den Augenblick erkennen, den Moment erleben

2. Februar 2016

gelebt


Oh, 2016 finde ich ziemlich gut. Ich bin mir sicher, das wird ein gutes Jahr. (Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.) Es fing schon ziemlich gut an, mit ein paar kleinen Hürden, die sich seit dem letzten Jahr einfach quer stellen wollen. Aber ich lasse mich in der Tat nicht unterkriegen, sehe das Positive und genieße die Zeit, so wie sie ist.


gelebt: So viel Schönes habe ich erlebt und ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment.

Weil der Großteil der Familie zu Beginn des Jahres krank war, durfte ich die geschenkten Theaterkarten nutzen und ins Schauspiel Frankfurt gehen. Es war eine großartige Erfahrung, nach fast drei Jahren endlich (!) wieder ein Theaterstück zu sehen. Wer hat Angst vor Virginia Woolf hat mir zwar als solches nicht so gepackt, aber die Schauspieler waren großartig. Vielleicht schaffe ich es, so wie vor vier Jahren, ein Mal pro Woche ins Theater zu gehen. Diese Seherfahrung ist so wertvoll und ich merkte erst jetzt wieder, wie stark ich es doch vermisst hatte.

Wir hatten einige Male Besuch und ich räumte die Wohnung blitzeblank und stand viel in der Küche. Die ganze Arbeit, die ich eigentlich als lästig empfinde, machte beinahe Spaß, weil darauf tolle Nachmittage mit Freunden folgten.

An einem Freitagvormittag, an einem "freien Lernvormittag", schob ich meine Lernsachen bei Seite und gönnte mir einen wunderbaren Tag in Frankfurt. Zeit, für einen einsamen Besuch in den letzten Tagen der Daniel Richter Ausstellung in der Schirn. Es waren ganz ruhige Momente, in denen ich begeistert von den Arbeiten, staunend davor stehen konnte.

Obwohl ich meinen Geburtstag nicht mag, schafft mein Freund es, ihn jedes Mal zu etwas ganz Besonderem zu machen. Als Januarkind kann man keine Grillfeten veranstalten, aber das, was ich hatte, war für mich noch viel besser. Ein Morgen mit Kuchen und Blumen, einem Kind, das versteht, dass Mutti Geburtstag hat, ein zweites Frühstück, nur zu zweit, in einem Frühstückscafé, eine anschließende Gesichtsbehandlung in der Naturdrogerie, ein Mittagessen im Café Blumen und sogar etwas Zeit, um etwas für die Uni zu machen. Anton war unglaublich gut drauf, als ich ihn abholte und wir hatten einen wunderschönen Nachmittag gemeinsam. Auch der Abend war ganz entspannt und ich machte nichts Besonderes, war aber einfach nur glücklich.

Und dann, wenige Tage vor einer Klausur, nur schöne Dinge zu erleben und die anstehende Klausur fast zu vergessen. Selbst ein etwas schwieriger Termin beim Kinderarzt, bei dem Anton leider nicht sehr glücklich wurde, konnte mir mein Lächeln nicht aus dem Gesicht zaubern. Anton verbrachte daraufhin ein paar Tage bei meinen Eltern und ich hatte freie. Am Abend traf ich mich mit Lisa, endlich wieder, aß das leckerste Panini seit Langem und wir hatten Zeit, uns über die letzten Wochen auszutauschen. Daheim angekommen musste ich noch Einiges packen und kam so erst sehr spät ins Bett. Wann bin ich das letzte Mal alleine zu Hause aufgewacht? Auch wenn ich meine Männer vermisste, genoss ich es auch sehr, meinem eigenen Zeitgefühl zu folgen und mich in Ruhe fertigzumachen. Dann die Fahrt mit dem IC nach Karlsruhe. Schon so lange hatte ich nicht mehr so eine entspannte Zugfahrt. Ich lernte oder schaute aus dem Fenster, wunderte mich über die Städtenamen und hörte einem Mitfahrer bei seinem Telefonat zu. Es war so still im Abteil, dass sein Gespräch über das Ende seiner Beziehung einfach alle mithören mussten. Dann die Karlsruher Luft, die Freundlichkeit der Bahnhofsmitarbeiter und der Singsang in ihrer Stimme. Wieder in Karlsruhe zu sein, den ganzen Tag alleine durch die Stadt zu ziehen, dieser Gedanke machte mich schon seit Wochen glücklich. Ein Besuch in der Karlsruher Kunsthalle, das Glück, das man empfindet, einen echten Cézanne zu sehen, die Stille in den Ausstellungsräumen der Sammlung. Das Wiedersehen mit N., die ich einfach viel zu selten sehe, obwohl wir uns doch gedanklich so nah sind. Auch sie dieses Mal ohne Kind, ein bisschen so wie früher. Neuigkeiten austauschen, durch die Straßen flanieren, die Waldstraße bewundern und Petit Four genießen. Ziemlich perfekt. Danach ein wenig alleine durch die Stadt bummeln, weil man seit Wochen nicht dazu kam. Die Ruhe trotz der Freitagnachmittages in einem Concept Store. Und wahrscheinlich wegen meiner Gelassenheit wurde ich fündig, legte mir ein paar Dinge zurück und kaufte das perfekte Kleid für diesen Abend. Und dann später: Endlich den Freund wieder zu sehen, in einem Designhotel, das für mich perfekt war. Wir verbrachten den Abend und die halbe Nacht auf einer Firmenfeier und fielen todmüde ins Bett. Das Frühstück, beinahe verschlafen, traf genau meinen Geschmack. Ein anschließender Bummel zu zweit und dann die Vorfreude auf das Wiedersehen mit Anton.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: indisch, Cini Minis, jeden Tag (frischgepressten) Orangensaft, Quiche
ausgegangen: Kunstverein Frankfurt, Café Max in Karlsruhe, Café Jäck in Karlsruhe, Wellnitz in Darmstadt
geklickt: 10 Tipps für perfekt lackierte Nägel auf Journelles, das Interview mit den tollen Frauen von Marsano Berlin mit den Mädels von Femtastics, Wie man es mit drei Kindern schafft in einem Interview mit Jule und den Tinyjanes.
gelesen: Madame Picasso von Anne Girard, der Ausstellungskatalog when now is minimal, die Odyssee von Homer, Balzac's Le Colonel Chabert
ausgestellt: Hello, I Love You von Daniel Richter in der Schirn, die Sammlung des MMK, die Ausstellung "Ich bin hier" und die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe. Leider habe ich den Rundgang der Kunsthochschule verpasst, weil das Wochenende sehr voll war. 
gemacht: Karten gebastelt und sie an liebe Menschen verschickt
gereist: Frankfurt und Karlsruhe
gekauft: Ich habe im Sale zugeschlagen, meine Geschenkgutscheine verbraucht und meine ziemlich leere Garderobe um ein paar Basics und Lieblingsstücke erweitert: einen ultraweichen Cardigan, der sich mit seinem dunklen Beerenton ziemlich stark von meiner düsteren Garderobe abhebt, eine weiße Bluse von COS, ein Kleid, das mich zum Tanzen brachte, ein schwarzer Pullover, der genau so richtig ist, ein Shirt, das so luftig ist, das ich mich auf den Sommer freue und Boots, die ich schon so lange gesucht habe. 
gewünscht: Ich habe endlich meine Zufriedenheit wieder gefunden und deshalb war ich ziemlich wunschlos.
gedacht: Vielleicht sollte ich doch öfter Rollkragenpullover anziehen. Was sind meine Leidenschaften, wofür brenne ich?
geärgert: Ich hatte einige Gründe, um mich zu ärgern, habe mir dadurch aber nicht die Laune verderben lassen: über dringende Emails, die nicht beantwortet werden, über Latein, dass ich meinen Kalender verloren habe, eine blöde Absage und dass wir einen so vollen Terminkalender hatten, dass wir nicht zum Rundgang gehen konnten.
gefreut: Über das gute Leben. 
geliebt: Jede einzelne tolle Begegnung im letzten Monat, die kleinen Auszeiten, die mich persönlich weiterbringen und mein neues Objektiv.













