den Augenblick erkennen, den Moment erleben

4. September 2015

französische Bräuche: das Apéro


Etwas, das ich in Frankreich so liebe: das Apéro

Nach der Arbeit, bevor man nach Hause geht, vor dem eigentlichen Treffen als Empfangsritual oder als spontane Verabredung bei Freunden wird der französische (oder auch schweizerische) Brauch zelebriert. Der Gast bringt eine Kleinigkeit mit, es werden leckere Käsesorten, Chips, Weintrauben und Charcuterie-Waren gegessen, Aperitife und gute Weine getrunken und die gemeinsame Zeit genossen. 

In Paris habe ich das mit Freunden meiner Freundin kennen und lieben gelernt. Zu Hause veranstalte ich diese Apéros mittlerweile viel zu selten. Aber die Semesterferien sind ja die besten Zeiten, um sich wieder lange Abende zu gönnen. Ich backe also wieder Brot, mische Kräuter in den Frischkäse und kaufe meinen Lieblingswein. Zeit für Freunde, für gute Snacks und für Pause.

Tchin! Tchin!



1. September 2015

gelebt


Der August war voll mit Begegnungen und Auszeiten, mit zu heißem und ganz angenehmen Wetter, mit intensiven Lernphasen und völligem Verlieren in zeitvertreibenden, prokrastinierenden Tätigkeiten.


gelebt:
Die zu heißen Tage haben wir auf Wasserspielplätzen verbracht, die warmen im Garten oder auf normalen Spielplätzen. Obwohl ich morgens normalerweise lerne, habe ich manchmal auch Ausnahmen gemacht. Das ausgedehnte Frühstückstreffen mit Lisa war besonders toll.
Wir hatten viel Besuch. Eine gute Freundin war für ein paar Tage mit ihrem Sohn da und wir hatten glücklicherweise ausgiebig Zeit, miteinander zu reden und auch einfach uns beieinander zu sein. Wir hatten einen schönen Abend mit einer befreundeten Familie bei einem Apéro.
Ich habe es tatsächlich geschafft, für ein einhalb Wochen komplett auf (Industrie)Zucker zu verzichten! Wer mich kennt, kann bestimmt nachvollziehen, was das bedeutet. Es gab seit Jahren, bestimmt sogar seit meiner Kindheit keine zwei Tage, an denen ich nicht mindestens ein kleines Stückchen Schokolade gegessen habe. Sogar im Urlaub kaufte ich schon häufig ein Nutella-Glas oder eine Tafel Schokolade. Ich wollte wissen, ob ich auch ohne konnte und es hat funktioniert. Spätestens auf der Hochzeitsfeier meines Cousins wurde es schwierig und ich machte wieder kleine Ausnahmen. Mein Ziel war jedoch sieben Tage ohne Zucker auszukommen und das hat auf jeden Fall geklappt. Glücklicherweise hat sich mittlerweile auch ein maßvollerer Umgang mit Schokolade eingependelt. Ich möchte überhaupt nicht auf Süße verzichten, kann das nun aber etwas besser steuern.
Wir waren einige Male in Wiesbaden und haben die Spielplätze erkundet. Im Westend war ich ganz begeistert von der Ruhe, von den schönen Häusern ganz allgemein und von einem Haus, bei dem ich vor lauter Efeu nicht die roten Backsteine dahinter sehen konnte. Toll ist auch, dass wir in dieser Stadt Freunde und Bekannte treffen können, geplant und ganz zufällig. Sich irgendwann heimisch zu fühlen, die Straßen besser zu kennen, im besten Café Cappuccino zu trinken.
Ich habe aber nicht nur viel Zeit draußen verbracht, sondern saß auch ständig über den Büchern und dem Laptop gebeugt und habe an meinen Hausarbeiten geschrieben. Auszeiten gab es auch, vielleicht sogar zu viel. So war ich an ein paar Abenden mit Freunden essen und vergaß, dass die Uniaufgaben auf mich warteten. Das musste aber auch sein.
Endlich haben wir unseren Sommerurlaub gebucht und ich freue mich schon riesig auf unsere Auszeit auf Kreta. (An dieser Stelle die Frage: Habt ihr Tips für die Nordküste?)
Beim Museumsuferfest in Frankfurt malte ich mit den Kindern Portraits.
Und an einem Nachmittag besuchten wir einen Freund in seinem neuen Haus. Ich fühlte mich so erwachsen, weil meine Freunde alle im Berufsleben angekommen sind, Kinder bekommen und Häuser bauen. :)


