den Augenblick erkennen, den Moment erleben

1. Dezember 2013

encore une fois - Paris IV

Die Handykamera ist zwar noch lange kein Ersatz für eine Spiegelreflexkamera, aber mittlerweile für mich ein Kompromiss, wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin. Dann packe ich eventuell noch eine analoge Kamera mit ein, aber mehr Gewichte möchte ich nicht mit mir herumtragen. Dabei ist klar, dass die Bildqualität deutlich leidet.

Kurz vor dem Paris-Trip bekam ich ein neues Handy, das einem Eignungstest unterzogen wurde. Es gibt auf jeden Fall sehr viel bessere Handykameras, aber es macht mir Spaß, mit dem Handy schnell und einfach den Alltag dokumentieren zu können.  

Hier einige Fotos aus Paris mit einem tagebuchähnlichen Bericht, wobei noch viel mehr gesehen wurde und passiert ist.

Ausblick aus dem Appartement im 6ième


Am ersten Tag schlenderte ich durch das altbekannte Saint Germain, etwas ziellos, einfach, um Paris wieder zu fühlen und zu riechen, ein erstes Croissant auf der Place St. Sulpice zu essen, dabei sich fotografierende Japanerinnen zu beobachten und das gute Wetter zu genießen.





Ich liebe diese Wohnung. Nachdem ich im Sommer 2011 das Appartement für zehn Tage bezog, lernte ich im Herbst 2011 die Vermieterin bei einer Tasse Grünem Tee kennen. Katherine ist Kanadierin und studierte Kunstgeschichte an der Sorbonne. Ihren portugiesischen Mann hat sie während des Studiums kennengelernt und nun wohnen sie das halbe Jahr in Paris in diesem hübschen Appartement und das andere halbe Jahr in Lissabon. Als ich dieses Jahr wieder ihre Wohnung mieten konnte, war das Ankommen wie ein Heimkommen. Ich hatte kein schickes Hotelzimmer, sondern eine mir bekannte, liebevoll eingerichtete Wohnung, in der ich kochen konnte, Internet hatte, die Gegend sehr gut kannte und immer wieder zurückkehren konnte und wollte.

Ich mag zwar das Métro-Fahren nicht so gerne, aber die Métro-Stationen finde ich spannend. Bei dieser Haltestelle denke ich immer an dieses Bild von Caro.

Fotos von der leicht tristen, aber spannenden Gegend um Belleville habe ich schon gezeigt. Am zweiten Tag war es trüb und verregnet, aber das war gar nicht schlimm. Ich besuchte meine Freundin Béa in ihrer Wohnung. Letztes Jahr im Sommer beherbergte sie mich freundlicherweise für ein Wochenende in ihrem 1-Zimmer-Appartement. Ich wurde und war völlig entschleunigt. Manchmal gibt es Momente, in denen will und gefühlt muss ich Einiges erledigen, habe keine Zeit, um mich umzuschauen und möchte Dinge abhaken können. In Paris zu sein, macht mich teilweise frei davon. Ich weiß, ich werde immer wieder zurückkehren. Und wenn ich das Eine nicht schaffe, dann schaue ich es mir beim nächsten Mal an. Ich habe kein Problem damit, mich zu verlaufen, wenn ich in dieser Zeit interessante Orte oder Menschen gesehen habe oder einem wichtigen Gedanken nachgehen konnte. In Paris habe ich auch kein Problem damit, wenn ich morgens eine Stunde länger in der Wohnung bleibe, ich fühle mich vielmehr wie "zu Hause". Béa war noch nicht fertig als ich kam, aber auch das störte mich nicht. Ich hatte kein Zeitdruck und ich konnte mich einfach darüber freuen, dass wir uns nach etwas weniger als einem Jahr wieder treffen konnten.

Auf dem Weg ins Café trafen wir auf Béas Ex-Freund. Ich hatte ihn zeitgleich mit Béa im Sommer 2008 kennengelernt. Ich kenne kaum Menschen in Paris - und dann trifft man zufällig auf einen. 

