09 habe ich meinen ersten Modeblogeintrag geschrieben, 3 Monate später folgte die Labelgründung.

Deine erste Kollektion heißt „Bürostuhlakrobatin“. Wie bist du auf den Titel gekommen?
Nach vielen Zeichnungen kristallisierte sich für die erste Kollektion ein Stilmix aus Elegant und Lässig heraus. Ich stehe auf Klassiker wie Etuikleider, hohe Röcke und Marlenehosen. Diese wollte ich mit jungen kreativen Details aufpeppen. Ich suchte also nach einem Begriff der eine taffe Businessfrau mit etwas einzigartig anderem kombiniert- Bürostuhlakrobatin!

Wie würdest du deine Kollektion beschreiben?
Weiblich & Facettenreich. Gemacht für vielschichtige Frauen, die wissen wer sie sind und was sie wollen.

Wie lange hast du für das Kreiren und Schneidern deiner Kollektion gebraucht?
Der kreative Prozess beginnt meist mit einer Idee, einem winzigen Detail oder einer Lösung, die mir gefällt. Das kann eine Farbe, ein Knopf, ein Ausschnitt oder ein bestimmter Anlass sein. Viele Gedanken kommen mir während ich schlafe. Morgens setze ich mich dann vor ein Blatt Papier und zeichne. Wenn ich mit der Umsetzung zufrieden bin, suche ich nach dem passenden Stoff und nähe ein wenig oder drapiere den Stoff an einer Schneiderpuppe. Als nächstes gehe ich zu meiner Schneiderin. Sie schaut sich die Zeichnungen und Erklärungen unter Produktionsgesichtspunkten an, und sagt mir was wie möglich ist. Dann wird das Stück geschneidert, ich probiere es an, und wir machen Veränderungen falls nötig. Ich besorge Knöpfe, Schließen, Bänder, Borten, Garn oder was sonst noch so von Nöten ist. Wenn alles passt, entsteht ein Musterstück.
Bei der aktuellen Kollektion hat das bestimmt 2-3 Monate in Anspruch genommen. Ich habe sehr viel gelernt und freue mich schon darauf mit der nächsten anfangen zu dürfen. Ideen sind schon erträumt.

Was inspiriert dich? Und wer inspiriert dich?
Alles! Ein Film, eine hübsche Frau, die Farbkombination auf etwas völlig anderem. Ich blättere durch Unmengen von Zeitschriften, Blogbeiträgen und Bildersammlungen. Immer gefällt mir eine winzige Kleinigkeit, die ich dann zu einem Kleidungsstück umsetzen kann. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich diesen Teil der Arbeit liebe!

Was bedeutet für dich Mode?
Nicht Alles. Natürlich bereitet es mir unglaublich viel Freude Mode zu entwerfen, in Magazinen zu blättern und mich toll anzuziehen. Trotzdem sollte man meiner Meinung nach nicht vergessen, dass es noch andere Dinge auf der Welt gibt. Ich habe eine tolle Familie, interessiere mich für Politik und das Weltgeschehen. Ich unterhalte mich gerne über innovative Ideen anderer, seien sie sinnvoll oder sinnlos. Über den Tellerrand schauen ist enorm wichtig! Facettenreichtum ist nicht nur für meine Mode ein Ziel.

Viele junge Designer starten ihre Karriere in Berlin. Ich freue mich sehr darüber, dass du in Frankfurt bist. Wird das in naher Zukunft so bleiben oder schaust du auf Berlin?
Ich komme aus einer niedlichen Kleinstadt und bin seit dem Abitur von einer Stadt in die nächste gezogen. Mein Freund und ich haben in Cochem, Hannover, Bielefeld, Paderborn und nun Frankfurt gewohnt. Einige Lehren konnten wir aus dieser Zeit schon mitnehmen:
1. Eigentlich kann man sich überall wohlfühlen!
2. Wir lieben das Stadtleben!
3. Kartons ein- und auspacken macht ÜBERHAUPT keinen Spaß!
Ernsthaft, Frankfurt ist eine tolle Stadt. Das schlechte Image ist schlichtweg nicht gerechtfertigt. Während viele deutsche Städte von „Multikulti“ nur reden, lebt man hier wirklich mit vielen Kulturen und Menschen. Hier lebt der Banker neben dem Eckkneipenbesitzer, die Dönerbude neben dem Edeljapaner. Für briseis ist es eine gute Wahl. Hier legt man Wert auf langlebige Mode. Stilsicher, nicht zu laut und nicht zu leise.

In wenigen Wochen wird deine erste Kollektion in einem Online-Shop auf www.briseis.de gelauncht. Wirst es deine Kollektion auch bald in einem eigenen Verkaufsladen oder einer Boutique geben?
Ja, es wird die Bürostuhlakrobatin auch in Boutiquen zu kaufen geben. In einigen Städten werden exklusive Shops ausgewählt.
Wir haben die Kollektion limitiert. Es gibt nun von jeden Teil nur noch genau 50 Exemplare. Das gibt mir die Möglichkeit jedes einzelne Teil persönlich zu prüfen und der Trägerin das tolle Gefühl ein Kleidungsstück zu besitzen, das auf der Welt nur maximal 49 weitere Frauen tragen.