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Bananenpancakes, selbstgebackenes Kräuterbrot, Zitronen-Nudeln
ausgegangen: Mainzer Weinsalon am Rhein, Margarethe in Frankfurt, Kaffeebohnen bei Kaufmanns in Wiesbaden gekauft, Eulchen & Friends Biergarten, Bar Plank in Frankfurt
geklickt: ein Interview von Nicola Graef mit Siri Hustvedt und Katharina Grosse über die Rolle der Frau in der Kunstwelt anlässlich der Ausstellung Queensize, die bis vorgestern im me Collectors Room Berlin zu sehen war. Nach einigen Monaten habe ich Garance Dorés Blog wieder für mich entdeckt. Ich nehme mir wieder die Zeit, um ihre Texte zu lesen und finde mich meist wider. Die gute Garance schreibt im Artikel Out of time darüber, dass es Dinge gibt, die Zeit brauchen und dass es nicht immer einfach ist, alles mulitasking-like auf die Reihe zu kriegen.

"It’s a crazy life. And I don’t even have kids. I can’t even imagine."

gelesen: den Ausstellungskatalog zur Ausstellung Esprit Montmartre, die 2014 in der Schirn stattfand (ich habe hier darüber geschrieben). Er hat mir natürlich wieder ein wenig mehr Lust auf Paris gemacht. Ich habe das Glück, das zwei meiner Hausarbeiten genau meinen Interessensgebieten entsprechen und ich gerade viel spannende Literatur durchforsten darf. Die Kunst in Europa im 20. Jahrhundert?! Sammlungsgeschichte und die Modi der Kennerschaft?! Yeah.
gesehen: City of God von Wim Wenders, der Film hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt
gehört: Fade Away von Maxamillion feat. Kalina und Zebrastreifen von Rolf Zuckowski (Antons Lieblingslied)
ausgestellt: In diesem Monat habe ich leider nicht so viel gesehen. Wir waren in der Ausstellung zum Hector Preis in der Kunsthalle Mannheim: Alicja Kwade (geht nur noch bis zum 06.09.)
gemacht: endlich wieder analog fotografiert! (wieder ein "Hausprojekt")
gereist: Anton und ich waren in Mannheim und haben eine gute Freundin besucht. Es war so schön, ihre Wohnung zu sehen, ihren Freund kennenzulernen und gemeinsam am Wasserturm zu sitzen. Sie ist eine ganz besondere Stadtführerin und hat mir die Stadt, in der ich in meiner Jugend schon so häufig war, noch einmal viel näher gebracht.
gekauft: die Zeitschrift 38 Hours in Paris im Mainzer Zeitschriftenladen one in a million, einen Teil einer H&M-Bestellung habe ich behalten und bin wirklich begeistert von den kleinen Schätzen, die ich gefunden habe.
gewünscht: neben dem Wunsch nach mehr Zeit und Urlaub war ich ziemlich glücklich
gedacht: Ich habe im letzten Monat nicht so oft die Nachrichten gesehen, aber natürlich trotzdem viel über die katastrophalen Bedingungen für die (neuankommenden) Flüchtlinge in Europa und in Deutschland erfahren. Weil ich mich so stark auf die Uni konzentriert habe, kam ich also auch sehr spät zu der Frage: Was kann ich tun? Das möchte ich hier aber nicht weiter ausführen und nur auf die neu gegründete Initiative Blogger für Flüchtlinge hinweisen.
gefragt: Immer wieder montags: Warum haben die Museen heute zu? Der einzige Tag, den ich nicht verplane gibt mir die Möglichkeit, ins Museum zu gehen. Nur dann ist alles geschlossen.
geärgert: "Ich hasse das Internet." Das habe ich mir in den letzten Wochen häufig gedacht. Aber so ist das natürlich nicht. Es gibt so viel Gutes. Aber nach den anstrengenden Monaten habe ich mich immer wieder dabei ertappt, relativ lustlos durch die ganzen Blogs und Blogazines zu klicken und nur noch Einheitsbrei zu lesen/sehen. Das steckt bestimmt auch ein gewisser Anteil an Wahrheit drin, aber hängt sicher auch mit meinem kleinen Lern-Motivationstief zusammen.
gefreut: Über das Leben.
geliebt: Abends ein Gläschen Wein zu trinken und den Sommer richtig zu genießen.
















