den Augenblick erkennen, den Moment erleben

15. Mai 2017

Das Wunder funktioniert.


Nachdem mir Robert Seethalers Romane Der Trafikant und Ein ganzes Leben so unfassbar gut gefielen – sie sind zeitgleich lakonisch, lebensbejahend und haben so eine eigentümliche Komik – bestellte ich einen weiteren Roman. Jetzt wirds ernst ist ein wunderbarer Titel, um einem Jungen beim Erwachsenwerden über die Schulter zu schauen.

Der Protagonist ist ein stark in sich gekehrter Junge, der sich in der Welt zurechtfinden muss. Auf seinem Weg begleiten ihn sein bester Freund und sein Vater. Die Mutter verstarb früh. Doch nicht der herbe Verlust machte ihn zu einem Sonderling. Von Beginn an hatte er seinen eigenen Kopf, den keiner so richtig verstand.

Seethaler nimmt uns mit  auf den Stationen des Erwachsenwerdens und gewährt tiefe Einblicke in das chaotische Innenleben dieses Jungen. Er wird Halbweise, findet einen besten Freund, prügelt sich, verliebt sich und fragt sich, was er mit seinem Leben anstellen will.

Und dann wird es tatsächlich sehr ernst. Er beschließt, Schauspieler zu werden. Er, der eigentlich kaum Talent besitzt. Doch sein Wille und seine Liebe zur klassischen Literatur sind so groß, dass er mit allem, was ihn hindert, aufhört und in einem kleinen Theater Schauspielunterricht nimmt.

"Jeden Tag um zehn Uhr vormittags hatte ich im Theater zu erscheinen. Auf keinen Fall vorher. Meistens saßen Janos und Irina schon an einem der Tischchen im Foyer und starrten schweigend in ihre Kaffeetassen. Tiefe Falten, schwere Glieder, runde Rücken, Augenringe, so breit und schwarz wie Autoreifen. Niemals, auf keinen Fall, unter keinen Umständen durfte man die beiden jetzt ansprechen. Das tat ich auch nicht. Stattdessen nutzte ich diese morgendliche Übergangszeit zwischen Tod und Leben, um das Theater zu erkunden. Den kleinen Gang hinter der Garderobennische hatte ich ja schon kennengelernt. Er führte direkt zu einer der beiden Seitengassen neben der Bühne. Alles war schwarz: die grob verputzten Ziegelwände, die schrägen Seitenvorhänge, die Haken und Verstrebungen an der Decke, der weich gummierte Läufer am Boden, der jedes Schrittgeräusch schluckte. An den hinteren Enden der Gassen gelangte man über schwere Metalltüren in die Garderobenräume. Frauen und Männer getrennt, jeweils drei Stühle vor hohen, mit kleinen Glühbirnen umrahmten Schminkspiegeln. Überall lagen und standen Pinselchen, Bürstchen, Tiegelchen, Tuben, Dosen und Töpfe. In einer Ecke lagen ein paar geköpfte Champagnerflaschen, daneben ein Haufen Dreckwäsche. Von einem hohen Wandregal starrten etwa zwei Dutzend perückenbestückter Holzköpfe in den Raum. Drei weitere Türen führten zur Bühnenwerkstatt, zur Schneiderei und zu einer Art Aufenthaltsraum, einem winzigen Zimmerchen, dessen einziger Einrichtungsgegenstand ein knarrendes Sofa mit zerschlissener Wolldecke war. Fast im ganzen Theater herrsche ein unfassbares Durcheinander, und über allem lag dieser spezielle Geruch, ein Gemisch aus Holz, Farbe, Kleister, Stoff, Schweiß, Puder, Schminke, Geilheit und Angst.Ungefähr um halb elf begannen Janos und Irina draußen im Foyer aus ihrer morgendlichen Halberstarrung zu erwachen. Die Augenringe lösten sich auf, die Gesichter bekamen Farbe, die Blicke lösten sich von den Kaffeetassen, die Köpfe hoben sich schwerfällig. Es war, als ob das Leben jeden Morgen auf Neue in die beiden Körper zurückkehren müsste. Ein mühsamer und schmerzhafter Prozess."

