den Augenblick erkennen, den Moment erleben

10. Juli 2017

Zur Jahresmitte: Pläne und eine Sommer Bucket List


JAHRESMITTE: STATUS QUO

Der 30. Juni markiert einen Meilenstein: seit sieben Jahren wohne ich in der pfälzischen Hauptstadt. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich es hier so lange aushalte, dass ich mich hier verliebe und eine Familie gründe. Die Stadt hat viele Facetten, die mir gefallen, aber es gibt Orte, die viel mehr Charme besitzen. Mainz ist aber meine Heimat geworden und die meiner Kinder.

Gleichzeitig ist mir die Jahresmitte auch aus einem anderen Grund wichtig. Sie lässt mich auf die ersten sechs Monate zurückblicken und ein Résumé ziehen: Ich schaue mir an, wie weit ich mit meinen Jahreszielen vorangekommen bin, was noch fehlt, um diese zu erfüllen und ob ich etwas besser machen kann.

Manche Pläne habe ich jetzt schon zu 100% erfüllt, einige funktionieren ganz gut, aber es gibt hier und da auch Ziele, an deren Umsetzung ich noch feilen muss.


SOMMERZEIT

Bis vor einigen Jahren war mir der Frühling die liebste Jahreszeit. Ich freute mich über die ersten warmen Sonnenstrahlen, die milden Temperaturen und das Aufblühen der Natur. Seitdem ich Kinder habe, verschwimmen die Grenzen und ich erlebe alle Jahreszeiten viel bewusster. Die Monate haben meist alle etwas, das sie besonders macht und auf was wir uns freuen können, sei es das erste Eis im Frühjahr, die Schneckenhäuser im Sommer, das Äpfelpflücken im Herbst oder die Weihnachtszeit im Winter. Dadurch kann ich dem Sommer immer mehr abgewinnen. 

Nach Jahren, in denen ich stöhnte, wenn ich nur an die warmen Temperaturen dachte, genieße ich nun die meist schön warmen Tage und verkrieche mich an den wenigen sehr heißen Tagen. Mittlerweile finde ich es toll, dass wir so viel Zeit draußen verbringen können, dass die Füße immer frei sind und die Tage so lang.

Da der Sommer auch immer schön vollgepackt ist und ich viele schöne Pläne im Gepäck habe, zeige ich euch meine Sommer Bucket List 2017. Der Ausdruck Bucket List gefällt mir nicht sehr gut, aber ich finde kein passendes deutsches Pendant dazu. Eine Liste von Dingen, die ich in diesem Sommer vorhabe, die ich unbedingt machen möchte und die bereits in Planung sind. Und der September zählt nun einfach mal mit zum Sommer!


SOMMERZEIT BUCKET LIST

Für mich geht es bald zur Gesichtsbehandlung in die Hautsache Darmstadt. Der Gutschein liegt schon eine Weile auf meinem Tisch, aber durch die Schwangerschaft und Stillzeit war ich nicht mobil genug, um diesen wahrnehmen zu können. Ich freue mich auf ein gut gepflegtes Gesicht und eine Stunde Me-Time.

Ich kann es kaum glauben, aber ich habe die Möglichkeit, im Rahmen einer dreitätigen Exkursion auf die Documenta 14 nach Kassel zu fahren. Ich jubel schon seit Wochen. Natürlich wäre ich auch ohne Studienbegleitung hingefahren, aber für mich ist diese Exkursion der perfekte Rahmen für eine Besichtigung. Da Paul nachts noch gestillt wird, kommt er mit meiner Mama mit, während Anton bei den anderen Großeltern Urlaub macht.

Unser Familienurlaub geht dieses Jahr auf die wunderschöne Insel Kreta. Urlaub mit kleinen Kindern ist kein bloßer Entspannungs-gut essen-viel lesen-Badeurlaub; eher ein "Wer passt auf die Kinder auf, während ich für fünf Minuten ins Meer springe?", aber wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen, die uns hoffentlich die möglichst maximale Entspannung liefern. Und wenn nicht, haben wir eben den Wahnsinn an einem schönen Ort. Ich freue mich!

