den Augenblick erkennen, den Moment erleben

1. Mai 2016

gelebt


Ach, der April war wirklich gut. Ich bin dankbar und happy, tief zufrieden und gelassen.

gelebt:
Der April war ein richtig guter Monat. Das lag vor allem daran, dass ich viel Zeit hatte, die ich alleine, mit meiner Familie oder mit Freunden verbringen konnte. Ich hatte Zeit, um mir einen neuen, 10 cm kürzeren Haarschnitt verpassen zu lassen. Zeit, um ein unglaublich buntes und leckeres Frühstück im Möhrenmilieu mit einer Freundin zu genießen. Zeit, um Besucher zu empfangen, von denen Anton noch heute spricht. Zeit, um wieder zu arbeiten. Zeit, um die Steuererklärung zu machen. Zeit für einen Mädchenabend im Weinhaus Michel, mit zwei tollen Frauen, die ich viel zu selten sehe. Zeit für ein Date, an dem wir beschlossen, selbst zu kochen, uns Zeit zu lassen, auf ein Event zu gehen, spät heimzukommen, spät aufzustehen und dann voller Vorfreude den kleinen Mann wieder abzuholen. Zeit, um Ausstellungen zu besuchen. Zeit für Pizza auf dem Spielplatz. Zeit für Spaziergänge im wunderschönen Wiesbaden. Zeit, um den Minimann im Bauch zu spüren.

Einige Abende habe ich mit der Organisation des nächsten Semesters verbracht. Ich wundere mich jedes Mal auf's Neue, wie zeitaufwändig das doch ist. Manchmal braucht man Rückmeldungen von Dozenten, die nicht rechtzeitig kommen, in anderen Fällen liegen zwei wichtige Veranstaltungen auf einem Termin und ich muss mich für die sinnvollste Variante entscheiden. Letztlich gefällt mir mein Stundenplan sehr. Ich habe genug zu tun, ohne überfordert zu sein. Eine Veranstaltung ist in Kooperation mit einem Museum und gefällt mir persönlich sehr. Ich habe das Gefühl, dass sie genau meinen Interessen entspricht und bin nun ganz gespannt, wie die nächsten Termine laufen werden.

Einige Arzttermine kosteten uns Zeit, doch glücklicherweise ist alles gut und wir sind gesund.

Immer wieder erlebten wir besondere Momente, die uns im Alltag innehalten ließen. Als wir in Eile waren, an einem der sehr schönen, ersten warmen Frühlingstage, hielten wir an einem Becken an und beobachteten eine Entenfamilie, wie sie sich in der Sonne sonnte und ganz allmählich, ein Küken nach dem anderen, ins Wasser glitt.