Die Magie, die sich in und hinter einem Theater verbirgt, zieht den Jungen stark an. Er arbeitet hart an sich und versteht nach und nach, was es bedeutet, ein Schauspieler zu sein. Auch hier gibt es wichtige Stationen seiner Laufbahn: sein erster Auftritt auf der Theaterbühne und eine kleine Rolle bei einem Filmdreh.

In Allem zieht sich der leicht sarkastische Ton Seethalers durch. Der Junge wird trotz seines skurrilen Charakters zum Sympathieträger und man wünscht ihm, sein Glück in der Welt zu finden. Das Zerrissensein, der Sturm und Drang, das Wollen und nicht Können, das wird großartig verpackt. Mir gefiel das Eintauchen in eine andere Welt, in Denkweisen, die mir so nicht bekannt waren.

8. Mai 2017

geklickt. Im April 2017.


Jeden Monat zeige ich euch unter der Kategorie geklickt, auf welchen Seiten im Netz ich mich im vergangenen Monat herumgetrieben habe und welche Artikel ich lesenswert finde.


1 // Schon vor Jahren war Convoy mein allerliebster Tumblr Account. Das Arrangement der gesammelten Bilder, überwiegend bestehend aus Interior, Leder, Häuser, Mode, Kunst und Autos gestaltet Fredrik Posse einzigartig. Endlich hat er wieder eine neue Seite voller Inspiration gepostet. Und ich habe nun auch sein Instagram-Profil entdeckt.

2 // Laura ist durch ihre Arbeiten als Beauty-Redakteurin beim TUSH Magazine bekannt. Jetzt hat die sympathische Hamburgerin ihren Reiseblog Ten Things To Do gelauncht. Was uns hier erwartet? Ihre Tipps für die schönsten Städte, die sie rund um den Globus erkundet. Ich muss an dieser Stelle natürlich direkt auf den Artikel Pretty places in Paris hinweisen.

3 // Weil Paris immer geht: Das Onlinemagazin bon appétit stellt in seinem City Guide sehr viele spannende Pariser Adressen zusammen, wo man vorzüglich speisen und die Zeit vertrödeln kann. 

4 // Auch nach Jahren bin ich noch ganz angetan von dem französischen Kleidungsstil und versuche, mir das ein oder andere abzugucken. Das Label Rouje, das von Jeanne Damas gegründet wurde, ist für diejenigen, die sich alltäglich auf den Blogs tummeln, wahrscheinlich kein neuer Begriff mehr, aber ich habe mich erst im letzten Monat mit der Kultmarke auseinandergesetzt und den Onlineshop mal kräftig durchsucht. Mir gefallen drei Teile außerordentlich gut; ich sehe mich vor allem im Jupe Gloria, in der Robe Laura oder in der Robe Gabin. Noch viel schöner wirken die Kleidungsstücke von Rouje an den Frauen, die sich mit dem Hashtag #lesfillesenrouje auf Instagram versammeln.

5 // Eine echte Inspirationsquelle war für mich im vergangenen Monat das Closed Diary mit Melanie Frei auf Journelles. Mir gefällt ihr Kleidungsstil sehr gut und mir fiel dann auf, dass ich doch bereits einiges davon in ähnlicher Art und Weise zu Hause im Schrank hängen habe. Was sie aber deutlich besser macht als ich: Die einzelnen Teile sind hochwertiger und das sieht man ihnen einfach an. Und das Diary hat mich dahingehend inspiriert, dass mir bewusst wurde, dass ich mit Blusen einfach noch mehr aus meinen Kleidungsstücken herausholen könnte. Die wenigen Blusen, die ich besitze, sind stark abgetragen und in den letzten Jahren habe ich vermehrt Pullover getragen. Nun möchte ich meinen Fokus bewusster auf Blusen lenken und schauen, wohin mich das führt.

6 // Neben all der Leserei für die Uni habe ich mir im April wieder die Zeit genommen, um (lange) Blogartikel zu lesen. Dieses Mal war ich zum Beispiel ganz angetan von den ironisch-ernstgemeinten Texten auf C'est Clairette.