Und dann hat ja jemand noch Geburtstag... Es ist verrückt, dass es erst ein Jahr her ist, als ich hochschwanger mit Anton im Garten saß. Paul hat im August seinen ersten Geburtstag und wir feiern ihn mit einer großen Grillparty im Garten.

So groß ist er schon, dass die Eingewöhnung bei der Tagesmutter auch bald startet.

Im Sommer möchte ich auch ein paar Rezepte ausprobieren, die meiner Meinung nach perfekt in die heißen Monate passen. Ich möchte Pasta selbst herstellen und mit selbstgemachten Pesto, frisch gerösteten Pinienkernen und gutem Olivenöl servieren. Bloß nicht zu viel Schnickschnack. Dann werde ich zum ersten Mal eine Zitronentarte backen. Und möchte endlich einmal einen Lillet Wild Berry probieren.

Für mein Studium muss ich allerdings auch noch Einiges erledigen. Ein achtseitiger Essay über das Stück Nora (Ein Puppenheim) von Ibsen werde ich schreiben und für mein Bachelorarbeits-Thema weiter recherchieren. Ich bin früh dran, habe aber im Herbst viel auf der (Uni-)Agenda und muss dementsprechend vorarbeiten.

Wie schon in den letzten Jahren will ich weiterhin viel lesen. Mich macht es sehr glücklich. Auf der Leseliste und auf dem Bücherregal stehen bereits: Der Untergeher von Thomas Bernhard; Ich habe alles gelebt von Peggy Guggenheim; Glaubst du, dass es Liebe war? von Alex Capus; Eine Frage der Zeit von Alex Capus; Saturday von Ian Mc Ewan.

Und zum Schluss werde ich mich gedanklich auch schon auf eine Paris-Reise im Oktober vorbereiten. Wenn alles klappt, wie ich es mir erhoffe und vorstelle, wird es magnifique. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf den Sommer!


Welche Pläne habt ihr für den Sommer?

5. Juli 2017

geklickt. Im Juni 2017.


Im letzten Monat gab es wieder viele interessante Artikel im Netz, die ich mit euch teilen möchte.


LITERATUR

Während mich die Texte von Roger Willemsen sehr beeinflusst haben, stand ich seiner Person indifferent gegenüber. Meine liebe Freundin Nicole hat mir den Link zu einem Podcast geschickt, das einen Blick auf seine Person als Freigeist und Menschenfreund wirft. Es lässt ihn noch mal aufleben und man hört nicht nur Verleger und Freunde, sondern auch wieder seine Stimme.


PARIS

Okka war mit ihrer Familie erneut in der französischen Metropole und lebte in einer getauschten Wohnung im Marais. Sie hat das schöne Viertel erkundet und stellt uns ihre liebsten Adressen plus Playlist vor. Tolle Zusammenstellung, die mir akute Sehnsucht macht.

A propos Paris. Die City Guides von Anna und Søren, die die 12 hrs guides machen, gehören zu den allerallerbesten, die ich bisher gelesen habe. Sie finden einfach eine gelungene Mischung zwischen Tipps, unnützem Wissen und spannenden Anekdoten, haben dabei eine originelle Sprache und wunderschöne Fotos. Nun bin ich erneut über den Paris Guide gestolpert und bin wieder richtig begeistert.


DOCUMENTA 14

Seit Mitte Juni findet zum 14. Mal die Documenta in Kassel statt (und seit April zum ersten und wohl einzigen Mal auch parallel dazu in Athen) und in meinem Feed wimmelt es nur von Beiträgen zur programmatischen Ausstellung. Da ich das Glück habe, bald selbst vor Ort zu sein, verschlinge ich gerade alle Artikel, die ich zur d14 finde. Unter diesen empfehle ich euch zwei.



