den Augenblick erkennen, den Moment erleben

24. April 2017

Das Glück, lernen zu dürfen.


Da sitzt man nach einem halben Jahr Pause auf einem knarzenden, alten Holzstuhl in einem Bürogebäude, das nicht mehr seine ursprüngliche Aufgabe erfüllt, sondern von Bücher verschlingenden oder gelangweilten Studenten bevölkert wird. Der Seminarraum hat bereits seine besten Tage hinter sich. Es ist stickig, die Heizung arbeitet auf Hochtouren und auf den Stühlen sitzen vereinzelt Grüppchen. Einige starren auf ihr Handy, wischen Bilder oder lesen ihr gelbes Buch. Ansonsten ist es still im Raum.

Es knarzt.

Es sind vornehmlich Studentinnen in der kleinen Runde. Im Kollegium witzelt man darüber, ob die Frauenquote im Studiengang nun bei 92 oder 95 Prozent liege. Aber auch ein paar Herren hat es hierhin verschlagen. Ich mutmaße, dass es am Seminarthema liegt. Vielleicht aber auch am Dozenten, der zehn Minuten zu spät kommt und dann in seiner saloppen Art den Semesterplan durchgeht.

Etwas gelangweilt sitze ich auf dem Stuhl, der bei der nächsten Bewegung wieder knarzt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich höre, welche Anforderung an die Studierenden gestellt werden. Mir machen Dozenten keine Angst, ich habe bereits unzählige Referate gehalten und ich kann meine Lesegeschwindigkeit einschätzen. Meine Kommilitonen sind zum größten Teil im zweiten Semester. Sie sind euphorisch, knallen sich den Stundenplan mit Veranstaltungen zu, klagen über das harte WG-Leben in der Fünfer-WG und erzählen voller Empörung über "die übermotivierte Deutschlehrerin, die im Deutsch-LK Woyzeck ganz falsch interpretiert" habe. Man sieht ihnen noch das junge Alter an, die weichen Gesichtszüge weisen darauf hin und das Kichern, wenn sie von der Eröffnungsparty und dem kostenlosen Wein sprechen.

Ich sitze zwischen den Gelangweilten und Übermotivierten. Die Formalia halte ich in meinem schwarzroten Notizbuch fest und lese mir langsam das Semesterprogramm durch. Baudelaire, Poe, King, Sommer. Als der Dozent die einzelnen Themen und Schwerpunkte durchgeht, werde ich von einem Glücksgefühl durchströmt. Wie immer zum Semesterbeginn. Mir wird bewusst, dass es ein Geschenk ist, studieren zu können. Es ist ein großes Glück, lernen zu dürfen. Dass ich mir die Zeit nehmen darf, um mich in ein Thema einzulesen, dieses zu bearbeiten und dann einer Gruppe vorzustellen. Dass ich mich mit Literatur (und Bildender Kunst) beschäftige und damit in einem Diskurs mit anderen Studierenden und Lehrenden stehe, ist großartig. Ich habe ein Hochgefühl, weil ich Bildung genießen darf.

Es gibt vieles im Leben, dass wichtig(er) ist. Vieles steht auf der Prioritätenskala sehr weit oben. Familie, Gesundheit zum Beispiel.

Schon am Abend setze ich mich an den Laptop und recherchiere den Onlinekatalog nach möglicher Literatur für mein erstes Referat ab. Zwischen "Warum bin ich so doof und melde mich für das erste Referat in zwei Wochen?!" bis hin zu "Ich will ALLES von Baudelaire lesen. Und in welcher Beziehung stand eigentlich Mallarmé zu ihm? Und Manet?" habe ich jede Gefühlsregung durch. Ich habe mich für das Thema entschieden, weil ich es sehr interessant finde, nicht, weil es das leichteste oder organisatorisch sinnvollste Thema ist.

Baudelaire und Poe. Auf der Suche nach Literatur werden mir die Grenzen meines Wissens bewusst. Es gibt so Vieles, dass ich mir noch anlesen könnte, weil es in Beziehung zu meiner Aufgabenstellung steht. Die Zeit und der Umfang der Leistung erfordern diese Kenntnisse nicht, aber es kribbelt in den Fingern und im Geist. Natürlich werde ich niemals all das Wissen anhäufen können, alle Quellen gelesen haben können. Aber ich habe wirklich ein großes Verlangen danach, die Zeit zu haben, um die Beschränkungen aufzuheben, Bücher zu lesen, den historischen Kontext herzustellen und Verbindungen aufzudecken.