7 // Ich bewundere die Schwestern Desi und Nisi vom Blog teetharejade für ihr Layout ihrer Blogposts. Ihre Travel Videos sind auch jedes Mal eine Wucht. Im neusten Video, das die Eindrücke ihrer Kuba-Reise zeigt (und gleichzeitig ein Werbefilmchen für Havana Club ist), wird so eine starke Urlaubsatmosphäre erzeugt, ich fühle förmlich die Leichtigkeit und Wärme, und bekomme eine Sehnsucht nach einer Auszeit im Süden. (Gar nicht mal unbedingt in Kuba, sondern einfach an einem schönen, warmen Ort.) 

8 // Für uns geht es bald nach Leipzig und im Zuge der Vorbereitung bin ich auf das tolle Online Magazin Viertelrausch gestoßen, das Leipziger Menschen interviewt.

9 // Am allermeisten hat mich im letzten Monat Kims sehr persönlicher Text Und auf einmal steht die Welt still berührt. Sie erzählt von dem Tag, an dem sie die Diagnose Brustkrebs bekam, spricht darüber, was dies nun mit ihr macht und wie die nächsten Schritte aussehen. Sie ist eine starke Frau, die sich selbst als Kriegerin im Kampf gegen die "fiese Zecke" bezeichnet und behält bei all dem Kummer ihren Optimismus bei. So beeindruckend.


Und was habt ihr im April gelesen?

1. Mai 2017

gelebt. Der April 2017.


Wieder ist ein Monat vorbei - ein sehr emotionaler Monat.


gelebt:

Es ist verrückt, aber die erste Hälfte des Monats war richtig entspannt und schön, die zweite war viel zu voll und anstrengend.

Ich habe in den ersten beiden Wochen das Leben einfach nur genossen und konnte – wie bereits im März – einiges von dem erledigen, das schon ewig auf meiner Aufgabenliste stand, aber immer so unwichtig war, dass ich mich nicht drangesetzt habe. Ich habe analoge Bilder eingescannt, habe die Kragen meiner Jacken und Mäntel gereinigt, pflanzte Nutzpflanzen und Blumen auf dem Balkon, probierte ein paar Rezepte aus, war seit langem wieder auf dem Markt und besuchte die Stephanskirche in Mainz sowie deren wunderschönen Kreuzgang.

Es gab viele erste Male in der Familie. Sogar bei Anton. Pauls erster Zahn ist durchgebrochen und ich verabschiede mich allmählich von diesem süßen zahnlosen Lächeln.

Auch für mich gab es ein großes Highlight. Seit zwei Wochen besuche ich an der Uni wieder Veranstaltungen. Die zwei Lektürekurse (im Fach Komparatistik) verschaffen mir sehr viel Lesearbeit, doch bin ich äußerst dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu habe. Das erste Mal also auch von Paul getrennt sein. Das war aufregend, etwas wehmütig war mir schon zu Mute, und doch war es gut. [Bachelor, irgendwo dahinten kann ich dich sehen!]

Nach Monaten (!), in denen wir nach einem neuen Bett gesucht haben, kam es fünf Woche nach der Bestellung endlich bei uns an und wurde aufgebaut. Mensch, ich schlafe soo gut. 1,80 m – es ist ein Traum! (Warum haben wir das nicht so vor drei Jahren bestellt?!)

Ich habe auf dem Balkon gegärtnert. Wow, hat mir das Spaß gemacht. Noch viel besser war es, als wir den Salat ernten konnten.

Die zweite Monatshälfte war so durchwachsen, weil die Buben auch schon mal besser drauf waren und ich gleichzeitig viel zu tun hatte. Durch die Seminare fallen mir wieder zwei Vormittage in der Woche weg und ich spüre es deutlich, dass ich weniger "Zeit für mich" habe.



ausgegangen: In der Morgensonne mit einer Freundin in der Kaffeekommune ein nicht zu süßes Bananenbrot gegessen und zwei leckere Kaffee dazu getrunken. Die Gaustraße hat es mir im letzten Monate sowieso sehr angetan. Es macht Spaß, sich dort treiben zu lassen und das Geld loszuwerden.

gebacken/gegessen: Again - Dinkelbrötchen und Bärlauchpesto. So so gut. Ich freue mich schon auf die nächste Bärlauch-Saison und bin ein großer Fan geworden. Zum ersten Mal habe ich grüne Soße gemacht (und werde es wohl nicht noch einmal machen). Flammkuchen, dieser sehr leckere Karottenkuchen, Rote Beete und gelbe Beete, Erdbeeren.