Ich genoss die Vorbereitungen für unseren Urlaub in Paris und dann natürlich auch den Urlaub selbst.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: Avocado-Zitrus Salat mit Nusspesto und dieses Nusspesto mit Pasta, ein Rhabarber-Erdbeer-Joghurt-Kuchen gebacken, Couscous-Pfanne mit Hühnchen, Süßkartoffeln und Kichererbsen (schmeckt am zweiten Tag mit richtig vielen Gewürzen nochmal viel besser!), Croissants aus Paris
geklickt: Tandemploy-Gründerin Jana Tepe hilft beim Jobsharing / Die Gleisdreieck-Connection: Maike Cruse und die Kunstszene rund um die Potsdamer Straße / leider wieder verpasst, deshalb so viel online geschaut: Gallery Weekend Berlin / Die Kunst ist zurück - zur Wiedereröffnung der Kunsthalle Hamburg / Ein mutiges Mädchen - Geschichten aus dem Kreißsaal (so furchtbar traurig) / der Artikel zur Frage, in wie weit Frauen, die Kinder haben und arbeiten oder vielleicht auch selbstständig sind, die Bezeichnung Powerfrauen, Mompreneurs etc. tragen sollten, erhitzte die Gemüter. Auch ich stehe dem Text eher kritisch gegenüber, möchte den Diskurs aber nicht an dieser Stelle fortsetzen. / Ein Buch, das stepanini vorstellt, das Irritationen hervorruft. 
ausgestellt: Die Ausstellung Maniera und die Frühen Druckgrafiken von Sigmar Polke im Städel Frankfurt. Im Museum Wiesbaden die Ausstellung Seniorenfeier mit Arbeiten von Thomas Bayrle und gleich auch noch den Sammlungsteil mit der Klassischen Moderne erneut angesehen. Auf der kurzen Nacht der Galerien und Museen in Wiesbaden ein paar kleineren Galerien einen Besuch abgestattet und dem NKV einen etwas längeren Besuch. Während der Nacht der Museen in Frankfurt gearbeitet und im Anschluss vor allem Max Beckmanns Gemälde im Städel angesehen und bei einer Führung zur Naturgewalt in Bildern (u. a. Courbet) teilgenommen. In der Schirn in Frankfurt die Ausstellung Ich besucht.
gemacht: Ich habe Mullwindeln in einem schönen Grauton gefärbt, Karten gebastelt und Geschenke verpackt.
gereist: PARIS. Mein Herz könnte kaum stärker klopfen und ich kaum glücklicher sein.
gekauft: Ein Monat, in dem ich mein angespartes Geld ausgegeben habe. Für Museumstickets, für einen Urlaub in Paris, für einige französische Pflegeprodukte, für eine Umstandsjeans, die unglaublich toll ist und (Achtung! Achtung!) für Sneaker, in denen ich fliege. Geschenkt bekommen habe ich zwei Trenchcoats, die ich nun täglich ausführe. Und auf den letzten Kindersachenbasaren und auf Mamikreisel habe ich noch ein paar notwendige Kleidungsstücke für meine Söhne (hihihi) erworben.
gedacht: Ich möchte meine Zeit anders nutzen. Manchmal sinnvoller, manchmal effizienter, manchmal einfach mit Nichtstun vertreiben. Mit etwas Planung und einer genauen Vorstellung darüber, was ich eigentlich möchte, gelingt es mir sehr gut.
geärgert: Über Seminare, die inhaltlich sehr spannend sind und aber so spät liegen, dass ich sie nicht besuchen kann.
gefreut: Über zwei kleine Buben, die nun auf der Welt sind und zwei Familien sehr, sehr glücklich machen. Und mich auch. :)
geliebt: Jeden Tag diese beiden (bzw. drei) Menschen um mich zu haben. Ich könnte gerade wirklich kaum glücklicher sein.


















26. April 2016

Zeit nehmen



Einer meiner Grundsätze: wenn du unzufrieden bist, dann ändere etwas an der Situation.
Manchmal zeigt sich nur schleichend, dass man nicht ganz glücklich mit dem Hier und Jetzt ist. Es braucht mehrere Momente, die einem deutlich machen, dass es auf diese Art und Weise nicht mehr weitergehen sollte. Manchmal fliegt man hin, weil man die vielen Stolpersteine übersehen hat, rappelt sich dann wieder auf und nimmt einen anderen Kurs. Manchmal geschieht das gar nicht so laut, mit viel Klimborium und großem Gerede.

Ich bemerkte irgendwann, wie sehr es mir fehlte, kreativ zu sein. Natürlich haben der Familien- und Unialltag seine Spuren hinterlassen. Wenn ich jede Zeitverschwendung außer Acht lassen würde, gäbe es da nicht mehr viel Zeit für kreative Prozesse. Mich mussten Hashtags wie #zenfriday und #analogweekend daran erinnern, dass ich dennoch einen gewissen Teil meiner Zeit selbst in der Hand hatte. Wie es wohl wäre, etwas weniger digital zu konsumieren und in diesen freigewordenen Zeiten selbst produktiv zu sein?

In einem Selbstversuch wählte ich noch bewusster als zuvor meine Phasen aus, in denen ich mir Bilder auf Instagram ansehen wollte, in denen ich Blogposts las oder Serien "nebenbei" schaute. Diese Zeiten, die keineswegs digitaldetox und online-frei sein mussten, wollte ich selbst zum bloggen nutzen, Fotos bearbeiten oder Emails schreiben, basteln, Bücher lesen oder irgendwas anderes machen, wofür ich Konzentration brauche.