Das erste Fotoshooting ist sicherlich ein Erlebnis. Berichte doch bitte kurz über deine Erfahrungen. Gab es besondere Zwischenfälle oder Pannen? :-)
Es war tatsächlich ein Erlebnis. Das Team hat sich erst am Set kennengelernt, jedoch auf Anhieb super verstanden. Schaut euch das Making of Video an. Es gibt die Stimmung sehr gut wieder, Pannen und Zwischenfälle wurden realitätsgetreu dokumentiert:
http://www.youtube.com/watch?v=eQEO0nK58Gc

Wie lief das Fitting ab?
Tabbi und ich haben uns 1-2 Wochen vorher getroffen um die generelle Idee und Stimmung des Shootings zu besprechen. Sie ist sehr kreativ und setzt sich sehr für das Projekt ein, seit ich mit briseis angefangen habe. Wir waren uns also ganz schnell einig. Ihre Maße hatten wir, und so gab es am Vorabend des Shootings nur eine kurze Anprobe mit letzten Absteckungen, die von meinen Schneiderinnen über Nacht noch schnell umgesetzt wurden. Eine grobe Richtung hatten wir uns zwar überlegt, aber die echte Auswahl von Assessoires und Posen kam spontan während des Shootings.

Für ein Fotoshooting benötigt man ein Team an Stylisten, Fotografen und und und. Wie hast du dein Team zusammengestellt? Wer gehört zu deinem Team?
Im Laufe der letzten Monate ist etwas entstanden, das ich liebevoll „Modekibbuz“ getauft habe. Restlos alle machen nur mit, weil sie an meine Idee und mich glauben. Meine Freunde und Familie investieren viel Zeit und Herzblut um meinen Traum zu verwirklichen, und um vielleicht mal Teil eines tollen Projektes zu sein.
Beim Shooting im speziellen waren dabei:
Benjamin Olah (Fotograf) und seine bessere Hälfte Mandy Bischoff
Tabitha Eidel (Model)
Julia Hahn (Haare & Make-up)
Wir haben das Set im Hotel meiner Eltern aufgebaut. Um alles andere haben sich mein Freund und Ich gekümmert.

In welchem Preisrahmen befindet sich deine Kollektion?
Die Preise bewegen sich von 100 bis 250 Euro. Jedes einzelne Teil wird in Handarbeit in meinem eigenen Atelier erstellt und geprüft. Es gibt von einem Modelle nie mehr als 50 Stück. Mit individueller Mode möchte man sich schließlich ausdrücken, da hilft es wenig, wenn deine Nachbarn, Kollegen und Bekannte, das exakt gleiche tragen.

Auf www.briseis.de bloggst du auch. Was ist das Ziel deines Blogs?
Ich versuche dem Leser einen Einblick in meine Modewelt zu ermöglichen. Er konnte in den letzten Monaten hautnah bei der Entstehung der Modemarke briseis dabei sein. Auch weiterhin kann er miterleben, ob sich mein kleines Pflänzchen nun entwickelt oder eingeht. Ich schreibe aber natürlich auch über alle anderen Ereignisse der Modewelt. Kollegen, die mich begeistern, Shoppingmöglichkeiten, die ich nutze oder Events, an denen ich teilnehmen darf.

Wird man dich demnächst auf einer Messe sehen?
Ich denke schon. Wird alles unter „news“ auf briseis.de nachzulesen sein.

Zu deiner Person:
Wie würdest du deinen Look beschreiben?
Weiblich. Facettenreich. Genau wie briseis.

Mit wem würdest du am liebsten zusammenarbeiten?
Mit meinem Freund! :-)
Ansonsten überlege ich gerade die passenden Accessoires zur Kollektion (Tasche & Schuhe) auf den Markt zu bringen. Dafür möchte ich mit „berühmten“ Co-Designern zusammenarbeiten. Mehr wird noch nicht verraten.

Lieblingsdesigner?
Wechselt ständig aber die Marken Best Behaviour, Just Cavalli und vieles bei Hallhuber finde ich eigentlich immer gut. Bei Janet & Janet liebe ich die Stiefel.

Lieblingsmodel?
Meine Vorstellungen von einer umwerfenden Frau und die aktuellen Modeschönheit unterscheiden sich gewaltig. Ich mag Gisele Bündchen oder Adriana Lima.

Lieblingskleidungstück?
Ich habe mir im Outlet Zweibrücken gerade eine altrosa Wildlederjacke gekauft und kann kaum erwarten, dass es draußen kühler wird.

Lieblingsmusik/-sänger/-band?
Hm, viele deutsche Sachen, Soul und Jazz. Silbermond, Joy Denalane oder Fettes Brot, kommt sehr auf meine Stimmung an.

Lieblingsstore?
Ich bin ein Fan von Online-Shopping. Die Auswahl überzeugt mich, denn ich habe noch keine Einkaufstraße entdeckt in der man kalifornische Vintage-Kleidchen neben hipper Berliner Streetware findet.

Einen ersten Einblick in die Kollektion findet ihr hier.


1 Kommentar:

  1. schöne sachen! allerdings finde ich die fotostrecke nich so toll... aber ich freue mich auf den online shop=)

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