den Augenblick erkennen, den Moment erleben

22. Juni 2014

ausgestellt: Esprit Montmartre in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Bohème. Paris. Um 1900.
Klingt toll, oder? Bei diesen drei Begriffen bilden sich direkt einige Assoziationen und mein Herz schlägt ein bisschen stärker. Dass ich das Pochen dann knapp zwei Stunden aushalten sollte, lag an einer sehr gelungen Ausstellung.

Bis zum 01.06.2014 lief in der Schirn die Ausstellung "Esprit Montmartre" und wir schafften es leider erst am allerletzten Tag dorthin. Leider, weil ich mir sonst gerne die Ausstellung noch ein zweites Mal angesehen hätte. Sie ist umfangreich und spannend.

Allein schon als ich den Titel der Ausstellung hörte, war ich bereits hellhörig. Natürlich. Aber auch die Kunst um 1900 mag ich sehr gern. Es war so eine produktive Zeit, auch den gesellschaftlichen Veränderungen geschuldet, gepaart mit einer mondänen Pariser Gesellschaft. Immer wieder entdecke ich für mich neue Künstler, sehe unbekannte Werke, verliebe mich neu in die Stadt.

Der Besuch in der Schirn war also obligatorisch. Viel zu viele Besucher waren da (die Schirn verzeichnete sogar einen Besucherstrom-Rekord für diese Ausstellung), was auch zu erwarten war, und wir mussten uns mit unserem Kinderwagen einen Weg bahnen. Sehr viele Bilder auf kleinem Raum, wenig Möglichkeiten, um Abstand zu nehmen und die Gesamtheit zu betrachten. Ein tolles, kräftiges, energisches Rot als Wandfarbe.
Der erste Raum, ein wenig abgegrenzt von dem schlauchförmigen, in der Mitte durch eine langgezogene Ausstellungswand getrennten Raum, zeigt das Viertel Montmartre als dörfliches Paris. Es geht um die Jahre 1885 bis 1914. In den Straßen um die neu gebaute Sacré Coeur versammelten sich Künstler, Dichter, Literaten und Musiker; alle ehemals aus großbürgerlichem Haus, dem mondänen Pariser Leben entflohen. Nun bildeten sie auf dem Montmartre einen eigenen Mikrokosmos, ein künstlerisches Zentrum. Die Verortung findet auch über eine Stadtkarte in der Rotunde statt. Alle Wirkungsstätten sind gekennzeichnet und außerdem kann man die Biographien der Künstler lesen. Man erkennt sofort die besondere Dichte und somit auch die Bedeutung dieser Jahrzehnte.

Die Künstler, die freiwillig unfreiwillige Außenseiter wurden, wie die Schirn es beschreibt, lebten also in ärmlichen Verhältnissen und kamen mit einer ganz anderen Welt in Kontakt. Ihre Werke erzählen deshalb Geschichten von Tänzerinnen und Prostituierten, die gleichzeitig als Musen dienten, von den Cafés und Varietés als Wirkungsorten und der Traumwelt Zirkus. Man versteht, wie das Netzwerk von Künstlern und Kunsthändler zu Stande kam, jeder kannte jeden, wie eben in einem typischen Dorf.

Einige der wichtigsten Künstler dieser Zeit sind Kees van Dongen, den ich erst über diese Ausstellung so richtig "entdeckt" habe, Edgar Degas, Bierre Bonnard, Vincent van Gogh, Pablo Picasse, Henri de Toulouse-Lautrec, Suzanne Valadon, Max Jacob usw.

Ich habe sehr viele Arbeiten zum ersten Mal gesehen, Kees van Dongen gefällt mir besonders gut und ich stand einige Zeit vor der Karte in der Rotunde und suchte alle bekannten Straßen ab. Begeistert hat mich auch die Kooperation mit einigen Bloggern: "Les Bloggers de Montmartre", in der einige Blogger ihre individuelle Ansicht zu dem Thema teilen.

Die Fotos sind leider nur mit dem Handy entstanden, daher am besten auf die Schirn klicken und dort die gute Pressefotos ansehen!

















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