20. August 2015

gelesen: 38 Hours in Paris


Ähem, ja manchmal kommt halt alles auf einmal. Und so bin ich letztens erneut auf etwas ganz Tolles gestoßen, das mit Paris zu hat. An einem faulen, freien Sonntagvormittag machte ich es mir auf der Couch bequem, trank reichlich Kaffee und nahm mir die Zeit, 38 Hours in Paris zu lesen. (Das muss an dieser Stelle wirklich erwähnt werden, weil es so selten vorkommt, dass ich einfach nur lesen kann!)

Sollte ich jemals ein eigenes Magazin über Paris machen, dann würde es wohl sehr ähnlich wie dieses Heft von 38 Hours aussehen. Nur mit weniger Mode-Themen und deutlich mehr Inhalten zur Kunstszene in der Stadt. Also, was macht dieses Magazin so besonders für mich?

Es fängt schon bei der Haptik an. Das Heft ist etwas größer als das DinA5 Format und liegt mit seinem rot-orange farbenen, glänzenden Umschlag sehr gut in meiner Hand. Die Innenseiten sind aus einem eher festen, rauhen Papier. Das fühlt sich gut an.


Als ich das Magazin aufschlage, springt mir direkt eine rot-blaue Doppelseite mit den Einleitungsworten entgegen. Paris. Die Stadt ruhte sich lange auf ihrem Image aus und erfindet sich seit den letzten Jahren neu: dieses renouveau geschieht vor allem in der kulinarischen und modischen Szene. Inhaltlich geht es im Magazin deshalb vor allem um diese zwei Schwerpunkte.

Ein paar hippe Quartiers werden mit ihren Highlights vorgestellt. Das Marais natürlich, das Belleville, South Pigalle und die Gegend um den Canal St. Martin. In zwei Aufsätzen werden die Entwicklungen der Mode- und der Foodszene erläutert. Kennt ihr schon den Ausdruck Bistronomy? Das Wort setzt sich aus den Begriffen Bistro und Gastronomy zusammen und deutet an, was gerade ziemlich gut in Paris ankommt. So gibt das erneuerte Paris sein altes Image von weißes Tischdeckchen und strenger Haute Cuisine auf und wandelt sich. Die Chefs und Sterneköche kreieren mittlerweile moderne Gerichte und mixen zum Beispiel die französischen Klassiker mit japanischen Elementen. Auch die Snackkultur verändert sich und so findet man immer mehr Auswahl an Zwischenmahlzeiten.


In den letzten Jahren habe ich selbst mitbekommen, wie stark sich die Café-Szene in Paris verändert hat. 2008 noch fand ich nur bitteren, schwarzen Kaffee in den schönen, typisch Pariser Cafés, in denen man eng beieinander an kleinen runden Kaffeetischchen sitzt und die Leute beobachtet. Die Atmosphäre ist natürlich toll und das hat auf jeden Fall Charakter. Aber guten Kaffee trinken möchte man ja auch. Aber schon ab 2009 habe ich eine starken Wandel gespürt. Plötzlich tauchten überall gute, sehr europäische Cafés auf, die sich darum bemühen, guten Kaffee zu machen. In Paris werden diese Cafés häufig Caféothèque genannt. Die Franzosen wären nicht sie, wenn sie dafür keinen eigenen Begriff einführen würden.
Im Artikel zu den Entwicklungen der Modebranche wird gefragt, warum Paris immer noch auf Platz 1 der weltweiten Modeszene steht. Das liegt daran, dass auch sie sich immer wieder neu erfindet, trotz der alteingesessenen und etablierten, großen Modehäuser. Erinnern möchte ich auch daran, dass Colette der Inbegriff des Departmentstores ist.


Portraitert werden auch fünf Personen aus der Kreativszene. Ein italienischer Architekt, den es nach Paris verschlagen hat, eine Bartenderin, die den Einkauf der Bar leitet, ein junger Typ, der ein Zeitschriften- und Tshirt-Label gegründet hat und ein Paar, das ein Creative Studio leiten
Sie erzählen von ihrem Werdegang und sprechen über ihre liebsten Adressen.

Auf den letzten Seiten findet man noch drei Hotel-Tipps, eine Liste mit allen Adressen, die nach Arrondissements sortiert sind und eine Doppelseite voller Dinge, die man anschauen, kaufen oder hören kann, wenn man noch mehr Paris-Lust hat. Ich glaube, ich sollte mir nochmal den Film Bande à part von Godard ansehen.
Dieses Magazin spiegelt sehr gut die aktuelle Entwicklungen von Paris wieder. Es ist ein Zeitzeugnis der Pariser Ess- und Modekultur und mir gefällt es sehr gut, das dokumentiert in meinen Händen zu halten.

Was bleibt also noch zu sagen?!
"Paris is the most beautiful city I have ever been to."


