den Augenblick erkennen, den Moment erleben

18. September 2015

Es ist wie es ist.


Es ist wie es ist.

Es ist gut. Sogar ziemlich besonders gut. Und ich bin ehrlich glücklich.


Die Semesterferien tun mir gut. Obwohl ich jeden Vormittag entweder an den Hausarbeiten schreibe oder ein schlechtes Gewissen habe, weil ich gerade nicht schreibe und dafür etwas anderes Tolles mache. Das letzte Semester dagegen war hart. Ich hatte mir zu viel vorgenommen und wollte unbedingt alles schaffen. Und manchmal war es im letzten Semester schwer für mich persönlich, weil ich Einiges zu lernen hatte.

Unzufrieden im Alltag


Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass mich Anton daran hinderte, meine Träume zu erfüllen. Dabei ist die Mama in mir eine Vollblut-Mama und ich könnte es mir überhaupt nicht vorstellen, diesen kleinen Menschen nicht mehr bei mir zu haben. Aber wenn ich an der Uni bin, dann merke ich, wie sehr ich eine Werdende-Vollblut-Kunsthistorikerin bin. Und wenn man sich das Berufsfeld Museum anschaut, dann sieht es für Mütter nicht immer ganz rosig aus.

Ich war unzufrieden, weil ich manche Dinge nicht so tun konnte wie ich wollte. Doch muss man beachten, dass ich noch nie alles geschafft habe. Es gab schon immer, auch als ich single war oder noch kein Kind hatte, viel zu viel, das mich interessierte und ich wollte am liebsten ALLES machen. Zeichnen, fotografieren, ein neues Bloglayout selbst gestalten, lernen, lesen, mehr Klavier üben, Freunde treffen, in neue Städte fahren, bummeln, trödeln, arbeiten und und und. 

Mit Kind ist der Druck noch etwas mehr gestiegen. Denn nun hatte ich tatsächlich manchmal gar keine Zeit. Anfangs schlief Anton noch viel oder konnte in der Wippe liegen, aber irgendwann, spätestens als er mit seinem Popo durch die Wohnung rutschte, musste ich ihm hinterher laufen. Jetzt erst recht, seitdem er laufen kann. Die Vormittage sind während des Semesters voll mit Uniangelegenheiten und ich bin froh, wenn ich in der Freistunde mal Bücher ausleihen kann. Nachmittags geht es dann meist ohne Pause weiter. Anton abholen, nach Hause kommen, schnell einen Kaffee trinken und dann ab auf den Spielplatz oder Freunde treffen und mit ihnen auf den Spielplatz gehen. Viel Zeit für Tätigkeiten zu Hause habe ich nicht, weil Anton seine Energie loswerden muss. Und das funktioniert am besten draußen. Warum also an einem funktionierenden System rütteln?

Prioritäten richtig setzen


Und als ich im letzten Semester mir viel zu viele spannende Veranstaltungen aufgebürdet habe und sie natürlich alle mit Bestleistungen und großer Motivation meistern wollte, merkte ich, wie schwierig das alles ist. Vormittags konzentrierte ich mich also völlig auf die Uni. Das klappte gut. Und nachmittags konzentrierte ich mich völlig auf Anton. Das klappte auch ziemlich gut. Und wann war Zeit für mich? Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Immer wieder konnte ich mich nachmittags, wenn Anton mal konzentriert mit seiner Eisenbahn spielte, an den Laptop setzen und daran arbeiten, bisschen recherchieren und bloggen. 

Für mich war wirklich der Schlüssel, mich einfach auf diese beiden Dinge zu konzentrieren, mich über die kleinen Pausen zu freuen und sie auszunutzen, auch erstmal nicht weiter darüber nachzudenken, dass ich ja ach so wenig Zeit für mich hatte. Und interessanterweise war es genau das, was mich wirklich glücklich machte. Und ich wurde ausgeglichener. 

Es ist wie es ist.


Mir ist bewusst, dass ich auch in den nächsten Semestern zwar wieder bestimmt eine sehr gute Studentin sein werde, was meine Seminar betrifft, aber dass ich darüber hinaus einfach keine oder sehr wenige Kapazitäten habe, mich eingehender mit den Themen zu beschäftigen. Wenn mir das hin und wieder gelingt, ist das ein großer Erfolg für mich. Aber ich habe akzeptiert, dass es so ist wie es ist. Ich sauge also die Informationen auf, die ich an der Uni bekomme und die ich an den Abenden vertiefen kann, aber ich belasse es dabei, dass ich nur wenige Situationen am Nachmittag haben werde, in denen ich mich mit Kunst beschäftigen kann.

Und genauso auch bei Anton. Ich genieße am Nachmittag einfach die Zeit mit ihm und konzentriere mich auf uns. Echte Qualitytime. Anton merkt es, ist viel seltener angespannt und genießt sichtlich auch die intensiven Stunden. Ich freue mich allerdings jedes Mal riesig, wenn er bei der Tagesmutter nicht geschlafen hat und am späten Abend deshalb nochmal Ruhe braucht. Juhuu! Zeit für mich. Oder wenn er ganz vertieft in seinem Zimmer spielt und ich den Haushalt ruhen lasse und etwas anderes machen kann.

Ich habe eine große Veränderung an mir gemerkt, seitdem ich meine Prioritäten so bewusst gesetzt habe. Ich bin entspannter geworden. Im Bezug auf den Alltag und im Bezug auf die Zukunft. Irgendwie bekomme ich es ja doch dann immer hin, wenigstens ab und zu zu bloggen, sehe meine Freunde regelmäßig und habe Zeit mit meiner Familie Und auch für die Zukunft bin ich mir sicher, dass alles gut bleibt und gut wird. Ich sammle so viele Informationen wie mir möglich ist und werde bestimmt auch einen Job finden, der mich glücklich macht.


Ich musste viel lernen. Ich musste lernen, zu akzeptieren, dass ich nicht alles machen kann, dass ich Prioritäten richtig setzen muss und dass es ist wie es ist. Und ich habe mich nicht nur damit abgefunden, sondern es richtig lieb gewonnen. Ich liebe das Leben, so wie ich es habe. Auch mit den Einschränkungen, die es temporär im Studium gibt. Weil ich so viel mehr habe. Ein Typ, der genau richtig ist. Ein Kind, das total cool und energiegeladen ist. Und ein Studium, das mich fordert und mir Spaß macht. Ich habe zwei projektorientierte Jobs, die mir das Gefühl geben, wirklich dabei zu sein und etwas zu machen. Natürlich auch die Blogs, die meinen Kopf ganz schön häufig rattern lassen. Und dann die Freunde, mit denen ich mich austauschen kann.

Das Leben ist doch wirklich gut, so wie es ist.


Kommentare:

  1. Was für ein wunderbarer Post. Das ist so viel Wert - zu erkennen, dass man sowieso nicht alles schaffen kann, und dass man statt einem Ideal hinterher zu hetzen vielleicht lieber das genießen sollte, was geht. Tatsächlich wirkst du in letzter Zeit bei jedem Treffen ziemlich tiefenentspannt, selbst wenn der kleine Mann einen anstrengenden Tag hat - Chapeau! Auf das niemals-ausgelernt-haben!

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