19. Januar 2016

Januarlieblinge


Der Januar gibt mir zwar mehr als nur einen triftigen Grund, ein wenig betrübt zu sein, aber ich habe mich ganz einfach dazu entschlossen, dass mich negative Nachrichten und kleinere Pannen nicht mehr so aus der Bahn werfen wie im letzten Jahr. Ich möchte gelassen und glücklich sein - und das nicht nur, wenn alles glatt läuft. Bisher gelingt es mir sehr gut und ich hoffe, dass diese SelbstverarscheStrategie auch weiterhin funktioniert. Wird sie ganz sicher. :)

Neben diesen Widrigkeiten gibt es nämlich viele schöne Kleinigkeiten, die diesen Januar besonders gut machen.


Seit den Weihnachtsferien komme ich (endlich!) wieder regelmäßig zum Lesen. Und nach jeder Durststrecke frage ich mich, warum ich mir nicht schon viel früher die Zeit zum Lesen genommen habe. Aber nun bin ich endlich mit der Odyssee durch, habe Balzac's Le Colonel Chabert gelesen und schmöker mich, neben wichtigen Unibüchern, durch einen historischen Liebesroman mit dem Titel Madame Picasso. Das Buch war ein Geschenk zum Geburtstag und es war beinahe ein Sinnbild dafür, sich wieder bewusster Zeit für Bücher zu nehmen. Kurz zurück zur Odyssee, dessen Lektüre beinahe einer wortwörtlichen Odyssee glich: Nach Monaten konnte ich mich aufraffen, mehr als nur drei Seiten am Stück zu lesen und war dann zum Schluss so gefesselt von den Zeilen, dass ich in jeder freien Minuten las.

A propos Unibücher. Bei der Vorbereitung auf eine Exkursion ins MMK in Frankfurt beschäftigte ich mich mit den Videoarbeiten der Künstlerin Rosemarie Trockel. Es machte richtig Spaß, mich in ihr Oevre einzuarbeiten, da ich bis dato nur einige wenige "Strickbilder" gesehen hatte. Durch meine Recherche bin ich auf den wunderbaren Ausstellungskatalog when now is minimal gestoßen. 2013 zeigte das Museion Bozen in Zusammenarbeit mit dem Neuen Museum in Nürnberg und der Sammlung Goetz aus München Arbeiten, die auf die Auswirkungen der Minimal Art auf zeitgenössische KünstlerInnen verwies. In diesem Zusammenhang tauchten auch einige Arbeiten von Trockel auf. Unter anderem war das Video Parade (1993) auf der Außenfassade zu sehen. Da ich im letzten Semester ein ganzes Seminar zur Minimal Art besuchte und sowieso persönlich ganz begeistert von den Arbeiten bin, fand ich diese Bezüge sehr spannend. Und dann noch etwas: Essays zu lesen, die einfach alles auf den Punkt bringen, ist Gold wert. Ich habe mir schon Karsten Löckemanns Text Vom Kanon zum Phönomen? Die Minimal Art zwischen Abgrenzung, Diskurs und Revival aus dem Ausstellungskatalog kopiert, damit ich dort immer wieder die Gedanken nachlesen kann. Es ist großartig, so besonders gute Literatur zu finden. Und der Umschlag macht natürlich auch einfach nur gute Laune.