gelesen: Becks letzter Sommer von Benedict Wells war mein letzter Roman, den ich aus purem Vergnügen gelesen habe. Mir gefiel es sehr gut und Teile des Buchs hingen mir noch lange nach. Die Nacherzählung klingt ziemlich abstrus, der Plot IST abstrus, aber dennoch unterhaltsam und mit vielen Tiefen. (Kennt ihr den Film? Könnt ihr ihn empfehlen?) Ein Sammlungskatalog vom Kunsthaus Zürich, Die göttliche Komödie von Dante Alighieri, Literatur zu Poe und Baudelaire, u.a. The Raven von Edgar Allan Poe, Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni, Nora (Ein Puppenheim) von Henrik Ibsen (So so großartig!!), Der Mythos von Paris. Zeichen und Bewusstsein der Stadt von Karlheinz Stierle (wird mich noch lange beschäftigen...).

gehört: The Kooks, The Beatles



ausgestellt: Leider habe ich nur mit den Kids die Sammlung im Naturhistorischen Landesmuseum Mainz angesehen. Der Besuch der Art Cololgne schien zum Greifen nah, doch musste ich leider noch während des Buchungsvorgangs für den Zug einen Rückzieher machen. (Könnt ihr euch vorstellen, wie traurig ich darüber war?) Für den kommenden Monat gibt es aber tolle Pläne und ich freue mich darüber.

gereist: Es war ein ruhiger Monat und ich war fast ausschließlich im Mainzer Umland.

gekauft: Die Glamour-Shopping-Week-Aktionen nutze ich oft aus und bestelle dann das, was ich sowieso brauche, nur eben mit den Prozenten. Dieses Mal hatte ich Glück und habe einen neuen Bikini gefunden, nachdem meine schon über fünf Jahre alt sind. Ein neuer Wintermantel von Ganni (mein Lieblingsmantel ist bereits auch schon über vier Jahre alt und fällt etwas auseinander) und schwarze Ballerinas habe ich auch gefunden. Ich laufe auf ihnen wie auf Wolken. Sie sehen vielleicht etwas spießig aus, aber endlich passen mir überhaupt ein Paar und dann gleich so bequeme, klassische Schuhe. Auf dem Flohmarkt von Fuchs&Bente und Oh.Kiddo in der Gaustraße habe ich einen Topfuntersetzer und Postkarten gefunden. Außerdem habe ich (Achtung!) dreizehn Bücher gekauft. Eins war ein Geschenk, vier davon sind für mich privat, der Rest sind Schauer-/Horrorgeschichten sowie klassische Klassiker für die Lektürekurse an der Uni.

getragen: Ich habe zwei Mal einen Papp-Coffee To Go Becher bekommen, weil ich meinen Bambusbecher zu Hause vergessen hatte.



gewünscht: Eine entspannte Atmosphäre. Zu viele Termine und nörgelnde Kinder können mir ein wenig die Laune vermiesen. Außerdem: Urlaub. Allmählich bin ich wieder urlaubsreif.

gedacht: Was bedeutet (mir) Freundschaft?

geärgert: Wir kommen mit der Buchung unseres Sommerurlaubs nicht so voran wie gewünscht. Man mag es kaum glauben, aber innerhalb von zwei Wochen sind die Preise so stark explodiert, dass viele Angebote schon um 300 Euro teurer waren. Völlig verrückt.
Und richtig geärgert haben wir uns, als wir unsere Bestellung geöffnet haben und darin die falschen und vor allem kaputten Teile für unser Bett vorfinden mussten. Wir durften also eine Woche lang mit den Matratzen auf dem Boden schlafen, bevor wir unser neues Bett aufbauen konnten.

gefreut: Ich habe eine tolle Note für meine letzte Hausarbeit bekommen und darüber freue ich mich sehr. Der ganze Aufwand und die viele Zeit, die ich in die Hausarbeiten stecke, lohnen sich jedes Mal wieder. Gefreut habe ich mich aber auch über zwei wunderschöne Postkarten.

geliebt: Ein kitzeliges Baby.
























