den Augenblick erkennen, den Moment erleben

7. August 2015

die Globale im ZKM Karlsruhe


Die Stadt Karlsruhe feiert in diesem Jahr ihren 300-jähriges Geburtstag und lädt die Einwohner und Besucher zu einem langanhaltenden Fest ein. Auch die Kulturhäuser beteiligen sich. Im Rahmen der Globale finden viele Ausstellungen und Aktivitäten rund um das Zentrum für Kunst und Medientechnologie statt. 

Im Juli hatte ich ein paar Stunden Zeit, um wieder ein paar neue Ecken in Karlsruhe zu entdecken. Endlich hatte ich auch die Gelegenheit, dem ZKM einen Besuch abzustatten. Die Ausstellungen der Globale Transolar + Tetsuo Kondo und Ryoji Ikeda waren also meine Ziele an diesem Vormittag. Nachher, Anton schlief noch immer, konnte ich im Café Juli meine Gedanken und Eindrücke Revue passieren lassen.


"Schon alleine die Räume sind beeindruckend; ich trete über den Zugang der HfG in das Gebäude ein und bin direkt von der ehemaligen Munitionsfabrik fasziniert. Stahl, Steine, unglaublich hohe Wände. Studierende, die mit Ton und Holz arbeiten. Einfach so zugänglich. Ich laufe einmal quer durch das Gebäude, weil ich nicht verstehe, wie es aufgebaut ist. Die fehlende Orientierung ist nicht weiter schlimm, weil man dadurch auch Einiges entdeckt. Ich bin ganz froh, dass Anton schläft und genieße sehr bewusst. Ich bleibe im Foyer stehen und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Das Café ZetKaEm, der Bookstore, die würfelförmigen, bunten Hocker, dieses Licht. Selten habe ich so einen freundlichen Wachmann erlebt, der uns die Tür aufhält und mir dann ein paar Informationen zur Installation gibt."


"Wir haben einen guten Zeitpunkt für unseren Ausstellungsbesuch gewählt, denn der Raum ist fast leer. Nur wenige andere Besucher schauen sich zeitgleich mit mir die Installation an. Zwei große Lichthöfe. Feines Mosaikparkett, neon orange-farbene Hocker, schwarze Bänke, eine hohe Luftfeuchtigkeit, ein Geräuschpegel, immer wieder in kurzen Abständen ein Zischen. Das sind meine ersten Eindrücke. Blickt man sich um, sieht man weißen Rauch. Er kommt aus kleinen Rohren, die an den oberen Balkonen angebracht wurden. Eine wendelförmige Rampe auf einem Gerüst führt zum Zentrum der Installation. (Oder vielleicht ist sie ja selbst auch das Zentrum?) Nebelschwaden, die sich zu einer großen Wolke zusammenziehen. Den Raum vor lauter Wolke nicht mehr sehen. Es ist faszinierend und ich bleibe erstmal unten. Zu beeindruckend ist es zu beobachten, wie der ausgestoßene Rauch eine neblige Masse bildet."


"Irgendwann laufen wir auch die Rampe hoch. Mit jedem Schritt wird es spürbar wärmer, die Luft wird feuchter und nach und nach tritt man in die Wolke ein. Man ist Teil der Wolke, die Sicht ist im wahrsten Sinne des Wortes vernebelt und für kurze Zeit wird mit mulmig zumute. Denn oben angekommen gibt es keine "Erlösung", keine freie Sicht und keine klare Luft. Ich muss die Luft ausstoßen, die ich angehalten hatte, muss wieder einatmen und empfinde das als beklemmend. Nach einer kleinen Runde auf der Empore entscheide ich mich also dafür, wieder runterzugehen. Ich laufe langsam, weil ich den Übergang spüren will. Den Moment, wenn der Raum nicht mehr beklemmend ist, sondern alles wieder frei wird. Ich bin beeindruckt. Es nimmt gefangen, es macht mir eine Gänsehaut und es ergreift mich. Die Installation ist weit, sie erstreckt sich auch über den anderen Lichthof. Sie ist aber auch ganz nah; sie kommt an den Körper heran, legt sich auf ihn und kommt durch das Einatmen selbst in den Körper. 

Obwohl ich schon durch die Reportage auf arte (Metropolis vom 05.07.2015) eine Vorstellung davon hatte, was mich im ZKM erwartete, haben diese Räume eine sehr starke Räume auf mich."


"Quer durch das Haus gelaufen, komme ich zum zweiten Teil der Globale. Die Arbeit micro / macro von Ryoji Ikeda ist in drei Bereiche geteilt. 
Im ersten Raum soll man die Schuhe ausziehen, wenn man die Projektionsfläche betreten möchte. Ich lasse also mein schlafendes Kind und meine Schuhe an der Seite stehen und laufe auf das Feld. Die sehr große Fläche wird mit einer Animation bespielt, die auf "Prinzipien der Teilchenphysik und Kosmologie" basiert. Schwarz und weiße Bildfelder, Streifen, Codes und Sternbilder wechseln sich ab. Hin und wieder tauchen rote Elemente auf.

Ich schließe die Augen, ich muss mich orientieren, denn auch diese Arbeit packt mich. Die Projektionen laufen sehr schnell, alles bewegt sich, ich mich auch, mir wird beinahe schwindelig. Die Sounds verstärken den Effekt. Es ist in der Tat eine synästhetische Erfahrung. 

Die anderen beiden Räume betrete ich nur kurz, weil ich Anton nicht bei seinem Mittagsschlaf stören möchte. Aber ich habe auch genug gesehen und genug erlebt. Beide Installationen sprechen den Körper an, es geht um die eigene Bewegung im Raum und das Empfinden, um eine Entmaterialisierung des eigenen Körpers im Bezug auf etwas Unbestimmtes, Ungreifbares."


Nur noch bis Sonntag, den 09.08.2015 bzw. Dienstag, 15.09.2015 habt ihr die Möglichkeit, die beiden Ausstellungen noch zu sehen. Also auf, auf, ab ins ZKM!






















Kommentare:

  1. Ich liebe es einfach, von dir mit zu Ausstellungen genommen zu werden - so selten wie ich selbst es momentan schaffe, mir Zeit dafür zu nehmen, ist das wenigstens ein bisschen was!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach Lisa, ich freue mich so über deine Rückmeldung!

      Löschen