A propos Bücher und Madame Picasso. Es gibt ja so unglaublich viele spannende Phasen in der Welt-, Kultur-, Kunstgeschichte und ich sauge förmlich alles auf, das sich mit den Avantgarden bzw. der Kunst der Moderne beschäftigt. Auf Arte bin ich durch Zufall auf eine 6-teilige Dokureihe gestoßen, die mir ziemlich gut gefällt. Die Abenteurer der modernen Kunst beleuchtet die Koryphäen der Pariser Kunstszene, die Zusammenhänge und Zeitgeschichte. So weit ich es beurteilen kann, sind alle Fakten korrekt. Und sie ist auch für Nicht-Kunsthistoriker interessant. (Und es geht natürlich um Paris.)

A propos Paris. Mich macht es im Januar auch besonders glücklich, dass ich nun ENDLICH konkrete Pläne für den nächsten Paris-Trip habe. Yeah. Mein Spardose (ihr erinnert euch?) ist dank Weihnachten und Geburtstag und konsequentem Sparen gut gefüllt und ich kann das Geld auf den Kopf hauen. Es bleibt sogar noch was übrig für Cappuccinos, Kosmetikprodukte und Kleidung.


A propos französische Kosmetikprodukte. (Mensch, dieses Mal passen die Themen ja richtig gut zueinander...) Im Dezember habe ich bei Hannahs Adventskalender ein unglaublich tolles Wellness-Set von Clarins geschenkt bekommen/gewonnen. Ich liebe jede einzelne Tube, die ich nun besitze. Die Handcrème steht stellvertretend für mein lieb gewonnenes Set, das ich nun täglich nutze. Kennt ihr den typischen Clarins Duft? Und die Crèmes und das Öl ziehen so fix ein, dass ich mich nach dem Duschen blitzschnell wieder anziehen kann.

Ha, perfekte Überleitung. A propos Kleidung. Die Weihnachts- und Geburtstagsmänner brachten nicht nur das nötige Kleingeld für meinen Paris-Trip, sondern beschenkten mich auch mit Scheinen zum Shoppen. Unter anderem habe ich bei COS diese wunderschöne Bluse aus Seide erstanden. Sie fühlt sich traumhaft an und hat einen tollen Schnitt, der sich aber erst beim Tragen wirklich entfaltet. Ich frage mich zwar noch immer, wie ich auf die Idee kam, eine weiße Bluse zu kaufen (und ich suche ab jetzt schon Gelegenheiten, in denen ich sie tragen kann. Nein, nicht auf dem Spielplatz.), aber ich bin ganz verliebt in sie.

Zu guter Letzt macht mich glücklich, dass ich wieder die Möglichkeit hatte, Ausstellungen zu sehen. Dass ich ins Museum gehen kann, bedeutet für mich viel mehr als einfach nur zusätzliche Bildung. Und ich bin so dankbar, dass sich Gelegenheiten auftun, in denen ich voller Konzentration durch die Räume laufe, mir Gedanken dazu machen kann und die Kunstwerke auf mich wirken. Nicht nur bei der Exkursion ins MMK, sondern zum Beispiel auch bei der Ausstellung Hello, I love you von Daniel Richter in der Schirn Kunsthalle wurde mir wieder bewusst, wie falsch ich manchmal mit meinen Einschätzungen über Ausstellungshäuser und Künstler liegen kann. Ich habe viel gelernt und viel Inspirierendes gesehen und war tatsächlich ganz fasziniert von Richters neuen Arbeiten. Leider ist die Ausstellung schon vorbei.


Das klingt doch nach einem ziemlich guten Januar, oder? Was macht euren Januar gut?


1. Januar 2016

gelebt


Bonjour 2016! 

Der Dezember ist so schnell an mir vorbeigezogen, dass ich kaum hinterherkam. Und gleichzeitig habe ich genau das sehr genossen.


gelebt: Der letzte Monat des Jahres war geprägt von Geschenkeeinkäufen, Weihnachtsmarktbesuchen und Familienfeierlichkeiten. Wir sind in Mainz, Darmstadt und Frankfurt auch noch bis einen Tag vor Weihnachten auf die Suche nach den passenden Geschenken für unsere Lieben gegangen. Und obwohl es wieder auch eine Art von Stress war, habe ich in diesem Jahr fast immer genau diese Geschenke gefunden, die ich für meine Familie haben wollte. Wir haben viele Einkäufe mit einem kurzen Abstecher auf dem Weihnachtsmarkt beendet. Anton durfte Karussell fahren. Auch in Heidelberg marschierten wir bis hoch oben auf die Burg, um dort (wer hatte nur diesen Einfall?), an einem Sonntagabend auf dem Weihnachtsmarkt eine Bratwurst zu essen. Es war viel zu voll und die Innenstadt hätte mir viel besser gefallen. Wir hatten fünf Familienweihnachtsfeiern und Anton war bei allen so unglaublich gut drauf. Mit ihm verbrachte ich auch einen sehr schönen Nachmittag in Darmstadt. In der Zeit zwischen den Feiertagen gab es viele Aufs und Abs. Meine beiden Männer wurden richtig krank und lagen einige Tage mit Fieber im Bett. Deshalb mussten sehr schöne Termine wieder abgesagt werden. Andererseits nutzten wir die Ruhe wirklich aus und taten einfach mal gar nichts. Dann war Anton über Silvester bei meinen Eltern und wir konnten ins Kino gehen, im Bett frühstücken und lesen. Silvester haben wir dann mit Freunden verbracht und gemeinsam gegessen, uns auf einer Zugbrücke den Neujahrskuss gegeben und sind dann bei bitterer Kälte nach Hause gelaufen.