Mein kleines Experiment klappt erstaunlich gut. Ich merke, wie wenig es mich schmerzt, wenn ich online etwas "verpasse" und wie glücklich es mich macht, wenn ich wieder Bücher lesen kann oder mit meinen eigenen Ideen vorankomme. An einem Samstagvormittag lag ich einfach nur im Bett, las Kapitel um Kapitel und machte nichts. So entspannt war ich schon lange nicht mehr. An einem Abend hakte ich so vieles von meiner Liste ab, einfach, weil ich konzentriert arbeiten konnte. Und die Momente für's Fotografieren und Aquarell malen werden sich auch wieder finden.

Diese freigewordene Zeit ist das i-Tüpfelchen, das mich gerade noch zufriedener macht, als ich es ohnehin schon bin.

13. April 2016

Mitbringsel aus Paris


Wir sind zurück aus Paris und schon wieder mitten drin im Alltag. Es gibt ein paar Dinge, die ich mitgebracht habe. Und bevor ich zu etwas ausführlicheren Berichten von unserem kurzen Urlaub kommen werde, möchte ich euch meine Mitbringsel zeigen, die den Urlaub noch ein wenig in den Alltag hineintragen und die Erinnerungen so schön aufrecht erhalten.

Ich liebe Stadtkarten. Und ich liebe es, mit ihnen ganz oldschool durch die Stadt zu laufen. In einer kleinen Kiste liegen schon etliche Paris-Karten, beschriftet und zusammengeklebt, weil sie vom vielen Auf- und Zufalten beinahe auseinanderfallen. Mit jedem Appartement, in dem ich für wenige Tage lebe, lerne ich neue Straßen und vielleicht sogar ein anderes Arrondissement kennen. Obwohl ich sehr gerne an bekannte Orte zurückkehre, genieße ich es gleichzeitig, auch Neues zu erkunden. Doch schnell merkt man dann auch, ob die Stadtkarten etwas taugen. Meine aktuellste hatte viele Lücken und war zu wenig detailliert. An der Information in den Métrostationen gibt es jedoch kostenlose Stadtkarten mit Métroplan. Die Karte Nummer 2 (mit Straßen) reichte für meine Zwecke vollkommen aus. Métro Poche ist so klein, dass sie in jede Jackentasche reinpasst. Hier ist allerdings nur das Métronetz eingezeichnet. Das hilft mir manchmal, im Treppen-, Menschen- und Tunnelgewusel nicht die Orientierung zu verlieren. Ganz wichtig ist nämlich, sich die Endhaltestellen der Métrolinien zu merken.

Es gibt so viele Orte in Paris, in oder an denen ich noch kein einziges Mal war, obwohl sie doch so cliché sind. Zum Glück weiß ich, dass es nie der letzte Trip nach Paris gewesen ist und dass ich immer noch eine neue Möglichkeit bekommen werde, um mir die vielen wunderbaren Orte anzusehen. Ein wenig ging es mir so mit dem Einkaufshaus Le Bon Marché. Einkaufshäuser finde ich ziemlich öde und verbringe meine Zeit lieber an anderen Orten. Aber als die Innenhalle mit den Rolltreppen auf Instagram so gehypt wurden, während sie vom Künstler Ai Weiwei bespielt wurde, wollte ich mir diesen Ort dann doch genauer ansehen. Unser Plan war ganz einfach: Anton durfte die ganze Zeit Rolltreppe fahren, während ich mir das Haus ansehen wollte und die berühmten Rolltreppen fotografieren konnte. Doch dann blieb ich schon in der Grande Epicerie hängen und konnte mich kaum an den ganzen Köstlichkeiten sattsehen. Im Nebenhaus mied ich die Fashion- und Beautyabteilungen und stöberte lange in den Bereichen Papeterie, Home und Buch. Meine Güte, gibt es viel zu sehen. Ich konnte mich kaum entscheiden und nahm letztlich ein kleines (Tage-)Büchlein mit.

Obwohl ich selten Magazine lese, wollte ich schon lange das Milk Magazine in meinen Händen halten. An einem der kleinen Verkaufsstände in Saint-Germain-des-Prés, ganz nahe beim berühmten Café de Flore hatte ich die lustigste Begegnung dieser Reise. Mit meinen immer schlechter werdenden Französischkenntnissen hielt ich mich ziemlich wacker in einem Gespräch über meine beiden Buben. Die Zeitschrift erinnert mich sehr an diese kurze und lustige Episode.

