den Augenblick erkennen, den Moment erleben

29. November 2015

10 Gründe für einen Paristrip


Kann man nach dem 13.11.2015 noch über Paris schreiben? Hat die Schönheit und Magie dieser Stadt einen Knacks bekommen? 

Diesen Blogpost hatte ich am 13.11. fertiggestellt. Ich fing bereits im Sommer an, Adressen zu sammeln, weil ich diesen Artikel schon früh geplant hatte. Aber nach den furchtbaren Attentaten konnte ich ihn einfach nicht veröffentlichen. Welch ein Hohn. Würde ich denn jetzt nach Paris fahren wollen? Ich konnte zwei Wochen lang diese Frage nicht mit Ja beantworten. Wie nichtig doch all diese Wünsche und Adressen im Vergleich zu den Ereignissen waren. Und ja, ich glaube, in mir schwelte auch eine Angst. Nachdem ich aber über Instagram und den Pariser Bloggerinnen viel über die Empfindungen der Einwohner gelesen habe, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich jetzt auch wieder nach Paris fahren würde. Ja, ich hätte nun keine Angst mehr und würde die Stadt so genießen, wie sie ist. Deshalb kann ich diesen Blogpost auch heute veröffentlichen. Meine Freude über diese Stadt ist wieder da und ich möchte sie mit euch teilen. Paris, du wunderbare Stadt.


Immer ein leises Ziehen im Bauch, wenn ich an die Stadt denke, die mir meistens so fern und manchmal ganz nah ist. Dieses manchmal ist zu selten, deshalb dieses Ziehen. Und wenn ich erklären möchte, warum ich genau jetzt gerne nach Paris möchte, dann wäre es eigentlich müßig. Eigentlich. Denn mich erfüllt es mit ganz viel Freude über diese Stadt nachzudenken und zu schreiben. Es kann einfach nie genug Text über Paris geben.

Den Paristrip, den ich mir schon so lange wünsche (Könnt ihr euch an die Woche Paris in meinen Gedanken erinnern?), seit dem letzten ist schon viel zu viel Zeit vergangen.

Also, stellt euch vor, ihr seid ein paar Tage alleine in Paris, dann kommt euer Partner (oder beste Freundin) nach und dann, ganz vielleicht, seid ihr vielleicht sogar als ganze Familie in Paris. Hm, oder besser so: ein Kurztrip alleine, ein Kurztrip zu zweit, ein Kurztrip zu dritt?! Ok, dieses Ziehen kommt wieder. Meine Sehnsucht ist da Und das Wunschkarussel in Gang gesetzt. Ich lasse nun endlich mal meine Wunschvorstellungen und erzähle euch meine 10 Gründe für einen (oder zwei oder drei) Paristrip(s).



1. Ausstellungen besuchen

Kunst gucken kann man auch in vielen anderen Städten ganz gut, aber welche Stadt bietet eine schönere Kulisse, um Kunst auszustellen? Paris war im beginnenden 20. Jahrhundert das wichtigste Kunstzentrum (davor natürlich auch sehr wichtig) und ich beschäftige mich im Studium viel mit der Kunst der Moderne. Meisterwerke von Degas, Renoir und Toulouse-Lautrec wieder zu sehen, diesmal mit einem erweiterten Blick und vielen Hintergrundinformationen im Hinterkopf, das wäre was Feines. Im Musée d'Orsay findet man eine große Vielzahl an Moderner Kunst. Aber natürlich werden auch ihre Wegbereiter wie zum Beispiel Cézanne oder die französischen Realisten Courbet und Caillebotte gezeigt. Der niederländische Maler Wilhelm Hammershøi hat es mir auch angetan. Das Gemälde mit dem Titel Ruhe möchte ich mir ansehen. Ein dritter Besuch im Musée d'Orsay steht also ganz oben auf meiner Liste.

Aber auch ins Palais de Tokyo möchte ich auch wieder gehen. Dieser Kunstraum ist schon ein Erlebnis für sich. Ich verbinde auch ganz spannende Erinnerungen damit. Und deshalb lohnt sich ein Besuch, auch wenn mich die aktuellen Ausstellungen nicht gerade hineinkatapultieren. Übrigens ist die Aussicht von dort oben (und von weiter oben an der Trocadéro) auf die Stadt und vor allem auf den Eiffelturm sensationell.