28. April 2017

Organisiert, zielgerichtet und produktiv arbeiten. Teil 1.


Wenn ihr mich bitten würdet, euch fünf Yogaübungen zu zeigen, die ihr in eurem Alltag integrieren könnt, müsste ich abwinken. Ich könnte euch auch keine Ernährungstipps geben und bin definitiv die falsche Ansprechpartnerin, wenn es um den perfekten Haushalt geht.

Eine Sache kann ich aber ganz gut, weil ich sie mir in den letzten Jahren (hart) erarbeitet habe:
organisiert, zielgerichtet und produktiv arbeiten. 

Das heißt natürlich nicht, dass ich jeden einzelnen Tag großen Spaß an der Arbeit habe. Es gibt immer mal Phasen, in denen ich viel zu wenig von dem erledige, was auf meiner Liste steht. Aber mir gelingt es momentan gut, fleißig meine Aufgaben abzuarbeiten und ein vorzeigbares Ergebnis am Abgabetag in den Händen zu halten.

Ich möchte euch meine Methoden vorstellen und sie mit euch teilen. Sie gelten nämlich nicht nur für diejenigen, die an Texten oder Projekten arbeiten, sondern auch für alle, die sich für ihren freien Tag viel zu viel vornehmen und es ihnen dann nicht gelingt, auch nur eins dieser Ziele umzusetzen. Oder für diejenigen, die unzufrieden damit sind, dass sie abends vor dem Fernseher sitzen und keinen Freiraum für ihre Ideen finden. Oder vielleicht sogar für die Mamas unter euch, die ihren Alltag mit Kindern organisieren und meistern müssen.

Vorneweg muss ich einen Einwand direkt entkräften, der mir schon einige Male entgegengebracht wurde. Die Methoden sind ja schön und gut, aber es hapert ja an der Umsetzung dieser Methoden. Da muss ich allen Skeptikern natürlich Recht geben. Es bedarf ein bisschen Ausdauer und viel Willen, die Tools regelmäßig einzusetzen. Aber ich kann euch aus Erfahrung sagen, dass es sich lohnt. Jeder erfolgreiche Tag und jedes Häkchen motiviert und treibt an. Die Rückschläge, wenn man das Nicht-Gelingen so nennen will, werden immer weniger. Und die Methoden binden sich durch die vielen Wiederholungen ganz natürlich in den Alltag ein.


Wie arbeite ich organisiert, zielgerichtet und produktiv?

Hier kommen zunächst die drei wichtigsten Mittel, wie wie es mir gut gelingt, zielgerichtet zu arbeiten und vielleicht sogar meine Produktivität zu steigern.



Aufgabenliste

Oder auch die berühmte To Do Liste. Diese kann je nach Belieben schon priorisiert sein oder als Sammlung der Gedanken und als Basis für eine Prioritätenskala dienen.

Sinnvoll ist, wenn man sich bereits am Abend überlegt, wie der nächste Tag gestaltet werden soll. Habe ich viel Freizeit oder wenig? Bin ich unterwegs? Muss etwas abgearbeitet werden oder habe ich die Möglichkeit, ein "eigenes" Projekt umzusetzen?

Bei mir sieht das zum Beispiel wie folgt aus. An einem typischen Mittwoch habe ich vormittags einen Termin mit Paul und habe zwischen Bringzeit von Anton und dem Termin nur eine Stunde Zeit zu Hause. Hier mache ich meistens nichts Kreatives, sondern den Haushalt, weil es mir schwerfällt, mich in so einer kurzen Zeit zu motivieren.
Aber selbst für diese eine Stunde lohnt es sich für mich, zu überlegen, was im Einzelnen ich erreichen möchte. Küche aufräumen (nach dem Frühstück), Handwäsche machen und Wäsche zusammenlegen. Zackbum, die eine Stunde geht schneller vorbei als man denken kann. In dieser Stunde beginne ich dann nicht damit, die Regale umzuräumen, den Salat einzupflanzen oder meinen Kleiderschrank auszusortieren. Erst einmal müssen die Aufgaben auf der Liste erledigt sein.