gegessen bzw. gekocht und gebacken: Weihnachtsgans mit Rotkohl und Maronen, Blätterteigtaschen, Raclette, Paprika Dip, Waffeln mit heißen Kirschen, Scones, Apfel-Meerrettich-Suppe, Käsefondue
geklickt: Das Interview mit Jürg Judin und dieses abgefahrene Haus in einer ehemaligen Tankstelle.
gelesen: Immer noch die Odyssee von Homer. Wie gehen Museen und Ausstellungshäuser mit Instagram um? Eine Auseinandersetzung auf artefakt. Cafés in Paris von We The People zusammengestellt. Und ein wunderschöner Spaziergang in Paris zu Fuß. Diese stimmungsvollen Aufnahmen von Aurélie Lécuyer.
gesehen: Star Wars - Das Erwachen der Macht im Kino
gehört: Weihnachtslieder
ausgestellt: Ich habe im Dezember leider keine einzige Ausstellung besucht.
gemacht: Den Weihnachtsbaum geschmückt und dabei ganz wild mit Anton zu Weihnachtsliedern getanzt.
gereist: in die Heimat
gekauft: sehr, sehr viele Weihnachtsgeschenke
gewünscht: ein entspanntes, neues Jahr
gedacht: Es gibt so viele wichtige und persönliche Momente, für die hier und auf Instagram einfach kein Platz ist.
geärgert: Über Krankheiten. Und notwendige Not-Kinderarzt-Besuche. Mein Jahresrückblick, an dem ich so lange schrieb und arbeitete, war plötzlich verschwunden. Es bedeutet mir immer sehr viel, wenn ein Text fertiggestellt ist und ich nur noch auf Veröffentlichen klicken muss. Aber genau in diesem Moment war er weg. 
gefreut: Über den Gewinn dieses Giveaways bei Foxycheeks. Die Bodylotion von Clarins riecht so so gut. Dass zwei Paare geheiratet haben. Eine Freundin nach zwei Monaten Reisezeit wieder in die Arme schließen zu können.
geliebt: Antons Augen, als er die Geschenke ausgepackt hat. Wie er danke sagt. Manche Überraschungen.


2015 war für mich ein sehr bewegendes, anstrengendes, glück- und sorgenerfülltes Jahr. Ich wünsche mir so sehr, dass 2016 etwas entspannter wird, dass ich manche Sorgen abschütteln kann und meine Leichtigkeit zurückfinde.

Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr ein wunderschönes neues Jahr erlebt, wichtige und prägende Erfahrungen macht und glücklich seid.

11. Dezember 2015

ein Spaziergang zur Mathildenhöhe in Darmstadt


Eine Liebe zur Stadt

Eigentlich muss ich an dieser Stelle gar nicht erwähnen, wie gerne ich in Darmstadt bin. Schon einige Male schrieb ich von diesem Phänomen. Es hängt garantiert nicht damit zusammen, dass ich in meiner Kindheit immer im Auto durch die Stadt gefahren bin, wenn wir unsere Verwandtschaft in Frankenthal besuchten. Sicher nicht. Sondern vielmehr damit, dass ich Darmstadt mit einer ganz besonderen Zeit verbinde, mit einem tollen Mann, einem größer werdenden Bauch und einer so schönen Wohnung, in der ich die leckerste Pasta gegessen habe. Wenn ich Darmstadt wieder einen Besuch abstatte, schwingen diese Erinnerungen immer mit. Bekannte Ecken, an denen man schöne Momente erlebt hat, liegen neben Orten, die es noch zu entdecken gilt und natürlich gibt es dann auch Gegenden, die einfach hässlich unschön sind.

Ich liebe es, dass Darmstadt von einer ganz wunderbaren Gründerzeit-Architektur geprägt ist und sich dazwischen aber immer wieder Highlights der Baukunst finden lassen. Begeistert bin ich auch von den zahlreichen und sehr schönen Parkanlagen. Ich habe bisher keinen besseren Schuster gefunden als meinen Stiefelretter in der Wilhelminenstraße. Die Geschäfte der Innenstadt haben eine größere Verkaufsfläche und eine bessere Vielfalt als in Mainz und ich werde eigentlich immer fündig, wenn ich nach etwas Konkretem suche. Außerdem gibt es zwei Marktschreier, die frisches Obst am Abend preiswert loswerden wollen. Das Hessische Landesmuseum hat eine umfassende Sammlung und ein abwechslungsreiches Programm. Auch das Schloss hat eine spannende Geschichte. Das Martinsviertel hat eine ganz besondere Atmosphäre und hat mich vom ersten Augenblick in Beschlag genommen.

Letzte Woche, als Anton und ich wieder für einen Nachmittag da waren, bedauerte ich beinahe, dass wir vor zwei Jahren nicht in die schöne Altbauwohnung meines Freundes gezogen sind. Diese Wohnung hatte eine ganz besondere Aura und das Martinsviertel mit seinen Geschäften, Cafés, den Menschen und seiner Architektur zieht mich fast magisch an. Letztlich war es aber auf jeden Fall die richtige Entscheidung, in Mainz zu bleiben, nicht nur wegen der Freunde und der Universität.


Ein magischer Ort in Darmstadt

Darmstadt hat also Orte, die mich immer ein wenig verzaubern. Einer dieser Orte ist die Mathildenhöhe und ich möchte euch auf einen Spaziergang in diese schöne Ecke Darmstadts mitnehmen.

Vom Marktplatz, an dem gerade ein großer Weihnachtsmarkt stattfindet, kann man es sich leicht machen und an der Haltestelle Schloss die Buslinie F nehmen. Nach eine vierminütigen Busfahrt ist man schon da. Oder man läuft die Strecke zur höchsten Erhebung der Innenstadt. Dafür geht man am Schloss vorbei und läuft die B26 entlang, bis man zum Darmstadtium, dem Kongresszentrum, gelangt.