Der andere Artikel befasst sich etwas genereller mit dem Konzept der diesjährigen Documenta, die insbesondere und wie nicht anders zu erwarten von dem progressiven, idealistischen polnischen Kurator Adam Szymczyk geprägt wurde. Carolin von TheWhyNot war in Kassel und erklärt, warum alles halb so wild ist.

Leonie Huber von gallerytalk.net schreibt über die Documenta 14, dass sie vor allem durch die Narration lebt. Das erklärt sich am besten mit dem Artikel selbst.

"Bekannte Erzählungen werden umgeschrieben, verklärte Geschichten werden überschrieben und bislang unbekannte Schicksale aufgeschrieben."

AUSSTELLUNGEN

Als der Name Maximilian Arnold in meiner Timeline auftauchte, musste ich direkt genauer hinsehen. Der Künstler ist mir nämlich schon durch die Frankfurter Kunstszene bekannt. Auf gallerytalk.net gibt es ein spannendes Interview mit ihm über seine Ausstellung a deep scrub im Raum DUVE Berlin. Ich finde seinen Ansatz sehr interessant , dir Räume als erweiterte Mal(erei)fläche zu nutzen.



INTERVIEW

Die Femtastics Ladies sprechen mit der Galeristen Lavinia Rosen, die eine Pop-Up Galerie in Hamburg betreibt. Hier sieht man mal wieder, dass man in die Szene immer "reinrutscht", dass ohne Kontakte nichts läuft und dass manche Studiengänge einfach Sinn machen. Trotz des Kunstmarkts, der mir manchmal Bauchschmerzen verursacht, ist es ein sympathisches Interview, das einige Einblicke in die Szene gibt.

Die Homestory mit Jeanne vom Label Zazi Vintage schreibt Alicja vom Team Journelles und es ist sehr erfrischend und vielleicht sogar ein wenig irritierend, dass bzw. wie sie ihre eigene Meinung in den Text einfließen lässt. Ich habe schon lange nicht mehr so eine gute (da anders) Homestory gelesen.


REISEN

Es ist ein großer Traum von mir, Island irgendwann zu bereisen. Caro war für mehrere Woche dort und hat einige Erfahrungen sammeln können. Sie fasst diese in einem ganz wunderbaren Blogpost zusammen, der beschreibt, was sie erlebt hat und gleichzeitig von ihrem großen Respekt und ihrer Liebe zur Insel zeugt. Und ihre Fotos überzeugen sowieso.



INSPIRATION

Ein grau-blauer Sommer, ein Moodboard. Mein Sommer ist etwas pinker, da hier häufig Blumensträuße den braunen Tisch zieren. Juliane von machenstattreden löst mit diesen sieben Bildern ganz viel in mir aus, das zwar nicht so viel mit Sommer zu tun hat, aber dennoch auch jetzt zu mir passt.


Und was inspiriert dich und was hast du im letzten Monat gelesen?

1. Juli 2017

gelebt. Im Juni 2017.


Der Juni war gut und hatte viele Höhen. Und wenn man ganz ehrlich sein will auch ein Tief. Doch das konnte schnell überwunden werden.


gelebt:

Die Woche hat so viele gute Momente. Ich mag den Montag zum Beispiel sehr. Nach einem Familienwochenende nutze ich den freien Vormittag, an dem die Museen immer zu sind, um mit meinen Aufgaben klar Schiff zu machen. Ich höre Podcasts, nehme mir Zeit für meine Terminplanungen in der Woche und mache etwas für die Uni. Manchmal schaffe ich es sogar auch, die Fenster zu putzen. Ha! Im Wohnzimmer ist es nun eindeutig heller und wir können den Sonnenuntergang noch besser beobachten. Freitags feiern wir das heranrückende Wochenende mit einem Tapasabend. Dazu kaufe ich am Vormittag auf dem Markt meine Zutaten und bereite die vielen Kleinigkeiten am Nachmittag vor. Diese kleinen Rituale machen mir große Freude und lassen mich das Leben noch ein wenig mehr feiern.

