den Augenblick erkennen, den Moment erleben

1. Oktober 2016

gelebt


Nach einem wunderschönen August folgte ein richtig guter Oktober.

gelebt:

Dieser Spätsommer ist so schön, dass ich zu nichts komme. Also so ganz stimmt das natürlich nicht. Ich bin jeden Tag auf dem Spielplatz, stille ein Baby, wickle es mehrere Male, trage es in den Schlaf oder schaue es einfach nur an. Ich genieße das späte Wochenbett, die meist ganz großartige Familienzeit, die ruhigen Tage bei diesem tollen Wetter.

Wenn ich auf meine vier September-Kalenderblätter schaue, merke ich, wie voll unsere letzten Tage doch waren. Wir hatten beinahe Freizeitstress. Wir bekamen viel Besuch (was für mich bedeutete, dass ich die Wohnung oft aufräumte und viele Kuchen backte) und besuchten unsere Familien. Wir hakten einige Arzttermine ab, fuhren zum Ikea und besuchten JEDEN Tag irgendeinen Spielplatz.

In unserem sehr typischen Tagesrhythmus gab es aber auch sehr viele Momente, die diesen aufbrachen und den September erinnerungswert machten. Nach vielen Wochen konnte ich einige meiner Freundinnen wieder sehen, sie lernten Paul kennen und wir hatten wieder ausgiebig, aber immer noch zu wenig Zeit zum Reden.

Es gibt diese Tage, an denen man abends voller Glück und Dankbarkeit zurückblickt. An einem Sonntag schliefen wir alle bis halb 10 und hatten einen schönen, langsamen Vormittag. Mittags wurde es wild und ich war so genervt wie schon lange nicht mehr. Aber der Spielplatzbesuch und unser Ausflug auf den Weinmarkt im Mainzer Stadtpark ließen den Tag noch richtig gut werden. Wenn man ausnahmsweise nicht auf die Uhr schaut und einfach etwas länger unterwegs ist. Wenn es Pommes bei Livemusik gibt und alle einfach glücklich sind. Wenn dann noch die Sonne untergeht und den Himmel in die schönsten Farben taucht. Das sind diese Tage, an denen ich glücklich und zufrieden bin.

Ein Tag in Frankfurt, ganz spontan und vielleicht deshalb so besonders schön. Ein Geschenk kaufen, nach Bockenheim fahren, um unseren leer gewordenen Hauskaffee zu holen, den Arbeitskollegen meines Freundes Paul vorstellen und dann ganz spontan Freunde besuchen, die nur wenige Tage später ihr zweites Kind bekamen. Frankfurt bedeutet mir so viel.

Nochmal Familiensachen. Ein Kinderfest auf dem Wiesbadener Marktplatz, bei dem Anton basteln konnte, die Hüpfburg eroberte und Aufklärungsbücher las, während wir unseren Kaffee tranken. Anton im Kindergarten. Ein großes Kindergartenkind, der mir nun täglich erzählt, mit wem er gespielt hat und was er gegessen hat. Ich bin so stolz auf ihn. Das Glück, wenn man im Nachbarort einen neuen Spielplatz entdeckt. Ich zum ersten Mal alleine eine kleine Busfahrt mit beiden Kindern unternommen. Und mich gefühlt wie Superwoman.

Mein Freund und ich in Elternzeit. Tischtennis spielen, gemeinsam shoppen gehen, eine unheimlich gute Käseplatte bei Wilma Wunder teilen, während beide Kinder gleichzeitig im Kinderwagen schlafen, Smoothies in der Stadt trinken und die Ruhe genießen.

Völlig übermüdet am Frühstückstisch feststellen, dass der Kindersachenbasar, auf dem man zwei Mal im Jahr wirklich günstige (Kindergarten)Kleidung findet, in einer Dreiviertelstunde schließt und dann ungeduscht und ungeschminkt loseilt, um noch ein paar Schätze zu ergattern, und dann die erste kühle Morgenluft einen schlagartig wach und glücklich macht.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Die letzten Portionen Eis gegessen, bereits das erste Zwiebelkuchen-Dinner geplant und der Kürbis steht auch bereit.
Ich habe viel gebacken. Apfelkuchen mit Cheesecake Füllung, Steinobstgalette, Donauwelle, Brownies.
Für mich gab es im letzten Monat wieder viel Kaffee. Nachdem ich einige Wochen überhaupt keine Lust darauf hatte, bin ich nun wieder vollkommen in meinem #bettiskaffeepausen Modus angekommen. Während ich mir zu Hause noch einen kleinen koffeeinhaltigen Kaffee leiste, trinke ich unterwegs nur noch koffeeinfreien. Unter anderem gab's Kaffee bzw. Cappuccino bei Baristaz, Wilma Wunder, Nomad (das Interieur!), Gute Stube (am Hopfengarten), N'Eis usw.