Und wie wär's, 38 Hours in Berlin, London oder Barcelona zu verbringen? Der Blog ist natürlich auch zu empfehlen.








11. August 2015

plan de Paris: It's nice to be alone in Paris von Herb Lester


Dieses Blog wäre nichts ohne Paris. Ihr könnt sicher auch nie genug von Paris kriegen, nicht wahr?! :) Jaja ich weiß es ja, bei mir hört dieses Thema nie auf. Gerade, wenn man so wie ich auf Paris-Entzug ist. In wellenartigen Bewegungen läuft meine Sehnsucht und gerade bäumt sich eine meterhohe Paris-Sehnsuchts-Gischt vor mir auf. Aber ich bin genügsam geworden und so sollen mir vorerst meine Erinnerungen und die großartige Paris-Karte reichen.

Die habe ich vor ein paar Wochen irgendwo im Netz gefunden und fragte mich direkt, woher ich denn diese Art der Stadtkarte kannte. Tja, die gute Lisa hatte schon vor Zeiten in ihren Wochenendklicks auf die Städtepläne von Herb Lester verwiesen. Ich habe also einen zweiten Artikel gebraucht, um eine dieser tollen Karten (und eine weitere Karte, die ich verschenkte) endlich zu bestellen.

Herb Lester hat vier Paris-Karten unter verschiedenen Gesichtspunkten erstellt. Mein Exemplar zeigt die Hotspots von Paris für einen Besuch allein in der Stadt. Wisst ihr, ich möchte ja fast sagen, dass ich die schönste Zeit alleine in Paris hatte. Aber nein, jeder Besuch war unglaublich schön, auf seine eigene Art und Weise. Aber die Paris-Reise, in der ich einige Tage alleine in der Stadt war, hat mich nachhaltig beeinflusst. Die Tage haben mein Leben geprägt. Obwohl ich nicht glaube, dass ich in der nächsten Zeit bald wieder alleine nach Paris fahren werde, wohl viel eher mit der Familie reise, finde ich die Tipps von Herb Lester ziemlich spannend. Adressen für Souveniers, Orte, in denen man sich verlieren kann, Momente, die nicht zu lange dauern, ruhige Orte zum Nachdenken usw. Die Karte ist klein und handlich, sodass sie auch ins Notizbuch passt. Mir gefällt sehr gut, dass es einige Adressen gibt, die überschaubar in Kategorien aufgeteilt und gleichzeitig direkt auf der Karte eingetragen sind. Und dann sind die Karten natürlich hübsch aufbereitet. Es ist natürlich kein Stadtplan, auf der jede kleine Straße eingetragen ist. Auch das liebe ich! Hier werden eher schematisch die Hauptstraßen mit den einzelnen Spots gezeigt.

Kennt ihr diese Stadtkarten? Im Journal von Herb Lester gibt es viele weitere Städtetipps. Schaut euch auch noch die anderen Städte an. Und für Paris gibt es neben der Karte It's nice to be alone in Paris auch Paris en famille, Paris small shops und Paris for pleasure-seekers.






7. August 2015

die Globale im ZKM Karlsruhe


Die Stadt Karlsruhe feiert in diesem Jahr ihren 300-jähriges Geburtstag und lädt die Einwohner und Besucher zu einem langanhaltenden Fest ein. Auch die Kulturhäuser beteiligen sich. Im Rahmen der Globale finden viele Ausstellungen und Aktivitäten rund um das Zentrum für Kunst und Medientechnologie statt. 

Im Juli hatte ich ein paar Stunden Zeit, um wieder ein paar neue Ecken in Karlsruhe zu entdecken. Endlich hatte ich auch die Gelegenheit, dem ZKM einen Besuch abzustatten. Die Ausstellungen der Globale Transolar + Tetsuo Kondo und Ryoji Ikeda waren also meine Ziele an diesem Vormittag. Nachher, Anton schlief noch immer, konnte ich im Café Juli meine Gedanken und Eindrücke Revue passieren lassen.


"Schon alleine die Räume sind beeindruckend; ich trete über den Zugang der HfG in das Gebäude ein und bin direkt von der ehemaligen Munitionsfabrik fasziniert. Stahl, Steine, unglaublich hohe Wände. Studierende, die mit Ton und Holz arbeiten. Einfach so zugänglich. Ich laufe einmal quer durch das Gebäude, weil ich nicht verstehe, wie es aufgebaut ist. Die fehlende Orientierung ist nicht weiter schlimm, weil man dadurch auch Einiges entdeckt. Ich bin ganz froh, dass Anton schläft und genieße sehr bewusst. Ich bleibe im Foyer stehen und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Das Café ZetKaEm, der Bookstore, die würfelförmigen, bunten Hocker, dieses Licht. Selten habe ich so einen freundlichen Wachmann erlebt, der uns die Tür aufhält und mir dann ein paar Informationen zur Installation gibt."