Der Balkon ist das temporäre Zuhause einer kleinen Schnirkelschnecke geworden. Und eines unserer liebsten Orte, um die heißen Nachmittage zu vertrödeln. Gerne mit einem selbstgemachten Eiskaffee.

Ein wenig stolz bin ich auf mich, weil ich eine Sportchallenge durchziehe. Jeden Tag acht Übungen. Das funktioniert. 

Wir haben Geburtstage in der Familie gefeiert, waren auf dem Kinderfestival im Mainzer Volkspark, auf dem wir nur auf der Picknickdecke saßen anstatt auf Hüpfburgen zu toben. Anton und ich waren gemeinsam auf dem Markt, mal nur zu zweit, und aßen Erdbeeren auf den Stufen vor dem Mainzer Dom. Einen richtig doofen Nachmittag machten wir uns schön, indem wir unsere Wartezeit auf die Verabredung im Starbucks vertrieben. Dazu muss man wissen, dass ich schon Jahre nicht mehr im Starbucks war, weil das Konzept für mich nicht aufgeht. Aber Anton war mit seiner Milch zufrieden und ich einfach nur froh, bei einem Kaffee auszuruhen.

Das nächste Semester wurde auch geplant und ich habe Glück, dass alle Veranstaltungen am Vormittag stattfinden werden.

Ich habe viele Pläne geschmiedet und freue mich so sehr über die Dinge, die im Sommer kommen. Stichwort: Documenta 14. Oder Geburtstag von Paul. Oder Familienurlaub. Oder oder oder.



gebacken/gegessen/getrunken: Focaccia, Hefeteilchen mit Pflaumenmus, Griechischer Joghurt, Panna Cotta mit Erbeersauce, gebackener Feta in Walnusskruste






ausgestellt: Wir waren auf den Rundgang der Städelschule in Frankfurt. Ansonsten hatte ich keine Möglichkeiten, mir Ausstellungen anzusehen und habe online konsumiert.





gereist: In Darmstadt hat mich meine Freundin Lisa zu einer kleinen Oase inmitten der Stadt geführt: der Innenhof des Cafés Fräulein Mondschein.

gekauft: Im Hinblick auf kleinere Reisen, die in den nächsten Monaten anstehen, nur Cappuccinos und Blumen gekauft.

gemacht: Aquarelle gemalt

getragen: Im letzten Monat habe ich keinen Pappbecher genutzt.

gewünscht: Pizza. Ich könnte gerade ständig Pizza essen.



gedacht: Eine Nacht im Krankenhaus schweißt zusammen.

An einem der Tage, an denen nichts richtig rund laufen wollte und ich ziemlich unzufrieden war, traf ich eine Mutter aus dem Kindergarten, die eine Eisdiele betreibt. Beim Smalltalk stellte ich ihr die Frage, ob alles gut sei, woraufhin sie mir antwortete: "Ist scheiße Leben. Nur arbeiten." Wenige Schritte später sah ich einen alten Mann mit nur einem Bein, der auf Krücken gestützt seines Weges ging. Diese zwei Begegnungen machten mich sehr, sehr demütig. Natürlich erscheint mir mein zugegebenermaßen kleines Pech an manchen Tagen sehr groß und es lastet mir schwer auf den Schultern. Aber es ist natürlich nichts im Vergleich zu dem, was manche Menschen erleben und aushalten müssen. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten und das hauptsächlich Gute in meinem Leben.

Fällt in eine ähnliche Kategorie: Im Gespräch mit einer Mutter, die ich häufig im Bus treffe, weil wir den gleichen Weg zum Kindergarten haben, kam das Thema Urlaub auf. Sie erzählte von ihrer Tochter, die sie gefragt hatte, ob sie denn auch in den Urlaub fahren würden. Die Mutter zu mir: "Als ob das so einfach geht. Wir machen Urlaub im Garten der Oma." Mir ist bei diesem Gespräch bewusst geworden, dass ich so so dankbar sein kann, dass wir finanziell gut abgesichert sind, dass wir uns nicht nur einen Familienurlaub am Strand leisten können, sondern auch kleinere Reisen und Ausflüge unternehmen. Es hat natürlich auch etwas mit der Prioritätensetzung zu tun, doch ist in vielen Familien ein Urlaub einfach nicht drin und keine Selbstverständlichkeit.

