den Augenblick erkennen, den Moment erleben

3. November 2015

"ein Hin und Her von Wörtern" // Zitate aus Martin Walsers "Das dreizehnte Kapitel"


Zum ersten Mal habe ich ein Buch von Martin Walser gelesen. Als Das dreizehnte Kapitel herauskam und ich eine positive Besprechung las, war ich sehr gespannt. Viele Monate später kaufte ich es mir.

Aber ich habe mich ein wenig durch das Buch quälen müssen. Die Sprache ist zu blumig, der Plot etwas weit hergeholt. Ein Schriftsteller sieht auf einem Event eine Theologin und ist hin und weg von dieser Frau. Er kann nicht anders und muss ihr schreiben. Beide sind verheiratet und scheinbar ganz zufrieden in der Ehe. Der Briefwechsel hält an, sie treffen sich zufällig am Flughafen und schreiben sich seit diesem Zeitpunkt Emails. Aus den Nachrichten entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik, eine Art der Beziehung.

Im letzten Drittel kam für mich dann die Erlösung: Stellen, die mir so gut gefielen.
Stellen, die ich mit euch teilen möchte.


In regelmäßigen Abständen reflektiere ich meine Ziele, die ich mit den beiden Blogs habe. Warum schreibe ich, was veröffentliche ich und was lasse ich weg, was bedeutet für mich Erfolg?

"Ich bin Schriftsteller genug, dass ich auch dann noch schreibe, wenn ich weiß oder annehmen muss, dass kein Mensch mich noch liest. Im Gegenteil, nicht mehr gelesen zu werden befreit von jener nie ganz zu überwindenden Schwäche, verständlich sein zu müssen. Ich kann Ihnen jetzt vielleicht sogar Sätze schreiben, die ich nie hätte schreiben können, wenn ich immer hätte daran denken müssen. Sie läsen diese Sätze. Tatsächlich sind wir Schriftsteller, solange wir ans Verständlichsein denken, schon halb verloren. Verständlich sein, das ist dann gleich auch annehmbar sein, zurechnungsfähig sein, brauchbar sein und so weiter. Und mit all diesen Notwendigkeiten belegt, erstirbt die Fähigkeit, dich auszudrücken, wie du es eigentlich möchtest und solltest. Und ich nehme an und hoffe, so gehe es nicht nur Schriftstellern, sondern allen Menschen. Einem anderen verständlich zu sein macht aus jedem eine schlichte oder schlechte Übersetzung dessen, was wir sind, was wir sein könnten, wenn wir einem anderen verständlich wären, ohne dass wir uns übersetzen müssten. Übersetzen in die Sprache des anderen."



Weil  ich in den letzten Wochen mehrere Interviews geführt habe und selbst gefragt wurde, ist mir diese Stelle so hängen geblieben. Im Buch hat die Veröffentlichung seines Interviews verheerende Folgen.

"Noch ein Wort zu dem mich ganz entlarvenden Interview. Zum Interview überhaupt. [...] man antwortet immer mehr, als der Fragenden wissen will. Das ist die Naivität des Gefragten. Er ist sozusagen ehrlich wider besseres Wissen. [...] Ein Interview ist immer ein Geständnis."


Und zwei Sätze, die mir sprachlich gut gefielen.

"Es war meine Einbildung. Ein Hin und Her von Wörtern, die etwas zu sein scheinen, aber nichts waren."

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