10. April 2017

Reisetage(mitmach)buch: Das ist mein Paris


Heute kommt ein bisschen Paris-Content für alle, die diesen hier auf dem Blog allmählich vermissen. :) Wird ja wieder Zeit; die Erwähnungen in Form von Zitaten sind doch zu subtil, ha. Ich möchte euch ein Mitmachbuch vorstellen, das mir eine Freundin vor ein paar Monaten schenkte.

Das ist mein Paris ist ein Notizbuch, Reisebuch und Reiseführer in einem. Praktisch also für alle, die nicht fünf Bücher gleichzeitig mitschleppen wollen, sondern alle Erlebnisse und Eindrücke in einem Heft festhalten möchten. Auf vielen Seiten erfährt man Unnützes und doch Interessantes über die französische Hauptstadt, sei es, wo es die spannendsten marchés aux puces (Flohmärkte) gibt, was man genau unter den Arrondissements und den Quartiers versteht und wie man ein Plat de mer zubereitet.

Das Buch lässt aber sehr viel Raum, um sich kreativ auszutoben. Jede Doppelseite ist einem kleinen Thema gewidmet und nun können hier Kleidungsstücke eingekritzelt werden, die man sich auf dem Paris-Trip geleistet hat oder alle Fahrkarten eingeklebt werden. Man kann auf Listen abhaken, was man schon gesehen hat und welche Monumente besucht wurden.

Ich zeige es euch noch im Rohzustand, weil ich es erst in der Vorbereitungszeit für unseren nächsten Trip anmalen und beschreiben werde. Meistens habe ich auf Reisen nicht die Ruhe, um zu malen und zu zeichnen. Als ich (früher) alleine unterwegs war, hatte ich aber oft meine Aquarellfarben dabei und machte viele Pausen, um die Eindrücke festzuhalten. Mittlerweile nutze ich meistens die Abende – mit Kindern beginnt die Abendruhe ja meistens recht früh –, um Notizen zu machen und Skizzen anzufertigen.

Dieses Buch wird mich wohl mehrere Reisen lang begleiten, bis es voll sein wird. Ich bin sehr gespannt, wie es zum Einsatz kommen wird und ob ich mein einfaches Blanko-Notizbuch vermissen werde. Mir gefällt an diesem aber sehr gut, dass man viele Ideen bekommt und dann einfach nur drauflosmalen und -schreiben muss.

Was denkt ihr, #teamblanko oder #teamdasistmeinparis?









6. April 2017

Wie eine Französin sein.



Alex Capus fängt so nüchtern und ironisch zugleich Stimmungen ein wie kaum ein anderer. Bisher habe ich drei Romane von ihm gelesen, zwei weitere liegen noch auf meinem Lesestapel und ich bin begeistert. In seinem neusten Roman Das Leben ist gut (ich erzählte davon hier) lässt er seinen Protagonisten Max die abstrusesten Gedankengänge durchschreiten. Weil seine Ehefrau nun die erste Woche in Paris an der Sorbonne lehrt und diese Veränderung für ihr Eheleben eine ganz bedeutsame ist, denkt Max darüber nach, wie es seiner Ehefrau denn gerade geht.

„Ich stelle mir vor, wie sie sich am Hauptportal ihres Bürogebäudes den Kopf anstößt, weil der Pförtner die gläserne Tür Punkt neun Uhr aufschließt und gewiss nicht achtzehn Minuten früher wegen irgendeiner Ausländerin, die sich um die offiziellen Öffnungszeiten foutiert und meint, es mache ihm Eindruck, wenn sie hinter dem Glas winkt und umherhüpft wie ein Hampelmann. Ich stelle mir Tinas vergebliches Pantomimespiel vor, das die Öffnung der Tür eher zusätzlich behindert als befördert, und wie sie nach kurzer Zeit kapituliert und sich um die Ecke in eine Bar zurückzieht, um angestrengt beiläufig einen Kaffee zu bestellen in der immer wieder enttäuschten Hoffnung, der Kellner möge ihren Akzent nicht bemerken und sie auf Französisch wie eine Einheimische anschnauzen, statt sie mit charmant gemeintem Trümmerenglisch als Ausländerin zu entlarven; denn im Grunde ihres Herzens, das ist wissenschaftlich erwiesen, möchte jede Frau eine Französin sein. Zumindest einen Tag lang. Bis sie wüsste, wie sich das anfühlt. Und dann nur noch so aussehen."