geklickt: Auf Gallerytalk.net bekomme ich ein wenig Input über die Galerienszene in Berlin, Wien, Köln und Nürnberg. Die Dosis ist gut portioniert und ich lese auch tatsächlich jeden Artikel und überfliege ich nicht nur. Momentan habe noch viele Tabs über einzelne Künstler offen, mit denen ich mich eingehender beschäftigen möchte. Beim Wiener Kunstgriff von Mitte September wurden drei Arbeiten beispielhaft für die Ausstellungen eingestellt, die mir alle drei sehr gut gefallen. [Ich will nach Wien!] Andrea Büttner ist zudem an der Mainzer Kunsthochschule tätig und nicht nur deshalb interessant für mich.
Nachdem im September auch die abc in Berlin lief und ich mal wieder nicht die Möglichkeit hatte, die Kunstmesse für zeitgenössische Kunst zu besuchen, verfolgte ich über die einschlägigen Webseiten und Instagramaccounts, was so in den Berliner Ausstellungsräumen los war. Mir gefiel deshalb auch der Text "Erlaubt ist, was gefällt" von Eva Beck, die darüber schreibt, wie es ist, wenn man auf einer nicht so etablierten Messe unterwegs ist.

"Ich beginne milder zu werden, mein scharfes erstes Urteil über die gezeigte Kunst zu revidieren, Respekt zu gewinnen vor den Künstlern dahinter, und mich selbst zu verabscheuen. Denn mit welchen Ansprüchen kann man an eine Kunstmesse schon rangehen? Da es ums Kaufen geht, wird die Kunst doch sehr neutral dargeboten und dem subjektiven Geschmack überlassen."

Saskia interviewt auf ihrem Blog den Kopf hinter dem Label Sandstrasse. (oooh, mir fehlt das ß) Auch wenn mir die Kleidung nicht zusagt, gibt Meike eine tolle Antwort darauf, was Kinderkleidung für sie bedeutet: 

"Kinder wollen schön aussehen, sie brauchen aber keine Modetrends, sondern Bekleidung, in der sie sich gut und frei bewegen können. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie bewegen sich anders als diese und zudem viel mehr. Kinderkleidung sollte daher alters- und entwicklungsgerecht sein, d.h. beispielsweise, dass Babys, die nur auf dem Rücken liegen können, keine Kapuzen benötigen, weil sie sie nur stören; Babys, die viel auf dem Bauch liegen, sich umdrehen und robben können, stören ein Reißverschluß oder Knöpfe vorn in der Mitte." 

Die Erfinderin des Deos Fine, Judith Springer steht den Femtastic Ladies Rede und Antwort. Sie ist eine sympathische Frau, die u. a. eine spannende Antwort zum Rummel um die Kunstszene gibt:

"Es geht nicht mehr um die Kunst und ihre Qualität, sondern um das ganze Drumherum: wer kennt wen und so weiter. Ich bin irgendwann gar nicht mehr oder nur sehr spät zu Eröffnungen gegangen, weil ich nicht mit den Leuten reden, sondern die Kunst sehen wollte. Es geht nur noch ums Sehen und Gesehen werden – und um Geld. Und es ist sehr viel Selbstausbeutung, ich habe jahrelang Geld reingesteckt."

Ein Thema, das mich immer noch sehr beschäftigt und ich sehr gespannt bin, welche Erfahrungen ich selbst noch in der Zukunft machen werde.

gelesen: Das Buch Tanz mit dem Schafsmann von Haruki Murakami habe ich in den ersten Tagen des Septembers fertiggelesen und war so froh, als ich es endlich bei Seite legen konnte. Kennt ihr das auch, dass ihr Bücher einfach fertig lesen müsst, egal wie furchtbar es ist? Ich habe mich gequält und werde wohl niemals wieder etwas von Murakami lesen.