Ich darf mich Happy-Super-Fast-Shopperin nennen, weil es mir mehrmals gelang in nur kürzester Zeit genau das zu finden, wonach ich gesucht hatte. Weil wir auf unserem Weg in den Jardin du Luxemburg "ganz zufällig" an der City Pharma, der wohl günstigsten und berühmtesten Apotheke von ganz Paris, vorbeikamen, konnte ich dort kleine Schätze von meiner Wunschliste in den Einkaufskorb packen. Eine Sonnencrème für das Gesicht, das wohl beliebteste Dry Shampoo von Klorane, das Thermalwasserspray von Avène, das ich so gerne benutze, eine schönste Zahnpasta von Marvis, Abschminkwasser von Bioderma und eine Gesichtscrème vom Embryolisse. An einem verregneten Nachmittag machte ich kurz Halt in einem Modegeschäft und fand in nur wenigen Minuten genau diese beiden Arten von Trenchcoats, die ich schon lange suchte. (Navy und fließend sowie schwarz und klassisch.) Einkäufe très parisiennes.

Die Supermärkte Frankreichs sind wahre Goldgruben und wenn man etwas Zeit mitbringt, kann so ein Groceryshopping ganz schön ausarten. Die besten Kekse von Bonne Maman liegen schon längst als Krümel irgendwo auf den Spielplätzen der Stadt (dabei esse ich sonst kaum Cookies). Die Olivenseife von Le petit Marseillais wird mich für alle Zeiten an Paris erinnern. Schon vor Jahren benutzte ich sie in einem Apartment und seitdem kommt immer eine Flasche mit nach Hause. (Oder der Mann bestellt eine ganze Ladung als Geburtstagsgeschenk.) Genauso auch wie das Waschgel Génie, das mir schon gegen so vielen Essensflecken und allem, was Kinder so anstellen können, half.

Métrotickets, die mich an unsere abenteuerlichen Métrofahrten erinnern. Métrofahren mit Kinderwagen ist keine gute Idee! Die Visitenkarte des Café Kitsuné, das im Palais Royal beherbergt ist und auch so cliché ist. Doch der Ort und der gute Cappuccino entschädigen das. Eine Eintrittskarte von einem kostenpflichtigen Spielplatz im Jardin du Luxemburg, der nicht nur Anton sehr viel Freude bereitete, sondern auch uns.

Alles Erinnerungen an nicht einmal vier ganze Tage in Paris.

5. April 2016

Bon voyage!


Wenn es hier auf dem Blog ruhig wird, dann heißt das meistens nicht, dass es nichts zu berichten gibt, sondern vielmehr, dass das Leben so voller Aktivitäten und Eindrücken ist, dass ich mir kaum die Zeit nehmen kann, meine Gedanken aufzuschreiben. Während es mir auf une vie magnifique nicht zuletzt auch dank eines Blogplans wirklich leicht fällt, Artikel für Artikel zu schreiben und die Ideen, die mich im Alltag so anfliegen, zu verarbeiten, ist betsi für mich eine Art Ruhepol. Dieses Blog begleitet mich schon so lange, es ist ein Herzensding und ich habe es schon lange überwunden, mich schlecht zu fühlen, wenn ich nicht regelmäßig schreibe. So gibt es leider auch Artikel, die beinahe fertiggestellt wurden und dann aus Aktualitätsgründen im Archiv verschwinden (vor allem bei Ausstellungsbesuchen). Und es gibt Themen, die hier immer wieder auftauchen. Weil sie mich so beschäftigen, weil sie mich glücklich machen, weil ich einen Ort brauche, an dem ich all die Informationen zusammentragen und sammeln kann.

Paris ist so ein Thema.

Unser letzter Paris-Urlaub ist ziemlich genau zwei Jahre her. Z w e i Jahre. Das ist eine sehr lange Zeit für eine Stadt, die eine so starke Faszination auf mich ausübt.

Ich habe mich in den letzten Monaten oft gefragt, warum es gerade Paris sein muss. Was hat diese Stadt, dass ich immer und immer wieder zurück möchte? Oder dass ich mir täglich auf Instagram Bilder von Parisern ansehe? Warum macht es mich so glücklich, wenn ich die grau-in-grauen Pariser Häuserfronten erblicke?