Wir sind in einem Café oberhalb des Parc de Belleville frühstücken gegangen. Ich holte mir beim Bäcker gegenüber ein herrliches Croissant und genoss es sehr, mit Béa wieder zu sprechen. Stunden vergingen :) Am frühen Nachmittag ist sie in Urlaub gefahren. Ich hatte ihr noch beim Packen zugesehen oder geholfen und begleitete sie bis zu ihren Miturlaubern. 

Eine Nachricht aus der Heimat ließ meine Laune für eine Busfahrt quer über die Stadt lang in den Keller sinken. Ich war aber auch unterzuckert und hatte ziemlichen Hunger. Kurz zu Hause zu sein und zu essen, gab mir neue Energie und ich machte mich auf den Weg in die Gegend rund um l'Opéra. Hier war ich das letzte Mal vor Jahren, das Wetter war nun prima. Ich bummelte in den Läden, kaufte den ersten Body für den Buben, schaute mir die tollen Schaufenster der Galeries Lafayette an, staunte wieder über die Department Stores, lief zum Gare Saint Lazare, dann über die Madeleine zur Place de la Concorde.










Wunderschönstes Wetter, blauer Himmel mit vielen, auch grauen Wolken. Das liebe ich an Paris. 
Ich machte eine lange Selbstportrait-Session vor den Toren des Jardin des Tuileries (das ist ein Vorteil, wenn man alleine reist, ha!), freute mich über den Regenbogen, über den Eiffelturm und den Fahrstil der Franzosen.
Ich bin sehr gerne im Jardin des Tuileries. Es war Zeit für eine Ruhepause und so genoss ich die letzte Sonnenzeit und den wunderschönen -untergang auf einem der grünen Metallstühle an einer Fontäne. Diesen Moment hätte ich sehr gerne mit meinem Freund geteilt. Es bedeutete mir viel, an so einem schönen Ort zu sein, wirklich Ruhe zu haben und die Augen zu schließen oder mich umzuschauen. Endlich hatte ich auch Zeit, um in mein Journal zu schreiben. Bis ein Backpacker neben mir, der auch in ein Büchlein schrieb, mich anquatschte und anscheinend ein starkes Gesprächsbedürfnis hatte :) Ich klappte also mein Journal wieder zu und wir unterhielten uns über Paris, Berlin und Barcelona.

Ich mag die Fliesen an der Métro-Station Concorde.

Am dritten Tag kaufte ich eine Eintagesfahrkarte für das Vélib'. Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Saint Georges im 9. Arrondissement. Ein bisschen musste ich dann noch laufen und suchen bis ich das Musée national Gustave-Moreau fand. Die Räume sowie die Hängung fand ich spannender als die Arbeiten, aber es tat gut, sich Zeit zu nehmen und die Bilder andächtig zu betrachten.  



Danach lief ich durch die Gegend. Das war wohl der schönste Spaziergang in diesem Urlaub. Zuerst wollte ich einen Kaffee trinken. Irgendwo auf meiner to-do-Liste stand noch das Restaurant La Maison Mère. Kann ich empfehlen. Ziemlich hipp und amerikanisch. Dann zog es mich den Berg hinauf, von Pigalle hoch auf den Montmartre, nicht nur auf den ganz typischen Touri-Straßen, sondern auch die kleinen Gassen. Trotz jour férié waren einige Läden offen und so kaufte ich in einem Vintageladen einen Rock, den ich in der Schwangerschaft ganz häufig getragen habe. Zum ersten Mal habe ich die mur des je t'aime an der Haltestelle Abbesses gesehen und dabei war ich schon so häufig dort. Die Eglise Saint Jean de Monmartre gegenüber von der Métro-Station ist auch schön anzusehen. 
Meine Tour führte mich u. a. von der Rue des Martyrs über Rue Lepic, Rue Yvonne Le Lac, die Bäckerei an der Rue d'Orsil, einigen Vintageläden, der Moulin de la Gallette, dem Square Suzanne-Buisson, über Place Dalida, Rue Cortot zur Sacré Coeur. Dann runter zum  Marché Saint-Pierre mit der unglaublich großen Auswahl an Stoffen bis zur Métro-Station Barbès-Rochechouart (diese Gegend ist aber nicht interessant), weiter zur Rue du Faubourg, Rue la Fayette. Mit dem Vélib' von hier aus über St. Lazare, l'Opéra, Bourse, Rue de Richelieu bis zu Les Halles. Hier war ich kurz bummeln, weil ich eine Schwangerschaftsjeans suchte, bin fündig geworden und dann ging es nach einem langen Tag heim.

