den Augenblick erkennen, den Moment erleben

25. Mai 2015

eine Mini-Tour durch Karlsruhe


Letzte Woche verschlug es uns für nicht einmal 24 Stunden nach Karlsruhe. Ich mag Karlsruhe. Ok, ich muss zugeben, ich kann mich von vielen Städten begeistern lassen. Denn so ein (kurzer) Städtetrip heißt nicht nur, dass ich aus Mainz raus komme (ich lebe nämlich gerne in Mainz, doch brauche ich in regelmäßigen Abständen kleine Auszeiten von diesem Ort), er befreit auch meinen Geist und bringt mir neue Inspiration. Wenn ein paar Eckpunkte stimmen, genieße ich es also sehr, eine "neue" Stadt zu entdecken. Es gibt andere Eindrücke, neue Cafés, neue Menschen, Ecken und Galerien, die man zuvor noch nicht gesehen hat. Und kennt ihr das Gefühl, sich selbst an diesen neuen Ort zu positionieren, zu überlegen, ob ihr vielleicht auch hier wohnen könntet? Ein Leben in einer fremden Stadt, man romantisiert die erlebten Momente und denkt sich in ein anderes Leben ein. Das ist meine melancholische Seite. Aber nur für einen Augenblick und dann bin ich wieder im Hier und Jetzt, in meinem guten Leben in Mainz und dem Städtetrip in der anderen Stadt.


Ich habe meine eigene kleine Geschichte zu Karlsruhe. Vor einigen Jahren besuchten wir einen Freund in seiner unheimlich coolen WG. Das Bett bestand aus Paletten und einer Matratze, der Schrank aus Röhren, die von der Decke hingen, die Küche hatte schwarze Wände und es gab extrem guten Kaffee aus der Siebträgermaschine. Für mich war es etwas ganz Besonderes, ich hatte ein ganz bestimmtes Lebensgefühl, das war "quality time". Ich lebte zu diesem Zeitpunkt noch in Aschaffenburg und war noch nicht so oft rausgekommen. Und damals lief ich das erste Mal durch Karlsruhe, trank Cocktails und Kaffee. Auch bei den anderen Besuchen genoss ich die Zeit sehr. Schwanger schaute ich mir an einem Sommertag die Jahresausstellung der Kunststudierenden in der Kunsthochschule und auf Schloss Scheibenhardt an. Was für wunderbare Räume! Ich besuchte eine gute Freundin und ihr schon ein paar Wochen altes Baby und fand es so schön, gemeinsam spazieren zu gehen. An einem anderen Tag trafen wir die beiden in der Kunsthalle (Degas-Ausstellung). Wir hatten nicht viel Zeit, aber diese Stunde lohnte sich sehr. Im März verbrachte ich fünf unglaublich spannende Tage in Karlsruhe, als ich im Badischen Landesmuseum auf einer Fortbildung war. Wie soll man denn das Gefühl beschreiben, wenn man nach über einem Jahr wieder fünf Tage am Stück alleine ist? Und mit bester Begleitung und tollem Programm? (Aber ich habe meine Männer trotzdem sehr vermisst!) Und nun hatten wir glücklicherweise wieder die Gelegenheit, nach Karlsruhe zu fahren.


Nach einem sehr großartigen Abend im Rahmen eines Geschäftstermins, einer Nacht in der Suite des Hotels und einem entspannten und leckeren Frühstück fuhren wir ins Zentrum. Anton und ich hatten an diesem Vormittag nur wenige Stunden, die wir verbummeln konnten. Meinen uni-freier Tag nutzte ich ausnahmsweise mal nicht zum Lernen, sondern genoss ihn unter der Sonne mit lieben Menschen und viel Kaffee.


Kommt ihr mit auf unsere kleine Tour? Wir haben nicht viel gesehen und wenig gemacht, aber diese Stunden waren ganz großartig.

