den Augenblick erkennen, den Moment erleben

6. August 2014

Sommertage


Der Sommer macht komische Sachen mit mir. Wahrscheinlich trägt das plötzliche Zeit-Vakuum auch seinen Teil dazu bei. Ich muss an unbeschwerte Abende am Rhein denken, an vergangene Sommer, mit Tagen, die von einer ganz eigentümlichen Leichtigkeit geprägt waren. Wenn ich tiefer grabe, dann sehe ich aber, wie stark mich die warmen Zeiten träge machten, wie viel Herzschmerz ich manchmal hatte und dass auch so etwas wie Langeweile aufkam.

Dieser Sommer ist so völlig anders. Die lauen Sommernächte können höchstens im Beisein von lästigen Wespen auf dem Balkon erfahren werden. Und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Glas Wein vor 20 Uhr am Rheinufer getrunken habe. Ach, stimmt ja, vorletztes Jahr. Unser Baby bestimmt einen Großteil unseres Alltags. Ich erlebte den Sommer also tagsüber, draußen im Garten oder auf dem Spielplatz, auch am Rheinufer, aber mit Kaffee in der Hand.

Um meiner Melancholie ein wenig zu entkommen, habe ich eine großartige Liste zusammengestellt mit Dingen, die ich unbedingt in meiner freien Zeit erleben oder machen möchte. Vieles davon ist ganz unspektakulär, aber nach Monaten ohne ausreichende me-time (es gab natürlich immer wieder Zeiten, doch wenn das Baby krank ist, freut man sich manchmal einfach über einen ruhigen Abend), genieße ich jede Kleinigkeit: Zeit für DIY-Projekte haben und diese dann fotografieren, einen neuen Stempel schnitzen, Urlaubshotelüberblickslisten erstellen, auf dem Markt mit einer Freundin frühstücken.

Ich merke immer wieder, dass ich selbst meine freie Zeit "planen" muss, damit ich sie sinnvoll nutzen kann. Erst wenn ich sie geplant habe, kann ich mir Freiräume zum Faulenzen einräumen und sie auch wirklich genießen. Sonst komme ich am Ende des Sommers an den Punkt, an dem wieder viel zu viele Dinge unangetastet liegen geblieben sind.

Bisher hat es prima geklappt, jeden Tag mindestens einen unangenehmen und einen schönen Punkt auf meiner Liste abzuhaken. Das aktiviert mich, macht gute Laune und gibt mir Energie. Glücklicherweise schläft mein Bub morgens etwas länger.


Es ist 11:30 Uhr.

nun ja
- Urlaubshotelübersicht erstellt
- Küche aufgeräumt
- Antons Mittagessen gekocht
- Kinderwagen sauber gemacht
- zwei Kitas geantwortet
- Einkaufsliste erstellt
- nichts gegessen

yeah
- mit der Kamera gewerkelt
- Fotospot in der Wohnung gefunden
- Geschenkpapier bestempelt
- Blogposts geschrieben und vorbereitet
- Instagram durchgesehen
- Termin für Pediküre ausgemacht

Kommentare:

  1. Liebe Betsi,

    ich kann das sehr gut nachvollziehen... ein Baby oder auch Kleinkind, hält einen einfach in Schach und man ist froh über jedes bisschen Zeit, dass man für sich hat.
    Listen sind absolut mein Ding zur Selbstorganisation. Ich will mir auch noch eine Liste mit Dingen schreiben, die ich diesen Sommer unbedingt noch machen möchte.
    Dann wird abgearbeitet.Neulich war ich übrigens in Mainz, ein Konzert im Rahmen des RGMF in der Rheingoldhalle besuchen. danach im HeiligGeist. Hat mir richtig gut gefallen. Schön ist es in Mainz.

    Viele Grüße aus Frankfurt,
    Antje

    Liebe Grüße,
    Antje

    greenpinkorange.com

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    1. Liebe Antje,
      ja, Listen regieren das Leben ;-) Oder so ähnlich. Gut, dass du das verstehst. Ich habe zwar auch immer alles im Kopf, aber ich brauche es zusätzlich noch einmal auf Papier, ganz geordnet. Dann kann ich auch besser priorisieren.
      Wenn du das nächste Mal in Mainz bist und Zeit hast, dann melde dich. Mainz ist "nett" ;-) Und/Aber ich liebe es hier und bin sehr froh, dass mich mein Leber hierher verschlagen hat.
      Im Gegenzug bin ich ja ein Frankfurt-Fan.
      Beste Grüße!
      Bettina

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  2. Wenn das mit dem Genießen manchmal nicht ohne Plan funktioniert, dann muss man eben planen. Du machst es richtig: Anpacken, statt zu mosern. Und auf die Blogposts freue ich mich jetzt schon! :)

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    1. Ja, und es klappt tatsächlich richtig gut!

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