Alex Capus, Das Leben ist gut

3. April 2017

geklickt. Im März 2017.


Jeden Monat zeige ich euch unter der Kategorie geklickt, auf welchen Seiten im Netz ich mich im vergangenen Monat herumgetrieben habe und welche Artikel ich lesenswert finde.


1 // Für Interior Inspiration sorgt Desi von Teetharejade mit ihrer Collage The Hallway. Unser Flur ist recht schmal und mit zwei Regalen und Bildern an der Wand haben wir versucht, ein bisschen Wohnlichkeit zu schaffen. Zufrieden war ich noch nie mit der Lösung und die Collage zeigt, wie der Eingangsbereich aussehen könnte. Ein schmales Sideboard wäre eine tolle Möglichkeit, den Raum besser nutzbar und schöner zu machen.

2 // Ich träume von einer großen Altbauwohnung mit hellem Dielenboden. Oder einem Haus. Naja, so lange diese Gedanken nur Träume bleiben, sammle ich Inspirationen in Form von Links in einer Evernote-Datei. Irgendwann werde ich darauf zurückgreifen. Aber ich zeige euch mal, was mir vorschwebt: In den Dienstagsdingen bei Journelles (4. Bild, leider ohne Verlinkung).

3 // Wie keine andere kann Julie mit ihren Worten akutes Magenknurren bei mir verursachen. Und obwohl ich Koriander nicht mag, werde ich die Koriander-Kokos-Fladen ausprobieren.

4 // Fünf Künstlerinnen sollen jeweils eine virtuelle Ausstellung konzipieren, in der sie nur Arbeiten von Künstlerinnen zeigen. Neben Jenny Holzer ist auch Katharina Grosse vertreten. Ich finde ihre Sicht auf die Dinge interessant. In der Auswahl zeigt sich auch, wie sie selbst denkt und wie sie arbeitet. Die Videos haben mich sehr inspiriert und ich habe gleich einige Künstlerinnen neu entdeckt.

5 // Im März war ich mehr Ausstellungen als sonst gesehen und bin sehr, sehr glücklich darüber. Ins MMK2 hat es mich gezogen, weil ich Minimal Art toll finde, seitdem ich die Arbeiten zum ersten Mal gesehen habe und das Museum für Moderne Kunst eine Ausstellung zeigt, die die Arbeiten der ersten Stunde den aktuellen Positionen gegenüberstellt. Santiago Sierra hat eine Arbeit speziell für das MMK2 konzipiert. Zwanzig quadratische Platten wurden von Arbeitern aus dem Boden gehoben und samt Erde und Dreck auf den Ausstellungsboden platziert. Was es damit auf sich hat? Das könnt ihr auf dem MMK Blog lesen.

6 // Je älter ist werde, desto mehr werde ich zu einem Angsthasen. Glücklicherweise bringt mit Anton immer wieder dazu, meine eigenen Grenzen zu überwinden. ("Der große Hund tut dir nichts!" ...) Über Edition F bin ich auf das Video gestoßen, das zeigt, wie sich Michelle Poler jeden Tag einer neuen Angst stellt. Es ist unglaublich, was sie dadurch alles erlebt. Für mich dennoch zu extrem, aber es half mir, wieder etwas mutiger zu sein.

7 // Eine Shop-Entdeckung mit Dingen fürs Heim und fürs Herz, die man nicht unbedingt braucht, die aber, wenn man denn möchte, hier in Perfektion zusammengestellt sind. Auf ting, der Onlineshop des gleichnamigen Berliner Geschäfts, habe ich nun Einiges gefunden, das auf meine Wunschliste gesetzt wird. (Wie lange dauert es nochmal bis Weihnachten?) Die Preise sind völlig in Ordnung, man kann sich davon etwas leisten und trotzdem hat man etwas Hübsches und Besonderes. Meine Favoriten? Die Allzweckscheredie Globe Vase, die Messingübertöpfe und dieser Ring.