"Wir haben einen guten Zeitpunkt für unseren Ausstellungsbesuch gewählt, denn der Raum ist fast leer. Nur wenige andere Besucher schauen sich zeitgleich mit mir die Installation an. Zwei große Lichthöfe. Feines Mosaikparkett, neon orange-farbene Hocker, schwarze Bänke, eine hohe Luftfeuchtigkeit, ein Geräuschpegel, immer wieder in kurzen Abständen ein Zischen. Das sind meine ersten Eindrücke. Blickt man sich um, sieht man weißen Rauch. Er kommt aus kleinen Rohren, die an den oberen Balkonen angebracht wurden. Eine wendelförmige Rampe auf einem Gerüst führt zum Zentrum der Installation. (Oder vielleicht ist sie ja selbst auch das Zentrum?) Nebelschwaden, die sich zu einer großen Wolke zusammenziehen. Den Raum vor lauter Wolke nicht mehr sehen. Es ist faszinierend und ich bleibe erstmal unten. Zu beeindruckend ist es zu beobachten, wie der ausgestoßene Rauch eine neblige Masse bildet."


"Irgendwann laufen wir auch die Rampe hoch. Mit jedem Schritt wird es spürbar wärmer, die Luft wird feuchter und nach und nach tritt man in die Wolke ein. Man ist Teil der Wolke, die Sicht ist im wahrsten Sinne des Wortes vernebelt und für kurze Zeit wird mit mulmig zumute. Denn oben angekommen gibt es keine "Erlösung", keine freie Sicht und keine klare Luft. Ich muss die Luft ausstoßen, die ich angehalten hatte, muss wieder einatmen und empfinde das als beklemmend. Nach einer kleinen Runde auf der Empore entscheide ich mich also dafür, wieder runterzugehen. Ich laufe langsam, weil ich den Übergang spüren will. Den Moment, wenn der Raum nicht mehr beklemmend ist, sondern alles wieder frei wird. Ich bin beeindruckt. Es nimmt gefangen, es macht mir eine Gänsehaut und es ergreift mich. Die Installation ist weit, sie erstreckt sich auch über den anderen Lichthof. Sie ist aber auch ganz nah; sie kommt an den Körper heran, legt sich auf ihn und kommt durch das Einatmen selbst in den Körper. 

Obwohl ich schon durch die Reportage auf arte (Metropolis vom 05.07.2015) eine Vorstellung davon hatte, was mich im ZKM erwartete, haben diese Räume eine sehr starke Räume auf mich."


"Quer durch das Haus gelaufen, komme ich zum zweiten Teil der Globale. Die Arbeit micro / macro von Ryoji Ikeda ist in drei Bereiche geteilt. 
Im ersten Raum soll man die Schuhe ausziehen, wenn man die Projektionsfläche betreten möchte. Ich lasse also mein schlafendes Kind und meine Schuhe an der Seite stehen und laufe auf das Feld. Die sehr große Fläche wird mit einer Animation bespielt, die auf "Prinzipien der Teilchenphysik und Kosmologie" basiert. Schwarz und weiße Bildfelder, Streifen, Codes und Sternbilder wechseln sich ab. Hin und wieder tauchen rote Elemente auf.

Ich schließe die Augen, ich muss mich orientieren, denn auch diese Arbeit packt mich. Die Projektionen laufen sehr schnell, alles bewegt sich, ich mich auch, mir wird beinahe schwindelig. Die Sounds verstärken den Effekt. Es ist in der Tat eine synästhetische Erfahrung. 

Die anderen beiden Räume betrete ich nur kurz, weil ich Anton nicht bei seinem Mittagsschlaf stören möchte. Aber ich habe auch genug gesehen und genug erlebt. Beide Installationen sprechen den Körper an, es geht um die eigene Bewegung im Raum und das Empfinden, um eine Entmaterialisierung des eigenen Körpers im Bezug auf etwas Unbestimmtes, Ungreifbares."


Nur noch bis Sonntag, den 09.08.2015 bzw. Dienstag, 15.09.2015 habt ihr die Möglichkeit, die beiden Ausstellungen noch zu sehen. Also auf, auf, ab ins ZKM!