Ich liebe, liebe, liebe es, Kunstgeschichte zu studieren. Es ist genau das, was mich glücklich macht.

Nach Schwangerschaft und Stillzeit habe ich allmählich wieder Lust, einen großartigen Cocktail zu trinken. Oder einen guten Grauburgunder.




geärgert: Die Kinder und ich hatten einen fiesen Virus, der sich vor allem mit Fieber bemerkbar machte. Paul hatte daraufhin einen Fieberkrampf und wir mussten vierundzwanzig Stunden im Krankenhaus verbringen. Paul geht es gut! (Und mich haben diese Stunden im Krankenhaus mitgenommen. Ein Glück sind wir alle gesund und müssen nicht wegen ernsthaften Krankheiten im Krankenhaus sein.)

gefreut: Glücklich hat mich gemacht, dass wir endlich unseren Familienurlaub gebucht haben. Sieben Tage auf Kreta.

geliebt: Wie sehr kann man denn einen kleinen Menschen lieben? Oder die kleinen Menschen? Meine Mamaliebe sprudelt momentan förmlich über.






21. Juni 2017

Und, was macht die Zukunft? Gedanken aus dem Roman "Lied für eine geliebte Frau" von Erik Orsenna


Eine Textstelle weilt bereits seit geraumer Zeit in meinem Kopf. Seitdem ich die Passage in Erik Orsennas Roman Lied für eine geliebte Frau las, formen sich meine Gedanken und sind schlussendlich doch nicht spruchreif. Die Zeilen bedeuten mir viel, es hat etwas mit dem Carpe diem Gedanken zu tun, der über ihnen schwebt, und mit der Frage, was Nostalgie und auch Sehnsucht mit uns machen. Während die Antworten auf sich warten lassen, teile ich diese Passage mit euch, damit sie auch in euren Köpfen Zeit zum Arbeiten und Rumoren hat.


[Der Protagonist im Gespräch mit der Mutter seiner Kinder.]
"Und, was macht die Zukunft?
"Nun ja … Ich habe das Gefühl … hm … Die Jahre vergehen, aber ich habe das Gefühl, ich bin jetzt angekommen."
"Das habe ich gemerkt. Die Jahre unseres Zusammenlebens werden also unsere Jugend gewesen sein: Du bist gereist, und ich bin daheim geblieben. Du bist in einem Zug gesessen, aus dem du nie ausgestiegen bist, und ich bin auf dem Bahnsteig zurückgeblieben."
"Aber der Zug fuhr, oder?"
"Natürlich, und zwar ziemlich schnell. Und als du weg warst, hat sich auch mein Bahnsteig in Bewegung gesetzt."
"Und wohin fuhr mein Zug deiner Meinung nach?"
"In die Zukunft, ist doch klar! Erinnerst du dich nicht mehr? Deine ganze Kraft, deine ganze Aufmerksamkeit war auf die Zukunft gerichtet: deine künftige Stellung, deine künftige Anerkennung, die Freiheit, die dir deine künftige Stellung und deine künftige Anerkennung verschaffen würden."
"Ich war also nie da?"
"Ich kannte dich nur hinter der Scheibe dieses Zugs."
"Und ich bin nie ausgestiegen?"
"Äußerst selten…."
"Dann war ich also unerträglich?"
"Schlimmer noch. Verstehst du meine Frage? Ich würde gerne wissen: Wie sieht die Zukunft aus? War sie es wert, dass du gegenüber jeder Gegenwart so verächtlich warst, angefangen bei der Gegenwart mit mir? Und jetzt, wo du dein Ziel erreicht hast, wie fühlst du dich dort?"
"Im Ernst?"
"Im Ernst."
"Sehr gut."
[...]
Ich hatte begriffen, dass jeder Mensch ein Gebiet der Zeit bewohnt und ihm nie entkommen kann. Manche Menschen leben in der fortdauernden Vergangenheit, es sind die mit der geringsten Lebenslust: Sehnsucht schadet dem Verlangen. Andere leben in der abgeschlossenen Vergangenheit: Sie brechen mit allem und jedem, keiner weiß, warum und wieso, vielleicht allein um der Freude willen, das Messer schneiden zu hören. Wieder andere Menschen sind imstande, in der Gegenwart zu leben: Mit ihnen kommt man am leichtesten aus, weil sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie besitzen jene Möglichkeit, die man für banal und natürlich halten könnte, während sie in Wirklichkeit eine Seltenheit ist: die Höflichkeit da zu sein. Sie sind da, wenn sie sprechen, da, wenn sie ein Gericht kosten, und da, wenn sie in Wut geraten, da, und nicht woanders, wenn sie lieben. Und ich? War ich jetzt bereit für die Gegenwart, nachdem ich so lange in der Zukunft gelebt hatte?


10. Juni 2017

Selbstmanagement: Schritt für Schritt zum Ziel


Alle paar Wochen erliege ich einem Wahn von Weltverbesserung. Bei dieser Welt dreht es sich ausschließlich um meine eigene. Optimierungsbedarf herrscht hier in sämtlichen persönlichen Bereichen.

In diesen Momenten, die meist ganz plötzlich über mich hereinbrechen, bin ich entweder zutiefst traurig über all die Möglichkeiten, die mir nicht offeriert werden oder die sich mir zwar rein theoretisch bieten, doch aufgrund meiner Lebenssituation nicht wahrgenommen werden können. Dann könnte ich in Tränen ausbrechen, dass meine berufliche Zukunft so ungewiss ist. Oder dass ich zur Zeit kein Geld verdiene. (Ja, sehr dramatisch.)

Andererseits habe ich viel häufiger aber auch die guten Momente. In denen ich Bäume ausreißen könnte. Da ist mein Energieschub so hoch, dass ich am liebsten alles sofort erledigen möchte. Ich nehme mir sogleich vor, jeden Tag ein paar Sportübungen zu machen, meine Finanzen zu tracken, jeden Tag eine kleine Zeichnung zu machen und einen Künstlernamen nachzuschlagen.

Ihr seht, die Beispiele kommen aus meinem Alltag. Ich bin schon häufig voller Enthusiasmus in eine „Challenge“ eingestiegen, habe allerdings nur wenige Tage durchgehalten. Viel zu schnell setzte die Motivation aus und die Normalität ein. Das mag an meinem Charakter liegen. Ich will zu viel. 

In vielen Situationen bringt mich dieser Ansporn weit. Ich kann mich motivieren und meine Gedanken dazu überschlagen lassen. Da man jedoch mit den eigenen Kapazitäten auch an seine Grenzen stößt und die Erfolge manchmal auf sich warten lassen, verliert sich der Ansporn.

Hier stolpere ich immer wieder. Zwischen meinem Optimierungswunsch und dem Ergebnis liegen Welten und mir fällt auf, dass ich eine neue Strategie benötige, um diese Ziele zu erreichen. 
Ich muss mich Schritt für Schritt meinem Ziel nähern.

Etappen setzen

Was bringt es mir, wenn ich anfangs große Schritte mache und mir nach wenigen Metern die Puste ausgeht? Ich bemühe mich also, Minimalziele zu setzen und diese nach und nach zu erreichen.

Will ich bessere Kontrolle über meine Finanzen? Dann schreibe ich einen Monat lang alle Einnahmen und Ausgaben in eine Liste. Und ich erstellte jetzt diese Liste. Das kostet mich keine fünf Minuten und der erste Schritt ist getan. 