Der Sinn der Aufgabenliste ist es vor allem, dass man sich seiner Aufgaben bewusst wird, sie reflektiert, einen Überblick darüber erstellt und beim Erledigen keine vergisst. Außerdem ist es dabei ganz wichtig, die einzelnen Aufgaben zu priorisieren.


Prioritäten setzen
Das gehört für mich zu den wichtigsten Punkten an meinem System. Ich muss mir die Fragen stellen: Was ist mir am Wichtigsten? Was hat eine gewisse Dringlichkeit? Welche Termine habe ich?

Mit der Aufgabenliste funktioniert das sehr gut. Eine andere Möglichkeit, sich einen Überblick über die Aufgaben zu verschaffen und diese dann nach Wichtigkeit zu sortieren, ist das Board mit Klebezetteln. (Unsere Tür hängt voll mit gelben Familienaufgaben.)

Ich habe zum Beispiel schon sehr lange Lust, mir ein Tutorial über Photoshop anzusehen. Damit verknüpft ist auch eine Idee für das Layout eines Blogposts. Für mich persönlich ist diese Aufgabe spannend. Aber wenn ich auf den abzuarbeitenden Berg schaue, dann muss ich mir eingestehen, dass ich mich erstmal nicht an das Tutorial setzen sollte.
Der Haushalt und die Uni haben im Alltag Vorrang und hier ist bereits sehr viel zu tun. Sollte ich dann noch Freizeiten haben, nutze ich diese momentan lieber für Freunde, Lesen, Blog usw.

Der Sinn des Überlegens der eigenen Prioritäten zeigt sich darin, dass es einem leichter gelingt, sich auf die wesentlichen Aufgaben zu beschränken. Wenn der Fokus auf den wichtigsten Aufgaben liegt und diese abgearbeitet werden können, wird sich auch die Zeit für die anderen Aufgaben finden.


Fest gelegte Arbeitszeiten
Mit einem Baby ist es ohne Betreuung nicht ganz einfach, sich bestimmte Zeiten zu legen, in denen man bewusst arbeitet oder sie für sich nutzt. Und obwohl Paul meistens einen sehr einheitlichen Schlafrhythmus hat, kann ich dennoch nicht darauf bauen, dass es jeden einzelnen Tag genau gleich geschieht. Auch reduzierten sich seine Schlafphasen schnell von jeweils 3 Stunden auf 30 bis 60 Minuten.

Deshalb muss ich mir einfach ganze Vormittage freihalten, an denen ich etwas erreichen möchte. Sprich, Wenn ich weiß, dass ich zwei Mal pro Woche vormittags Termine habe, die ich nicht auslassen kann, zum Beispiel Arzttermine, dann sind die Vormittage schon belegt. Ich suche mir daher zwei oder drei Vormittage in der Woche raus, in denen ich ganz bewusst keine anderen Termine reinlege und zu Hause bleibe. Denn zu Hause, ganz ohne Druck, lässt es sich für mich am einfachsten und schnellsten arbeiten.

Die anderen zwei bis drei Vormittage kann ich mir dann mit Kaffeeklatsch, Museumsbesuchen oder Erledigungen zuknallen. Diese Wochenplanung erfolgt für jede Woche neu, da es viel Bewegung in meinem Kalender gibt.

Natürlich hat das einen Beigeschmack von "wenig me-time", aber hier muss ich auf die oben genannte Punkte verweisen. Was ist wichtiger? Muss ich das Projekt in zwei Wochen abschließen oder habe ich noch sehr viel Zeit? Wenn man sich dessen bewusst ist, welche Aufgabe im Moment die wichtigste ist, dann sollte es nicht allzu schwer fallen, seine Zeit dafür einzusetzen.

Wenn man sich feste Zeiträume in der Woche legt, die dann wirklich hauptsächlich für die eigentliche Aufgabe genutzt werden, kommt man stetig voran und ist nicht so frustriert, dass man schon wieder nicht gearbeitet hat.



Beim nächsten Teil werde ich auf weitere wichtige Methoden eingehen, die helfen, fokussiert und produktiv zu arbeiten.

24. April 2017

Das Glück, lernen zu dürfen.