Wahrscheinlich sind es die vielen Erinnerungen in jeder erdenklichen Lebensphase, die ich in Paris gesammelt habe. Es ist sicher auch eine Form von Inspiration, die mich jedes Mal erfüllt, wenn ich in eine andere Stadt komme. Wenn sie dann mit ihren Einwohnern, Blumenläden, Cafés, Parks und Häusern dann noch so hübsch ausschaut (aber natürlich auch mit den Touristenscharen, den überfüllten Metróstationen, den überteuerten Supermarktpreisen oder dem Abwassersystem ziemlich anecken kann), dann bekommt ein Ort noch eine größere Bedeutung. Bestimmt hat es aber auch mit dem Image dieser Stadt zu tun, mit den Künstlern, die dort gelebt haben, die Lieder, die über sie gesungen wurden, die vielen mit dem Wahrzeichen der Stadt bedruckten Notizbücher. Es gibt einen gewissen Mythos, der auch mich packt und scheinbar magisch anzieht.

Während manche Menschen das Glück haben, ihre Reiselust immer wieder neu zu befriedigen (vor einigen Jahren gehörte ich dazu), muss ich mich seit wenigen Jahren etwas zurückhalten. Jeder Ausflug und jeder kleine Urlaub bedeutet mir sehr viel.


Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass ich im Oktober davon erzählte, dass ich mir nun endlich vorgenommen hatte, auf ein Ziel hin zu sparen. Es gelang mir tatsächlich, jede Woche mein Kleingeld einzuwerfen, mir manch ein Cappuccino zu verkneifen und Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke nicht auszugeben. Gestern lief ich ziemlich stolz mit einem Glas voller Kleingeld und einigen Scheinen zur Bank und zahlte alles ein. Ich habe mir einen kleinen großen Traum erfüllt und kann mir meinen Teil der Paris-Reise selbst finanzieren und leisten. Außerdem bleibt mir auch genügend Geld, um mir das ein oder andere Kleidungs- und Erinnerungsstück zu kaufen und das Leben dort zu genießen. Ich bin wirklich unheimlich stolz auf mich :)

In wenigen Tagen geht es also für uns als Familie los nach Paris. Meine Vorfreude ist riesig. Weil ich nun auch für die Uni nichts mehr zu tun habe, konnte ich mich in den letzten Tagen richtig auf diese Reise vorbereiten. Ich habe Reiseführer und Webseiten durchforstet und die Orte zusammengestellt, an denen ich gerne vorbeikommen möchte. Es wird ein richtiger Familienurlaub, mit viel Eiscrème, Spielplatzbesuchen und Nichtstun. Und das in Paris.


1. April 2016

gelebt


Dieser März, was bin ich froh, dass er vorbei ist. Ich hatte einen so intensiven Lateinintensivkurs an der Uni, dass die Tage nur so an mir vorbeizogen. Kurz vor Ostern dann die Erlösung: die letzte Klausur und die Abgabe der Hausarbeit. Und endlich, endlich kann der Frühling bei mir einziehen.