Will ich öfter Sport machen? Dann suche ich mir eine Übung/Sportart aus. Oder ich mache eine Challenge, bei der die tägliche Übungszeit relativ kurz ist. 

Will ich eine ordentliche Wohnung haben? Dann setze ich mir jeden Tag eine Timebox von nur 15 Minuten und putze dann gezielt.

Ihr seht, auf was ich hinauswill. Oft fällt es uns schwer, Ziele zu erreichen, weil wir sie zu hoch stecken. Wenn wir sie dann nicht so bald erreichen, lässt die Motivation nach und es baut sich nur Druck auf. Mit kleinen Erfolgserlebnissen kann man viel besser arbeiten. In meinem Fall macht mir zum Beispiel eine einmonatige Sportchallenge so Spaß, dass ich mir eine zweite Challenge dazugenommen habe. 

Wo liegen deine Prioritäten?

Ich komme immer wieder auf diesen Punkt zurück. Es hat sich ganz fest eingebrannt, dass ich mit meinen Aufgaben und Wünschen überfordert bin, wenn ich sie nicht nach Prioriät sortiere. Denn ich will zu viel. Alles soll so schnell wie möglich geschehen. Gefühlt ist alles wichtig. Es ist schwierig, sich nur auf wenige Dinge zu konzentrieren, wenn die Welt so bunt und voller Input ist.

Man muss sich also im Klaren darüber sein, was man am meisten möchte und was am dringendsten gemacht werden muss. Das kann man in der Arbeitswelt anwenden, im Haushalt, mit Terminen oder im eigenen Alltag. Wenn man merkt, dass der Weg zum ersten Ziel eben ist und gut funktioniert, kann man auch eine zweite Aufgabe in Angriff nehmen. 

Erfolge feiern

Häufig ist uns nur bewusst, was noch zu tun ist und wir vergessen, was wir schon alles gemeistert haben. Hakt eure Aufgaben ab, schreibt euch auf, welche Erfolge ihr feiern könnt und stoßt mit einem Glas Sekt auf euch an. Belohnt euch dafür, dass ihr eine Etappe erreicht habt. Zeigt es der Welt. Wenn ihr euch bewusst seid, was ihr leistet, dann bekommt ihr Motivation für die nächsten Schritte. 

Weitere Möglichkeiten

Vielleicht hilft es euch, an Challenges teilzunehmen und diese mit Anderen zu teilen.
Vielleicht helfen Erinnerungen in Form von Postits oder Handybenachrichtigungen.
Vielleicht braucht ihr eine Gruppe, mit der ihr das gleiche Ziel verfolgt.

Der Haken

Und der Haken? Mein Charakter?! Hahaha. Ich will eben doch noch alles gleichzeitig. Mir fällt es im Privaten manchmal ganz schön schwer, die Prioritäten so zu setzen, dass ich mit Wenigem kontinuierlich vorankomme. Des Öfteren laufen zu viele Projekte gleichzeitig und mit zwei, drei gelange ich auch ans Ziel, doch bei vier, fünf, zweihundert Ideen bleibe ich nach den ersten Etappen stecken. 

Aber häufig ist es auch der Alltag, der einen einholt, bevor die Ziele erreicht wurden. Gerade wenn man etwas Neues in seine Routine aufnehmen möchte (zum Beispiel Sport), dann dauert es seine Zeit, bis diese verinnerlicht wurde. Der Alltag kann dann schnell zum Störfaktor werden, weil er den Freiraum für Neues nicht immer ohne Weiteres zulässt.

Ich übe mich also weiterhin im Prioritätensetzen, versuche nach und nach meine Aufgaben zu erledigen und mache mir weniger private Termine, damit ich mehr freie Zeit habe, um mit meinen Zielen voranzukommen.

Vielleicht ist aber auch der Haken, dass der Tag nur 24 Stunden hat...


Was meint ihr?