8 // A propos, der Shop ting wird von Laura Huppert betrieben, die letztens auch von Okka zu ihrer Gründung befragt wurde. Sie ist auch diejenige, die die schönen Schmuckstücke designt.


Und was habt ihr im März gelesen?

1. April 2017

gelebt. Der März 2017.


Eine Freundin fragte mich im vergangenen Monat, was denn Besonderes bei mir anstünde. Ich musste kurz überlegen und mir wollte nichts einfallen. [Mittlerweile ist Einiges in Planung.] Der Alltag ist aber zur Zeit sehr besonders. Die Buben sind beide gut drauf und lieb, ich habe morgens viele Möglichkeiten und am Nachmittag laufen die Dinge entspannt ab. Ich bin ziemlich glücklich mit diesem Leben, mit dem Frühling, mit der Familie und sehe im Alltag viel Besonderes. Der März war richtig gut.


gelebt:

Anfang des Monats habe ich meine Hausarbeit abgegeben und yeah! jetzt geht es mir soo gut. Endlich wieder Zeit für allerlei andere Dinge.

Mit den Jungs haben wir schöne Stunden im Garten, im Zoo, am Strand und auf Spielplätzen verbracht. Das gute Wetter in den letzten Wochen lässt die Blumen sprießen, die Eichhörnchen von Ast zu Ast springen und die Menschen aus ihren Häusern hervorkriechen.

An einem Tag picknickten wir wieder am Strand. Ich trug häufig Lippenstift. Wir besuchten Freunde in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung und aßen dort so leckeren Kuchen. Antons Freund war zu Besuch. Auch ich hatte viel Besuch. Oft spielte ich Klavier. Ich bekam von zwei Freundinnen verspätete Geburtstagsgeschenke und staunte nicht schlecht, wie gut diese ausgewählt waren.

Ich habe mir viel Zeit genommen, um Ausstellungsberichte zu lesen, Künstler zu googeln und mir Gedanken über ein mögliches Bachelorarbeitsthema zu machen.

Meine Kinder machen mich glücklich und ich bin so dankbar, dass ich das erleben darf.


gegessen: Stullen Andy im Landesmuseum Mainz, in der Kleinmarkthalle Frankfurt ein Panini, erstes Eis, Café Fein in Frankfurt, Dale's Cake in Wiesbaden, Café Blumen in Mainz, ein frisches, noch warmes Pain au Chocolat, Grünes Curry beim Thailänder, Neustadtapotheke in Mainz

gebacken: Dinkelbrötchen, Granola selbst gemacht, Pesto aus getrockneten Tomaten, Quiche, Waffeln, Bärlauchpesto

gemacht: mit Aquarellfarben und Pastellkreiden gemalt, analog fotografiert

gelesen: Zum dritten Mal Die Purpurlinie von Wolfram Fleischhauer. Fragt nicht. Ich bin vor einigen Jahren dem Autor verfallen, nachdem mir Der gestohlene Abend so gut gefiel. Mit einigen Jahren Abstand finde ich den Roman ziemlich kitschig, wenn auch der Plot von einer Verschwörungstheorie und einem kunstgeschichtlich interessanten Fall handelt.

Umso besser also meine Auswahl an Romanen und Bildbänden, die ich auf rebuy erstanden habe. Nach zwei unglaublich guten Romanen von Alex Capus habe ich nun Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer in nur wenigen Tagen durchgelesen. Auf Alex Capus ist Verlass und ich kann euch den Roman wärmstens empfehlen.

Am letzten Tag des Monats habe ich auch die ersten Kapitel in Jetzt wirds ernst von Robert Seethaler gelesen.







ausgestellt: Glücklicherweise konnte ich wieder viel sehen.

Mit Anton und Paul war ich im Naturhistorischen Museum Mainz. Nachdem ich Anton im letzten Jahr kaum noch in Ausstellungen mitgenommen habe, war es für mich sehr spannend, wie er es in einem Museum finden würde. Und was soll ich sagen? Wir verbrachten eine entspannte Stunde in den Räumen, blieben ganz lange beim Eichhörnchen, den Mäusen, den Vogeleiern und den lebenden Bienen und Anton redete die ganze Zeit im Flüsterton, obwohl das gar nicht hätte sein müssen. Er fragt nun häufig, wann wir wieder in "ein kleines Museum" gehen und ich freue mich auf noch viele weitere Museumsbesuche.