Ich würde auch durch die Galerien schlendern. Hier kann man einfach mal kurz vorbeischauen, hat viel Ruhe und wird nicht mit zu viel Kunst überfordert. Meistens sind die Arbeiten auch von zeitgenössischen Künstlern. Die Galerie Bernard Bouche liegt im Marais (Rue Vieille du Temple), in einem meiner Lieblingsviertel. Die aktuelle Ausstellung mit Bernd Lohaus, Carlo Guaita, José-Pedro Croft und Gianni Caravaggio ist großartig und ich bin beim Anblick der Ausstellungsfotos ziemlich traurig, nicht bis Mitte Januar nach Paris zu kommen.

Auch der Galerie Emmanuel Perrotin in der Rue de Turenne würde ich einen Besuch abstatten. Beim letzten Mal war ich sehr von den Räumen beeindruckt. Die aktuelle Ausstellung "Paulin Paulin Paulin" würde mich sehr herausfordern.

Für Architekturbegeisterte sind Le Corbusiers Häuser die beste Vormittagsbeschäftigung. Nachdem mir die Villa La Roche und Villa Jeanneret so wunderbar gefallen hatten, möchte ich auch das Ozenfant House ansehen. Hier gibt es noch weitere Gebäude in Paris, die von Le Corbusier entworfen wurden.




2. Leckereien (ohne schlechtes Gewissen) essen

Ich schaue einfach mal nicht auf die hübschen, lässigen Französinnen, die ihren Magerjoghurt mit Diät Vanillezucker essen, sondern genieße das, was die Franzosen so besonders gut hinkriegen.

Croissants esse ich in Deutschland eigentlich (fast) gar nicht. Sie schmecken hier einfach zu wenig nach Butter, sind trocken und krümeln mich komplett ein. Aber in Frankreich sind sie sooo lecker. Der beste Snack für Zwischendurch.

Und Macarons zum Kaffee. Gut, dass ich nicht nur eine Tasse Kaffee am Tag trinke. So kann ich mich durch all die leckeren Sorten probieren. Meine Alltimfavourites sind Schokolade und Pistazie.

Also, kein schlechtes Gewissen haben und genießen!


3. Kaffee trinken

In den letzten Jahren sind so viele neue Cafés in Paris aufgepoppt, dass ich mich am liebsten sofort durch alle Cafés durchprobieren möchte und natürlich auch gleich die Kaffeebohnen kaufen will.

Das Café Kitsuné hat den perfekten Platz. Eingebettet in die Arkaden des Palais Royal (im 18. Jahrhundert war hier eine der größten französischen Kunstsammlungen untergebracht!) kann man hier seinen Kaffee genießen. Ich liebe die schwarz-weißen Säulen, die im Court des Palais hoch- und runterfahren können. Ein toller Ort zum Fotos-Schießen (siehe Punkt 7). Zum Café: das ist natürlich der Place to be. "Alle" coolen Leute sind dort. Spannend ist auch die bunte Marmorwand. Wie wohl der Kaffee schmeckt?

Auch möchte ich endlich mal im Teesalon Mamie Gâteaux (Rue du Cherche-Midi, Saint-Germain-des-Prés) einen leckeren Kuchen essen. Oder am Quai de Jemmapes, ganz in der Nähe des Canal St. Martin, im Comptoir Général unter Zimmerpflanzen einen Kaffee trinken. Oder im Marais im Fragments Paris (Rue du Tournelle) einen guten Cappuccino schlürfen.

Meine Liste an interessanten Cafés geht noch sehr viel weiter. Ich sammle schon seit Monaten Instagramfotos mit neuen Locations, die alle sehr vielversprechend wirken. (Mittlerweile sind schon über 100 Fotos in dem Ordner gespeichert.)



4. Spazieren gehen

Ein Spaziergang in Paris. Einer, der den Geist befreit. Einfach laufen, die wunderschönen Haussmann-Häuser ansehen, die Menschen beobachten und die Wolken genießen. (Die schönsten weißen und grauen Bauschewolken gibt es in Paris.) Die Füße plattlaufen und an jeder Straßenecke ein nettes Café oder eine Kirche entdecken. Auf den Bänken ausruhen, sich umgucken und träumen. Vielleicht auch die französischen Familien beobachten - machen die denn wirklich alles so viel besser als die Deutschen? (Sicherlich nicht.)

