den Augenblick erkennen, den Moment erleben

27. Juli 2015

gelebt: ein Sommer voller Pläne


Endlich Semesterferien vorlesungsfreie Zeit! Obwohl mir das Studium in diesem Semester sehr gut gefallen hat, (weil ich so besonders gute Veranstaltungen hatte), bin ich dankbar für die Auszeit. Wobei Auszeit einfach nur bedeutet, dass ich nicht mehr auf den Campus muss, jedoch in den Morgenstunden insgesamt drei Hausarbeiten schreiben muss.

Seit der Prüfungsphase schwirren schon die besten Ideen für die freien Tage im Kopf, die ich natürlich wieder auf eine Liste packen musste! Es geht wirklich nicht anders - was nicht aufgeschrieben oder abgetippt wird, geht verloren. Und die beste Möglichkeit, um wirklich entspannen zu können ist nicht, dass ich nichts tue, sondern endlich die Dinge aufarbeiten kann, die liegen geblieben sind.


Gleich heute geht es für ein paar Tage zu meinen Eltern. Das ist auch immer ein wenig wie Urlaub - obwohl ich dieses Mal für die letzte Klausur lernen muss. Aber seit langer Zeit werde ich wieder auf alte Freunde treffen. Und in den kommenden Wochen gehen wir auf eine Hochzeit, haben mindestens einen baby-freien gemeinsamen Abend, haben Freunde zu Besuch, die man viel zu selten trifft und fahren ein bisschen im Rhein-Main-Gebiet umher.

Wie bereits erwähnt, kann ich mir nicht nur einen faulen Lenz machen, sondern muss auch drei Hausarbeiten schreiben. Auf die Recherche zur einen Arbeit freue ich mich schon ganz besonders. Ich werde sicherlich viel Zeit auch in der Kunstgeschichtsbibliothek in Frankfurt verbringen, denn diese hat eine großartige Auswahl. Vielleicht ist das ja auch mal die Gelegenheit, die Bibliotheken in den Museen zu nutzen? Bisher hatte ich nie einen Grund, um dort zu arbeiten. Gleichzeitig sollte ich auch täglich oder zumindest alle paar Tage in meine Lateinunterlagen schauen. Das, was ich für die Klausur in mein Kurzzeitgedächtnis eingeprägt habe, sollte doch noch mindestens ein Jahr dort drin bleiben.

Das viele Sitzen der letzten Wochen reicht mir allmählich. Ich Sportfaule habe wieder so Lust, meine Übungen zu machen. Bis zur Mitte des letzten Semesters konnte ich sie immer wieder in unseren Alltag einbauen, doch dann fehlte einfach die Zeit. Sport kann ich das zwar nicht nennen, aber ich freue mich einfach darüber, wieder regelmäßig meine Übungen machen zu können.

Drei kleine DIY-Projekte stehen außerdem an. Vor ein paar Monaten fand ich auf der Straße ein Regal. Ich bin mir immer noch nicht ganz im Klaren, wo das gute Teil hin soll, aber ich weiß schon ganz genau, was daran zu tun sein wird. Ich muss die schlecht aufgetragene Farbe erst einmal abschleifen, dann neu streichen und eine Platte dafür ausschneiden lassen. Zwei Strohkörbchen möchte ich auch mit wohl weißer Farbe verschönern und zu guter Letzt den Ikea-Hocker im Bad ein wenig pimpen. Anton hat ihn zwar schon mit seinen Wachsmalstiften angekritzelt, aber das Orange gefällt mir nicht so gut :)

Ich freue mich, dass wir im Oktober voraussichtlich nach Mallorca fliegen können. Den Urlaub haben wir nötig und ich bin ganz heiß drauf, diese schöne Insel zu entdecken. Tipps, Hotelvorschläge und Ideen gerne an mich!

Ein Langzeitprojekt ist mein "Kunstbuch". Ich war schon auf so vielen Ausstellungen, habe viele Artikel gelesen und Einiges in den letzten Semestern gelernt: das möchte ich mir merken. Deshalb sortiere ich diese Informationen in einem Buch. Aber das hat natürlich die geringste Priorität. Ein guter Schritt für die freien Tage wäre also, die ganzen losen Blätter, die sich wieder angesammelt haben, zumindest grob zu sortieren. (Ja, die Erwartungen in diesem Punkt lieber schön niedrig halten.)