Bei einem Cappuccino lernte ich doch tatsächlich für meine mündliche Abiprüfung.





die Moulin de la Galette

Macarons und Croissants in einer sehr guten Bäckerei an der Ecke der rue d'Orsil gekauft und im Mini-Park namens Square Suzanne-Buisson gegessen










Am nächsten Morgen sehr früh aufgestanden und mich auf dem Weg gemacht. Ziel war im 16ième die Métro-Station Jasmin. In dieser Gegend und in diesem Arrondissement war ich vorher noch nicht. Die Architektur ist anders, vielleicht nobler, weniger schön, ruhiger als in anderen Stadtteilen, und dennoch ist es ganz eindeutig Paris. 
Am Ende einer Rue privée steht die Fondation Le Corbusier. Ich bin ein großer Fan von diesem Architekten und wollte gerne die Zeit nutzen, ein weiteres Haus von ihm zu sehen. Das war ein Volltreffer! Diese Formen und Farben, diese Ruhe. Bald folgen die analogen Fotos!
Anschließend bin ich ins 3ième gefahren, weil ich in einige Galerien gehen wollte. Beeindruckt war ich von den Räumen der Galerie Emmanuel Perrotin in der Rue de Turenne. Leider hatte das Café Le Mary Celeste zu, von dem ich schon sehr viel Positives gelesen hatte, und blöderweise konnte ich das das Café Pinson nicht finden (jetzt weiß ich, wo es ist). Ich statte dem merci Conceptstore und dem tollen Old Book Café einen Besuch ab, trank dort eine sehr leckere Limonade, schaute bei Bonton vorbei, die extrem hübsche Kinderkleidung haben und suchte eine Boutique Emmaüs auf. An der Ecke bei Bonton gibt es übrigens sehr leckere Croissants für 1,10 €.




Am Freitagabend holte ich meinen Freund vom Gare de l'Est ab. Große Wiedersehensfreude. Wir kochten erstmal was Leckeres und gingen dann in Saint Germain und im Quartier Latin spazieren und schauten uns die Nôtre Dame bei Nacht an.

Weil mir das Montmartre am Vortag so gut gefiel, machten wir dann gemeinsam eine ähnliche Tour. Der Blick über die Stadt von der Sacré-Coeur aus ist schon besonders schön. Wir flanierten viel, fuhren mit der Métro ins 3. Arrondissement und tranken irgendwo in einem Café einen Cappuccino. Wir bummelten durch die Marais, waren im merci Conceptstore, machten Photomaton-Bilder bei Bonton und landeten dann auch irgendwann an der Rue de Rivoli, bei Les Halles, usw. Am Ende des Tages waren wir ziemlich ausgehungert und kochten die leckerste Spaghetti Bolognese. Danach ging es nochmal raus, auf ein Glas Wein.


le navet - die Steckrübe

Nachdem wir morgens am letzten Tag frühstückten und unsere Koffer packten, sind wir nach Saint Germain gelaufen und haben uns in ein Café gesetzt, während unsere Wäsche im Waschsalon gewaschen wurde (das ist der einzige Nachteil an dem Appartement). Danach liefen wir zum Louvre und kamen erstaunlich schnell ins Museum rein, obwohl es Sonntag war. Ich war 2008 das letzte Mal da und in den Jahren verändern sich Interesse und Wissen. Deshalb fand ich es extrem spannend, wieder mit Kunst förmlich erschlagen zu werden. Wir gönnten uns danach eine lange Pause, waren etwas geschafft und genossen die Sonne im Jardin des Tuileries. 



eines meiner Lieblingswerke


Die Zeit verging wie immer sehr schnell, aber wir haben auch viel erlebt. Paris ist eben immer eine Reise wert.


Kommentare:

  1. Immer wieder schön, deine Liebe zu Paris.

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  2. Was für eine schöne Einstimmung auf meine baldige Reise! Danke!

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    1. Ich bin gespannt über deinen Bericht!

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