Die Métro zu nehmen, ist ein Erlebnis für sich, aber ich bin viel lieber über der Erde. Dabei bin ich zwar etwas langsamer zu Fuß, aber dafür sieht man die schöne Umgebung und manchmal eben auch die etwas hässlichen Ecken, die zu einer Stadt gehören.

Ich hätte Lust auf einen Spaziergang am Canal St. Martin. Einige Male bin ich zwar dort spazieren gegangen, aber diese Gegend hat sich in den letzten Jahren wieder stark verändert. Und im Cimetière Père Lachaise war ich auch noch nie. Für mich sind Friedhöfe nicht spooky, ich genieße einfach die Ruhe.

Das Marais ist sowieso immer toll, wobei ich da eher bummeln gehe. In Belleville fühle ich mich ein wenig zu Hause, weil ich dort bei Freunden übernachtet hatte. Eine Ecke, die etwas roh wirkt, aber sicher seinen Charme hat. Saint-Germain-des-Prés ist auch so ein Viertel, in dem ich mich wohl fühle. Dort hatte ich ein paar Mal ein kleines Appartement und konnte aus dem Fenster über die Dächer des Quartiers schauen. Obwohl es sonst ganz fancy ist, findet man hier ganz wunderbare Perlen. Und ein Spaziergang (mit Picknick) an der Seine. Oder am Eiffelturm. Das Montmartre ist super spannend und sehr facettenreich.

Und die vielen Parkanlagen sind auch sehr empfehlenswert. Zum Beispiel der Jardin des Plantes im 5. Arrondissement, der Jardin de Luxembourg im 6. (und hier etwas weiter noch den Panthéon, den Blick auf die Stadt von dort oben) und den Jardin des Tuileries. Alle sind auf ihre Weise ganz wunderbar.



5. Beauty

Geld ausgeben kann man in Paris besonders gut. Nicht nur für Kaffees und Süßigkeiten, Eintritte und Métrofahren, sondern auch für die feinen französischen Beautyprodukte. Also noch mehr Gründe, warum ich sparen muss.

Nachdem ich so begeistert von der Handcrème aus dem Hause Institut Karité bin, möchte ich gerne auch noch die anderen Crèmes und die Gesichtsmaske ausprobieren. Und weil ich so ungern online einkaufe, würde ich zum Beispiel in der Parfumerie Burdin am Gare du Nord schauen, was ich da so finde.

Es lohnt sich sehr, die Preise der Apotheken zu vergleichen. Mein liebstes Nuxe Huile Prodigieuse benutze ich sehr sparsam, weil es einen so hohen persönlichen Wert für mich hat. Aber wenn ein zweites Fläschchen, vielleicht in einer Limited Edition hier stehen würde, dann würde ich es vielleicht ein bisschen großzügiger nutzen. Ich liebe es nämlich. Es ist bombastisch für die Haut und für die Haare und es riecht ganz wunderbar. Aber auch das ganze Sortiment von Nuxe sieht vielverprechend aus.

Genauso wie bei Caudalie. Caudalie hat nicht nur ganz tolle Produkte (ich liebe das getönte Fluid), sondern auch Schönheitssalons. Sich dort mal verwöhnen lassen... Und die Crèmes, Tiegel und Fläschchen von BiodermaLe petit Marseillais oder Embryolisse. Eine Handcrème von Buly kaufen. Und dieses Waschmittel nachkaufen.

Natürlich sind das auch Apothekenprodukte, die man in Deutschland sehr gut kriegen kann, aber in Frankreich sind sie teilweise günstiger.

Die günstigste Apotheke ist übrigens die Citypharma Du Four Bonaparte in Saint-Germain-des-Prés. Dort geht es aber ab wie Schmidts Katze und ich bin beim letzten Mal aufgrund von langen Schlangen und fataler Unordentlichkeit ohne Einkauf aus dem Geschäft rausgegangen.

Luxuskosmetik kann man natürlich auch ganz wunderbar in Paris kaufen, zum Beispiel in den Galeries Lafayette, aber tatsächlich bin ich daran deutlich weniger interessiert.