Das Residenzschloss erinnert mich immer ein wenig an das Schloss Johannisburg aus meiner ursprünglichen Heimatstadt Aschaffenburg. Sie ist nämlich von der Bausubstanz (roter Sandstein) und dem Grundriss (quadratische Anlage) sehr ähnlich. Spannend ist aber vor allem die Baugeschichte. Denn innerhalb von mehreren Jahrhunderten wurde an dem Schloss im Barock und in der Renaissance immer wieder gebaut und das erkennt man auch von außen. Die Front, die man vom Marktplatz aus sieht ist beispielsweise aus dem Barock.

Am Darmstadtium blickt man auch auf das klassizistisch anmutende Hessische Staatsarchiv, das Anfang des 19. Jahrhunderts von Georg Moller errichtet wurde. Moller ist einer der wichtigsten Architekten für Darmstadt, weil er noch die Ludwigssäule, die St.-Ludwigs-Kirche und das Moller-Haus errichten ließ. Und auch für Mainz ist er von Bedeutung: das Staatstheater wurde von ihm entworfen.

Wir erhaschen noch einen Blick auf das Hessische Landesmuseum und biegen dann beim Darmstadtium rechts in die Alexanderstraße ein. Die Alexanderstraße und auch weiter oben die Magdalenenstraße (die 300 m weiter links reinführt) sind ebenfalls stadtgeschichtlich interessant. Hier wurden in zwei Bauabschnitten (ab 1590 und ab 1672) Häuser nach einheitlichem Plan gebaut. Das heißt, dass die Häuser alle einen einheitlichen Grundriss, die gleiche Bauweise und ähnliche Fronten haben. Diese Ecke von Darmstadt, die früher die Alte Vorstadt war, ist eines der ersten Beispiele von Städtebau, das landesherrlich verordnet und systematisch geplant wurde. Viele dieser Häuser haben den Zweiten Weltkrieg überstanden und sind somit auch heute auf der rechten Straßenseite zu sehen.

Auf der linken Seite befindet sich die Technische Universität Darmstadt. Dieses Gelände kenne ich in Gänze noch nicht, aber ich war schon in einigen Ecken oder Gebäuden drin. Hier lassen sich prima Fotos schießen, weil es so unterschiedlich interessante Fassaden gibt.

Knapp 150 m weiter mündet die Alexanderstraße in die Dieburger Straße. Wir gehen einfach weiter hoch. Auf der rechten Seite befindet sich das Alice-Hospital, auf der linken ein paar kleine Geschäfte und ein Supermarkt. Nach 350 m kommen wir an der Bushaltestelle Mathildenhöhe an und laufen dann rechts den steilen Berg hinauf. Und diese kleine Straße hält eine kleine Überraschung für uns bereit. Ein großer Gebäudekomplex erstreckt sich auf der linken Seite. Er ist hässlich, monströs und in der Dämmerung fast ein wenig unheimlich. Aber auch sehr spannend. Gegenüber stehen Gründerzeithäuser, die so typisch für das Martinsviertel sind.

Und dann haben wir es geschafft: wir sind auf der Mathildenhöhe.


Die Mathildenhöhe: ein facettenreicher Ort

Die Mathildenhöhe ist ein besonders wertvoller und kulturgeschichtlicher Ort. Um 1900 wurde hier eine Künstlerkolonie gegründet. Die 23 Mitglieder sind allesamt Künstler und arbeiteten in den unterschiedlichsten Bereichen. Es gab Architekten, Literaten, Maler, Bildhauer, "Entwerfer für Angewandte Kunst", Goldschmiede und Grafiker. Sie kommen auch aus den unterschiedlichsten Bereichen, wurden ganz verschieden geprägt (u.a. durch die Nabis, einige von ihnen lebten längere Zeit in Paris) und arbeiteten in Darmstadt an einem Gesamtkunstwerk. Ich könnte noch viel mehr über die Künstler erzählen und bin gerade ganz angefixt von dieser Gruppe. Es ist jedes Mal so spannend, in wie weit sich solche Gruppierungen als feste Gruppe einordnen lassen, ob sie sich mit einem Gründungsmanifest konstituierten oder von was die Gruppendynamik geprägt war. Aber diesen kunstgeschichtlichen Diskurs lasse ich hier bleiben und recherchiere weiter.

An diesem Abend spielen sechs alte Männer Boule auf dem Sabaisplatz. Obwohl es noch nicht einmal fünf Uhr ist, dämmert es bereits und diese Szene ist irgendwie magisch. Hinter diesem Platz erstreckt sich der Hochzeitsturm, eines der Wahrzeichen Darmstadts. In diesem Turm kann man tatsächlich noch heiraten. Er hat ein ganz eigentümliches Dach mit einer Fünffingerform und wunderschöne Verzierungen. Gegenüber des Turms und des Ausstellungsgebäudes gibt es einen Platanenhain, der auch ein Café beherbergt. Der Winterpavillon ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, wir kommen aber leider zu spät und es hat schon geschlossen. Die Anlage ist weitläufig genug und dennoch überschaubar, sodass Anton allein herumlaufen kann. Wir haben wirklich Spaß. Es ist schon fast zu dunkel, um die tollen Details an all den Gebäuden, Skulpturen und Geländer zu erkennen. Deshalb lasse wir das für das nächste Mal und toben noch ein bisschen auf dem Platz vor der russischen Kirche. Goldene Kuppeln schmücken dieses Gebäude und ich würde zu gern hineingehen. Auf dem Gelände findet man außerdem noch viele Künstlerhäuser, das Museum Künstlerkolonie und das Lilienbecken. (Schaut euch auch den Lageplan an, da seht ihr, wie vielfältig die Mathildenhöhe ist.)

Die Bänke laden zum Verweilen ein und nicht nur Anton und ich machen es uns auf der Holzbank bequem, sondern auch ein Pärchen sitzt zur späten Stunde noch da und unterhält sich lange. Die Details, die verloren gehen, weil es einfach schon zu dunkel ist, werden auf unseren nächsten Besuch warten müssen. Aber dennoch ist dieser Ort so magisch, im Hellen und im Dunkeln.