Auf dem Blog soll auch wieder Einiges passieren. Ich plane ein leichtes Redesign von betsi und werde endlich die vielen Blogposts für betsi und une vie magnifique fertig schreiben können. Ich war schon in den vergangenen Wochen voller Ideen und "Inspiration", doch mir fehlte einfach nur die Zeit, um alles realisieren zu können.

Ganz besonders freue ich mich auch über die Gelegenheit, endlich in einem Museum arbeiten zu können. Oder mit. Meine ersten Arbeitsstunden als freie Mitarbeiterin kommen bald und ich werde Kinderworkshops durchführen. (YEAH! Könnt ihr euch vorstellen, dass mein Herz jedes Mal einen kleinen Tanz aufführt, wenn ich darüber nachdenke?!)

Und neben all der Literatur, die für die Hausarbeiten nötig sind, werde ich auch wieder "nur für mich" lesen. Zum Beispiel Alte Meister von Thomas Bernhard oder das KubaParis Magazin.

Ich will auch weiterhin die Zeit nutzen, um Ausstellungen zu besuchen. Unbedingt sollte jeder, der interessiert ist, ins Städel zur Ausstellung Die 80er. Figurative Malerei in der BRD oder ins Museum Wiesbaden gehen. Dort wird gerade die Ausstellung Sieben Stunden, Acht Stimmen, Drei Bäume von Katharina Grosse gezeigt. Es gibt auch einige Galerien und Off Spaces in Frankfurt, die ich endlich sehen möchte.


Meine Pläne sind keine besonders großen, aber ich bin ganz zufrieden mit ihnen. In diesen Ferien brauche ich nicht so viel Action, sondern einfach ein wenig Ruhe, um wieder das erledigen zu können, was ich den letzten Monaten liegen bleiben musste. Ich hoffe auf angenehme 25 Grad und wenig Hitze, auf Frühstücksdates und Weinabende.

Was sind eure Pläne? Was lest ihr gerade? Was sollten wir unbedingt sehen? Und macht ihr euch auch "Bucket Lists"?

24. Juli 2015

gereist: Karlsruhe


Vor zwei Wochen verschlug es uns wieder nach Karlsruhe. Mein Freund hatte dort geschäftliche Termine und ab dem Nachmittag fand ein Familienfest statt, zu dem wir eingeladen waren. Ich freute mich sehr darüber, wieder einmal die Gelegenheit zu haben, nach Karlsruhe zu fahren. Den unifreien Tag wollte ich mit gutem Gewissen genießen und mich auf die Zeit mit Anton einlassen.

Karlsruhe ist mit seinen vielen Baustellen nicht unbedingt schön. Aber es gibt so viel zu entdecken. Ich lande immer wieder an neuen Plätzen und Orten, die ich bisher noch nicht kannte. Außerdem - davon hatte ich ja das letzte Mal ganz ausführlich gesprochen - verbinde ich viele gute Erinnerungen an Karlsruhe und ich fühle mich mit der Stadt verbunden.

Ich nehme euch einfach wieder mit auf eine kleine Tour durch Karlsruhe.


Mit der Straßenbahn Nr. 2 in die Innenstadt reingefahren, halten wir an der Haltestelle Kronenplatz. Mein Ziel ist das Zentrum für Kunst und Medientechnologie, das ZKM, und am Kronenplatz müssen wir umsteigen. Doch ich entschließe spontan, zuerst in die Stadt zu gehen. Anton ist noch putzmunter und ich möchte die Zeit sinnvoll nutzen. Deshalb erst einmal ein wenig Action für Anton. Beim Spaziergang entdecke ich das klitzekleine Café Perlbohne. Wie gerne ich dort meinen zweiten Kaffee trinken möchte, aber wir müssen erst einmal zur Bank. Nach dem obligatorischen Besuch beim Bäcker sind wir schon so weit vom Café entfernt, dass wir unseren Besuch auf ein nächstes Mal verschieben. Mir fällt spontan ein, dass ich ja noch eine Crème suche. Wir gehen also in den direkt links von uns liegenden Kaufladen, die meisten Geschäfte haben noch zu. Und dort werde ich nach einer Beratung erst einmal geschminkt. Oh, tut das gut. Die Stadt schläft noch und ich bin voller Energie und sehe dank der CC Cream und dem apricot(!)-farbenem Rouge richtig frisch aus. Ganz begeistert und beschwingt gehe ich wieder aus dem Laden raus und wir kommen wieder zur Bäckerei. In der Badischen Backstub' werden wir wieder erkannt und weil die Hörnchen dort so lecker schmecken und nicht nur Anton es verschlungen hat, steckt der freundliche Verkäufer uns noch ein zweites Hörnchen in die Tüte.