6. Französische Mode

Ich habe da einen roten, wunderschönen Filzhut, der ein richtiger Glückskauf und Zufallsfund war. In einem kleinen Lädchen bei uns im Ort lag dieser rote Hut und wollte von mir gekauft werden. Ich liebe ihn. Aber ich hatte ihn noch kein einziges Mal an. Denn dieses Rot ist wirklich sehr intensiv.

Stellt euch aber mal folgende Zusammenstellung vor:
Ein gerade geschnittener, schwarzer Wollmantel (im Frühling/Herbst eine schwarze Bikerlederjacke), eine schwarzgraue Jeans, schwarze Chelseaboots mit etwas Absatz und einem gestreiften Shirt. Dazu ein Schal, dieser Hut, rot lackierte Fingernägel. Mein Outfit. Mit dem ich mich sehr französisch fühlen würde. (Warum ich das immer noch nicht angezogen habe, verstehe ich selbst nicht...)

Ok, wenn man sich aber neu einkleiden möchte und für einen besonderen Einkauf in Paris spart, dann gibt es hier ein paar Vorschläge. Mode, die manchmal nach Paris schreit und manchmal einfach aus Paris kommt.

Sézane habe ich schon lange auf meinem Radar. Selten erhalte ich Newsletter, aber diesen habe ich direkt bestellt. Und mich durch alle Seiten inklusive Instagrambilder geklickt. Ich mag es sehr. Schöne Jeans, die die perfekte Beinlänge haben, schlichte Blusen, die zu allem passen, und diese Schuhe. Das Shirt mit dem gestickten Schriftzug La Garçonne ist sicherlich auch ein Klassiker. Seit kurzer Zeit gibt es die wunderschönen Teile auch in einem Laden zu kaufen. (Rue Saint Fiacre, nahe der Grands Boulevards)

Madewell hat in einer Kolloboration mit Sézane dieses coole Shirt herausgebracht. Gesehen hatte ich es zuerst bei Garance Doré. Leider ist es mittlerweile ausverkauft.

Die Lookbooks von Balzac Paris schaue ich mir auch regelmäßig an. Der Cardigan Marius geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ein Madame Pullover von Maison Kitsuné. Oder ein schlichtes, graues Shirt mit der Aufschrift Parisienne. Oder noch schöner dieser Parisienne-Sweater.

Für Muttis wie mich ist eines der Pullover von émoi émoi perfekt. Zum Beispiel dieser mit der Aufschrift maman poule.

Und vielleicht der Klassiker von Comme des Garçons.

Der brandneue Concept Store von Smallable in St. Germain (Rue du Cherche-Midi) ist meine erste Adresse, wenn es um Kindermode geht.


Zum Stil der französischen Frauen wurde schon viel gesagt. Auch ich ließ mich zu einem Text hinreißen. Und ich habe viel darüber nachgedacht. Ob dieser Stil das Nonplusultra ist? Wie viel Individualität steckt drin und wollen wir das überhaupt? (Aber dazu ein anderes Mal.)



7. Analoge Fotos schießen

Die schönste Kulisse für Fotos bietet Paris. Muss man noch mehr sagen?! Seit ich das erste Mal alleine in der Stadt war, habe ich keine Angst mehr vor Selbstportraits :) Endlich wieder die Kamera einpacken, sich Zeit nehmen und stehen bleiben, die Momente einfangen.



8. Apéro

Und wenn es Abend wird und ich schon viele Tassen Kaffee getrunken habe, dann habe ich Lust auf einen Weißwein oder vielleicht auch mal ein Gläschen Pernod.

Ein Apéro mit Freunden zu veranstalten und in einer schicken Pariser Altbauwohnung am Glas zu nippen, nach dem Spaziergang noch in eine Bar einzukehren oder den leckeren Wein gleich im eigenen Appartement trinken, machen einfach noch mehr Spaß, wenn man in Paris ist.


10. Inspiration tanken

Vielleicht ist dieser Punkt der wichtigste auf meiner Liste. Denn das ist das Besondere an dieser Stadt. Sie inspiriert mich. Mein Kopf ist am Rattern, wenn ich durch die Straßen von Paris laufe, Fotos schieße, im Café sitze, mir die hübschen Französinnen ansehe und eine Ausstellung besuche. Und das tut gut. Das tut gut und gibt Kraft und Input für alle anderen Phasen.


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