8. Dezember 2015

Dezemberlieblinge


Auch im Dezember gibt es ein paar Dinge, die mich glücklich machen. Manch Altbewährtes und manch Neues geben diesem Monat noch einen gewissen Extra-Glanz. 


Ende September, wenige Tage vor unserem Urlaub auf Kreta, wurde mir das Portemonnaie aus der Kinderwagentasche geklaut. Für diese Dreistigkeit gibt es kaum Worte. So musste auf die Schnelle Ersatz her und ich nutzte einen sehr alten, verschlissenen Geldbeutel. Für mein neues Portemonnaie hatte ich ziemlich konkrete Vorstellungen. Ich hatte Lust auf Farbe, auf bordaeuxrot, er sollte länglich und aus Leder sein, mit genügend Fächern und Taschen, nicht zu viel Schnickschnack haben und beim besten Willen nicht zu viel kosten. In meiner Hand- oder Kinderwagentasche fliegt nämlich alles Mögliche rum, so ein Geldbeutel muss daher eher "robust" sein. Bei einem Einkaufsbummel in Frankfurt fiel mir dieses steingraue Portemonnaie von Liebeskind in die Hände. Ohne, dass ist danach gesucht hätte. Auf die Hälfte reduziert. Aus wunderbar weichem Leder und in der perfekten Größe. Selten stehe ich so schnell an der Kasse. Und ich bin mehr als glücklich über diese fixe Entscheidung.

Ich trage nicht viel Schmuck. Immer diese Kette und meistens Ohrstecker. Ohrhängerchen müssen in der Regel ihr Dasein in einer Schublade fristen, weil sie beliebtes Spielzeug bei kleinen Kindern sind. Nachdem ich die Kette fast ein Jahr lang jeden Tag getragen habe und sie irgendwie zu meinem Glücksbringer geworden ist, wünschte ich mir passende Ohrringe dazu. Gerne auch welche, die man nur an hohen Feiertagen anziehen könnte. Nachdem aber die einzigen Ohrringe, die dazugehörten, ausverkauft waren, da Unikate, fand ich in meinem Schmuckkästchen diese Ohrringe, die ich vor einigen Jahren in Paris kaufte. Und sie passen, fast perfekt und wie füreinander bestimmt. 


Die Beruhigungsmaske von Susanne Kaufmann soll meine gestresste Winterhaut wieder in Balance bringen. Die Textur ist sehr sanft und die Maske fühlt sich wunderbar auf der Haut an. Ich bin auch immer wieder fasziniert, wie schlicht das Design von Susanne Kaufmann gehalten ist und wie es gleichzeitig auf den Punkt genau passt. Ich liebe sie und werde schon bald auf une vie magnifique etwas genauer davon berichten.


Zeit, um Ausstellungen zu besuchen und Bücher zu lesen. Das ist das, was mich glücklich macht. Im Rahmen einer Exkursion stattete ich der Schirn Kunsthalle in Frankfurt wieder einen Besuch ab. Wir durften in der ersten Hälfte der Zeit unabhängig von der Gruppe herumwandern und schauen. Die vielen ausgestellten Arbeiten in der Ausstellung Sturm-Frauen waren beinahe zu viel, um die Räume noch genießen zu können, aber ich habe mir viele Notizen und Fotos gemacht, damit ich sie zu Hause noch einmal "bearbeiten" kann. Fasziniert haben mich zum Beispiel die Musterentwürfe von Sonia Delaunay-Terk. (Sie und ihr Mann Robert Delaunay sind beide so großartige Künstler.) Die feinen Zeichnungen von Marthe Donas und die Akte in Weiß von Marcelle Cahn hängen mir auch noch nach.

Die kleine blaue Ledertasche ist von & other Stories und begleitet mich nun auch schon eine Weile. Das Leder ist butterweich und ich freue mich jedes Mal, wenn ich dieses schöne und doch auch sehr empfindliche Material anfasse. Sie ist die Tasche in der Tasche und beherbergt Lippenstift, Spiegel, Haarklammern und viele Kleinigkeiten, die ich immer dabei haben möchte.


Und zu guter Letzt habe ich nach langem Suchen zwei Pullover aus Merinowolle gefunden, die weicher nicht sein könnten. Der graue Pullover mit Stehkragen stammt aus dem Hause Basler (und somit aus der Gegend, in der ich aufgewachsen bin). Seit Jahren trage ich wieder Oberteile mit einem so hohen Kragen und ich freue mich schon auf die Tage, an denen er mich warm halten wird. Der blaue Pullover ist auch ein Klassiker. Er hat kurze Ärmel und wird vielleicht an Weihnachten mit einem weit ausgestellten Rock ausgeführt. (Nur, was ziehe ich drüber?)


Und was macht euch im Dezember glücklich?

4. Dezember 2015

#200jahrestaedel - Der Community-Abend im Städel


Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefreut habe, als das Städel zu einem Community-Event geladen hatte? Eines meiner liebsten Museen veranstaltete für rund 120 Blogger, Twitterer und Instagrammer einen Abend zur Feier seines Jubiläumsjahres.

Für mich persönlich bedeutete die Einladung vor allem eins: eine riesige Freude über die Zeit im Museum, die ich gemeinsam mit meiner Freundin Lisa und vielen anderen Onlinern verbringen konnte. Eine wertvolle Zeit außerhalb der regelmäßigen Öffnungszeiten und auch Zeit, um hinter die Kulissen dieses Hauses zu blicken.


200 Minuten für die Community

Meine Erwartungen an diesen Abend wurden wirklich übertroffen. Das liegt sicher an einigen Kunstwerken, die mich immer wieder umhauen, aber natürlich auch am Programm und der Organisation des Events.