Am Marktplatz ist gerade eine riesengroße Baustelle. Der Platz ist für Anton ganz spannend, denn hier tummeln sich Bauzäune, Bagger und Rohre. Aber auch für mich ist der Marktplatz sehr anziehend, da hier ein Kunstobjekt im öffentlichen Raum steht. Im Zuge des 300- jährigen Stadtgeburtstages gibt es in diesem Jahr in Karlsruhe zahlreiche Ausstellungen und Events. Und am Marktplatz hängt ein ganz außergewöhnliches Kunstwerk (Pulled By The Roots von Leandro Erlich). An einem Baukran hängt ein Haus, das an der Unterseite Wurzeln hat. Ich freue mich so sehr, dass ich es nun endlich live sehen kann und nicht nur im Internet.


Anton wird ein wenig hibbelig und wir machen uns auf den Weg Richtung Schloss. Ach, dieses Schloss. Zum einen ist es einfach nur schön. Die Form des Baus ist interessant und morgens scheint die Sonne auf den hellgelben Putz und auf dem Platz davor ist noch ganz ruhig. Und zum anderen steht das Schloss für eine wunderbare Woche im Frühjahr, in der ich ohne meine Männer an einer Fortbildung teilnehmen konnte. Ich habe in dieser Woche so viel gelernt und diese intensive Zeit wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Am Schlossplatz angekommen, darf Anton loslaufen. Wir schauen einfach, was passiert. Und Anton läuft und läuft. Wir gehen am Bundesverfassungsgericht vorbei, dessen Architektur ich so gerne mag. Wir gehen in den Botanischen Garten, laufen hunderttausend Mal über die Schienen der kleinen Parkeisenbahn, die glücklicherweise noch nicht fährt. Wir sehen Brunnen und exotische Bäume, spielen in einer Pfütze, machen Fotos. Dieser Park ist wirklich einen Ausflug wert. Die Seite hinter dem Schloss ist etwas weitläufiger. Hier gibt es die Majolika, die einzige Keramikmanufaktur Deutschlands, einen aus Keramikplatten gelegten Weg vom Schloss bis zur Majolika, einen See, Teehäuschen und Fasanenschlösschen, einen großen Robinsonspielplatz, den Campus Süd des KITs usw. Auf der anderen Seite stehen das Bundesverfassungsgericht und der Botanische Garten und daran grenzen die Kunsthalle und die Orangerie. Ganz schön viel zu sehen.


Wir laufen über die Waldstraße wieder in die Innenstadt. Die ganzen Orte liegen so nah beieinander. Das gefällt mir so gut an Karlsruhe. Nur wenige Meter von der großen Einkaufsstraße entfernt kann man Ruhe finden. In der Waldstraße ist der Badische Kunstverein beheimatet. Leider müssen wir den Besuch auch auf ein nächstes Mal verschieben. Unterhalb des Kunstvereins ist das Café Rih, das so einladend in der Sonne aussieht. Ich entscheide mich aber für einen Cappuccino to go beim Café Espressione schräg gegenüber. Hier scheint ein Treffpunkt für die Karlsruher zu sein, denn jeder quatscht mit jedem, wir bestellen am Fenster und erhalten einen unglaublich leckeren und cremigen Cappuccino. Die Waldstraße ist auf jeden Fall einen Besuch wert und beim vorletzten Besuch konnten wir sie auch gründlich erforschen.


Nun biegen wir aber rechts in die Haupteinkaufsstraße, die Kaiserstraße. Denn am Europaplatz möchten wir in die Straßenbahn einsteigen. Mit der Linie 2 fahren wir bis zur Haltestelle ZKM und kommen dabei an einem schönen Spielplatz zwischen Otto-Sachs-Straße und Mathystraße vorbei (meine nachträgliche Recherche hat ergeben, dass es sich dabei um den Sonntagplatz bzw. Archivplatz handelt). Anton wird jedoch allmählich müde und ich verschiebe den Spielplatzbesuch auf später. Vor dem ZKM laufen wir noch einige Male hin und her, bis Anton im Kinderwagen eingeschlafen ist. Wisst ihr, was es für mich bedeutet, wenn er im Museum schläft und ich mir in Ruhe eine Ausstellung ansehen darf?! Die Ausstellung "flasht" mich ziemlich und ich gehe wieder ganz beflügelt aus einem Haus. Über die Ausstellung möchte ich bald einen Artikel schreiben. Und selbst das Haus ist beeindruckend. Allein deshalb hätte sich die kurze Fahrt schon gelohnt. Unter dem selben Dach des ZKMs ist auch die Hochschule für Gestaltung, die HfG, untergekommen. Ich denke, dass die Studierenden wirklich Glück mit ihren Räumen haben. Es ist sehr hell und hoch. Weil ich mich nicht richtig auskenne, laufe ich einfach durch die Innenhallen und sehe studentische Arbeiten. Die Atmosphäre ist toll. Und an der Eingangstüre zur HfG steht ein Bücherautomat. Ich hatte schon früher einmal von KLAK (Karlsruher Literatur Automaten Konzept) gehört und freue mich deshalb, so ganz zufällig auf einen Automaten zu stoßen. Ich ziehe mir für einen Euro ein Büchlein, das von den Studierenden im Textlabor entstanden ist.


