den Augenblick erkennen, den Moment erleben

28. Januar 2014

CopyCat



In den letzten Wochen beschäftigt mich das Thema Urheberrechtsverletzungen und Kopieren und Klauen von Gedankengut und kreativen Ideen.

Wenn man online aktiv ist oder bloggt, bietet man immer eine Angriffsfläche. Man stellt seine Ansichten auf die Welt dar oder zeigt einen Teil seiner Person; und wie das gezeigt wird und das, was gezeigt wird, gefällt vielleicht nicht jedem. Das eine Extrem sind wohl negative Kommentare. Das andere Extrem sind Leser oder Nutzer, die die Informationen zu ihrem Vorteil und zum Nachteil des Urhebers nutzen. Hier soll es nur um das zweite gehen.

Wie gesagt, jeder Onliner geht das Risiko ein, dass seine Ideen geklaut werden. Man kann kaum kontrollieren, was die Leser mit den Informationen machen. Wenn man eine große Öffentlichkeit erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass es jemanden gibt, der einem nachmacht.

In den letzten Wochen habe ich von vier Fällen erfahren, in denen Gedankengut bzw. kreative Ideen offensichtlich geklaut wurden. Chloé Fleury zum Beispiel, die wunderschön mit Papier arbeitet, berichtet hier, wie sie kopiert wird. Auf den Vergleichsbildern sieht man deutlich, dass die Arbeiten zwar nicht komplett imitiert wurden, aber dass sich zu viele Details ähneln, als dass es nicht geklaut sein könnte. Chloés Bilder sind dabei die bessere Version.

In den Weihnachtsferien wurde im Fernsehen von der Illustratorin Ina Kappes berichtet, deren Urheberrechte vom Coppenrath-Verlag (wohl/wahrscheinlich/vermutlich) verletzt wurden. Sie hatte ein Kindermalbuch entwickelt (z.B. Berlin zum Ausmalen), in dem man verschiedene Sightseeing-Punkte einer Stadt ausmalen kann. Sie wurde von einem Verlag angesprochen, sie schickte ihre Entwürfe, es gab sogar schon Verhandlungen und irgendwann wurde sie trotzdem abgewiesen. Kurze Zeit später erschien in diesem Verlag ein sehr ähnliches Buch einer anderen Autorin. Die Objekte sowie der Zeichenstil ähneln sich sehr stark. Selbst der Aufbau entspricht fast genau dem Original.

Auch andischu, die seit Jahren wunderbare, kleine Stempel herstellt, stellte einen Artikel der Süddeutschen Zeitung auf ihre Homepage. Zum Einen wird die Geschichte um Ina Kappes nochmal beschrieben, zum Anderen erlebte auch Andrea, dass ehemalige Kunden ihre Arbeiten kopierten.

Auf Instagram stieß ich letzte Woche auf eine amerikanische Illustratorin (deren Account oder Namen ich nicht mehr weiß...), die von einer afrikanischen Bekleidungsfirma beklaut wurde. Eines ihrer Bilder wurde auf Tshirts gedruckt, die nun verkauft werden und der Bekleidungsfirma Profit einbringen.

Ich bin ziemlich entrüstet, dass Menschen wirklich so dreist sind und Andere berauben. Das Internet macht es ihnen einfach und leider sind die Regelungen zum Urheberrecht auch nicht immer eindeutig.

Ich sehe natürlich auch ständig Bilder und Ideen, die ich bei Bedarf "nachbasteln" möchte. Nicht umsonst kann man auf Pinterest Boards anlegen. Das Netz bietet eben unglaubliche Inspirationsquellen. Zwei Dinge sind mir bezüglich des Ideen-Klaus wichtig geworden. Es ist eine Frechheit, wenn geklautes Gut kommerziell genutzt wird. Bei privaten Zwecken finde ich sinnvoll und fair, dass man die Ideen als übernommen kennzeichnet. Sobald man die "Arbeit" ins Netz stellt, ist es doch ein Leichtes, eine Verlinkung zur Ausgangsperson zu erstellen und ihr damit ein bisschen Anerkennung und Dank entgegenzubringen, die Arbeit zu honorieren.

Als ich das schöne, selbstgebastelte Mobilé von mädchen blogt sah, inspirierte es mich stark. Ihre Idee entwickelte ich weiter und das Ergebnis sah dann ähnlich und doch irgendwie anders aus. Mir war es aber wichtig, sie zu markieren, denn ohne ihre Anleitung hätte ich wohl nie ein Mobilé selbst gebastelt.

Es gibt im Netz auch ganz wundervolle Beispiele von Frauen, die ihre Arbeiten (Arbeiten im weitesten Sinn) zeigen und ihren Lesern die Templates, Adressen und Ideen zur Verfügung stellen. Man schaue sich nur Fräulein Klein oder pinke pank an.

Vor einigen Wochen lud ich auf Instagram eine von mir gebastelte Karte hoch. Die Karte war für private Zwecke und mit Liebe gemacht, keine große Sache. Ein paar Tage später sah ich in meinem Instagram Feed eine Karte, die mich stutzen ließ. Form, Schriftzug, Material und Band hatte ich schon einmal gesehen. Das war eine Kopie meiner Karte. Natürlich ist das jetzt kein riesen Drama, es ist nur eine Karte, die privat verschenkt wird. Aber es ließ mich dennoch stutzen. Vor allem, weil sie so gedankenlos und wenig individuell kopiert wurde. Letzten Endes ist es nicht so wichtig. Wahrscheinlich hätte ich kein einziges Mal über diesen "Vorfall" nachgedacht, hätte die Person mir geschrieben: "Das ist ja eine gute Idee, ich probiere es auch mal." Vielmehr hätte ich mich darüber gefreut, dass das Foto jemanden inspirieren konnte.

Die verschiedenen Vorfälle in der letzten Zeit haben mir wieder vor Augen geführt, wie schwierig und heikel das Veröffentlichen von Gedankengut ist. Ich bin froh, dass viele kreative Menschen trotzdem publizieren. In Zukunft möchte ich noch bewusster die Arbeiten der Blogger/innen honorieren und meine Wertschätzung weitergeben.

À propos, schon vor 500 Jahren gab es bekannte Urheberstreitigkeiten. Nicht umsonst entwickelte Dürer das Zeichen AD, das sich dann als Marke entwickelte. In der aktuellen Dürer-Austellung im Städel kann man einen Einblick davon bekommen.

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