In der zweiten Märzwoche hatte ich nicht die Möglichkeit, um weit wegzufahren und wollte daher in Mainz eine Ausstellung besuchen. Da in der Kunsthalle noch Umbauphase war, stattete ich dem Landesmuseum Mainz wieder einen Besuch ab. Ich war schon ewig nicht mehr dort. Mein Ziel waren hier die Sammlungspräsentationen des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Besuch war eine Enttäuschung. Die Präsentationen sind altbacken, mit sehr didaktischen und auf Rheinland-Pfalz ausgelegten Bildtexten und einem Aufbau, der den Bildern und Skulpturen nicht gerecht wird. Ich ging mit einer unzufriedenen Stimmung nach Hause.

Im Gegensatz dazu war es mir ein Fest, der Eröffnung von "Richard Serra. Props, Films, Early Works." im Museum Wiesbaden beizuwohnen. Nicht nur, weil das seit gut einem Jahr die zweite Vernissage war, an der ich teilnehmen konnte, sondern weil Richard Serra ein Held für mich ist. Mir bedeuten seine Arbeiten sehr viel und ich freue mich, dass ich sie wieder live betrachten kann.

In Frankfurt war ich einige Male, sodass ich dort mehrere Ausstellungen sehen konnte. In der Schirn Kunsthalle war die Ausstellung René Magritte. Der Verrat der Bilder leider sehr überlaufen und ich hatte nicht die nötige Ruhe und nicht der nötigen Raum, den ich (gemeinsam mit Paul) brauche. Wenn es möglich ist – die Ausstellung läuft bis Anfang Juni – werde ich versuchen, mir die Arbeiten noch einmal in Ruhe anzusehen. Dagegen war es in der Richard Gerstl Retrospektive sehr entspannt. Dennoch überzeugten mich die Texte nicht bzw. finde ich es schade, dass so stark auf die "Sensationen" eingegangen wird (Affäre mit verheirateter Frau, Suizid, erster Expressionist aus Österreich) und dabei die vielen unterschiedlichen Malweisen, die er in seiner kurzen Schaffenszeit nutzte, wenig Beachtung finden. Trotzdem, ein Besuch der Schirn lohnt sich immer.

Zu guter Letzt war ich nach einem Jahr auch wieder in der neusten Dependance des MMK in Frankfurt. Im Taunusturm ist das MMK2 untergebracht. Dort wird bis Mitte August die Ausstellung "Primary Structures. Meisterwerke der Minimal Art" gezeigt. Für diese konzeptionellen Arbeiten könnte kaum ein Ausstellungsraum geeigneter sein und einige Kunstwerken fügen sich perfekt ein. Ich habe einen starken Bezug zur Minimal Art und fand es daher sehr aufregend, die Skulpturen oder Raumarbeiten zu umschreiten oder aus nächster Nähe zu erleben. Es gab leider auch hier eine Leinwand, die so nah an einer Arbeit von Donald Judd hing, sodass es keinen guten Ansichtspunkt gab. Andererseits war es spannend, wie sich die "alten, ursprünglichen" Arbeiten aus den 60er Jahren mit den neusten Position junger KünstlerInnen zusammenfügten. Auch die Skizzen der Künstler waren aufregend. Und die großen Künstler machten ihrem Namen alle Ehre.

Eines der Highlights war für mich die Ausstellung Tony Cragg. Unnatural Selection im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. (Das Museumspersonal ist außerdem richtig freundlich.) Seine amorphen Skulpturen haben mich sehr begeistert und blieben lange im Hinterkopf hängen.


gereist: 
Für unsere Familie ging es für zwei Tage nach Metz. Wir hatten dort eine ganz wunderbare Zeit. Was man dort alles sehen und erleben kann, habe ich euch bereits hier erzählt.