Nachdem meine letzten beiden Bücher Flops waren, wollte ich dann endlich wieder etwas Gutes lesen. Ich nehme mir seit einigen Wochen viel Zeit zum Lesen und freue mich riesig darüber, mich einem alten "Hobby" (so stand es jedenfalls immer in den Freundebüchern) wieder zu widmen. Unser Bücherregal voller Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, konnte ich mich dennoch für nichts entscheiden, bis mir mein Freund Frank Schätzings Der Schwarm empfahl. An diesem Abend wollte ich unbedingt lesen und da ich nicht mehr in einen Buchladen kam, widmete ich meine Aufmerksamkeit den ersten Seiten des 970 Seiten langen Thrillers. Und ich finde es so so spannend. Seit Tagen suche ich ständig nach Zeiten, in denen ich weiterlesen kann. Ich kann das Buch kaum aus der Hand legen und schleppe es überall hin mit. Ich bin im letzten Viertel angekommen und immer wieder gibt es extrem spannende Stellen.

Auch die neuste Ausgabe der Brigitte Mom lese ich zwischendurch immer mal wieder.

ausgestellt: Ich habe leider gar nichts gesehen, aber in der nächsten Woche geht es nach Frankfurt!

gereist: Ich kenne alle Spielplätze der drei umliegenden Städte, haha. Ansonsten waren wir nur in Wiesbaden und in Frankfurt.

gekauft: Die Hosen zwicken noch, die Kleider sind nicht stilltauglich und die Röcke irgendwie zu kurz. Nach einem ersten ernüchternden Bummel konnte ich bei einer zweiten Runde eine ganz gut sitzende schwarze Jeans finden und ein schönes, schwarzes Tunikakleid, das mir unheimlich viel Freude macht. Es ist wirklich nicht so einfach, ganz normale Klamotten zu finden, die einen in der Stillzeit begleiten.


gewünscht: Dieses Blog ist mein Kanal dafür, deshalb scheint es, als ob ich mich wiederhole. Ich habe Sehnsucht nach Paris. Der April ist schon wieder so lange her. Und ganz eigentlich will ich einfach mal wieder irgendwo anders sein. Ich mag unsere Routine, aber gerade würde ein kurzes Ausbrechen so gut passen. Wünsche zum Anfassen habe ich auch: neue Bücher! Zum Beispiel Ein ganzes Leben von Robert Seethaler oder Das Leben ist gut von Alex Capus oder Becks letzter Sommer von Benedict Wells oder Die Glücklichen von Kristine Bilkau. Diese Schuhe schmachte ich schon lange an. Und ich suche noch tolle Boots und einen Wintermantel.

gedacht: Ich genieße die Elternzeit sehr. Ich lasse alles sehr ruhig angehen, stresse mich nicht und mache nur das, was mir gut tut. Mir ist nämlich bewusst, dass wir bald wieder Phasen haben werden, in denen nicht alles so magisch ist, in denen ich mit zwei Kindern heulend zu Hause sitzen werde, weil ich zu nichts komme und alles einfach nur doof läuft. Es wird Zeiten geben, in denen ich mir das Nichtstun und den vielen Freiraum zurückwünsche. Deshalb genieße ich es so sehr. Schon ab der nächsten Woche fange ich mit der Recherche für eine Hausarbeit an, in nur wenigen Wochen ist die Elternzeit meines Freundes vorbei und ich bin am Tag alleine mit den Jungs. Mir bedeutet es sehr viel, dass ich in den letzten Wochen nicht viel tun musste, sondern die freie Zeit einfach genießen konnte. Für meine Elternzeit hatte ich mir aber auch ein paar Dinge vorgenommen, die ich schon teilweise umsetze. Ich lese, wenn ich Leerlauf habe und bald beschäftige ich mich auch mit möglichen Bachelorthemen.

geärgert: Über einige wirklich wichtige Zahnarztbesuche.

gefreut: Über Geschenke zur Geburt von Paul. Jedes Mal bin ich so überrascht, wie gut mich meine Freunde kennen und dass sie mir so gut eine Freude machen können. Ach generell, meine Freunde. Immer wieder bin ich so dankbar dafür, dass ich so tolle Menschen in meinem Leben habe. Ich freue mich so sehr, dass ich Zeit zum Lesen finde und wie gefesselt Seite für Seite lese. Ich habe mich riesig über das tolle Wetter gefreut und dass wir ständig draußen sein konnten. Und ich freue mich darüber, dass Paul so ein entspanntes Baby ist.

geliebt: Die Abendsonne. Das erste Lächeln von Paul. Der große Bruder, auf den ich so stolz bin. Kaffee.

Und nun geht's auf in den Herbst! Ich wünsche euch allen einen schönen, entspannten Oktober.












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