Schon beim Empfang im Metzler-Foyer beginnt für die meisten Teilnehmer das Tippen auf den Handys und das Klicken der Kameras. Es wird getwittert, was das Zeug hielt. In den kommenden 200 Minuten wird Einiges geboten.

Geplant waren sechs verschiedene Themen-Führungen, von denen man an zwei teilnehmen kann. Ich liebe Führungen. Für mich ist es zwar ganz essentiell, auch alleine und in Ruhe Kunstwerke anzusehen. Aber genauso mag ich es, Hinweise und Zusammenhänge durch die Kunsthistoriker zu erhalten.


Tour Nr. 4: Museum Digital: Die Digitale Erweiterung des Stäfel

Auf unserer ersten Tour nimmt uns Silke Janßen, die stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hauses, mit in die Sammlung Alte Meister. Was haben die jahrhundertealten Gemälde mit den digitalen Entwicklungen gemeinsam? Wie sich herausstellt, ziemlich viel. Vor dem Gemälde Der Heilige Jakob der Ältere von Jusepe de Ribera erzählt sie uns, wie das Städel mit dem Thema Digitale Erweiterung umging. Ich kenne bereits einige Tools und Anwendungen, die das Museum anbietet, weil ich mich schon lange dafür interessiere. 

Wenn man nämlich aufmerksam den Entwicklungen folgt, die die unterschiedlichsten Institutionen im Laufe der letzten Jahre in Sachen Digitalität mitgemacht haben, dann fällt eines auf: Die Zweigleisigkeit, die die meisten Modeunternehmen schon lange fahren, also on- und offline zu veröffentlichen, ist im Kulturbetrieb entweder gar nicht angekommen oder läuft erst seit wenigen Jahren an. Glücklicherweise haben wir einen Vorreiter in Sachen Digitaler Entwicklung hier in Frankfurt. Wohl nicht zuletzt auch dank des Direktors Max Hollein, der Neuentwicklungen gegenüber offen ist und gerne experimentiert. 

Und was macht das Team des Städels so besonders gut? Für mich persönlich sind die Digitorials sehr sinnvoll. Auf einer Website sind zur jeweiligen Ausstellung viele Informationen aufgebaut, die teilweise interaktiv aufgerufen werden können. So werden beispielsweise Hintergrundinformationen zum Zeitgeschehen sowie Details oder Nahaufnahmen von einzelnen Kunstwerken gezeigt.

Was ich beim nächsten Besuch garantiert testen werde, ist die kostenlose App, die das Städel anbietet. In dieser App sind rund 100 prägnante Werke verzeichnet. Und habt ihr schon einmal dieses Schildchen mit dem Auge unter der Bildbeschreibung gesehen? Das ist ein Zeichen dafür, dass das Kunstwerk erfasst ist, man es mit dem Bildscanner scannen kann und dann alle Informationen dazu erhält. 

Außerdem erfolgt die Erweiterung des Museums in den digitalen Raum auch durch die Digitale Sammlung, die man sich online ansehen kann. Hier sind die gleichen Werke verzeichnet, die auch in der App abgespeichert sind. Man erhält Informationen und Bildbeschreibungen, kann aber auch über Schlagworte weitere Bilde finden. So gibt es Kategorieren wie Künstler, Wirkungen, Bildthemen, Epoche, usw. nach denen die Kunstwerke gesucht oder assoziativ gefunden werden können.

Es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten, die das Städel anbietet. Zum Beispiel das preisgekrönte Spiel für Kinder Imagoras oder die Kunstkammer in der Sammlung Alte Meister. Ein Raum mit Blick auf die Skyline von Frankfurt, in der man sich interaktiv an Bildschirmen die Digitale Sammlung ansehen kann.


Wie gehe ich persönlich mit Digitalität im Kulturbetrieb um?

In den darauffolgenden Tagen muss ich viel über die Digitalität in Museen, kunstgeschichtlichen Instituten und kulturellen Einrichtungen nachdenken. Die Mehrheit meiner Dozenten hat immer noch viele Vorurteile gegen das Internet und gegen jegliche digitale Medien. (Als ob wir nur Wikipedia kennen…) Es gibt zwar auch berechtigte Sorgen, z. B. der Schutz der Urheberrechte, doch überwiegt meiner Meinung nach die Angst vor dem Missbrauch oder einer falschen Nutzung. Wir sollen unbedingt immer in die Bibliothek. Grundsätzlich finde ich es auch ok. Ich brauche Bücher und das Haptische. Ich lerne jedoch am besten durch eine Kombination von verschiedenen Lernmöglichkeiten. Es gibt nämlich auch ein paar entscheidende Vorteile. Man denke nur an die Kosten, das Gewicht der schweren Bücher und die Verfügbarkeit. Meiner Meinung nach ist ein sinnvoller, ausgewogener Umgang mit dem Digitalen und dem Analogen notwendig und zeitgemäß. Die Scheu vor dem Digitalen dagegen unnötig.

Ich empfinde es außerdem als großen Vorteil, wenn man sich bereits zu Hause über die Ausstellung informieren kann und sich darauf vorbereitet. Man hat dann zwar eine leicht vorgegebene Leserichtung, was aber grundsätzlich nicht verkehrt ist. Allein die Hängung gibt ja im Wesentlichen auch schon immer eine Leserichtung vor.

Auch wenn ich die App beim nächsten Besuch ausprobieren werde, glaube ich, dass für mich ein analoger Rundgang auch in Zukunft noch die bessere Variante des Rundgangs ist. Ich möchte nicht nach dem nächsten Scanner-Symbol suchen, wenn ich die Räume betrete und meinen Blick so weit wie möglich ungefiltert lassen. Für mich ist es nämlich überhaupt kein Problem, wenn Menschen mit ihren stummgeschalteten Handys durch das Museum laufen. Jeder gestaltet sich seinen Besuch so, wie er es möchte. (Aber bitte lasst die Selfie-Sticks zu Hause!) Und glücklicherweise haben wir eine Wahl.