Da sitzt man nach einem halben Jahr Pause auf einem knarzenden, alten Holzstuhl in einem Bürogebäude, das nicht mehr seine ursprüngliche Aufgabe erfüllt, sondern von Bücher verschlingenden oder gelangweilten Studenten bevölkert wird. Der Seminarraum hat bereits seine besten Tage hinter sich. Es ist stickig, die Heizung arbeitet auf Hochtouren und auf den Stühlen sitzen vereinzelt Grüppchen. Einige starren auf ihr Handy, wischen Bilder oder lesen ihr gelbes Buch. Ansonsten ist es still im Raum.

Es knarzt.

Es sind vornehmlich Studentinnen in der kleinen Runde. Im Kollegium witzelt man darüber, ob die Frauenquote im Studiengang nun bei 92 oder 95 Prozent liege. Aber auch ein paar Herren hat es hierhin verschlagen. Ich mutmaße, dass es am Seminarthema liegt. Vielleicht aber auch am Dozenten, der zehn Minuten zu spät kommt und dann in seiner saloppen Art den Semesterplan durchgeht.

Etwas gelangweilt sitze ich auf dem Stuhl, der bei der nächsten Bewegung wieder knarzt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich höre, welche Anforderung an die Studierenden gestellt werden. Mir machen Dozenten keine Angst, ich habe bereits unzählige Referate gehalten und ich kann meine Lesegeschwindigkeit einschätzen. Meine Kommilitonen sind zum größten Teil im zweiten Semester. Sie sind euphorisch, knallen sich den Stundenplan mit Veranstaltungen zu, klagen über das harte WG-Leben in der Fünfer-WG und erzählen voller Empörung über "die übermotivierte Deutschlehrerin, die im Deutsch-LK Woyzeck ganz falsch interpretiert" habe. Man sieht ihnen noch das junge Alter an, die weichen Gesichtszüge weisen darauf hin und das Kichern, wenn sie von der Eröffnungsparty und dem kostenlosen Wein sprechen.

Ich sitze zwischen den Gelangweilten und Übermotivierten. Die Formalia halte ich in meinem schwarzroten Notizbuch fest und lese mir langsam das Semesterprogramm durch. Baudelaire, Poe, King, Sommer. Als der Dozent die einzelnen Themen und Schwerpunkte durchgeht, werde ich von einem Glücksgefühl durchströmt. Wie immer zum Semesterbeginn. Mir wird bewusst, dass es ein Geschenk ist, studieren zu können. Es ist ein großes Glück, lernen zu dürfen. Dass ich mir die Zeit nehmen darf, um mich in ein Thema einzulesen, dieses zu bearbeiten und dann einer Gruppe vorzustellen. Dass ich mich mit Literatur (und Bildender Kunst) beschäftige und damit in einem Diskurs mit anderen Studierenden und Lehrenden stehe, ist großartig. Ich habe ein Hochgefühl, weil ich Bildung genießen darf.

Es gibt vieles im Leben, dass wichtig(er) ist. Vieles steht auf der Prioritätenskala sehr weit oben. Familie, Gesundheit zum Beispiel.

Schon am Abend setze ich mich an den Laptop und recherchiere den Onlinekatalog nach möglicher Literatur für mein erstes Referat ab. Zwischen "Warum bin ich so doof und melde mich für das erste Referat in zwei Wochen?!" bis hin zu "Ich will ALLES von Baudelaire lesen. Und in welcher Beziehung stand eigentlich Mallarmé zu ihm? Und Manet?" habe ich jede Gefühlsregung durch. Ich habe mich für das Thema entschieden, weil ich es sehr interessant finde, nicht, weil es das leichteste oder organisatorisch sinnvollste Thema ist.

Baudelaire und Poe. Auf der Suche nach Literatur werden mir die Grenzen meines Wissens bewusst. Es gibt so Vieles, dass ich mir noch anlesen könnte, weil es in Beziehung zu meiner Aufgabenstellung steht. Die Zeit und der Umfang der Leistung erfordern diese Kenntnisse nicht, aber es kribbelt in den Fingern und im Geist. Natürlich werde ich niemals all das Wissen anhäufen können, alle Quellen gelesen haben können. Aber ich habe wirklich ein großes Verlangen danach, die Zeit zu haben, um die Beschränkungen aufzuheben, Bücher zu lesen, den historischen Kontext herzustellen und Verbindungen aufzudecken.