gelebt: Ja, diese Lateinklausur war für mich persönlich eine echte Herausforderung. Nachdem ich im Februar an meinen freien Vormittagen eine unliebsame Hausarbeit geschrieben hatte, musste ich mich nun im März der nächsten Herausforderung im Studium stellen. Ein vierwöchiger Intensivkurs in Latein, in der man innerhalb dieser kurzen Zeit die Inhalte verinnerlichen sollte, die Gymnasiasten innerhalb von vier Schuljahren lernten. Wahrscheinlich bin ich während meines gesamten Studiums noch kein einziges Mal so an einer Aufgabe verzweifelt wie an dieser, doch am Ostersamstag kam dann die entscheidende und erleichternde Email: BESTANDEN!!! Mehr als nur ein Felsbrocken ist von meinem Herzen heruntergeplumpst, ich hatte Tränen vor Glück und Freude in den Augen und bin erstmal durch die Straßen Mainz’ gehüpft. (Dabei geht es mir gar nicht darum, dass ich Latein per se furchtbar finde. Nur das Lernen innerhalb eines Stundenplans, der schon gut gefüllt ist, mit Veranstaltungen, die einem gefallen, das über ein Jahr hinweg, der Verzicht auf Fernsehabende, um dann nur die Hausaufgaben zu schaffen, aber keine Zeit zum Lernen zu haben und das alles mit Kind…)
Nach dieser Email konnte ich endlich durchatmen. Drei echte Ferienwochen lagen vor mir. Drei Wochen, in denen ich mal nicht Studentin bin, sondern mich noch besser auf Anton konzentrieren kann, auf das Baby in meinem Bauch, auf Ausstellungen, die Blogs, spazieren gehen kann und alles machen werde, was ich so lange vor mir herschieben musste (ja, auch die Steuererklärung).
Die Nachmittage im März waren dennoch voll von schönen Kleinigkeiten. Ich war nicht viel unterwegs, damit ich abends genug Power zum Lernen hatte, aber Anton und ich hatten auch so eine gute Zeit. Wir genossen die Sonnenstrahlen auf dem Spielplatz, gingen viel spazieren und schauten häufig bei der nächstgelegenen Waschanlage vorbei. 
Ich trug wieder häufiger Lippenstift, um nicht so falls auszusehen, arbeitete wieder im Museum und kaufte viel für unser Baby ein. Ich bekam viele Blumen und einige Päckchen zugeschickt, die mir den Alltag so versüßten. Wir feierten Ostern und beschäftigten ein überdrehtes Kind unter Zuckerschock.

gegessen bzw. gekocht und gebacken: Jede Menge Erdbeeren, Schokoosterhasen und Eis.
ausgegangen: In einer der Einkaufsstraßen von Wiesbaden gibt es das Eckcafé Café Latte Art, das leckere herzhafte Waffeln und unglaublich guten Erdbeer-Rhabarber-Pie anbietet. Und ich bin süchtig nach den Falafel Sandwiches von Mister Falafel in Mainz. Das ist ein kleiner Imbiss in der Lotharstraße mit sehr wenigen Steh- und Sitzplätzen und so unglaublich leckeren Falafel.
geklickt: Aurélie Lécuyer macht einfach die schönsten Momentaufnahmen, das Rezept für gefüllte Conchiglioni auf Mummy Mag, das spannende Interview von Indre Zetzsche mit Kerstin Reilemann (Snug.Studio), Steffis Antworten darauf, was so toll am Elternsein ist, Ktinka findet, dass wieder mehr gebloggt werden sollte
gelesen: Nachdem ich die Hausarbeit abgegeben hatte, habe ich direkt die Bücher aus den Regalen auf mein Nachtisch gelegt. Aktuell lese ich: Die Chefin verzichtet von Max Goldt
gesehen: Monuments Men
gemacht: Fotos und Videos, Ostereier mit Kurkuma und Rotkohl gefärbt, Antons Osterkorb
gereist: Wiesbaden. Immer wieder bin ich fasziniert, wie schön diese Stadt doch ist. Wir waren einige Male dort spazieren oder haben uns mit Freunden getroffen. Im Rheingauviertel und im Westend gibt es viel Altbauten mit wunderschönen Hausfronten. In der Gegend um den Dürerplatz und am Neroberg stehen viele große Villen. Jedes Haus ist irgendwie einzigartig und hat etwas, das einen stehen bleiben lässt.
gekauft: viel Babykleidung, Geschenke für Freundinnen und für Babys, die bald auf die Welt kommen werden
gedacht: Was ich für tolle Freunde doch habe.
geärgert: über Kopfschmerzen
gefreut: Über die ersten Sonnenstrahlen.
geliebt: Endlich, endlich Zeit zu haben!!












1. März 2016

gelebt


Der Februar war grau. Viele Blumen, jeden Tag leckere Orangen und das wirklich gute Vorankommen bei der Hausarbeit ließen mir den grauen Alltag besser erscheinen.

gelebt: Viel habe ich nicht gemacht. Jeden Tag an der Hausarbeit gesessen und fleißig gelesen und geschrieben. (Ich bin im Zeitplan! Yeah!) Geburtstage wurden gefeiert, ich nahm mir regelmäßig eine Auszeit in der Badewanne und einige Kuchen habe ich gebacken. Für Anton habe ich mir bewusst Zeit genommen und das tat sehr gut. Auch wenn das bedeutete, dass wir viele Nachmittage zu Hause verbrachten und ich unzählige Male den Grüffelo lesen musste. Wir kennen ihn mittlerweile auswendig. Als Ausgleich zu meiner intensiven Hausarbeits-Phase hatte ich immer wieder freie Abende oder Momente. So genoss ich beispielsweise einen Mädchenabend mit Pizza in der neuen Wohnung einer Freundin, stieß mit Ginger Ale auf die 27 Jahre meiner Freundin an oder bummelte durch Frankfurt. Ein echtes Highlight war auch, dass ich Nina nun "in echt" kennengelernt habe und wie immer zeigt es sich, dass Menschen, die mir im Internet sympathisch sind, auch im analogen Leben toll sind. Zwischendurch hatte ich auch eine richtig doofe Woche, in der wirklich alles schief ging und ich diesen Monat einfach nur abhaken wollte. Das kann ich jetzt auch ;-)
Neben all den Familienbesuchen, die im Februar anstanden, bekamen wir auch häufig Besuch von Freunden, nicht zuletzt freute ich mich, L und K nach so langer Zeit endlich wieder zu sehen. Ich bekam ganz tolle Post aus Berlin und freute mich so sehr über diese Überraschung.


gegessen bzw. gekocht und gebacken: jeden Tag (frischgepressten) Orangensaft, Kreppel
ausgegangen: The holy cross brewing society in Frankfurt
geklickt: Die wunderbare Website vom Hamburger Saftladen Oh my juice, deren Design mir so unglaublich gut gefällt. Der Künstler Mark Garry und diese, diese und diese Arbeit.
gelesen: Der Grüffelo, gefühlte 3000 Mal. Außer Uniliteratur nichts.
ausgestellt: Rundgang der Städelschule Frankfurt, Joan Miró in der Schirn Frankfurt
gemacht: Hausarbeit, Hausarbeit, Hausarbeit
gereist: nur Frankfurt-Tage
gekauft: Ein paar Kleidungsstücke für Anton und das Baby. Und endlich hat die Kindersachenbasar-Saison wieder begonnen.
gedacht: Ich brauche wieder einen Blogplan. Nachdem es auf den Blogs im Winter etwas ruhiger war, habe ich nun schon einige Artikel in Planung und hoffe nur, dass ich neben dem Latein-Intensivkurs auch noch zum Schreiben und Fotografieren komme. Der Blogplan steht aber. :)
geärgert: Ich habe mich nicht geärgert, aber ich bin traurig darüber, dass Roger Willemsen gestorben ist. Sein Buch Der Knacks war ein positiver Knacks in meinem Leben, genau zur richtigen Zeit. (Einige Zitate habe ich bereits zitiert. (zum inneren Drama / zur Schönheit / zu Orten / zum Gefühl / zum Glück / zur Heimat / zu Brüchen)    
gefreut: Über Pläne, die wir schmieden. Keine großen, nur Urlaubspläne. Doch dieses Mal endlich mal ein bisschen im Voraus. Die Vorfreude ist riesig. Und über ein neues altes Handy, das zwar deutlich größer als mein bisheriges ist, aber auch so viel besser in allen Funktionen.
geliebt: Meinen Babybauch. Und alle Menschen, die uns deswegen geschrieben haben. 


Ich wünsche euch einen wundervollen März. Der Frühling kommt bestimmt.








29. Februar 2016

ausgestellt: Joan Miró in der Schirn Kunsthalle


Obwohl ich mich spätestens seit dem Studium viel mit der Klassischen Moderne beschäftige, hatte ich kaum einen Eindruck von Miró. Mir waren zwar die Prints aus den Wartezimmern der Hausärzte bekannt, doch weder beachtete ich diese Bilder, noch fühlte ich mich angesprochen, konnte sie zuordnen oder auf irgendeine Art und Weise verstehen.

Die aktuelle Ausstellung Joan Miró in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt war für mich daher eine interessante Erfahrung. Die Ausstellung stellt vor allem ein Aspekt von Mirós Oevre in den Vordergrund: seine Wandbilder. Diese habe zwar noch Einiges mit den "typischen Miró-Werken" gemeinsam, doch zeigt sich in ihnen auch eine ganze andere Seite seines Schaffens.