Anton schläft immer noch. Ich nehme mir also die Zeit für einen Spaziergang. Der Weg führt uns über ein ziemlich normales, unaufgeregtes Wohngebiet. Mir gefällt es trotzdem und ich genieße den Weg mit einem selbstgeschmierten Brötchen. Instagram ist ja seit neustem mein neuer Reise-Freund und so möchte ich zu einem Café gehen, das ich irgendwann einmal bei jemanden aus meiner Timeline gesehen hatte. Ich erwarte ein schlichtes, kleines Café - und das bekomme ich auch. Aber das, was auf Instagram Fotos eben nicht rüber kommt, ist die Umgebung. Und ich bin deshalb ganz begeistert. Das Café Juli liegt nämlich an dem schönen Gutenbergplatz, an dem an zwei Seiten Schulen stehen (das Lessing Gymnasium mit fancy Leuchtstoffröhrenschrift) und an den anderen beiden Seiten hauptsächlichen Cafés. Ich kann mich kaum für ein Café entscheiden und bleibe dann einfach beim ursprünglichen Ziel. Bei einer Tasse Kaffee habe ich Zeit, meine Erlebnisse während der Ausstellung aufzuschreiben. Ich weiß nicht, wann ich dafür das letze Mal Zeit hatte... Von den Wespen vertrieben, flüchte ich mit dem aufwachenden kleinen Menschen in den Innenraum des Cafés. Dort werden wir von den drei netten alten Herrschaften in ein Gespräch verwickelt und können uns irgendwann loseisen.


Wir laufen einfach die Nelkenstraße weiter hoch. Nach meiner Orientierung müssten wir so irgendwann an die Kunstakademie kommen. Denn gerade an diesem Wochenende ist der Rundgang. Zwei Mal Kunst an einem Tag, das sollte doch irgendwie möglich sein :) Vor drei Jahren war ich beim Rundgang und mir gefielen manche Arbeiten (und womöglich noch viel mehr die Räume). Ein wenig trödeln wir aber beim Hinweg. Ich schaue im kleinen Kruschlädchen Libelle rein. Der kleine Raum ist vollgestellt mit Tellern, Schmuck und Kissen. Mit gefallen viele Teile sehr gut, doch bin ich einfach von der Fülle überfordert. Ich merke mir das Café Mary Poppins in der Kaiserstaße. Ich kann nämlich nur erspähen, dass in einem verwunschen scheinenden Hinterhof ein Café liegt. Und kurz darauf sehe ich einen kleinen Kinder Second Hand Laden, in dem ich zwar nichts finde, aber von der Besitzerin den neusten Tratsch aus der Region mitbekomme. Wir sind an der Haltestelle Kaiserallee angekommen und ich schaue seit langer Zeit wieder auf die Uhrzeit. Zu wenig Zeit für den Rundgang, obwohl die Kunstakademie ganz in der Nähe ist. Wir warten auf die nächste Straßenbahn und fahren zum Familienfest.


Es war ein schöner, unaufgeregter Tag, an dem wir uns treiben ließen. Ich habe tolle Arbeiten in Ruhr sehen und erleben dürfen und hatte viel Spaß mit Anton. Die sieben Stunden vergingen wie im Flug und es gibt wieder viele Orte, die ich beim nächsten Mal sehen möchte. Hier findet ihr alle Artikel mit meinen Erlebnissen in Karlsruhe.

Wart ihr eigentlich schon einmal in Karlsruhe? Wie hat es euch gefallen? Was sollte ich unbedingt noch sehen?

Und nun eine virtuelle Tour.