Doch merke ich, wie unaufmerksam ich für meine Umgebung bin, wenn ich das Handy als Begleitobjekt in die Ausstellung nehme. Ich sehe mir erst das Bild an und schieße dann ein Foto. Oder betrachte erst die Skulptur und schreibe mir dann den Namen des Künstlers auf. Ich möchte zunächst einen eigenen, selbst gestalteten Weg zum Kunstwerk nehmen und mich dann erst von vorgegebenen Beschreibungen oder eben dem Handy als Merkinstrument ablenken lassen. Das Handy in die Ausstellungen mitzunehmen, finde ich nämlich grundsätzlich ziemlich gut. Ich kann mir Kunstwerke viel besser merken, wenn ich sie abfotografiere und mir das Foto zu Hause nochmal in Ruhe betrachte und darüber nachdenke. 

Auffällig an diesem Abend ist natürlich, dass „alle“ an ihren Handys oder Kameras kleben. Das ist bei so einem Event auch verständlich. Gerade für kulturell interessierte Menschen, die gerne online dokumentieren und nach spannenden Perspektiven für ihr Foto Ausschau halten, ist dieser Community Abend perfekt. Und doch merke ich, dass ich bei den Führungen lieber zu hören will und die Kamera in der Hand behalte, als durch den Raum zu tingeln und die besten Shots zu knipsen. Ich überlasse das Feld lieber den begeisterten Fotografen :)



Tour Nr. 6: Das wachsende Museum: Der Erweiterungsbau und die Sammlungsentwicklung in der Gegenwartskunst 

Unsere zweite Tour lässt uns einen Blick hinter die Kulissen erhaschen. Wir besichtigen mit dem Leiter der Presseabteilung Axel Braun und einer charismatischen Kunstvermittlerin einige Räume des Depots. Viele Mitarbeiter des Städels haben selbst sehr selten die Gelegenheit in diese Hallen zu kommen und so ist es für uns alle sehr spannend, welche Fotografien und Zeichnungen sich in den Schränken und Regalen befinden. Glücklicherweise rotieren die Werke vor allem in der Sammlung Gegenwartskunst relativ häufig. So hat der Besucher die Möglichkeit, nach und nach den umfangreichen Sammlungsbestand zu bestaunen. 

Die Gegenwartskunst ist im neusten Bau des Städels untergebracht. Zirka einen Meter im Grundwasser. Dafür wurde vor einigen Jahren in einer großen Bürgerinitiative (könnt ihr euch noch an die gelben Gummistiefel erinnern?) Geld gesammelt, die den Neubau mitfinanzierte. Unter dem Garten des Städels finden sich nun auf 3000 Quadratmeter Kunstwerke ab 1945. Das besondere an der Architektur ist sicherlich, dass über die Bullaugen-Fenster tatsächlich Tageslicht hereinkommt und dass die Decke von nur zwölf Säulen getragen wird. 

Wenn man die Treppe hinabgeht, kommt man auf einen großen Platz, von dem viele Räume ausgehen. Dieser Platz wird auch gerne die Piazza genannt. Und es ist tatsächlich so, dass man immer wieder zu dieser Mitte zurückfindet. Mein Lieblingsraum in der aktuellen Ausstellungssituation ist wahrscheinlich eine Ecke, in der einige Fotografien von Thomas Struth hängen. Er wartet auf den richtigen Moment und fotografiert Menschen, die sich in Ausstellungen Bilder ansehen. Das Bild im Bilde also. Eine perfekte Bildvorlage für uns. Wir fotografierten Köpfe und Menschen vor den Fotografien. Das Bild im Bilde des Bildes.

Es gibt noch so viel zu entdecken. Ich möchte am liebsten bei Schlemmers Tischsituation hängen bleiben, mir die Gegenüberstellung von zwei großen Gemälden von Daniel Richter nochmal anschauen und mich dabei so bedrängt fühlen. Aber ich kehre für einen kurzen Augenblick zu Thomas Struth zurück, der mich an diesem Abend besonders berührt.



Ein erfolgreicher Abend

Nach den beiden Führungen stoßen wir auf dieses Museum, das Event und die Menschen an. Es gibt Zeit, sich kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und über das Gesehene zu sprechen.

Parallel dazu läuft auf einer Leinwand die Timeline. Unter dem Hashtag #200jahrestaedel sind auf Instagram über 400 Bilder, auf Twitter über 1500 Tweets erschienen und auf Periscope verfolgten über 300 Zuschauer den Abend mit. 

An diesem Abend merke ich, wie wenig ich doch ein Onliner oder Influencer bin. Ich halte zwar die ganze Zeit über mein Handy und meine Kamera griffbereit, aber am liebsten würde ich einfach nur schauen und zuhören. Natürlich mache ich Fotos. Zur Erinnerung, für mich und auch für diesen Artikel. Und ich twittere sogar wieder. Aber eigentlich geht es um das Gefühl.

Dieses Gefühl, wenn man von einem Kunstwerk gefangen genommen wird, wenn man sich ganz darauf einlassen kann und die meisten Einflüsse ausblendet. Diese "Aura" kann eine fotografische Abbildung nur bedingt wiedergeben.

Ich sage HERZLICHEN DANK für dieses äußerst gelungene, spannende und informative Event. Ich habe es sehr genossen, durch das Haus zu wandern, zuzuhören und hinzuschauen.


Auf dem Städel Blog könnt ihr eine Zusammenfassung des Abends sowie die Links zu weiteren Artikeln finden.