Miró wuchs in einem katalanischen Ort aus und lebte und arbeitete dort einen Großteil seines Lebens. Vielleicht ist auch diese Abgeschiedenheit dafür verantwortlich, dass er sein Ding machte, sich zwar auch von den unterschiedlichen Strömungen seiner Zeit beeinflussen ließ, jedoch immer sich selbst treu blieb.

Die frühe Arbeit Der Bauernhof / La Ferme (1921/22) zeigt im Bezug auf die Ausstellung genau diese Selbstreflexion und bildet daher einen geeigneten Ausgangspunkt. (Für mich ist ganz interessant, dass Hemingway dieses Bild kaufte, aber das nur am Rande.) Auf diesem Gemälde, das beinahe wie ein Wimmelbild erscheint, vermischen sich viele Stile und Motive. Am linken Bildrand wird eine Stallwand dargestellt, die Risse im Putz hat, die mit Farn und Gräsern bedeckt ist und Flecken aufweist. Scheinbar hat dieses Frühwerk wenig Bezug zu den weiteren Arbeiten der Ausstellung, doch schnell zeigt sich die spannende Verbindung. Miró kehrt in seinem Schaffen immer wieder zurück den Ansätzen, die sich in Der Bauernhof widerspiegeln.

Er spielt mit den Materialien und verwendet Jute, Leinwand, Sand, Teer und Hartfaserplatten, um seinen Bildern eine neue Materialität zu verleihen. Die unorthodoxen Bildträger produzieren einen Eindruck von Wand, der Abhängigkeit von Witterungsbedingungen und von Material, das nicht immer beeinflusst werden kann. Miró hatte auch nichts dagegen, wenn die Kunstwerke beim Transport kleinere Beschädigungen erfuhren, weil es sie so nur authentischer machte. 

Den Bezug zur Wand schafft er aber auch durch die Monumentalität seiner Werke. Die großen Mauern geben eine Möglichkeit, um zu kommunizieren und ein großes Publikum zu erreichen. Und genau damit hat er mich auch erreicht. 


Mein Eindruck von der Ausstellung

Obwohl ich mir vor dem Ausstellungsbesuch das Digitorial durchsah und -las, hätte ich niemals damit gerechnet, dass mich seine Arbeiten mit so einer Wucht treffen würden.

Mirós Arbeiten berühren mich stark. Auch heute noch wirkt diese Kraft der Farben, des Pinselduktus und der wenigen Formen auf mich nach. Ich bin überrumpelt ob dieser Klarheit und Reduziertheit, der Farbnuancen und der Größe. Auch wenn noch einige Arbeiten stark an die "Wartezimmerkunst" erinnern, gibt es viele Highlights, die mich beim Ausstellungsbesuch beinahe in eine sakrale Stimmung versetzten.

Wenn ich in einer Ausstellung bin, dann gibt es immer Arbeiten, zu denen ich zurückkehren muss. Ich nehme mir dann nach einem ersten Rundgang durch die Räume Zeit, um mir die mir besonderen nochmal eingehender zu betrachten und sie wahrzunehmen.

Mirós Triptychon Gemälde / Peinture von 1973 ließ mich mehrmals stehenbleiben, näherkommen und wieder Abstand nehmen. Die Bewegungen der schwarzen Farbe sind faszinierend. Auch an Malerei (Die Magie der Farbe)/ Peinture (La Magie de la couleur) von 1930 konnte ich nicht vorbeigehen. Das Triptychon mit den monumentalen Gemälden Malerei I-III / Peinture I-III (1973) verschlug mir kurzzeitig den Atem und Malerei II / Peinture II (1973) machte mir gute Laune. Diese Farbspritzer und das bewusste Einsetzen so weniger Farben gefallen mir außerordentlich gut.

Es gibt natürlich noch viel mehr Aspekte, die in dieser Ausstellung zu entdecken sind. Sein serieller Ansatz beispielsweise, der Vergleich von Skizzen und endgültiger Ausführung oder noch verstärkter die unterschiedlichen Ansätze, mit denen Miró die Materialien verwendet.

Wie immer können keine Fotos und kein Digitorial den Ausstellungsbesuch ersetzen und deshalb möchte ich euch einen Besuch in der Schirn wärmstens empfehlen.