Unser Startpunkt ist der Friedrichsplatz. Direkt vor dem Naturkundemuseums erstreckt sich diese kleine begrünte Fläche mit Brunnen und Fontäne. Wir haben Glück mit dem Wetter; die Sonne scheint und es gibt noch eine leichte Morgenfrische. Unsere Mini-Tour führt uns in die Erbprinzenstraße. Auf der rechten Seite gibt es ein Einkaufszentrum und gegenüber steht die IHK, in deren großen Garten wir am Abend zuvor bei einer Feier leckeren Weißwein getrunken haben. Ein schöner Abend war das. Und während ich noch darüber nachdenke, überqueren wir schon den Rondellplatz, der gerade von einer Baustelle überbaut ist. In Karlsruhe gibt es gerade überall Baustellen. Wirklich überall. Bis wohl 2020 soll ein großes unterirdisches U-Bahn-System aufgebaut werden. Schade, dass die Stadt zu ihrem 300-jährigen Geburtstag von Baustellen übersät ist. (Es gibt sogar schon Postkarten, auf denen die Baustellen als Symbol für die Stadt gelten.) Nun kommen wir in die Markgrafenstraße. Es stehen zwei Polizeiautos auf dem Seitenstreifen und Anton freut sich riesig. Tatuutata. Wir bleiben für ein paar Minuten stehen und beobachten die Autos. Kurz darauf wird die Straße von der Kreuzstraße gekreuzt. Wir hören tobende Kinder, die gerade im Hof der Schule Pause machen. Auf der anderen Seite gibt es eine kleine Galerie eines Fotografen, in die ich hineinspähe. In dieser Straße gibt es viele Fensterläden, die noch geschlossen sind. Mir hat es vor allem das grüne Haus angetan und ich mache Fotos von und mit Anton. Ganz nah bei uns sitzen einige Leute auf den Vorsprüngen der Fensterläden oder auf kleinen Hockern auf dem Gehsteig. Wir nähern uns diesem Ort und sehen ein sehr kleines und wirklich feines italienisches Café. Es scheint ein It-Place zu sein. Man steht dicht gedrängt im kleinen Raum, unterhält sich mit dem Nachbarn, trinkt seinen Espresso. Ich weiß, dass wir hier im Café Stazione  eigentlich verweilen müssten, aber mich drängt es raus. Ich möchte noch spazieren gehen, bevor wir unsere Freundin treffen. Deshalb bekomme ich (widerwillig mit Humor) einen Coffee to go, dränge mich an den hippen Menschen vorbei und laufe zurück auf die Markgrafenstraße. Dort erlebe ich einen besonderen Aha-Moment. Ich erkenne eine rote Tür wieder, die ich vor vielen Jahren schon einmal gesehen und betreten habe. Hier ist Carlos Cocktailbar, in der ich zum ersten Mal einen Monkey47 getrunken habe. Jetzt füllen sich langsam wieder die Lücken und ich versuche meine Erinnerungen zusammenzusetzen. Nur wenige Schritte weiter sitzen vor dem Café Bohne junge Menschen und genießen die Sonne. Noch mit dem Kaffee in der Hand, entschließe ich mich, weiterzugehen. Wir bleiben auch nicht am Lidellplatz stehen, obwohl es hier einen Spielplatz und einen Bücherschrank gibt. Anton und ich laufen ein bisschen weiter und entscheiden uns spontan, nach links in die Adlerstraße zu gehen. Eine Frau kommt auf uns zu und fragt, wie alt Anton denn sei. Er sei ja schon so groß. Und so freundlich. Sie würde bald die Kinder ihrer Nichte sehen, die eineinhalb und drei Jahre alt sind. Die Straße ist nicht sehr schön, aber das stört auch nicht. Ich möchte Anton vor zwei an die Wand gesprühte Menschenfiguren fotografieren und er rennt mir davon, am liebsten auf die Straße. Wir nähern uns dem Schloss. Oh, dieses wunderschöne Schloss, das morgens von der Sonne angestrahlt wird. Es bleibt zu wenig Zeit, um ins Badische Landesmuseum zu gehen. Wir bleiben auf dem Schlossplatz, jagen Tauben und machen Fotos. Und schon gehen wir die gleiche Strecke wieder zurück. Unsere gute Freundin wartet schon auf uns am Lidellplatz und führt uns in einen Hinterhof. Unter der Hausnummer 23 der Steinstraße vertecken sich nicht nur einige Ateliers und ein Fahrradreparaturladen, sondern auch das Café Palaver. Ich bin ganz begeistert von diesem Café, das sehr familienfreundlich ist. Es gibt eine Spielecke, für die sich Anton leider kaum interessiert, einen Wintergarten und einen großen Hof. Anton ist total aktiv und läuft ständig hin und her. Ich komme kaum zur Ruhe, aber es ist dennoch schön, dass ich meine Freundin wieder sehen kann. Nach dem Kaffee entscheiden wir uns, spazieren zu gehen. Anton schläft direkt ein und ich genieße diese Ruhe. Wir können uns nun besser auf uns konzentrieren. Nach nur wenigen Schritten haben wir Lust, im Café Stazione einzukehren. Wieder einmal. Wir finden einen schönen Platz in der Sonne auf dem Gehsteig. Beim Bestellen plaudern ich mit dem Barista und kaufe Bohnen für zu Hause. Wie ich mich auf diesen Kaffee freue. Meine Freundin und ich haben Zeit, um uns auszutauschen. Es tut so gut. (Das Einzige, was an unserer Freundschaft stört, ist die Entfernung!) Wir reden und reden, die Zeit verfliegt dann doch viel zu schnell, wir müssen schon wieder aufbrechen. Am Friedrichsplatz treffen wir meinen Freund. Er hat mir wunderschöne Ranunkeln gekauft. Schon müssen wir au revoir sagen und können uns auf das nächste Mal freuen.


Die Stunden in Karlsruhe sind immer schön, sie sind von lieben Begegnungen, Kunst und Kaffee geprägt und bleiben so gut in Erinnerung. Kennt ihr das auch? Dieses gute Gefühl, wenn ihr an eine Stadt denkt?















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen