den Augenblick erkennen, den Moment erleben

20. August 2015

gelesen: 38 Hours in Paris


Ähem, ja manchmal kommt halt alles auf einmal. Und so bin ich letztens erneut auf etwas ganz Tolles gestoßen, das mit Paris zu hat. An einem faulen, freien Sonntagvormittag machte ich es mir auf der Couch bequem, trank reichlich Kaffee und nahm mir die Zeit, 38 Hours in Paris zu lesen. (Das muss an dieser Stelle wirklich erwähnt werden, weil es so selten vorkommt, dass ich einfach nur lesen kann!)

Sollte ich jemals ein eigenes Magazin über Paris machen, dann würde es wohl sehr ähnlich wie dieses Heft von 38 Hours aussehen. Nur mit weniger Mode-Themen und deutlich mehr Inhalten zur Kunstszene in der Stadt. Also, was macht dieses Magazin so besonders für mich?

Es fängt schon bei der Haptik an. Das Heft ist etwas größer als das DinA5 Format und liegt mit seinem rot-orange farbenen, glänzenden Umschlag sehr gut in meiner Hand. Die Innenseiten sind aus einem eher festen, rauhen Papier. Das fühlt sich gut an.


Als ich das Magazin aufschlage, springt mir direkt eine rot-blaue Doppelseite mit den Einleitungsworten entgegen. Paris. Die Stadt ruhte sich lange auf ihrem Image aus und erfindet sich seit den letzten Jahren neu: dieses renouveau geschieht vor allem in der kulinarischen und modischen Szene. Inhaltlich geht es im Magazin deshalb vor allem um diese zwei Schwerpunkte.

Ein paar hippe Quartiers werden mit ihren Highlights vorgestellt. Das Marais natürlich, das Belleville, South Pigalle und die Gegend um den Canal St. Martin. In zwei Aufsätzen werden die Entwicklungen der Mode- und der Foodszene erläutert. Kennt ihr schon den Ausdruck Bistronomy? Das Wort setzt sich aus den Begriffen Bistro und Gastronomy zusammen und deutet an, was gerade ziemlich gut in Paris ankommt. So gibt das erneuerte Paris sein altes Image von weißes Tischdeckchen und strenger Haute Cuisine auf und wandelt sich. Die Chefs und Sterneköche kreieren mittlerweile moderne Gerichte und mixen zum Beispiel die französischen Klassiker mit japanischen Elementen. Auch die Snackkultur verändert sich und so findet man immer mehr Auswahl an Zwischenmahlzeiten.


In den letzten Jahren habe ich selbst mitbekommen, wie stark sich die Café-Szene in Paris verändert hat. 2008 noch fand ich nur bitteren, schwarzen Kaffee in den schönen, typisch Pariser Cafés, in denen man eng beieinander an kleinen runden Kaffeetischchen sitzt und die Leute beobachtet. Die Atmosphäre ist natürlich toll und das hat auf jeden Fall Charakter. Aber guten Kaffee trinken möchte man ja auch. Aber schon ab 2009 habe ich eine starken Wandel gespürt. Plötzlich tauchten überall gute, sehr europäische Cafés auf, die sich darum bemühen, guten Kaffee zu machen. In Paris werden diese Cafés häufig Caféothèque genannt. Die Franzosen wären nicht sie, wenn sie dafür keinen eigenen Begriff einführen würden.
Im Artikel zu den Entwicklungen der Modebranche wird gefragt, warum Paris immer noch auf Platz 1 der weltweiten Modeszene steht. Das liegt daran, dass auch sie sich immer wieder neu erfindet, trotz der alteingesessenen und etablierten, großen Modehäuser. Erinnern möchte ich auch daran, dass Colette der Inbegriff des Departmentstores ist.


Portraitert werden auch fünf Personen aus der Kreativszene. Ein italienischer Architekt, den es nach Paris verschlagen hat, eine Bartenderin, die den Einkauf der Bar leitet, ein junger Typ, der ein Zeitschriften- und Tshirt-Label gegründet hat und ein Paar, das ein Creative Studio leiten
Sie erzählen von ihrem Werdegang und sprechen über ihre liebsten Adressen.

Auf den letzten Seiten findet man noch drei Hotel-Tipps, eine Liste mit allen Adressen, die nach Arrondissements sortiert sind und eine Doppelseite voller Dinge, die man anschauen, kaufen oder hören kann, wenn man noch mehr Paris-Lust hat. Ich glaube, ich sollte mir nochmal den Film Bande à part von Godard ansehen.
Dieses Magazin spiegelt sehr gut die aktuelle Entwicklungen von Paris wieder. Es ist ein Zeitzeugnis der Pariser Ess- und Modekultur und mir gefällt es sehr gut, das dokumentiert in meinen Händen zu halten.

Was bleibt also noch zu sagen?!
"Paris is the most beautiful city I have ever been to."


Und wie wär's, 38 Hours in Berlin, London oder Barcelona zu verbringen? Der Blog ist natürlich auch zu empfehlen.








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