Ich war im letzten Monat auch regelmäßig in Frankfurt. Natürlich kann man nicht von einer "Reise" sprechen, wenn die Anfahrt nur 25-35 Minuten mit dem Zug dauert, doch sind die Frankfurttage immer ganz besonders für mich. Hier bekomme ich jedes Mal viel Inspiration. Wenn man morgens ankommt, andere Häuser und andere Menschen sieht, die kühle Luft noch weht, aber die Sonne scheint. Wenn man der Buchhandlung Walther König einen Besuch abstattet, aber vor lauter Input nicht weiß, was man lesen soll. Wenn man ein Panini beim italienischen Stand in der Kleinmarkthalle isst und beim Vorbeilaufen die Gewürze, frische Pasta, das Gemüse betrachtet. Wenn man sich mit zwei Freundinnen im Café trifft, die Frühlingssonne die ersten Sommersprossen herauskitzelt, wenn man sich wieder ein bisschen so wie früher fühlt und an einem Sekt nippt beim Girlstalk. Wenn man mit der befreundeten Familie Affen anschaut und sich die Kinder anschließend gemeinsam beim Eisessen kaputtlachen. Wenn man an einem Grüngürtel unweit der Innenstadt Spielplätze mit coolen Familien findet. Wenn man ein Mittagsdate mit seinem Mann hat, nachdem man sich eine Ausstellung anschaut. Frankfurt ist immer gut.

gekauft: Ich habe mir zum ersten Mal bei rebuy Bücher bestellt und bin ganz happy über meine Auswahl. In Metz landeten französische Pflegeprodukte in meiner Einkaufstasche.

getragen: Ich werde euch nun immer erzählen, ob mein Vorhaben geglückt ist, keine Kaffee to go Becher mehr zu nutzen und nur noch meinen eigenen Bambusbecher zu gebrauchen. (Ich erzählte euch bereits hier von meinem Vorhaben.) Im März habe ich zwei Wegwerfbecher genutzt: ein Mal vergaß ich, meinem Freund den Becher mitzugeben, beim anderen mal vergaß ich, dass ich meinen dabei hatte.


gewünscht: Obwohl ich sehr ungern Sonnenbrillen trage, sind meine beiden günstigen Modelle so veraltet, dass ich gerne eine einzige gute Sonnenbrille finden möchte. Vielleicht eine dieser beiden Ausführungen von Le Specs (1 / 2).

gedacht: Das Universum sagt Nein. Nachdem ich eine Handtasche von Closed ein halbes Jahr angeschmachtet hatte, fasste ich mir im März ein Herz und fuhr nach Wiesbaden in den Closed Laden, um sie mir mal anzusehen. Danach war ich ihr ganz verfallen und wollte sie bestellen, am Abend zuvor hatte ich noch in den Onlineshop geschaut, aber sie war ausverkauft. Es ist verrückt. Seit langem wollte ich mir ein Mal etwas ganz Besonderes und Teures gönnen und gerade dann funktioniert es nicht. Ich bin aber nicht enttäuscht, weil mir bewusst ist, wie viel Geld das ist, was ich tatsächlich noch alles brauche und dass es in meinem Leben viel Wichtigeres gibt als diese Tasche.

geärgert: Ich habe mich tierisch darüber geärgert, dass Antons Bobbycar aus unserem Garten geklaut wurde. Wie verrückt ist das denn, das jemand Fremdes oder jemand aus der Hausgemeinschaft tatsächlich in den Garten hereinspaziert und unser Eigentum stiehlt? Ohje, da könnte ich mich gleich wieder aufregen.
Und: Läuse im Kindergarten! Der größte Schreckmoment des vergangenen Monats. Glücklicherweise sind wir ohne Laus und Nisse davongekommen.

gefreut: Nachdem die Hausarbeit abgegeben war, hatte ich viel Zeit, mich um die Dinge zu kümmern, die schon liegen geblieben waren und die ich "schon immer mal" machen wollte. Ich habe die Steuererklärung gemacht, Arzttermine vereinbar, Pauls Betreuung geregelt, analog fotograifert, mir eine Straße im Ort angesehen, die ich mir schon lange ansehen wollte, habe ein Buch über die italienische (Urlaubs-)Stadt Caorle angesehen (ein Flohmarktfund, Kindheitserinnerungen), habe gebacken und gekocht, mit Anton Kresse gesät und eine Pflanze umgetopft, am Blog gewerkelt, einen Artikel für CampusMainz geschrieben, Löcher in der Kinderkleidung gestopft, einen Städtetrip gebucht und damit einen Gutschein genutzt, der bereits seit zweieinhalb Jahren hier liegt.

geliebt: Das Frühlingswetter. (Und dass der Heuschnupfen noch ein bisschen auf sich warten lässt.)