den Augenblick erkennen, den Moment erleben

17. Oktober 2016

Keine Zeit ist verloren.


Ein abgegriffenes Buch. Fast eintausend Seiten, die jeden Tag vom Bett, auf's Sofa, zum Spielplatz wanderten, von Kinderhänden angepatscht und von mir gelesen wurden.


Anawak, einer der Protagonisten in Frank Schätzings Roman Der Schwarm, fährt in seine Heimat, um der Beerdigung seines Vaters beizuwohnen. Er ist ein Inuk, hatte seine Heimat aber mit 15 Jahren verlassen. Er befindet sich in einem Konflikt mit sich selbst, mit seiner Geschichte und seiner Identität. Als er nach der Beerdigung beschließt, doch noch ein paar Tage länger in seiner Heimat zu bleiben, geht er mit seinem Onkel Akesuk und einigen anderen Leuten auf Walfang. Das Meer ist so vereist, dass sie immer wieder neue Wege einschlagen müssen.


"Das kann ein bisschen dauern", meinte Akesuk.
"Ja, es kostet Zeit", nickte Arawak, der sich erinnerte, wie oft sie an solchen Spalten entlanggefahren waren.
Akesuk krauste die Nase.
"Nein. Warum sollte es welche kosten? Wir opfern keine Zeit. Wir behalten sie, ob wir nun direkt nach Osten fahren oder erst ein Stück weiter nördlich. Hast du alles vergessen? Hier oben ist nicht wichtig, wie schnell du ankommst. Wenn du einen Umweg fährst, findet dein Leben trotzdem statt. Keine Zeit ist verloren."
Anawak schwieg.

aus Der Schwarm von Frank Schätzing


So wahre Worte. Es lohnt sich, jeden Moment des Lebens zu genießen oder zumindest bewusst zu erleben. Das Leben findet zu jedem Zeitpunkt statt und auch die Umwege gehören dazu. Sie formen uns vielleicht noch stärker, an ihnen müssen wir uns abarbeiten. Gelegentlich sollte man entschleunigen, sich selbst und das Leben verlangsamen, damit man wieder den Blick hat für das, was um uns herum geschieht. Damit man das Leben noch mehr schätzt. Jeder einzelne Moment unseres Daseins gehört dazu. Wie wichtig ist es also, dass wir so leben, dass wir glücklich sind.


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